Boppard Hauptbahnhof ist der wichtigste Bahnhof der Stadt Boppard und befindet sich am Rand der Innenstadt unweit des Rheins. Als Trennungsbahnhof liegt er zum einen an der linken Rheinstrecke von Köln nach Mainz, zum anderen ist er Ausgangspunkt der Hunsrückbahn nach Emmelshausen. Er besitzt drei Bahnsteiggleise. Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude aus dem Jahr 1859 wurde im Jahr 1989 abgebrochen.

Der Besitzer des Bahnhofs ist die DB InfraGO. Von den auf der linken Rheinstrecke verkehrenden Zügen des Schienenpersonenfernverkehrs hielten täglich einige wenige Intercitys im Hauptbahnhof (seit dem Fahrplanwechsel 2025/26 hält kein IC mehr in Boppard) im Schienenpersonennahverkehr wird er von zwei Regional-Express-Linien und zwei Regionalbahnlinien bedient.

Neben dem Hauptbahnhof gibt es noch fünf weitere Bahnstationen in Boppard. Die ehemaligen Bahnhöfe Boppard-Buchholz und Boppard-Bad Salzig wurden zu Haltepunkten zurückgebaut.

Lage mini|links|hochkant|Säuerlingsturm, Blick vom Bahnsteig hochkant|mini|Säuerlingsturm am Bürgermeister-Syrée-Platz

Der Hauptbahnhof von Boppard liegt am westlichen Rand der Innenstadt. Der nördlich der Bahnsteige gelegene Platz trägt den Namen Bürgermeister-Syrée-Platz. Er ist nach Joseph Syrée, dem Bopparder Bürgermeister von 1850 bis 1892, benannt. Südlich des Bahnhofs verläuft die Säuerlingstraße.

Zusammen mit dem Bahnsteig des Haltepunkts Boppard Süd und der Reparaturhalle für die Züge der Hunsrückbahn erstreckt sich der Hauptbahnhof entlang der linken Rheinstrecke etwa vom Mühltal im Westen bis zum Kloster Marienberg im Osten.

Geschichte mini|Bahnhof in den 1970er-Jahren mini|Bahnhaltepunkte in Boppard und Umgebung

Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft gab 1854 bekannt, dass sie den Weiterbau der linksrheinischen Strecke vom bisherigen Endpunkt Rolandseck bis Bingerbrück plane. Bereits in den Folgejahren begann man mit dem Bau. Insbesondere in den Jahren 1858 und 1859 wurde die Strecke im Bereich der Stadt Boppard errichtet. Während Ingenieure in der Nähe des ehemaligen Klosters St. Martin bereits den Bau des Bahnhofs vorbereiteten, setzte sich in der Bevölkerung allmählich die Erkenntnis durch, dass dieser Platz u. a. aufgrund der Entfernung zum Stadtzentrum wenig geeignet sei. Obwohl sich ein Teil der Bevölkerung und der Gewerbetreibenden für einen Standort östlich unterhalb des Klosters Marienberges aussprachen (nicht weit entfernt vom Standort des heutigen Bahnhofes Boppard Süd), wurde durch die Verantwortlichen auf Seiten der Stadt schließlich der heutige Standort bevorzugt. Da die Eisenbahnverwaltung allerdings bereits erhebliche Vorleistungen getätigt hatte, war zunächst sogar die Entsendung einer Delegation zum damaligen Prinzen von Preußen Wilhelm notwendig, welcher die Örtlichkeiten von einem eigenen Besuch her kannte und sich ebenfalls dafür aussprach, den Bahnhof näher an die Stadt zu verlegen. Erst mit dieser Rückendeckung führten Gespräche in Berlin und Koblenz zu einem Umdenken der Eisenbahnverwaltung und unter hohem finanziellen Aufwand auch seitens der Stadt konnte noch die Verlegung des Bahnhofs an den heutigen Ort erreicht werden. Am 15. Dezember 1859 wurde dann der südliche Streckenabschnitt der linken Rheinstrecke zwischen Koblenz und Bingerbrück in Betrieb genommen.

Zeitgleich wurde auch der Bopparder Bahnhof mit dem zwischen 1858 und 1859 errichteten Empfangsgebäude eröffnet.

Um 1903 begannen die Arbeiten für den Anschluss der Hunsrückbahn an diesen Bahnhof. Letztendlich entschied man sich für eine Trassenführung über den heutigen Stadtteil Buchholz, so dass die Bahnstrecke von Norden an den Bopparder Bahnhof angeschlossen wurde. Jedoch stand der Säuerlingsturm, der zur mittelalterlichen Stadtbefestigung gehörte, im Weg.

Daher wurde der Turm in den Jahren 1906–1908 abgebrochen und mit dünnerer Mauer nördlich seines alten Standpunktes wieder aufgebaut.Regionalgeschichte.net: Stadtbefestigung Abgerufen am 9. April 2010. Im Jahr 1908 wurde die Strecke eröffnet. Auf dem Teilstück Boppard – Boppard-Buchholz überwindet die Bahn einen Höhenunterschied von 336 Metern und gehört somit auch heute noch zu den steilsten Adhäsionsbahnen Deutschlands. Im Zuge der Versetzung des Säuerlingsturm wurde dieser zu einem Wasserturm ausgebaut. Am 10. Februar 1914 wurde „mit Eintritt der Dunkelheit“ für die Einführung der Hunsrückbahn in den Bahnhof ein neues „Doppellichtvorsignale“ in Betrieb genommen, das dem heute noch gebräuchlichen Modell des Formsignals entsprach.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 24. Januar 1914, Nr. 5. Bekanntmachung Nr. 50, S. 33.

Die Elektrifizierung der linken Rheinstrecke erfolgte im Jahr 1958. Ein wichtiger Schritt zur heutigen linksrheinischen Hochleistungsstrecke war die Modernisierung der Stellwerkstechnik in den 1970er Jahren. Mit den Vor- und Planungsarbeiten für die neuen Signalanlagen im Bezirk Boppard wurde 1974 begonnen. Nach rund zweieinhalbjähriger Bauzeit konnte in der Nacht des 28. August 1977 das Zentralstellwerk Boppard Bf südlich des Bahnhofes in Betrieb genommen werden. Es ersetzte dabei die Wärterstellwerke Nord (ehemaliger Lokschuppen), Mitte (Bahnübergang Flogtstraße) und Süd (Bahnübergang Angert) mit ihren mechanischen Signal- und Sicherungsanlagen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Zeitgleich wurden auch die Bahnübergänge an der Flogt und am Angert geschlossen.

Im Jahr 1994 wurde das neue Empfangsgebäude in Boppard eröffnet. Das alte, aus dem Jahr 1859 stammende und unter Denkmalschutz stehende, Gebäude musste im Jahr 1989 aufgrund der Verlegung der Bundesstraße 9 abgerissen werden. Da die Abwicklung des Güterverkehrs in Boppard und auf der Hunsrückbahn eingestellt wurde, ließ die Deutsche Bahn ab 1998 Gleise und Weichen im Bahnhof zurückbauen. So wurden insbesondere Gleis 5 und 6 sowie die Güterabfertigung demontiert.; zu sehen sind Gleis 4 und 5 und der Geräteschuppen. Abgerufen am 7. April 2010.. Abgerufen am 7. April 2010. Teile dieses freien Geländes gehören heute der Stadt Boppard und dienen als Parkplatz. Überreste von Gleis 5 waren 2010 noch zu sehen.

Zum Sommerfahrplanwechsel am 10. Juni 2001 benannte die Deutsche Bahn den Bahnhof Boppard in Boppard Hauptbahnhof um. Dies geschah auf Initiative des Bopparder Bürgermeisters Walter Bersch. Zu diesem Zeitpunkt hatte Boppard mit dem Bahnhof und den Haltepunkten Boppard Süd, Hirzenach, Bad Salzig, Fleckertshöhe und Buchholz mehr Zugangsstellen für den Personenverkehr als Koblenz.Rhein-Hunsrück-Zeitung vom 8. März 2001: Bahn: Boppard zieht mit Koblenz gleich. Abgerufen am 5. April 2010.

Seit dem Fahrplanwechsel 2009 ist Rhenus Veniro (seit 2019 als Transdev SE & Co. KG) Betreiber der Hunsrückbahn.

Zum Bahnhof gehörige Bauwerke und Infrastruktur

Personenbahnhof mini|Bahnsteige des Bopparder Bahnhofs

Der Hauptbahnhof verfügt heute über vier durchgehende Gleise, wovon drei auch Bahnsteiggleise sind. Eine fünftes durchgehendes Gleis wurde zurückgebaut. Der (ehemalige) Hausbahnsteig an Gleis 1 hat eine Höhe von 38 cm und eine Länge von 417 m. Der Mittelbahnsteig, der an den Gleisen 2 und 3 liegt, hat ebenfalls die Höhe von 38 cm und eine Länge von 407 m.

Durch eine Personenunterführung werden die Bahnsteige über Treppen (ohne Aufzüge oder Fahrstühle) mit dem Hauptzugang vom Bürgermeister-Syrée-Platz sowie dem Zugang Süd verbunden.

Das ehemalige Empfangsgebäude am Bürgermeister-Syrée-Platz aus den 1990er Jahren ist heute an einen Gastronomiebetrieb verpachtet. Kundeninformation sowie Fahrkartenverkauf erfolgen durch ein privates Unternehmen, welches seinen Sitz am gegenüberliegenden Ende des Bürgermeister-Syrée-Platz hat. Auf beiden Bahnsteigen befinden sich zusätzlich jeweils zwei Fahrkartenautomaten sowie Zugzielanzeiger für das jeweilige Gleis. Außerdem stehen mehrere Lebensmittelautomaten zur Verfügung.

Im südlichen Zugangsbereich zum Hauptbahnhof wurde rund um das Stellwerk eine kostenpflichtige P‍+‍R-Anlage errichtet, diese umfasst 55 Parkplätze. Das abgebrochene Empfangsgebäude von 1859 mini|Abgebrochenes Empfangsgebäude, etwa 1900 mini|alt=Bahnhofsvorplatz und Fassade des Bahnhofsgebäudes vor Abriss, ca. 1988|Bahnhofsvorplatz und Fassade des Bahnhofsgebäudes vor Abriss, ca. 1988 mini|alt=Abriss des alten Gebäudes in den 80er Jahren|Abriss des alten Gebäudes in den 80er Jahren

Das im Gründerzeitstil erbaute Bahnhofsgebäude wurde zwischen 1858 und 1859 nach den Vorgaben des Architekten Michaelis erbaut und 1859 zusammen mit der linken Rheinstrecke eröffnet. Der Putzbau hatte zur Heerstraße hin einen mit Bäumen bewachsenen Vorplatz. Die andere Seite des Gebäudes befand sich an Bahnsteig 1.

Recht schnell nach der Inbetriebnahme der Hunsrückbahn mehrten sich die Forderungen nach einer Umgestaltung und Erweiterung des Empfangsgebäudes. Unzulängliche Büroräume als auch das Fehlen einer Gastronomie wurden beklagt. Im Jahr 1912 gab es erste Planungen der Reichsbahn zur Modernisierung des Gebäudes. Jedoch aufgrund des Ersten Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise konnten diese Planungen nicht umgesetzt werden. Daher dauerte es noch 25 Jahre bis am Samstag vor Pfingsten im Jahr 1938 die erfolgreiche Renovierung des Empfangsgebäudes gefeiert werden konnte.

Der einstige Wartesaal 3. Klasse wurde aufgelöst und dort der Fahrdienstraum und die Stationskasse untergebracht, die Wartehalle erhielt ein helleres Ambiente und die Toilettenanlagen wurden erneuert. Außerdem wurde die Gastronomie einschließlich der Gartenbewirtschaftung neu errichtet und die Büro- und Diensträume des Bahnhofspersonals erneuert.

Im Jahr 1989 wurde das denkmalgeschützte Empfangsgebäude beim Bau einer Teilumgehung für die Bundesstraße 9 abgerissen.

Das Empfangsgebäude war ein zweigeschossiger, traufständiger Putzbau, dessen Geschossaufteilung wurde an der Außenmauer durch Brüstungsgesims sichtbar. Dieses Gesims und die Fensterrahmungen waren aus hellem Sandstein. Die stadtseitige Außenwand hatte eine dreiteilige Gliederung entsprechend der Verteilung der dahinterliegenden Räume. In der Mitte waren drei gekuppelte Rundbogentüren oberhalb einer Freitreppe. Über den Türen befand sich ein Mäanderfries. Darüber waren drei von kannelierten Pilastern getragene Fensterarkaden mit verblendeten, kreisverzierten Bogenfeldern.

Seitlich befand sich je eine Doppelachse mit hohen Rechteckfenstern, die eine Gesimsverdachung hatten. Auf den Schmalseiten des Empfangsgebäudes befanden sich je drei einfache Fensterachsen mit Verzierungen wie auf der Stadtseite. Die Gebäudeseite zum Gleisbett hin hatte sieben Achsen, wobei die drei mittleren leicht zurücksprangen.

Das Dach des Gebäudes war ein weit ausladendes, schiefergedecktes Satteldach. An den Schmalseiten waren die ausgekragten, hölzernen Konsolbalken, auf denen das Dach befestigt war zu sehen.

Stellwerk mini|Stellwerk Bf im Bopparder Hauptbahnhof Südlich der Gleisanlagen befindet sich das 1977 erbaute Stellwerk, es überwacht und steuert die linke Rheinstrecke zwischen Spay und Boppard-Hirzenach.

Lokbahnhof mini|Betriebshof Rhenus Veniro Um die Zahnradlokomotiven des Typs Preußische T 26, die zwischen 1908 und dem Anfang der 1930er Jahre zwischen Boppard und Buchholz auf der Hunsrückbahn verkehrten, ortsnah zu warten, wurde im Jahr 1909 nordwestlich des Bahnhofs zwischen den Gleisen der Hunsrückbahn und der linken Rheinstrecke ein kleines Betriebswerk errichtet. Selbstständig war es allerdings nicht. In den ersten Jahren wurde der Lokbahnhof von Simmern beziehungsweise von Bingen aus verwaltet.