mini|hochkant|Walter Hofmann um 1904 Walter Hofmann (* 24. März 1879 in Dresden; † 24. April 1952 in Leipzig) war ein deutscher Bibliothekar, Graveur und Poet.

Leben Kindheit und Jugend Hofmann wurde als Sohn des Graveurs Emil Hofmann und Laura Hofmann, geborene Steinhaus, geboren. Die Familie, zu der auch drei Schwestern Hofmanns zählten, lebte in der Dresdner Schössergasse.Walter Hofmann: Mit Grabstichel und Feder. Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins Stuttgart und Tübingen, 1948, Seite 47 Hofmann erkrankte als Kind schwer an Diphtherie, überlebte jedoch. Die Familie zog zunächst in die Wilsdruffer Straße und dann in die Breite Straße. Hofmann wurde dann mit sechs Jahren in die 1. Bürgerschule zu Dresden eingeschult, hatte jedoch, abgesehen vom Mathematikunterricht, erhebliche schulische Probleme, die auch zu ernsten Schwierigkeiten im Verhältnis zu seinen Eltern führten.Walter Hofmann: Mit Grabstichel und Feder. Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins Stuttgart und Tübingen, 1948, Seite 55 ff. Die Mutter verstarb frühzeitig an Diabetes als Walter Hofmann zehn Jahre alt war. Das Verhältnis zur dann in die Familie kommenden Stiefmutter umschrieb Hofmann später als in seiner Kinder- und Jugendzeit von Hass geprägt.Walter Hofmann: Mit Grabstichel und Feder. Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins Stuttgart und Tübingen, 1948, Seite 66 ff. Nach acht Jahren schloss Hofmann die Schule ab.

Tätigkeit als Graveur Er erlernte ab Ostern 1893 in der Werkstatt seines Vaters auf dessen Wunsch den Beruf des Graveurs. Parallel dazu absolvierte er die Fach- und Fortbildungsschule des Allgemeinen Handwerkervereins zu Dresden. Zeichenlehrer an der von Robert Mißbach geleiteten Schule war der Dresdner Bildhauer Albert Starke. Hofmann zeigte ein großes Talent zum Zeichnen und auch als Graveur. Nach Abschluss der Lehre wollte er eine künstlerische Ausbildung an der Kunstakademie Dresden aufnehmen. Sein Vater war jedoch dagegen, zeigte sich aber bereit, einer Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Dresden zuzustimmen. Nach Vermittlung Starkes einigte man sich darauf, den Rat des Kunstakademie-Professors Leon Pohle einzuholen. Dieser riet letztlich zur Kunstgewerbeschule, an der Hofmann dann Ostern 1896 eine Ausbildung begann. Im Zeichnen wurde er hier von Woldemar Müller unterrichtet. Unter den Schülern wurde Walter Hofmann näher mit Walter Ufer bekannt. Mit ihm und weiteren Schülern gehörte Hofmann zu einer von Hofmann als in künstlerischen Dingen oppositionell umschriebenen Gruppe.Walter Hofmann: Mit Grabstichel und Feder. Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins Stuttgart und Tübingen, 1948, Seite 236 Fachlich sah sich Hofmann an der Schule letztlich überfordert. Nachdem er aufgrund erheblicher Fehlzeiten einen Verweis von der Schule befürchten musste und auch ein Versuch, sich schriftstellerisch zu betätigen, scheiterte, unternahm er, nachdem er den Dresdner Großen Garten aufgesucht hatte, einen erfolglosen Suizidversuch.Walter Hofmann: Mit Grabstichel und Feder. Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins Stuttgart und Tübingen, 1948, Seite 265 Nach starkem Blutverlust wurde er im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt behandelt.

Tatsächlich verließ Hofmann die Kunstgewerbeschule und nahm zunächst wieder eine Tätigkeit als Graveur in der Werkstatt seines Vaters auf. Durch Vermittlung seines Vaters erhielt er dann 1897 für ein halbes Jahr eine unbezahlte Volontärstelle beim auf Silberstiche spezialisierten Berliner Graveurmeister Ewald Menzel. Hofmann lebte zunächst östlich des Anhalter Bahnhofs und verzog dann in die Steglitzer Straße, später in die Händelstraße am Tiergarten. In seiner Berliner Zeit begann Hofmann Gedichte zu schreiben und beschäftigte sich intensiv mit kulturellen Fragen. Er abonnierte die Kulturzeitschrift Der Kunstwart. Hofmann hoffte dauerhaft literarisch tätig werden zu können und sah seine Tätigkeit als Graveur nur als Übergang. Zunächst ging er zurück nach Dresden. Da er sich mit seinem Vater überwarf, konnte er jedoch in dessen Werkstatt nicht tätig werden. Sein Vater schickte ihn als Gehilfen zu einem Graveur in die Töngesgasse nach Frankfurt am Main. Hofmann wohnte in Frankfurt am Börneplatz. Er trat dem Verein zur Förderung der Kunst bei. Bereits nach kurzer Zeit wechselte Hofmann die Anstellung und ging zum Graveurmeister Max Brauer nach Leipzig in die Petersstraße. In Leipzig freundete er sich mit Hartwig Jeß, dem Sohn des Senatspräsidenten des Reichsgerichts Karl Jeß, an.

Hofmann trat der neugegründeten Gewerkschaft der Graveure und Ziseleure bei und verfasste in der Verbandszeitschrift der Gewerkschaft veröffentlichte Berichte. Zeitweise verkehrte er in sozialdemokratischen Kreisen.

Hofmann betätigte sich auch weiterhin als Dichter. Der Verein zur Förderung der Kunst veranstaltete am 1. März 1899 im Architektenhaus in Berlin einen literarischen Abend, auf dem neben Gedichten von Ferdinand Avenarius, Paul Remer, Max Dreyer und Carl Moenckenberg auch Gedichte Hofmanns rezitiert wurden.

Wirken als Dichter Ostern 1899 kehrte Hofmann dann mit Einverständnis seines Vaters zurück nach Dresden und wurde wieder in der väterlichen Werkstatt tätig. Hofmann war nun verstärkt in die geschäftlichen Dinge und weniger in die handwerklichen Aspekte der Werkstatt eingebunden. Erhebliche Zeit verwandte er auf seine künstlerischen Interessen und bildete sich weiter. Er nahm Kontakt zu Leonhard Lier auf, der Literaturkritiken im Dresdner Anzeiger verfasste und Hofmann bereits von einer früheren Begegnung bekannt war, und zu Johannes Reichert, Leiter der Dresdner Volkssingakademie. Reichert bat um die Erlaubnis, Gedichte Hofmanns vertonen zu dürfen und machte Hofmann mit vielen Künstlerpersönlichkeiten Dresdens bekannt, so insbesondere mit dem Bratschisten Richard Kaden. Auf eine Empfehlung Walter Ufers hin lernte Hofmann den Maler Richard Pietzschmann kennen, der ihn mit Mitgliedern des Loschwitzer Künstlerkreises wie Georg Müller-Breslau, Georg Jahn und Peter Pöppelmann bekannt machte. Mit dem Maler Otto Fischer verband ihn dann eine lebenslange Freundschaft. Es gelang ihm, Ferdinand Avenarius für seine Arbeiten zu interessieren. Hofmann verkehrte dann über etwa zwei Jahre im Umfeld von Avenarius und lernte Carl Meißner, Eugen Kalkschmidt sowie Else Avenarius kennen. Im Sommer 1901 wurden mehrere Gedichte Hofmanns in der Zeitschrift Deutsche Heimat veröffentlicht. Er erhielt hierauf diverse positive Reaktionen und lernte dadurch den Schriftsteller Karl Söhle und seine Ehefrau Maria Söhle kennen. Trotzdem sah Hofmann seine Entwicklung als Dichter am Ende und entschloss sich im November 1901, seine dichterischen Bemühungen aufzugeben.

1902 beendete Hofmann dann auch seine Tätigkeit in der Werkstatt seines Vaters und im Graveurberuf.

Arbeit als Kunstkritiker Seit April 1901 schrieb er Kunstkritiken. Eine erste Veröffentlichung war im von Gustav Morgenstern geleiteten Feuilleton der Sächsischen Arbeiterzeitung erschienen. Hofmann reagierte darin auf einen Aufsatz Hans Rosenhagens, in dem dieser sich kritisch zur Dresdner Künstlerszene geäußert hatte. Es folgten einige weitere Veröffentlichungen in dieser Zeitung. Ende 1901 nahm Hofmann dann eine regelmäßige Tätigkeit für die liberale Dresdner Zeitung auf, die durch eine kurzfristig im Johannstädter Krankenhaus erforderlich gewordene Operation unterbrochen wurde. Da die Dresdner Zeitung sich weigerte, bestimmte Texte zu drucken, kehrte Hofmann zur Sächsischen Arbeiterzeitung zurück. Hofmann engagierte sich darin, künstlerische Veranstaltungen auch für Arbeiter zugänglich zu machen. Die journalistische Tätigkeit war für Hofmann problematisch, da er zum einen mit der kurzfristigen zeitnahen Erarbeitung von Texten eines begrenzten Umfangs Probleme hatte und zum anderen die Bezahlung sich als unzureichend erwies. Letztlich verließ Hofmann die Zeitung. Er arbeitete kurzfristig für das Müller-Singersche Künstlerlexikon und veröffentlichte einige Texte in einigen kunst- bzw. kulturgeschichtlichen Zeitungen. Ende 1903 versuchte Hofmann kurzzeitig eine eigene Graveurwerkstatt zu gründen. Er erhielt dann eine gut dotierte Anstellung im Dresdner Journal, die er jedoch nach kurzer Zeit aufgab, da eine von ihm geschriebene Kritik am Sächsischen Kunstverein vom Journal nicht gedruckt wurde. Er veröffentlichte dann einige Zeit wieder in der Sächsischen Arbeiterzeitung und in der Leipziger Volkszeitung.

Ende 1902 lernte er in Engaus Weinstube in Laubegast die Wirtstochter Hanna Engau (1882–1954) kennen, die er 1905 heiratete. Die Ehe wurde 1913 geschieden.Sächsische Biografie

1904 bot ihm Peter Behrens eine Anstellung an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf an. Trotz seiner schwierigen wirtschaftlichen Lage lehnte Hofmann ab, da er sich der Anforderung, Vorlesungen vor größeren Menschengruppen halten zu müssen, nicht gewachsen fühlte.

Wechsel zum Bibliothekar Über die Eheleute Söhle erhielt Hofmann Kontakt zu Ida Bienert, der Ehefrau des Hofmühlen-Eigentümers Erwin Bienert. Sie bot ihm an, die Leitung der von ihr geplanten modernen Volksbücherei zu übernehmen. Hofmann ging auf das Angebot ein. Von 1904 bis 1906 baute er die Freie Öffentliche Bibliothek Dresden-Plauen auf. Die hierfür erforderlichen Kenntnisse eignete er sich autodidaktisch an, denn er hatte keine bibliothekarische Ausbildung absolviert. Hofmann leitete diese Bibliothek bis 1913 gemeinsam mit Elise Bosse (* 25. März 1880 in Leipzig; † 12. Dezember 1954 in Leipzig),Walter Fellmann, Sachsen-Lexikon, Koehler & Amelang Verlagsgesellschaft mbH München Berlin, 2000, ISBN 3-7338-0234-9 einer ausgebildeten Kindergärtnerin, die er 1914 heiratete. In seiner 1951 erschienenen Autobiographie bezeichnet er seine Frau als „Urbild der deutschen Volksbibliothekarin“. 1913 wurde er als Direktor der Leipziger Bücherhallen berufen und eröffnete dort die erste städtische Bücherhalle. In den folgenden Jahren bis 1929 baute das Ehepaar Hofmann drei weitere Bibliotheken und eine bibliothekarische Forschungsstätte auf. Während des Ersten Weltkriegs organisierte Hofmann von 1916 bis 1918 fahrende Kriegsbüchereien.

Richtungsstreit im Bibliothekswesen