mini|Ileostoma Das Enterostoma (von , „Darm“, und „Mund“ oder „Öffnung“, auch künstlicher Darmausgang, künstlicher After, Kunstafter, Bauchafter, Anus praeternaturalis, Kurzform Anus praeter (Abkürzung AP) = „außernatürlicher After“, umgangssprachlich auch Seitenausgang und Notausgang), Plural Enterostomata, ist eine chirurgisch herbeigeführte Öffnung eines Darmteils durch die Bauchwand, die der Ausleitung der Ausscheidungen dient.

Je nach verwendetem Darmabschnitt sprechen Mediziner von Ileostoma (Ausleitung vom Ileum), Coecostoma (Ausleitung vom Blinddarm, Coecum), Colostoma oder Kolostoma (Ausleitung vom Colon) oder Transversostoma (Ausleitung vom Colon transversum). Umgangssprachlich werden Coeco-, Colo- und Transversostoma häufig unter dem Begriff Colostoma zusammengefasst, da das Colon einen Großteil des Dickdarms (Intestineum crassum) ausmacht.

Ein Urostoma ist dagegen ein operativ angelegter Ausgang zur Ableitung von Urin.

Mögliche zugrundeliegende Krankheiten oder Störungen für die Anlage eines Enterostomas sind Karzinome des Abdomens (72 %); entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Divertikulitis (21 %), Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP) sowie Komplikationen im Rahmen abdominaler Operationen, Organfehlbildungen bei Neugeborenen, Unfälle und anderes (7 %).Deutsche ILCO e. V.

Die entsprechende Operation heißt Enterostomie, in den Spezialfällen Ileostomie bzw. Colostomie (auch KolostomieNikolaus Papastavrou: Darm. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 107–131, hier: S. 111 f. (Kolostomie)Vgl. auch Oskar Witzel: Zur Indikation und Technik der Kolostomie und Enterostomie. In: Zentralblatt für Chirurgie. 1894, S. 937 ff.). Betroffen sind alle Altersgruppen – nicht, wie oftmals angenommen, nur ältere Menschen. Schätzungen zufolge gibt es etwa 100.000 Stomaträger in Deutschland.

Spezialfälle von Enterostomien waren oder sind etwa die Duodenostomie,Adolf Henle: Ein Fall von Gastroduodenostomie. In: Zentralblatt für Chirurgie. Band 25, 1898, S. 753 ff. die Choledochoenterostomie, die Cholezystoenterostomie und die 1904 erstmals durch Hans Kehr in Halberstadt erfolgte Hepatoenterostomie sowie die erstmals 1882 durch Alexander von Winiwarter durchgeführte CholezystokolostomieGünter Skibbe: Gallenblase und Gallengänge. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 72–88, hier: S. 79–84, hier: S. 79, 81 und 84. sowie die Ileokolostomie.R. von Baracz: Über die totale Darmausschaltung und über die Verwendbarkeit der Kohlrübenplatten bei der Ileokolostomie. In: Zentralblatt für Chirurgie. Band 617, 1894.

Operationsverfahren Die Operation zur Anlage und zur Rückverlegung eines Enterostomas wird unter Narkose durchgeführt. Die Betreuung der Patienten durch eine Stomafachkraft bereits vor der Operation ist ebenso wie das präoperative Anzeichnen einer optimalen Stomaposition im Sitzen, Liegen und Stehen wichtiger Bestandteil einer kompetenten Enterostomie (Ausnahme: Notfalloperation). Durch präoperatives Anzeichnen werden Fehlplatzierungen beispielsweise in Körperfalten vermieden, die zu einer schlechten Haftung der Stomaversorgung und nachfolgend verringerter Lebensqualität führen können.

Die meisten Stomaanlagen erfolgen mittels Bauchschnitt (Laparotomie). In einigen Fällen, bei denen unabhängig von der Stomaanlage kein größerer Eingriff notwendig ist, kommt zunehmend auch ein minimalinvasiver operativer Eingriff während einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) zum Einsatz. Mit Ausnahme des Coecostomas kann ein Enterostoma je nach Operationshintergrund entweder endständig oder doppelläufig (siehe weiter unten) angelegt werden. Da die Coecostomie einer Fistelbildung des Caecums zur Bauchwand gleichkommt, muss sie gesondert betrachtet werden.C. Kelm, E. Urbanek:

Ein Colostoma (umgangssprachlich Dickdarmstoma) wird leicht erhaben hervorstehend (prominent) und spannungsfrei durch den geraden Bauchmuskel (Musculus rectus abdominis) angelegt. Abknickungen nach innen an der Bauchdecke müssen vermieden werden. Zur Vermeidung innerer Hernien wird das Grimmdarmgekröse (Mesocolon descendens) an der seitlichen Bauchdecke fixiert.DKFZ: Das Colostoma fördert vornehmlich breiige bis feste Stühle in größeren Zeitabständen. Alle Enterostomie-Arten werden von einem Facharzt für Viszeralchirurgie operativ angelegt.

Beim Ileostoma (Anm.: umgangssprachlich Dünndarmstoma) sollte so viel wie möglich vom Dünndarm erhalten werden, um einen hohen Elektrolyt- und Wasserverlust zu vermeiden (funktionelles Kurzdarmsyndrom). Der zuführende Schenkel wird nach unten weisend (kaudal) ausgeleitet und soll durch Ausstülpung des Dünndarmes nach außen möglichst 1 bis 2 cm (andere Autoren sprechen von bis zu 6 cm) über das Hautniveau hinausragen, um einen Kontakt des aggressiven Dünndarmsekretes mit der Haut zu vermeiden. Das Ileostoma fördert permanent und die Ausscheidungen sind breiig bis flüssig.

Endständiges (Entero-)Stoma Nach vollständiger oder umfangreicher Entfernung des Dickdarms (totale/subtotale Kolektomie), nach Entfernung des Mastdarms (Rektum) und/oder des Afters (Anus) wird in der Bauchdecke eine künstliche Öffnung geschaffen, der gesunde Restdarm nach außen geführt und dort mit der Bauchdecke vernäht. Endständig bedeutet hier nicht zwangsläufig, dass ein Stoma dauerhaft angelegt wurde, sondern bezieht sich vielmehr auf die Art und Weise wie mit den beiden Darmenden nach der OP verfahren wird. Bei einem endständigen Stoma wird die zuführende, orale Schlinge in der Bauchwand eingenäht. So entsteht nur eine einzige sichtbare Öffnung. Der abführende, distale Darmschenkel wird in seiner Öffnung komplett verschlossen. Ein endständiges Stoma ist häufig auf Dauer angelegt und wird im Regelfall nicht zurückverlegt, doch ist dies bei Anlage eines Stomas mittels Hartmann-OP durchaus möglich.

Doppelläufiges (Entero-)Stoma Die Bauchwand wird eröffnet und der zu erhaltende, funktionsfähige Bereich des Darms aus der Bauchdecke in Form einer Schlinge herausgezogen. Um das Zurückgleiten des Darms in den Bauchraum zu verhindern, wird häufig ein Reiter z. B. in Form eines flachen Kunststoffstabes unter die Schlinge geschoben. Anschließend wird der Darm von oben eingeschnitten und nach außen umgestülpt, so dass zwei sichtbare Darmöffnungen entstehen. Der stuhlfördernde Darmabschnitt (aus Richtung Magen kommend) wird als zuführende Schlinge oder oraler Schenkel, der abführende Teil (in Richtung Anus verlaufend) als abführende Schlinge oder aboraler Schenkel bezeichnet. Grund für die Anlage eines doppelläufigen Stomas (Ileostoma, Colostoma) ist meist die Entlastung eines Darmanteils bzw. einer kritischen Darmnaht (tiefe Rektumanastomose, coloanale Anastomose, Pouchanale Anastomose). Ein solches Stoma wird als protektives Stoma bezeichnet und kann meist nach wenigen Wochen wieder verschlossen (rückverlagert) werden.

Permanentes (Entero-)Stoma Dauerhaft, nicht rückverlegbar angelegtes Stoma.

Temporäres (Entero-)Stoma Vorübergehendes, nicht dauerhaft angelegtes Stoma.

Rückverlegung Ist eine Rückverlegung geplant, kann sie frühestens sechs Wochen nach der Stomaanlage erfolgen. Waren Undichtigkeiten einer Darmnaht ursächlich für die Stomaanlage, kann erst dann zurückverlegt werden, wenn die Darmnaht vollständig abgeheilt ist. Dazu werden die eingenähten Darmenden aus der Bauchwand gelöst und per Naht wieder miteinander verbunden. Ein Sonderfall stellt der Anschluss an einen Pouch dar.

Mögliche Risiken und Komplikationen Während der Operation kann es in seltenen Fällen zu Verletzungen am Darm, an Nachbarorganen oder Gefäßen kommen. Wird eine Nahtverbindung am Darm undicht, können sich schwerwiegende Folgen wie Bauchfellentzündung, Blutvergiftung, Darmlähmung (Darmatonie), Darmverschluss und anderes entwickeln. Insbesondere infolge von Infektionen können sich in seltenen Fällen Fisteln bilden.

Unvorhersehbare Umstände wie ausgedehnte Verwachsungen im Bauchraum oder anatomische Besonderheiten können eine Änderung oder Erweiterung der geplanten Operation erfordern.

Postoperativ ist eine Schrumpfung der Nahtverbindungen möglich. Diese Verengungen (Stenosen) werden meistens mittels Dehnung (Bougierung) geweitet. In einigen Fällen wird ein erneuter Eingriff notwendig. Verwachsungen im Bauchraum können noch Jahre später zu chronischen Schmerzen und selten auch zu einem Darmverschluss führen.

Als spezielle Stoma-Komplikationen sind unter anderem der Rückzug des Stomas unter das Hautniveau (Retraktion), Vorfall des Stomas (Prolaps), Bauchbruch (Hernie) und die Stomablockade zu benennen. Hintergrund einer Stomablockade ist eine Stenose, die durch Verwachsungen im Bauchraum, durch Vernarbungen, durch festgesetzte schwer verdauliche Lebensmittel (Fasern) u. a. verursacht sein kann. Halten starke Bauchschmerzen und -krämpfe, evtl. verbunden mit Erbrechen, länger als 2 Stunden an, muss unmittelbar der Arzt oder eine ärztliche Ambulanz aufgesucht werden, da ein Darmverschluss drohen könnte.

Da der Darm und dementsprechend auch ein Stoma nicht über Schmerzrezeptoren verfügt (Nozizeptor), ist hier besondere Vorsicht im Umgang mit scharfkantigen Gegenständen z. B. Rasierern, Scheren u. a. geboten, um das Stoma nicht zu verletzen. Ein Stoma ist empfindlich, so dass es bei Berührung zu einer leichten Blutung kommen kann, was nicht besorgniserregend ist. Ernsthafte Blutungen benötigen demgegenüber eine ärztliche Untersuchung. Eine Schwarzfärbung des Stomas kann auf eine beginnende Nekrose hindeuten, die sofortiger Behandlung bedarf.

Nicht bedenklich ist es, wenn der Darm in der ersten Zeit nach der Operation noch unregelmäßig arbeitet. Die Ausscheidungen können anfangs auch flüssiger sein und es kann zunächst zu vermehrten Blähungen kommen.

Stoma-Versorgung

Eine regelmäßige Betreuung durch einen Enterostomatherapeuten kann helfen, Komplikationen vorzubeugen und wichtige Fragen zu klären. Diese können über die Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde e. V.FgSKW – Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde e. V. Homepage; abgerufen am 6. September 2016. oder über die Deutsche ILCO e. V. gefunden werden.

Stomasysteme mini|Ileostoma mit einem einteiligen Beutel alternativtext=Kolostoma-Beutel Datum: Juni 2025|mini|249x249px|Kolostoma-Beutel (gefüllt)