mini|Korbhenkelriss, Ansicht von vorne. Große Anteile des Außenmeniskus (rot) sind nach innen in das Gelenk verlagert. Der Innenmeniskus (grün) ist noch intakt. Als Meniskusriss oder Meniskusruptur bezeichnet man einen Riss eines oder beider Menisken des Kniegelenks. Innenmeniskusverletzungen (also des Meniscus medialis) sind wesentlich häufiger als die des Außenmeniskus (Meniscus lateralis). Die Risse werden nach ihrer Verlaufsrichtung in Längsriss, Radiärriss und Schrägriss (Lappenriss) eingeteilt. Bezüglich der Raumebene unterscheidet man Vertikalrisse und Horizontalrisse. Sonderformen sind komplexe Risse, der Korbhenkelriss und ein „flipped meniscus“.Meniscus-Update. S. Waldt in Radiologie up2date 4/2013, S. 285. Eine weitere Sonderform des Meniskusrisses betrifft den anatomisch und therapeutisch besonders zu behandelnden Scheibenmeniskus. Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung, Kernspintomographie und Arthroskopie (Gelenkspiegelung). Meniskusrisse sind recht häufig und oft bestehen keine Schmerzen oder Einschränkungen. Nicht jeder Meniskusriss muss behandelt werden.
Häufigkeit
Es existiert eine prospektive Studie an 991 zufällig ausgewählten Menschen aus Framingham in Massachusetts. Zusammensetzung der Studienteilnehmer: 57 % Frauen 93 % Weiße 11 % Raucher
Bei 35 % der Teilnehmer zeigten sich Meniskusrisse oder schwere degenerative Meniskusschädigungen. Der Innenmeniskus war in 28 % und der Außenmeniskus in 12 % der Fälle betroffen. Von den 308 Teilnehmern (31 %) mit Meniskusriss wiesen 66 % einen Riss des Innenmeniskus, 24 % des Außenmeniskus und 10 % beider Menisken auf. In 66 % war das Hinterhorn, in 62 % der Zwischenbereich und nur in 11 % das Vorderhorn von Außen- oder Innenmeniskus betroffen. Der Riss war in 40 % der Fälle horizontal, in 37 % komplex, in 12 % schräg und in 15 % radiär sowie in 7 % longitudinal. Ein Meniskus konnte bei dieser Einteilung auch mehrere Risse aufweisen.
In der Altersgruppe 50 bis 59 Jahre betrug die Häufigkeit bei Frauen nur 19 %, während sie bei Männern und mit zunehmendem Alter größer wurde. Bei Männern zwischen 70 und 79 Jahren erreichte sie 56 %.
Bei Vorliegen einer im Röntgenbild gesicherten Arthrose (Kellgren-Lawrence Grad 2 oder höher) mit Knieschmerzen oder -steife zeigte sich eine Meniskusschädigung in 63 %. Bei asymptomatischen Teilnehmern in 60 %. Ohne radiologische Arthrosezeichen fanden sich bei Teilnehmern, die im Jahr vor der Untersuchung mindestens einmal Schmerzen im Knie hatten, bei 32 % der Teilnehmer Meniskusrisse. Ohne Beschwerden zeigten sich bei 23 % der Teilnehmer Meniskusrisse. In keiner Gruppe fand sich eine Korrelation zu Kniegelenksbeschwerden.Martin Englund, Ali Guermazi, Daniel Gale, David J. Hunter, Piran Aliabadi, Margaret Clancy, David T. Felson: Incidental Meniscal Findings on Knee MRI in Middle-Aged and Elderly Persons. In: The New England Journal of Medicine. Band 359, Ausgabe 11, 11. September 2008, S. 1108–1115; doi:10.1056/NEJMoa0800777.
Einteilung mini|Schadensbild:a) Normalzustandb) Längsrissc) Schrägrissd) Radiärrisse) Degeneration Die degenerativen Meniskusschäden beginnen immer zentral im Meniskus. Sie werden in vier Grade eingeteilt, wobei erst ab Grad 3 auch ein Meniskusriss vorliegt:Der MR-Trainer: untere Extremität. Martin Breitenseher. Thieme. 2003.
Grad Morphologie 1 zentral, punktförmig 2 Horizontal, aber nicht die Meniskusoberfläche erreichend 3 Bandförmig und die Meniskusoberfläche erreichend 4 Mehrfach
Korbhenkelriss Ein Korbhenkelriss ist die Bezeichnung für einen parallel zu der Hauptrichtung der Fasern verlaufenden Meniskusriss. Der Meniskus wird dabei entlang seines Verlaufes längs gespalten, das vordere und das hintere Ende des Fragmentes behalten weiterhin Verbindung zum Rest des Meniskus. Der freie Rand disloziert in den Gelenkspalt und verursacht akute Schmerzen sowie vor allem eine Blockade, die eine volle Streckung des Kniegelenks nicht erlaubt.
Diagnostisch kann so ein Korbhenkelriss bei der klinischen Untersuchung Probleme bereiten, denn manchmal legt sich das Fragment wieder an seinen Ursprung an, dann ist die „typische Meniskussymptomatik“ nicht zu finden.
Degenerative Veränderungen Genauso wie die Knorpelfläche eines Gelenkes sich im Laufe der Zeit degenerativ verändert, verschleißen auch die Menisken. Unter Last wird das Meniskusgewebe ausgewalzt, wird immer dünner, bis es schließlich zerreißt. Diese Veränderungen werden zusammenfassend als Meniskopathie bezeichnet und sind ein Teil des Geschehens bei der Entwicklung einer Arthrose. Bei Unfallverletzungen, die als Arbeitsunfall gelten sollen, ist die histologische Untersuchung des Meniskusgewebes von entscheidender Bedeutung für die Anerkennung eines ursächlichen Unfallzusammenhanges. Weitere degenerative Veränderungen können auch durch einen Eversionswinkel von ungleich null Grad verursacht werden.
Therapie Wie man einen schmerzhaften Meniskusriss behandelt, hängt von einigen Faktoren ab. Alter, Sportlichkeit und Schmerzen des Patienten spielen dabei eine große Rolle, in der Regel wird aber zunächst eine krankengymnastische Therapie empfohlen. Oft werden auch Salben, Schmerzmittel oder ein nichtsteroidales Antirheumatikum verordnet. Ziel ist die Symptomkontrolle, das Abklingen der akuten Entzündung.
Da die meisten Meniskusrisse keinerlei Beschwerden machen, ist dann auch keine Therapie notwendig, und bei Beschwerden muss eine Abgrenzung erfolgen, inwiefern diese tatsächlich vom Meniskusriss oder eventuell von anderen Problemen, wie z. B. einer gleichzeitigen Knorpelschädigung, verursacht werden.
Abgetrennte Meniskusteile können sich gelegentlich frei im Gelenk bewegen (freier Gelenkkörper, „Gelenkmaus“) und beispielsweise eine Gelenksperre verursachen. Meniskusgewebe hat die gleiche Oberflächenhärte wie der Gelenkknorpel, so dass bleibende Knorpelschäden die Folge sein können.
Symptome für einen gerissenen Meniskus sind meist Beuge- und Streckdefizite. Hinzu kommen starke Schmerzen in der Kniekehle und an den Seiten über dem betreffenden Meniskus, die bis ins Schienbein ziehen können.
Vor einer Operation muss die Diagnose meist durch eine MRT bestätigt werden. Dann erfolgt bei älteren Menschen mit geringem sportlichen Anspruch meist eine teilweise Resektion der gerissenen Meniskusanteile mittels Kniegelenks-Arthroskopie (Gelenkspiegelung). Besonders bei Kindern und Jugendlichen haben die Menisken eine zentrale Aufgabe bei der Kniegelenksfunktion und bei deren langfristigem Erhalt. Daher sollten bei Kinder, Jugendlichen und sportaktiven Erwachsenen Meniskusrisse am besten operativ, d. h. arthroskopisch mit einer Naht behandelt werden, um so wenig Meniskusgewebe wie möglich zu opfern.
Von entscheidender Bedeutung bei der Therapie von Meniskusschäden ist die Beachtung der aktuellen Stabilitätssituation des betroffenen Kniegelenks. Eine Meniskusnaht oder -transplantation sollte nicht ohne (gleichzeitige) Stabilisierungsoperation bei z. B. Kreuzbandriss durchgeführt werden, da die Instabilität primär für die Meniskuspathologie verantwortlich ist.
Meniskusrefixation (Meniskusnaht) mini|Schematische Blutversorgung im Meniskus: Einteilung in drei Zonen (weiß-weiß, weiß-rot, rot-rot) Bei einer Meniskusnaht wird der Riss mit speziellem Nahtmaterial, Nahtsystemen oder Meniskuspfeilen aus resorbierbaren Materialien wieder befestigt. Dies ist allerdings nur bei bestimmten Rissenformen und in durchbluteten Bereichen (rot-rote bzw. rot-weiße Zone) möglich.P. R. Kurzweil, N. M. Lynch et al.: Repair of horizontal meniscus tears: a systematic review. In: Arthroscopy. Band 30, Nr. 11, Nov 2014, S. 1513–1519. PMID 25108905 doi:10.1016/j.arthro.2014.05.038 Bei jüngeren Patienten wird auch bei weniger basisnahen Rissen eine Refixation versucht, um denkbare Folgen einer Meniskusresektion auf das Gelenk möglichst zu vermeiden. Je früher Meniskusrisse operativ versorgt werden, desto größer ist die Aussicht auf eine Ausheilung.S. G. Moulton, S. Bhatia et al.: Surgical Techniques and Outcomes of Repairing Meniscal Radial Tears: A Systematic Review. In: Arthroscopy. Band 32, Nr. 9, Sep 2016, S. 1919–1925. PMID 27234653 doi:10.1016/j.arthro.2016.03.029 Zur Verbesserung der Einheilung wird neben den Nähten eine Anfrischung der Risszone (sogenanntes Needling, also „Nadeln“) durchgeführt, wodurch die Durchblutung lokal verbessert wird. Bei ausgedehnten Rissen mit hoher Bedeutung einer Ausheilung wird zusätzlich die Eröffnung der Spongiosa im Kniegelenk durchgeführt. Dazu wird mit einer arthroskopischen Ahle oberhalb der Notch zwischen den Kondylen eröffnet. Das dadurch austretende stammzellreiche Blut trägt erheblich zur Heilung bei. Das erklärt auch, warum Meniskusnähte aufgrund der Anlage von Bohrkanälen bei einer Kreuzbandplastik eine deutliche besser Heilungstendenz haben. Anschließend muss der genähte Meniskus heilen. Dazu wird die Bewegung des Kniegelenks in der ersten Phase nach der Operation eingeschränkt, wozu eine Schiene zur Bewegungslimitierung getragen wird. Die Belastung kann schnell aufgebaut werden, da der Meniskus dabei nicht belastet wird. Nach etwa drei Wochen kann die Bewegung des Kniegelenks zunehmend freigegeben werden, eine vollständige Aufnahme der sportlichen Tätigkeit erst nach einem halben Jahr, bei gutem Verlauf der Heilung eventuell auch früher. „Sanfte“ sportliche Tätigkeiten, wie zum Beispiel Krafttraining, Radfahren oder Schwimmen können nach circa zwei Monaten aufgenommen werden. Ein Erhalt des Meniskus mittels Naht ist die erfolgreichste Behandlung mit der besten Perspektive für das Kniegelenk.
Meniskusresektion
Die andere operative Variante ist die arthroskopische Meniskusteilresektion: Hierbei wird das gerissene Stück des Meniskus entfernt. Nach einer Teilentfernung des Meniskus kann bereits am Operationstag ein schmerzorientierter Übergang zur Vollbelastung erfolgen. Unterstützend können Unterarmgehstöcke für einige Tage verwendet werden. Begleitend wird in den ersten Wochen nach der Operation Krankengymnastik empfohlen. Die Arbeitsfähigkeit ist in der Regel nach ein bis zwei Wochen wiederhergestellt. Bei kniebelastenden körperlich tätigen Patienten kann es jedoch auch einige Wochen dauern, bis der Patient wieder seiner beruflichen und sportlichen Tätigkeit nachgehen kann. Die Teilresektion erfolgt insbesondere bei degenerativen und basisfernen Meniskusrissen sowie bei älteren Patienten ohne sportlichen Anspruch.