mini|Kirche mini|Rathaus Frankenau ist eine Stadt im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. Sie trägt seit dem 21. Februar 2019 die amtliche Zusatzbezeichnung Nationalparkstadt, in Bezug auf den naheliegenden Nationalpark Kellerwald-Edersee.
Geographie Geographische Lage Frankenau liegt im Kellerwald südwestlich des Bergs Talgang. Es befindet sich am Südrand des Nationalparks Kellerwald-Edersee am Ursprung und Oberlauf des Eder-Zuflusses Lorfe (Lorfebach).
Nachbargemeinden Frankenau grenzt im Norden an die Gemeinde Vöhl, im Osten an die Gemeinde Edertal und die Stadt Bad Wildungen, im Süden an die Gemeinde Haina sowie im Westen an die Stadt Frankenberg (alle im Landkreis Waldeck-Frankenberg).
Stadtteile Kernstadt Frankenau, Allendorf, Altenlotheim, Dainrode, Ellershausen und Louisendorf.
Klima Der Jahresniederschlag liegt bei 733 mm und ist damit vergleichsweise normal, da er in das mittlere Drittel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 48 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,5 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren nur minimal und sind extrem gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur zwei Prozent der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert. mini|Niederschlagsdiagramm
Geschichte Ortsgeschichte Die Entstehung von Frankenau und der Nachbarstadt Frankenberg geht vermutlich bis in die Frankenzeit zurück. Die Besiedlung des Gebiets erfolgte durch die Chatten. Der eigentliche Ort Frankenau soll als Grenzfeste gegen die Sachsen errichtet worden sein. Vermutungen gehen von einer Gründung um 500 nach Chr. bzw. 750 nach Chr. aus. Stadtrechte erhielt Frankenau vermutlich im Jahre 1242 von Heinrich Raspe, Landgraf von Thüringen. Die älteste bekannte Urkunde über Frankenau wurde am 4. April 1266 durch Landgraf Heinrich I. von Hessen ausgefertigt und beinhaltet die Bestätigung der Stadtrechtsverleihung.
Frankenau war über Jahrhunderte ein armes Ackerbürgerstädtchen. Ein besonders schwerer Schicksalsschlag ereilte die Bewohner am 22. April 1865, als nahezu die gesamte Stadt einem Feuer zum Opfer fiel. Durch die enormen Leistungen der damaligen Bewohner konnte der Ort wieder neu aufgebaut werden. Die neue Kirche, erbaut nach Plänen des späteren Landesbaumeisters Wilhelm Müller, konnte erst 1878 eingeweiht werden.
Heute ist Frankenau als anerkannter Erholungsort eines der Ferienzentren im Landkreis Waldeck-Frankenberg, Tor zum Nationalpark Kellerwald-Edersee und Hauptort der seit Anfang der 1970er Jahre bestehenden Großgemeinde Frankenau.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden auf freiwilliger Basis eingegliedert: Am 1. Februar 1971 die bis dahin selbständige Gemeinde Allendorf. Am 31. Dezember 1971 kam Louisendorf hinzu. Altenlotheim und Ellershausen folgten am 1. Juli 1972. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Dainrode am 1. Januar 1974 kraft Landesgesetz abgeschlossen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Frankenau wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Frankenau angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Frankenberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Frankenberg 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft Itter (strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg))Die Zugehörigkeit der Herrschaft Itter anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Frankenberg ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Frankenberg 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Frankenau ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Frankenberg ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis FrankenbergVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74.Trennung zwischen Justiz (Justizamt Frankenberg) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Frankenberg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg
Jüdische Gemeinde
Jüdische Einwohner sind erstmals im Jahre 1659 belegt, als ein „Schutzjude“ mit zwei Familienangehörigen bekundet ist. 1671 ist dann eine zweite jüdische Familie am Ort vermeldet. Im 18. Jahrhundert begann ein allmähliches Wachstum, und 1785 werden sieben „Schutzjuden“ genannt. Die jüdische Gemeinde war nie sehr groß: sie erreichte mit 70 Personen und 7,1 % der Gesamtbevölkerung von 980 im Jahre 1905 ihren Höhepunkt. Die kleine Gemeinde hatte eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Die Synagoge wurde 1867 erbaut, nach dem großen Stadtbrand von 1865.
Im Jahre 1933 lebten 65 jüdische Einwohner in der Stadt. Danach nahm ihre Zahl durch Ab- und Auswanderung schnell ab. Die letzte Familie meldete sich am 28. März 1939 aus Frankenau ab. 1938 war abzusehen, dass eine Kehillah zur Abhaltung von Gottesdiensten bald nicht mehr zusammenkommen würde, und im Frühjahr oder Sommer 1938 wurde die Synagoge an einen Nachbarn verkauft. Wegen Schwammbefalls wurde das Gebäude schließlich abgerissen. Der Sockel mit dem Kellerraum war 1949 noch vorhanden. Auf dem Grundstück (Rieschstraße 6) wurde später ein neues Gebäude errichtet.
Am 17. Juni 1992, anlässlich der 750-Jahr-Feier der Verleihung der Stadtrechte, wurde an der Grundstücksgrenze zwischen der ehemaligen Synagoge und der evangelischen Kirche ein Gedenkstein für die ermordeten und vertriebenen jüdischen Einwohner errichtet.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Frankenau 3075 Einwohner. Darunter waren 36 (1,17 %) Ausländer, von denen 15 aus dem EU-Ausland, 12 aus anderen europäischen Ländern und 9 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2019 erhöhte sich die Ausländerquote auf 3,2 %.) Nach dem Lebensalter waren 555 Einwohner unter 18 Jahren, 1236 zwischen 18 und 49, 654 zwischen 50 und 64 und 627 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1248 Haushalten. Davon waren 300 Singlehaushalte, 375 Paare ohne Kinder und 447 Paare mit Kindern, sowie 114 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 258 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 789 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1577: 115 Haushaltungen • 1747: 145 Haushaltungen
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 939 evangelische (= 94,37 %), 2 katholische (= 0,20 %), 54 jüdische (= 5,43 %) Einwohner • 1987: 2754 evangelische (= 89,8 %), 171 katholische (= 5,6 %), 143 sonstige (= 4,7 %) Einwohner • 2011: 2508 evangelische (= 81,6 %), 156 katholische (= 5,1 %), 411 sonstige (= 13,3 %) Einwohner
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankenau erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Frankenau 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Stadtverordnetenversammlung – Kommunalwahlen 2026
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 40,9 6 34,4 5 55,0 8 55,9 13 56,0 13 50,1 12 FB Freie Bürger 28,7 4 34,1 5 27,9 4 27,7 6 24,6 6 29,7 7 GLF Grüne Liste Frankenau 13,4 2 19,4 3 – – – – – – – – 13,7 2 9,9 2 13,4 2 13,7 3 19,4 4 – – 3,4 1 – – – – – – – – – – – – 2,2 – 3,7 1 2,7 1 – – – – BF Bürgerbündnis Frankenau – – – – – – – – – – 20,2 4 Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 23 100,0 23 100,0 23 Wahlbeteiligung in % 65,0 68,9 56,6 58,7 51,7 62,1
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Frankenau neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und fünf weitere Stadträte angehören.Magistrat der Stadt Bürgermeister ist seit dem 1. April 2022 der parteiunabhängige Manuel Steiner. Er wurde als Nachfolger von Björn Brede (SPD), der nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl antrat, am 26. September 2021 im ersten Wahlgang bei 80,55 Prozent Wahlbeteiligung mit 55,89 Prozent der Stimmen gewählt.Votemanager: Bürgermeisterwahl Stadt Frankenau 2021
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2022–2028 Manuel SteinerHNA, 27. September 2021: Wahl in Frankenau: Manuel Steiner wird neuer Bürgermeister 2010–2022 Björn Brede (SPD)HNA, 15. Juli 2015: Frankenaus Bürgermeister Björn Brede wiedergewählt: „seine zweite Amtsperiode“ … „beginnt offiziell am 1. April 2016“ 2002–2009 Reinhard Kubat (SPD) (im Amt seit 1. Januar, wechselte in seiner zweiten Amtszeit am 1. Januar 2010 als Landrat zum Landkreis Waldeck-Frankenberg) 1990–2001 Reiner Peterka (SPD)SPD Kassel: Der Jungfernkopf, Zeitung für den Jungfernkopf, Ausgabe 76 April 2015: „Reiner Peterka ist im Stadtteil wohlbekannt: Nach u. A. 16 Jahren als Polizeipressesprecher und 12 Jahren als Bürgermeister der Stadt Frankenau zog er 2002 zum Jungfernkopf.“
Wappen
Städtepartnerschaften Frankenau unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft: Die, Auvergne-Rhône-Alpes, Frankreich (seit 1991) Wirksworth, England, Vereinigtes Königreich (seit 2006)
Persönlichkeiten Otto Scheffer (1811–1882), Landwirt und Mitglied der kurhessischen Ständeversammlung Carl Zimmermann (1864–1949), Kommandeur der Schutztruppe für Kamerun Jakob Hesse (1881–1966), deutscher Maurer und Abgeordneter (USPD), geboren in Frankenau Richard Huelsenbeck (1892–1974), Schriftsteller, Lyriker, Essayist, Dramatiker, Arzt und Psychoanalytiker, geboren in Frankenau
Literatur Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hessen I, Regierungsbezirke Gießen und Kassel, begründet vom Tag der Denkmalpflege 1900, fortgesetzt von Ernst Gall, bearbeitet von Folkhard Cremer, Tobias Michael Wolf und anderen, 2008, Deutscher Kunstverlag, München/Berlin, ISBN 978-3-422-03092-3 Erich Keyser: Hessisches Städtebuch. Stuttgart 1957, S. 117–118. Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 142.
Weblinks
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
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