mini|hochkant=1.6|St-Vorles de Châtillon, Ansicht aus Unterstadt von Westen mini|Ansicht von Süden mini|hochkant|Krater von Vix

Die romanische Kirche St-Vorles steht gemeinsam mit den Ruinen der ehemaligen Burg auf einem Hochplateau oberhalb der Häuser der französischen Stadt Châtillon-sur-Seine im Département Côte-d’Or in der Region Burgund. Châtillon-sur-Seine liegt am Ufer der Seine, in der Landschaft Châtillonais, zirka 75 km nördlich von Dijon. Die Kirche gehört zu den ältesten romanischen Bauten im Burgund und birgt im nördlichen Querhausarm ein Meisterwerk burgundischer Bildhauerkunst, die Beweinung Christi von 1527 aus der Epoche der Renaissance.

Geschichte Die Gegend um Châtillon mit dem nahen, 307 m hohen Hügel Mont Lassois an der Seine, der in keltischer Zeit ein bedeutendes Oppidum Latisco trug, entwickelte sich bis zur Hallstattzeit (zirka 750 bis 450 v. Chr.) zu einem der bedeutendsten Handelsplätze in ganz Gallien. Das kleine Dorf Vix (von lat. Vicus), etwa 6 km nördlich von Châtillon-sur Seine, verlieh seit Beginn des 20. Jahrhunderts bedeutenden Grabungen auf einer Fläche von 42 Hektar seinen Namen, bei denen eine große spätbronze-, hallstatt- und spätlatènezeitliche Nekropole freigelegt werden konnte. Man belegte Handelsbeziehungen vom Mittelmeer bis ins Baltikum. 1953 machte ein Landwirt außerhalb des offiziellen Grabungsgeländes eine sensationelle Entdeckung in einem Grabhügel. Es wurde daraufhin die fürstliche Grabstätte einer keltischen Prinzessin aus dem 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung freigelegt, das besonders reichhaltig mit Grabbeigaben ausgestattet war. Berühmt ist der Fund des Kraters von Vix, ein gewaltiger Krug aus Bronze mit einer Höhe von 164 cm, einem Durchmesser von 145 cm, einem Gewicht von 208 kg und einem Fassungsraum von 1200 Litern. Es handelt sich um eine kostbar gestaltete Arbeit aus dem spätarchaischen Griechenland, um 530 v. Chr., die über das Tal der Rhone den Weg nach Burgund fand.

Erst etwa 1000 Jahre nach der Bestattung in Vix ist auch in Châtillon-sur-Seine eine Besiedlung nachweisbar. Die Geschichte der Kirche St-Vorles lässt sich bis ins 4. Jahrhundert zurückverfolgen. Zum Ende des 5. Jahrhunderts soll an ihrer Stelle der heilige Deodatus (frz. Didier) ein Oratorium erbaut haben, das ursprünglich Notre-Dame-de-Toutes-Grâces („Maria voller Gnaden“) geweiht war.

Im 8. Jahrhundert wurden die Bewohner der damals unbefestigten Unterstadt vertrieben. Sie zogen sich auf den Hügel, auf dem sich heute St-Vorles befindet, zurück und befestigten ihn mit einem geräumigen Kastell, das der Ortschaft später seinen Namen verlieh. Der befestigte Ort erstreckte sich über das ganze Plateau, das heute weitgehend vom Friedhof und der Kirche eingenommen wird.

Die Überführung der Reliquien des heiligen Vorelius (frz. Vorles) (*um 530; † 591) im Jahr 868 dürfte mit einem kleinen Kirchenneubau zusammenhängen. Der heilige Vorelius stand in enger Beziehung zum burgundischen Königshaus. Seine Gebeine wurden zunächst in einem steinernen Sarkophag aufbewahrt. Diese karolingische Kirche ist teilweise ergraben worden und heute in veränderter Form als Krypta unter dem nördlichen Querhausarm erhalten. Betreut wurde sie von den Priestern der Kathedrale des etwa 70 km westlich liegenden Langres.

In den Jahren 980 bis 1016 wurde vor allem auf Anregung des Bruno de Roucy, dem Bischof von Langres (980–1016), eine neue, deutlich größere frühromanische Kirche errichtet, die in wesentlichen Teilen noch erhalten, wenn auch durch zahlreiche Um- und Anbauten entstellt ist. Es entstand auf einem kreuzförmigen Grundriss ein dreischiffiges Langhaus mit westwerkartigem Vorbau, ein Querhaus mit weit ausladenden Armen und ausgeschiedener Vierung und ein Staffelchor nach dem Muster der etwa gleichzeitig errichteten Kirche von Cluny II. Sehr wahrscheinlich wurde der erhaltene Chorraum mit halbrunder Apsis von vier gestaffelten Querhauskapellen mit Apsidiolen flankiert. Die heutigen Querhaus- und Chorjochtonnengewölbe sind noch die ursprünglichen. Das Mittelschiff, das von kleinen Fenstern über den Gewölbeansätzen belichtet wurde, muss ebenfalls tonnenüberwölbt gewesen sein. Ursprünglich sind auch die Kreuzgratgewölbe in den Seitenschiffen und der westliche Narthex mit der Emporenkapelle darüber. Ob dieser ursprünglich auch einen Turm besaß, ist nicht belegt, kann aber angenommen werden. Der Narthex wurde jedenfalls auf beiden Seiten von quer zum Hauptschiff verlaufenden Satteldächern überdeckt, was an ein Querhaus erinnert. Heute sieht man auf der Südostseite des Turms die Konturen der Dachschrägen dieses Daches. Die Reliquien des heiligen Vorelius wurden in den Neubau überführt und dort im Hochaltar untergebracht.

Etwa gleichzeitig mit dem Kirchenneubau richteten die Priester der Kathedrale von Langres in den ebenso neu erstellten Konventsgebäuden ein Kanonikerstift ein, in dem sie auch das Collège Notre-Dame gründeten, eine Schule, die schon bald eine hochrangige Institution wurde. Zu deren Schüler zählte um 1090 auch der heilige Bernhard (* um 1090; † 20. August 1153; frz. Bernard). In dem ursprünglichen Marienoratorium, der heutigen Chapelle St-Bernard in der Krypta, soll er sich häufig aufgehalten haben. Dort soll ihm auch die Muttergottes erschienen sein.

Im 12. Jahrhundert wurde der Vierungsturm um eine allseitig mit je einem Fenster bestückten Laterne mit einer entsprechend erhöhten Vierungskuppel wieder neu aufgebaut. Die heute noch erhaltenen Überreste des Kastells und der einst stattlichen Burg auf dessen Südostseite stammen aus dem 12. und 14. Jahrhundert. Diese Festung war die wichtigste der Herzöge von Burgund und der Bischöfe von Langres, nicht zuletzt wegen ihrer Nähe zur Grafschaft der Champagne und zum Königreich Frankreich. Der Wehrturm Tour de Gissey wurde im 14. Jahrhundert erbaut und bildet die nördliche Ecke der unteren Umfassungsmauer. Sein Name stammt von einer bedeutenden Familie aus der Gegend von Chatillon.

Im 14. und 15. Jahrhundert wurde nach vorherigem Abbruch der beiden nordwestlichen Querhaus-Apsidiolen die Karmel-Kapelle und die Kapelle Ste-Thérèse mit rechteckigen Grundrissen angebaut. Diese Patrozinien erhielten sie vermutlich erst später.

Für die Datierung des Anbaus der Heiligkreuz-Kapelle an die Südostwand im Bereich des dritten und vierten Jochs gibt es keine Belege. Ihre gotischen Kreuzrippengewölbe deuten auf die Entstehung zwischen 1140 und 1500 hin.

Gegen 1527 wurde ein Meisterwerk burgundischer Bildhauerkunst der Renaissance geschaffen, die Grablegungsgruppe, die heute im nördlichen Querhausarm aufgestellt ist. Sie stammt ursprünglich aus der Franziskaner-Kirche von Châtillon, die während der Französischen Revolution (1789 und Folgejahre) zerstört wurde.

Die Burg wurde auf Bitten der Bewohner von Châtillon nach den Religionskriegen (1562–1598) 1598 von König Heinrich IV. geschleift.

Aus dem 16. Jahrhundert stammen zwei farbig gefasste Holztafeln, die im nördlichen Querhausarm aufgehängt sind. Vermutlich gehörten sie ursprünglich zu einem Flügelaltar.

Im ersten Quartal des 17. Jahrhunderts erfuhr die Kirche erhebliche Umbauten und Erweiterungen. So entstand die Erweiterung der St-Bernard-Kapelle der Krypta auf der Nordwestseite, im Bereich der Langhausjoche drei und vier, die gleichzeitig mit Hilfe einer Treppe den inneren Zugang zur Krypta ermöglichte. Als Ersatz für die vorher abgebrochenen beiden südöstlichen Querhaus-Apsidiolen wurde die in Grundriss rechteckige Rosenkranzkapelle (frz. Chapelle du Rosaire) angebaut. Ebenso erhielt im frühen 17. Jahrhundert das Mittelschiff seine heutigen Kreuzgratgewölbe und verlor dabei die direkte Belichtung durch Obergadenfenster am unteren Gewölberand. Im gleichen Jahrhundert wurde die kleine Vorhalle vor dem Hauptportal als Witterungsschutz errichtet und der zentralen Glocken- und Wehrturm umgebaut.

Über den Verbleib der Konventsgebäude des Stifts und des Kollegs geben die Quellen keine Auskünfte. Sie verschwanden vermutlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts in den Jahren nach der Revolution, in denen viele kirchliche Anwesen zum Abbruch verkauft wurden.

Auch über den Anbau der Sakristei an die Nordostseite der Rosenkranzkapelle gibt es keine Belege. Sie dürfte im 19. Jahrhundert errichtet worden sein.

Während des 20. Jahrhunderts wurde St-Vorles noch dreimal renoviert, zwischen 1927 und 1934, zwischen 1959 und 1974 und in den 1990er Jahren. Zu diesen Renovierungen gehörte auch eine nahezu komplette weiße Beschichtung der Wand- und Gewölbeoberflächen, die auf den heutigen Betrachter zwar archaisch wirkt, aber nicht ursprünglich ist. Verdeckt wird dadurch wohl eine ehemals vollständige farbige Ausmalung, die den Raum mystisch und dunkel hatte erscheinen lassen. Die Fresken waren vermutlich so stark zerstört, dass ein Erhalt, bis auf wenige Restflächen, nicht in Betracht kam.

Bauwerk mini|hochkant=1.6|links mini|Ansicht von N Abmessungen zirka, da Maßstab der Zeichnung fehlt aus der Türbreite des Nebeneingangs (etwa ein Meter) geschätzt. Maße ohne Pfeilervorlagen. Gesamtlänge frühroman. Kirche (außen): 39,60 m Gesamtlänge wie vor mit Vorhalle (außen): 42,40 m Langhausbreite (außen): 16,70 m Langhausbreite (innen): 14,50 m Mittelschiffbreite (innen): 5,60 m Querhauslänge (außen): 27,60 m Querhauslänge (innen): 25,40 m Querhausbreite (außen): 7,40 m Querhausbreite (innen): 5,60 m Querhausüberstand (außen): 5,40 m Vorhalle (außen): 6,00 × 2,80 m

Das Bauwerk ist nicht wie üblich mit seinem Chorhaupt nach Osten ausgerichtet, sondern nach Nordosten. Möglicherweise hat das mit seiner Lage am nordwestlichen Rand des Plateaus und/oder mit der Übernahme der Ausrichtungen der Vorgängerbauten zu tun.

Außenbau Westbau mini|hochkant|Westbau von SW Ein zentraler, im Grundriss nahezu quadratischer Glockenturm überragt den First des Mittelschiffs ein beträchtliches Stück. Er soll erst im 17. Jahrhundert sein heutiges Erscheinungsbild als Wehrturm erhalten haben. Die glatt verputzten Wände ohne Strukturen sind im oberen Bereich auf jeder Seite von je zwei rundbogigen Öffnungen durchbrochen, in die je zwei Klanglamellen eingebaut sind. Die Turmwände werden von einem viertelrunden Kraggesims abgeschlossen, auf dem die Traufen des hölzernen Helms in Form einer steilen Pyramide aufliegen. Der untere Rand des Helms ist leicht nach außen aufgeweitet. Seine Eindeckung besteht aus grauen Schieferschindeln. Seine Spitze wird von einem lateinischen Kreuz aus Metall bekrönt, auf dem sich ein vergoldeter Wetterhahn dreht. mini|hochkant|Vorhalle