Der Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg ist ein für die Öffentlichkeit nicht zugänglicher Fernmeldeturm auf dem hohen Schäferberg im Südwesten von Berlin (Ortsteil Wannsee, Bezirk Steglitz-Zehlendorf). Mit einer Höhe von 212 Metern ist er laut der Liste der höchsten Bauwerke in Berlin das dritthöchste Bauwerk, nach dem Fernsehturm und dem Sender Scholzplatz.
Errichtet wurde der Turm im Auftrag der Landespostdirektion Berlin von der Essener Firma Hochtief. Die offizielle Einweihung erfolgte am 17. Juli 1964 in Anwesenheit der drei für Berlin (West) zuständigen alliierten Stadtkommandanten und des Bürgermeisters Heinrich AlbertzGünter Herrnleben. Ein Turm für Spezialaufgaben. Der Fernmeldeturm auf dem Schäferberg. In: Jahrbuch für Zehlendorf 2016. Heimatverein Zehlendorf e.V. (1886) Berlin 2015. S. 88. Architekt war Hans Gerds, Ingenieur Walther Pieckert.Peter Müller: Symbol mit Aussicht. Der Ost-Berliner Fernsehturm. 2. Aufl. Verlag für Bauwesen, Berlin 2000, ISBN 3-345-00761-4, S. 69 Heute gehört der Turm der Deutsche Funkturm (DFMG), einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom mit Sitz in Münster. Seit 2023 ist die DFMG zu 51 % im Besitz des kanadischen Unternehmens Brookfield Asset Management und der US-Firma DigitalBridge.
Bei seiner Inbetriebnahme diente der Turm hauptsächlich der Realisierung von Richtfunkverbindungen nach Westdeutschland über das Gebiet der DDR. Zusätzlich waren bereits zwei Rundfunksender für das 2. und 3. Fernsehprogramm (ZDF und „Nordkette“) installiert.
Heute beherbergt der Turm neben Mobilfunkeinrichtungen zahlreiche Sendeanlagen zur Verbreitung öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunks. Dazu gehören Hörfunk in analoger (FM auf Ultrakurzwelle/Band II) und digitaler (DAB+ auf Band III) Technik sowie das Fernsehen im Digitalstandard DVB-T2 HD auf Band IV/V.
Darüber hinaus befindet sich auf dem Funkturm ein Amateurfunkrelais, das im 2-m-Band und im 70-cm-Band und 23-cm-Band arbeitet. Die Rufzeichen dieser Relais lauten:
• DB0SP für 2 m und 70 cm (145,600 MHz & 439,425 MHz)
• DB0BLN für 23 cm (1298,700 MHz).
Geschichte Hintergrund
Vorgänger mini|Vorgängerbau (Stahlfachwerkturm) auf dem Schäferberg Zur Entlastung der Richtfunkstelle Nikolassee war bereits 1959 auf dem Schäferberg in der Nähe des Strandbads Wannsee ein 45 m hoher freistehender Stahlfachwerkturm (Richtfunkstelle Berlin 3) errichtet worden. Er trug zwei Parabolantennen von jeweils 10 m Durchmesser. Erstmals wurde im 2-GHz-Bereich der Troposcatter-Richtfunk erprobt. Gesendet wurde mit 1 kW mit einem Klystron. Im Endausbau waren 360 Fernsprechkanäle (3 × 120) verfügbar. Gegenstation war die 190 Kilometer entfernte Richtfunkstelle Torfhaus im Oberharz, wo eine baugleiche Anlage stand, die in den 1990er Jahren wieder abgebaut wurde. Der Berliner Turm dient nach Demontage der Parabolspiegel heute vorwiegend dem Mobilfunk.
Bau Am 17. März 1961 wurde mit dem Eingießen des Betons in die 13 Meter tiefe Baugrube von einem Durchmesser von 71,6 Metern begonnen. Ende Oktober 1962 war der Rohbau beendet. In einer Höhe von 101,6 Metern bis 132,44 Metern besitzt der Turm sechs Betriebsgeschosse (Nr. 28 bis 33). Der 186,5 Meter hohe Turmschaft hat unten einen Außendurchmesser von 12 Meter. In 97 Metern Höhe, unterhalb der Betriebsgeschosse, beträgt der Durchmesser 6,91 Meter. Die Wanddicke liegt unten bei 75 Zentimetern und reduziert sich nach oben auf 55 Zentimeter.
Funktechnik Zunächst wurden vom neuen Turm Verbindungen im 250-MHz-Bereich (später auf 400 MHz umgestellt) zu der nur 135 Kilometer entfernten Richtfunkstelle auf dem Höhbeck (Mast Gartow 1) realisiert. Als Richtantennen dienten quadratische Gitterkonstruktionen auf den oberen Turmplattformen bzw. der Turmspitze. Mit hohen Sendeleistungen wurde der (wetterabhängige) Beugungseffekt der Radiowellen ausgenutzt. Im Vollausbau waren so 2400 Fernsprechkanäle (20 × 120) verfügbar. Kurz nach der Wiedervereinigung wurden die wartungsintensiven und über 20 Jahre alten Anlagen 1991 abgeschaltet.
Im Spätsommer 1966 wurden für zusätzliche Scatter-Richtfunkstrecken nach Torfhaus im Harz am unteren Turmschaft in 35 bzw. 55 Metern über dem Boden zwei Cassegrain-Parabolantennen von je 18 Metern Durchmesser installiert. Sie hatten eine Masse von jeweils 10 Tonnen; dazu kam die Befestigungskonstruktion von jeweils fünf Tonnen. Wegen dieser insgesamt 30 Tonnen schweren Antennenanlage, die überdies eine hohe zusätzliche Windlast erzeugte, musste der Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg für dreimal größere Beanspruchungen dimensioniert werden als der gleich hohe Stuttgarter Fernsehturm. Die dem Wind ausgesetzte Turmfläche mit allen Antennen betrug 780 m2. Die Richtantennen erforderten eine hohe Steifigkeit. Die Auslenkung der Turmspitze betrug bei schwachem Wind etwa 20 Zentimeter; im Maximum traten 1,7 Meter auf. In Höhe der Betriebsgeschosse waren es rund 50 cm.
In Torfhaus wurde zeitgleich ein 57 Meter hoher Stahlfachwerkturm mit ebenfalls zwei 18-Meter-Parabolspiegeln aufgebaut. Die ersten Verbindungen vom FMT Schäferberg nach Torfhaus gingen im Juli 1967 in Betrieb. Im Vollausbau waren bei einer Senderausgangsleistung von 1 kW auf Frequenzen um 1,9 GHz drei Betriebslinien zu je 960 analogen Fernsprechkanälen (3 × 960 = 2880 Kanäle) realisiert, die zusätzlich die Übertragung von zwei analogen Fernsehprogrammen erlaubten (Austauschleitung). Die im Jahr 1987 erneuerten Scatter-Richtfunkgeräte waren noch bis Anfang 1995 in Betrieb. Die beiden großen Parabolspiegel am Turm Schäferberg wurden am 11./12. November 1996 demontiert. Der Stahlfachwerkturm in Torfhaus, dessen große Parabolspiegel ebenfalls abgebaut wurden, dient weiter als Träger von Richtfunk- und Mobilfunkantennen.
DRM-Versuchssender Zur Funkausstellung 2001 wurden DRM-Versuchssendungen im Gleichwellenbetrieb auf der Frequenz 1485 kHz im Mittelwellenbereich vom Fernmeldeturm Schäferberg, der Richtfunkanlage Berlin-Frohnau und in Rüdersdorf abgestrahlt. Hierfür waren an den drei Standorten separate Langdrahtantennen installiert.
Frequenzen und Programme Analoges Radio (UKW) Der Privatsender BB Radio nutzte bis zum 12. Dezember 2016 seine für den Berliner Fernsehturm Alex koordinierte Frequenz 107,5 MHz mit erlaubten 100 kW alternativ vom Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg mit nur 13 kW, seitdem sendet sie wieder vom ursprünglich koordinierten Standort auf dem Fernsehturm mit 40 kW.
Beim Antennendiagramm sind im Falle gerichteter Strahlung die Hauptstrahlrichtungen in Grad angegeben.
Frequenz (MHz) Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP (kW) Antennendiagrammrund (ND)/gerichtet (D) Polarisationhorizontal (H)/vertikal (V) 89,2 Radio Potsdam POTSDAM_ 103B - 0,5 D (240°-290°) H 90,7 Ella Radio ELLA 1B31 - 0,1 D (70°-110°) H 94,8 BBC World Service BBCWorld D02E - 4,0 D (0°-100°, 160°-240°) H
Digitales Radio (DAB) Seit 2. August 2021 wird der Fernmeldeturm Schäfersberg für die Ausstrahlung privater Radioprogramme nach dem Digitalradiostandard genutzt.
DAB wird meist in horizontaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Sendern ausgestrahlt. Für den Kanal 12D werden vertikale Strahler in niedrigerer Höhe verwendet. Block Programme ERP(kW) Antennen-diagrammrund (ND)/gerichtet (D) Gleichwellennetz (SFN) 12DBerlin/BRBG K12D(D__00012) DAB+-Block der Media Broadcast: 10ND
Digitales Fernsehen (DVB-T2) Am 29. März 2017 wurde der Regelbetrieb von DVB-T2 HD aufgenommen. Seitdem senden im DVB-T2-Standard die Programme der ARD (rbb-Mux), des ZDF sowie das kommerzielle Angebot von Freenet TV (in Irdeto verschlüsselt) im HEVC-Videokodierverfahren und in Full-HD-Auflösung. Die DVB-T2 HD-Ausstrahlungen vom Sender Berlin-Schäferberg sind im Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network) mit anderen Sendestandorten.
Alle kursiv dargestellten Sender sind verschlüsselt und nur über die DVB-T2 HD-Plattform freenet TV empfangbar.
Kanal Frequenz (MHz) Multiplex Programme im Multiplex ERP (kW) Antennendiagrammrund (ND)/gerichtet (D) Polarisationhorizontal (H) /vertikal (V) Modulationsverfahren FEC Guardintervall Bitrate (MBit/s) Gleichwellennetz (SFN) 25 506rbb 1 (ARD) Das Erste HD Tagesschau24 HD MDR Sachsen HD NDR FS NDS HD rbb Berlin HD rbb Brandenburg HD SWR BW HD 50 ND H 64-QAM 3/5 19/256 23,6 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex, Berlin-Charlottenburg (Scholzplatz), Frankfurt/Oder (Booßen) 40 626rbb 2 (ARD) Arte HD Phoenix HD One HD BR Fernsehen HD HR-Fernsehen HD WDR HD Köln 50 ND H 64-QAM 3/5 19/256 23,6 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex, Berlin-Charlottenburg (Scholzplatz), Frankfurt/Oder (Booßen) 33 570 Substream 0: ZDF
(ZDFmobil)
Substream 1: Media BroadcastSubstream 0: ZDF HD ZDFinfo HD ZDFneo HD 3sat HD KiKA HD Substream 1: Freenet TV connect 50 ND H 64-QAM 3/5 19/128 22 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex, Frankfurt/Oder (Booßen) 27 522 Media Broadcast (RTL Group) RTL HD Vox HD Super RTL HD RTL Zwei HD n-tv HD Nitro HD Tele 5 HD 50 ND H 64-QAM 2/3 1/16 27,6 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex, Berlin-Charlottenburg (Scholzplatz) 31 554 Media Broadcast (ProSiebenSat.1 Media) Sat.1 HD ProSieben HD Kabel Eins HD Sixx HD ProSieben Maxx HD Sat.1 Gold HD Sport1 HD 50 ND H 64-QAM 2/3 1/16 27,6 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex, Berlin-Charlottenburg (Scholzplatz) 42 642 Media BroadcastSubstream 0: Disney Channel HD Welt HD DMAX HD Eurosport 1 HD Nickelodeon HD test QVC HD HSE HD Bibel TV HD Substream 1: freenet.TV Info ssu (System Software Update service) 50 ND H 64-QAM 2/3 1/16 27,6 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex, Berlin-Charlottenburg (Scholzplatz)
Digitales Fernsehen (DVB-T) Die DVB-T-Ausstrahlungen vom Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg endeten im Wesentlichen am 29. März 2017. Sie liefen im Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network) mit anderen Sendestandorten. In Deutschland war dieses Sendernetz, als es 2003 schrittweise startete, das Erste seiner Art. Übergangsweise werden auf K47/682 MHz derzeit noch die Programme 123tv und Juwelo / Spreekanal (beide vorher K59/778 MHz) im DVB-T-Modus abgestrahlt.
Kanal Frequenz (MHz) Multiplex Programme im Multiplex ERP (kW) Antennendiagrammrund (ND)/gerichtet (D) Polarisationhorizontal (H) /vertikal (V) Modulationsverfahren FEC Guardintervall Bitrate (MBit/s) Gleichwellennetz (SFN) 25 506 RTL Group Berlin RTL Television RTL II Super RTL Vox 50 ND H 16-QAM (8-k-Modus) 2/3 1/8 14,75 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex 27 522 ARD Digital (rbb) Das Erste (rbb) rbb Fernsehen Berlin Phoenix Tagesschau24/rbb Fernsehen Brandenburg (19:30–20:00 Uhr) 50 ND H 16-QAM (8-k-Modus) 2/3 1/8 14,75 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex, Berlin-Charlottenburg (Scholzplatz) 33 570 ZDFmobil ZDF 3sat ZDFinfo KiKA (06–21:00 Uhr)/ZDFneo (21–06:00 Uhr) 50 ND H 16-QAM (8-k-Modus) 2/3 1/4 13,27 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex, Frankfurt/Oder (Booßen) 39 618 Gemischt Berlin 4 Bibel TV Disney Channel QVC Bayerisches Fernsehen n-tv nice - visual radio Euronews (6:00–9:00 Uhr und 22:00–0:00 Uhr)/Channel 21 (0:00–6:00 und 9:00–22:00) Multithek (HbbTV-Dienst mit mehreren Streams) 50 ND H 64-QAM 2/3 1/8 22,12 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex 44 658 ProSiebenSat.1 Media Berlin ProSieben Sat.1 Kabel Eins N24 50 ND H 16-QAM (8-k-Modus) 2/3 1/8 14,75 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex 47 682 ARD regional (rbb) Berlin MDR Fernsehen Sachsen Arte NDR Fernsehen Niedersachsen HR-Fernsehen 50 ND H 16-QAM(8-k-Modus) 2/3 1/8 14,75 Berlin-Wannsee (Schäferberg), Berliner Fernsehturm Alex, Berlin-Charlottenburg (Scholzplatz) 50 706 Gemischt Berlin 1 WDR Fernsehen Köln SWR Fernsehen Baden-Württemberg/SWR Fernsehen Rheinland-Pfalz (wöchentlich wechselnd) HSE24