Corps Guestphalia Bonn zentriert|150px|Großes Corpswappen Es zeigt im rechten oberen Feld ein weißes Pferd in rotem Feld, entnommen dem Wappen der Provinz Westfalen, links oben den Zirkel auf weißem Grund umgeben von dem Spruch Gloria virtutis comes, links unten die Farben grün-weiß-schwarz und rechts unten ein paar gekreuzte Schläger, in denen sich die Buchstaben G.U.N. (gladius ulter noster) und unter denen sich die Buchstaben v.f.i.f.i.( vivant fratres intimo foedere iuncti) befinden. Universität: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Stiftungsdatum: 18. Mai 1820 in Bonn Verband: KSCV Wahlspruch: Neminem time, neminem laede! Waffenspruch: Gladius ultor noster! Zirkel der Guestphalia: 65px|links Homepage: corps-guestphalia.de
Das Corps Guestphalia Bonn ist eine farbentragende, pflichtschlagende Studentenverbindung im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Das Corps vereint Studenten der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und ist die zweite in Bonn gegründete Studentenverbindung. Seine Corpsmitglieder werden Bonner Westphalen genannt.
Couleur und Sprüche Guestphalia hat die Farben grün-weiß-schwarz mit silberner Perkussion. Dazu wird ein hellgrüner Stürmer getragen. Die Füchse tragen ein Fuchsenband in grün-weiß-grün mit silberner Perkussion.
Der Wahlspruch lautet: Neminem time, neminem laede! Der Waffenspruch lautet: Gladius ultor noster! Geschichte Stiftung Nach der Stiftung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität durch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen am 18. Oktober 1818 trafen sich Studenten aus Westfalen im Sommersemester 1819 in der Gaststätte bei Ermekeil in Bonn am Markt. Hier begann das Bonner Corpsleben, da westfälische Landsmannschafter die Grundsätze des Westphalenkartells von anderen Universitäten nach Bonn brachten und dadurch ein Gegengewicht zu der burschenschaftlichen Richtung schufen. Das Westphalenkartell wurde geschlossen von Corps an verschiedenen Universitäten, die den Namen Guestphalia führten und deren Mitglieder aus Westfalen stammten. Diese Corps hatten in den Grundzügen übereinstimmende Konstitutionen, die gleichen Wahlsprüche und trugen die Farben grün-schwarz-weiß, geändert 1821 in grün-weiß-schwarz. Aus dieser landsmannschaftlichen Gesellschaft bei Ermekeil entstand das Corps Guestphalia. Die ausschließlich landsmannschaftliche Rekrutierung seiner Mitglieder gab das Corps schon bald nach seiner Gründung auf.
mini|Pfeifenkopf des Corps Guestphalia Bonn mit dem Stiftungsdatum 18. Mai 1820 und den Initialen v.H. G. L., welche auf die Stifter v. Hausen, Grundschöttel und Lyncker zurückzuführen sind
Am 15. März 1820 wird das Corps Guestphalia Bonn erstmals genannt. Die Stifter des Corps sind Ludwig von Hausen, Wilhelm Lyncker, Karl Grundschöttel, Wilhelm Heinrich Winzer, Abraham Rose und Ignaz Ferdinand Wünnenberg. Bis auf Wünnenberg gehörten sie dem sogenannten Westphalenkartell an. Sie waren vorher Göttinger, Hallenser oder Heidelberger Westphalen.
Am 18. Mai 1820 trat das Corps Guestphalia Bonn an die Öffentlichkeit nach der endgültigen Befreiung von der Vormundschaft der burschenschaftlichen Allgemeinheit. Guestphalia war in einer Allgemeinen Studentenversammlung als selbständiges Corps anerkannt worden. Dies war nach dem im Sommer 1819 erlassenen „Burschenbrauch der Bonner Burschengesamtheit“ bis zu diesem Tag nicht möglich, da keine engere Verbindung in irgendeiner Form bestehen durfte, die sich gegen den Willen der burschenschaftlichen Allgemeinheit konstituierte. Der 18. Mai 1820 gilt heute als der Stiftungstag des Corps Guestphalia Bonn.
Heinrich Heine studierte im Wintersemester 1819/20 und im Sommersemester 1820 in Bonn. Er traf dort seinen Düsseldorfer Schulfreund Ignaz Ferdinand Wünnenberg wieder, der bei dem Corps Guestphalia aktiv war. Über ihn hat Heine 1815 ein bissiges Gedicht verfasst – die Wünnebergiade. Durch seine Beziehung zum Corps Guestphalia Bonn bekam Heine als Rheinländer nach dem Studienortwechsel nach Göttingen Kontakt zum Mitglied des Westphalenkartells, dem Corps Guestphalia Göttingen und wurde dort Mitglied.Vergleiche dazu auch s:Deutschland. Ein Wintermährchen#Caput X.
Nach dem Mord an August von Kotzebue am 23. März 1819 erfolgte am 20. September 1819 die Bestätigung der Karlsbader Beschlüsse durch den Bundestag in Frankfurt, was die Demagogenverfolgung zur Folge hatte. Aufgehoben wurden die Beschlüsse erst mit der Märzrevolution 1848. Das Corps Guestphalia Bonn hatte unter der Demagogenverfolgung zu leiden. Diese schwierige Zeit war mit ein Grund für ein großes politisches Engagement. Folgende Bonner Guestphalen waren Mitglieder der freigewählten Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 1848, und dies in unterschiedlichen Fraktionen. Es waren dies die Corpsbrüder Joseph Brockhausen, Ludwig Franz Houben, Gottfried Friedrich Johann Julius Ostendorf, Carl Overweg, Conrad von Rappard, Johann Gerhardt Röben, Carl Schorn und Julius Wiethaus.
Daneben waren mit Stephan Friedrich Evertsbusch, August Reichensperger und Jodocus Donatus Hubertus Temme auch drei Renoncen der Guestphalia Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung.
Um das Corpsleben in Bonn zu stärken, gründete am 3. Juli 1849 der Bonner Westphale Wilhelm Sack mit weiteren ehemaligen Mitgliedern des Corps Palatia das Corps Hansea Bonn. Wilhelm Sack war im Sommer 1848 als Vertreter des Corps Guestphalia Bonn zu einer Tagung nach Jena entsandt worden, wo er an der Gründung des Kösener Verbandes (Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV)) beteiligt war. Im Juli 1849 billigte der CC den Entwurf der ihm vorliegenden Kösener Statuten. Der SC zu Bonn trat durch Beschluss vom 6. August 1849 dem Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) bei.
1871–1914 Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 und seine Folgen waren mitursächlich für die Suspension des Corps Guestphalia Bonn. Nach Beendigung des Feldzuges kehrte von den früheren Aktiven nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl zum Studium nach Bonn zurück. Bereits seit Ende der 1860er Jahre entstand zudem ein reges Vereinswesen, was ein Wiederaufblühen der Corps erschwerte. An der Universität selbst gründeten sich studentische Fachvereinigungen der jeweiligen Fakultäten, denen sich die Studenten verstärkt zuwandten.
Der Kulturkampf förderte an der Universität konfessionelle Zusammenschlüsse, was die Rekrutierung neuer Corpsmitglieder aus Westfalen und dem Rheinland mit seinen starkem katholischen Bevölkerungsanteilen schwieriger gestaltete.
Das Corps Guestphalia suspendierte von November 1871 bis 1875 und ab 1876, um sich am 5. August 1884 mit Unterstützung durch drei Aktive seines Kartellcorps Starkenburgia wieder zu rekonstituieren.
In der Kaiserzeit erlebten gerade die Bonner Corps einen großen gesellschaftlichen Aufstieg. Das Corpsstudententum prägte sich für das Bildungsbürgertum zum Ideal aus.Vgl. hierzu Studier, Manfred: Der Corpsstudent als Idealbild der Wilhelminischen Ära – Untersuchungen zum Zeitgeist 1888 bis 1914, (=GDS, Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen, Band 3), Schernfeld 1990. Alexander von Claer unterstützte Leonhard Zander 1881 bei seiner Kösener Reforminitiative. mini|Erstes Haus der Guestphalia in der Baumschulallee
Im Sommer 1894 erwarb Guestphalia das Corpshaus in der Baumschulallee 22Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 23..
1914–1933 Der Erste Weltkrieg setzte dem aktiven Corpsleben ein jähes Ende. Der Corpsbetrieb ruhte vom Wintersemester 1914 bis zum Ende des Krieges. Bereits Ende 1918 meldeten sich die ersten Corpsbrüder nach Entlassung aus dem Heeresdienst wieder aktiv bei Guestphalia. Der Corpsbetrieb wurde unter großen Schwierigkeiten Anfang März 1919 wieder aufgenommen. Das Corpshaus war als englische Offiziersmesse requiriert worden und daher der Benutzung der Aktiven entzogen. Mitte Oktober 1919 gab die Besatzung das Corpshaus frei, so dass dort wieder alle Veranstaltungen stattfinden konnten. 1920 feierte das Corps Guestphalia sein 100. Stiftungsfest. Als Festort wurde das Hotel auf dem Petersberg bei Königswinter (rechtsrheinisch) ausersehen, da die linke Rheinseite zu der Zeit von den Franzosen besetzt war und man Störungen der Feierlichkeiten befürchtete. Die Zwanziger Jahre waren eine Blütezeit des Corps und die Aktivenjahrgänge dementsprechend stark.
1933–1945
Unmittelbar nach der Machtergreifung im Jahr 1933 wurde der KSCV – ebenso wie alle anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Körperschaften des öffentlichen Lebens in Deutschland – durch den NS-Parteistaat gleichgeschaltet. Vor dem geplanten Kösener Congress 1933 wurde der 1931 in die NSDAP eingetretene Rechtsanwalt Max Blunck (Franconia Regensburg) zum sog. „Führer“ des Verbandes inauguriert – ohne jegliche Rechtsgrundlage und nach zuvor eingeholter Zustimmung des NS-Parteistaats. Der KSCV wurde gezwungen, das sog. „Führerprinzip“ einzuführen und dem Allgemeinen Deutschen Waffenring (ADW) wieder beizutreten. Der ADW war eine nach dem Ersten Weltkrieg gegründete Interessenvertretung der mensurbeflissenen Korporationsverbände. Erst im Jahr zuvor hatte der KSCV, der sich seit seiner Stiftung traditionell dem Grundsatz der parteipolitischen Neutralität verpflichtet sah, beschlossen, wegen der zunehmenden Politisierung des ADW aus dieser Organisation auszutreten.
Entsprechend den „Wünschen des Führers“, die als unabweisbare Forderungen zu verstehen waren und die der Leiter der Reichskanzlei, Staatssekretär Lammers, im Frühjahr 1933 persönlich an Blunck adressiert hatte, war das „Führerprinzip“ auch in den einzelnen Corps umzusetzen. Ebenso hatte der KSCV diesen Anordnungen zufolge mit dem Eintritt in den ADW dessen zwischenzeitlich eingeführte sog. „Arierbestimmungen“ zu übernehmen. Diese sahen u. a. vor, dass Personen jüdischer Abstammung grundsätzlich nicht Mitglieder eines Corps sein durften. Dasselbe galt für Corpsstudenten, die mit einer Ehefrau verheiratet waren, die jüdischer Abstammung war. Indem die Führung des KSCV diese Anordnungen akzeptierte, wurde sie unaufgebbaren corpsstudentischen Essentials untreu. Sie entschloss sich dennoch, diesen Forderungen nachzugeben, weil sie in Verkennung des totalitären Charakters des Nationalsozialismus die Hoffnung hegte, sich mit den Machthabern arrangieren zu können, um dem Verband und den Corps unter den Bedingungen der NS-Diktatur eine Existenzperspektive zu sichern.
Unmittelbar nach der Gleichschaltung des KSCV usurpierte eine kleine Gruppe von Alten Herren die Führung im Corps Guestphalia. Der Alte Herr Fritz Ebermaier wurde zum sog. „Führer“ des Corps erklärt. Dieser berief einen sog. „Führerrat“, dessen fünf Mitglieder ebenso wie Ebermaier selbst im Frühjahr 1933 in die NSDAP eingetreten waren; ein Angehöriger des „Führerrates“ war bereits seit 1929 Parteimitglied. Dieses Vorgehen erfolgte unter eklatanter Missachtung der demokratisch-parlamentarischen Grundprinzipien, die in der Verfassung des Corps sowie in der Satzung der Altherrenschaft traditionell verankert waren und die weder einen „Führer“ noch einen „Führerrat“ kannten. Insbesondere erfolgten diese Maßnahmen ohne eine Legitimation durch ordentliche Beschlussfassungen der hierzu verfassungs- und satzungsmäßig allein befugten Organe des Corps bzw. der Altherrenschaft. Zwar formierte sich auch in der Altherrenschaft Widerspruch gegen dieses Vorgehen. Diese Widerstände wurden von Ebermaier unter Verweis auf die Anordnungen Bluncks übergangen. Ebermaier etablierte mit Unterstützung des „Führerrats“ – jedenfalls pro forma – das vom NS-Staat oktroyierte „Führerprinzip“ im Corps, indem er – wiederum ohne hierzu verfassungs- oder satzungsmäßig irgendwie legitimiert zu sein – Ende 1933 eine neue Corpsverfassung und eine neue Satzung für den Altherrenverein erließ. Tatsächlich bestand das „Führerprinzip“ im Corps jedoch nur auf dem Papier. In der gelebten Praxis des Corps wurde es weder von den Aktiven und Inaktiven noch von einem Großteil der Alten Herren respektiert.