mini|Der Hauptplatz von Feldkirchen in Kärnten Feldkirchen in Kärnten ist eine Stadtgemeinde und Sitz der Bezirkshauptmannschaft des gleichnamigen österreichischen Bezirks. Die durch mehrere Gemeindereformen heute 86 Ortschaften umfassende Großgemeinde zählt Einwohner (Stand ) und ist damit die fünftgrößte Stadt Kärntens. Feldkirchen wurde um 1065/66 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt bereits vor 1176 das Marktprivileg zugesprochen. 1930 wurde die Gemeinde zur Stadt erhoben und 1982 zur Bezirkshauptstadt.
Geographie Lage mini|Luftaufnahme, Nordwest-Ansicht mini|Gebäude unweit des Hauptplatzes von Feldkirchen
Die Stadt Feldkirchen liegt am nördlichen Rand des Klagenfurter Beckens. Das Gemeindegebiet liegt zwischen 510 m (tiefster Punkt an der Gemeindegrenze zu Ossiach im Bachbett der Tiebel) und (höchster Punkt, Taubenbühel am Ossiacher Tauern), Feldkirchen selbst in etwa 550 m Seehöhe.
Gewässer Fließgewässer
Die Tiebel – auch Tiebelbach genannt – durchfließt die Stadt von Nord nach Süd. Sie ist der Hauptzufluss des Ossiacher Sees Die Glan fließt vom Ossiacher Tauern kommend durch das Gemeindegebiet im Südosten Der Tiffner Bach fließt in einem kleinen Bereich, in der Ortschaft Leinig zur Tiebel Der Powirtschacher Bach fließt im Norden der Gemeinde zur Tiebel Der Klammbach fließt durch die Ortschaft Dellach zur Glan (Gurk)
Stehende Gewässer Der Dietrichsteiner See im Osten Der Maltschacher See im Südosten Der Flatschacher See im Nordwesten
Stadtgliederung Die Ortschaften der Stadtgemeinde sind in folgende 12 Katastralgemeinden gegliedert:
Das Stadtgemeindegebiet umfasst folgende 86 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): mini|St. Nikolai
Nachbargemeinden
Klima
Geschichte Erste Ansiedlungen mini|Wehr an der Tiebel in Feistritz
Das Gebiet um das heutige Feldkirchen, im Glantal und am Ossiacher See ist seit der späteren Jungsteinzeit (um 2000 v. Chr.) vereinzelt besiedelt. Für das 5. Jahrhundert v. Chr. ist eine befestigte Ansiedlung auf dem Krahberg nachgewiesen, die von den Kelten im 3. Jahrhundert v. Chr. übernommen wurde. In der Zeit des Königreichs Noricum wurden allmählich auch die ebenen Talflächen besiedelt. So stand an der Stelle der heutigen Tiffener Jakobskirche ein gut befestigtes Heiligtum. Der Ortsname „Tiffen“ ist auf das keltische „Tif“ (Sumpf) zurückzuführen, und auch der Name der Glan („die Lautere, Klare“) ist keltischen Ursprungs.Putzinger: Von den Nockbergen zum Ossiacher See. S. 19.
Antike und Zeit der Völkerwanderung mini|Altes Wohnhaus in Feistritz Nr. 13
Die Römer besetzten Noricum im Jahr 15 v. Chr. und bauten in der Folge das bis dahin primitive Straßensystem aus. Für das römische Feldkirchen ist anzunehmen, dass es sich um die Straßenstation Beliandrum handelt. Die von Aquileia nach Norden über den Plöckenpass ins Drautal führende Via Julia Augusta verlief über Irschen (castrum Ursen) – Spittal (Teurnia) – Krastal – Treffen und Feldkirchen (Beliandrum?) nach Virunum. Wie von Teurnia zweigte von Feldkirchen die Römerstraße Virunum – Iuvavum in Richtung Norden nach Salzburg (Iuvavum) ab.
Ab dem 4. Jahrhundert nach Christus verbreitete sich, vom Aquileja ausgehend, die christliche Lehre in der römischen Provinz Noricum. Einen Hinweis, dass es im Feldkirchener Raum um das Jahr 400 eine Christengemeinde gegeben haben könnte, ist der Grabstein einer Römerin namens Valerina, auf dem ein Christogrammkreuz abgebildet ist.
In der Zeit der Völkerwanderung wurden im 5. Jahrhundert zahlreiche Ansiedlungen durch umherziehende Germanenstämme verwüstet und geplündert. Im 6. Jahrhundert zogen sich viele der noch ansässigen Keltoromanen, bedrängt durch slawische Siedler, in entlegenere Täler zurück. Kurz vor 600 n. Chr. zog auch slawischer Kriegeradel in das Land ein und begründete das Fürstentum Karantanien. Slawische Siedler rodeten an verschiedenen Stellen des Feldkirchener Beckens Höhenterrassen und legten dort geschlossene Siedlungen an. Mehrere Flur-, Orts- und Flussnamen im heutigen Gemeindegebiet sind daher slawischen Ursprungs, so z. B. Poitschach (von poljanica, „kleine Ebene“), Powirtschach (von podvorcice, „zwei Höflein“) oder Tscherneitsch (von crnejec, „der Schwarze“).
Frühes Mittelalter mini|Ruine Prägrad
Im 8. und 9. Jahrhundert wurden zur Schaffung weiterer Siedlungs- und Bewirtschaftungsflächen Wälder gerodet, bevorzugt in höheren Hanglagen, da sich das sumpfige und dicht bewaldete Gebiet in den Tälern nicht zur Besiedlung eignete. Um die Mitte des 8. Jahrhunderts setzte in Karantanien eine zweite Christianisierungswelle ein, die diesmal vom Bistum Salzburg ausging und die die „Bekehrung“ der Slawen zum Ziel hatte (in diesem Kontext wurden die später niedergeschriebenen Texte der Freisinger Denkmäler und damit einhergehend eine auf dem Alpenromanischen basierende alpenslawisch/slowenische christliche Terminologie geschaffen).Franz Miklosich: Die christliche Terminologie der slavischen Sprachen. Wien 1875; Otto Kronsteiner: Virgil als geistiger Vater der Slawenmission und der ältesten slawischen Kirchensprache. In: Virgil von Salzburg. Missionar und Gelehrter. Hg. H. Dopsch und R. Juffinger. Salzburg 1984, 122–128; In deren Folge entstand auch die erste „Kirche im Felde“, die nebst zugehöriger Siedlung erstmals in einer Schenkungsurkunde vom 26. Dezember 888 als „Ueldchiricha“ genannt wird; diese Urkunde war jedoch um 1065/66 gefälscht worden.Dehio Kärnten, Wien 2001, S. 127.
Nach den benediktinischen Klostergründungen Ossiach (vor 1027) und Millstatt (um 1070) wurden umfangreiche Besitzungen in Kärnten an die Kirche vergeben. Auch das erst 1007 gegründete Bistum Bamberg wurde in Kärnten großzügig mit Land bedacht (Villach mit dem Kanaltal, Feldkirchen sowie Wolfsberg mit dem oberen Lavanttal) und gewann dadurch erheblich an Einfluss. Das Gebiet um Feldkirchen gehörte bis 1759 zu Bamberg. Von seiner günstigen Lage am Handelsweg Wien–Steiermark–St. Veit–Villach–Venedig profitierten Feldkirchen und umliegende Ortschaften wie Steindorf und Glanegg ab Mitte des 11. Jahrhunderts. Entlang dieser wichtigen Straße entstanden rund um Feldkirchen die Burgen Dietrichstein, Prägrad, Tiffen und Glanegg. Auch der Bau etlicher gotischer Kirchen in der Region fällt in die Zeit des wirtschaftlichen Aufstiegs, der bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts anhielt.
Entwicklung des Marktes Bereits in das Jahr 1176 fällt die erstmalige Nennung Feldkirchens als Markt (lat. forum), der dabei als eigener Rechtsbereich bezeichnet wurde, und damit außerhalb des Einflussbereichs des Kärntner Herzogs lag. Zu einem Markt im vollen Rechtssinn fehlten zu diesem Zeitpunkt allerdings noch die bürgerliche Selbstverwaltung durch einen Rat und einen frei gewählten Richter, Marktsiegel und -wappen sowie ein Wochen- und Jahrmarkt. Der Marktrichter etwa, der zugleich Burggraf auf Dietrichstein war, wurde durch den Bamberger Bischof aus dem Kreis der ritterlichen Lehensleute bestimmt, Bestrebungen der Bürger auf eine freie Richterwahl noch Ende des 14. Jahrhunderts durch das Bistum unterdrückt.
1434 wurden Feldkirchen und Dietrichstein an Pankraz Ungnad verpfändet. Dessen aus dem Lavanttal stammende Familie stand ursprünglich in bambergischen Diensten, stellte aber auch einige Heerführer und Beamte des Kaisers und war dadurch zu Reichtum und Ansehen gelangt. Während der Zeit der Ungnadschen Herrschaft, die bis 1468 andauerte, verselbständigte sich der Markt Feldkirchen auch als Bürgergemeinde, was vor allem auf die engen Beziehungen Ungnads zu den habsburgischen Landesfürsten zurückging. 1441 stellte König Friedrich IV. die Feldkirchener Bürger bezüglich Handel und Gewerbe denen der landesfürstlichen Märkte und Städte gleich, 1453 erhielt Feldkirchen das Recht auf einen Jahrmarkt und wurde von der Gerichtsbarkeit auswärtiger Landrichter befreit. Ab 1459 führte der Markt auch ein eigenes Wappen und 1468 schließlich gab Christoph Ungnad den Bürgern eine eigene Marktordnung, die zahlreiche Bereiche des alltäglichen Lebens regelte. Im selben Jahr kaufte der Bamberger Bischof Feldkirchen aus der Verpfändung zurück.
Die folgenden Jahrzehnte waren durch Überfälle zunächst der Türken und später auch der Ungarn geprägt, die sowohl Feldkirchen als auch das obere Gurktal, die Sirnitz, das Glantal und Siedlungen um den Ossiacher See plünderten und anzündeten. Zwar wurden in dieser Zeit viele Kirchen zu Wehrkirchen ausgebaut, und auch der Bamberger Amthof wurde befestigt und bot der Bevölkerung Schutz, der Markt Feldkirchen jedoch war unbefestigt und daher den Angriffen wehrlos ausgesetzt.
Dem durch Plünderungen und zeitweiliger Besatzung bedingten wirtschaftlichen Niedergang folgte im 16. Jahrhundert ein wirtschaftlicher Aufstieg der Region um Feldkirchen, der vor allem auf der Verarbeitung des in Hüttenberg gewonnenen Eisenerzes beruhte. Die eisenverarbeitenden Betriebe prägten bis ins 20. Jahrhundert Handel und Gewerbe der Region. Dass der alte Handelsweg über Feldkirchen und Villach nach Venedig jedoch nach dem Sieg der Habsburger über die Türken und der darauf folgenden Verlagerung des wirtschaftlichen Schwergewichts und der Handelswege nach Osten bedeutungslos geworden war, bedeutete für den Markt Feldkirchen einen Rückschlag.
Nachdem der Bamberger Bischof 1675 bereits auf die Landeshoheit über seine Herrschaften in Kärnten verzichtet hatte, wurden 1759 sämtliche Besitzungen des Bistums und damit auch der Markt Feldkirchen an die Habsburger verkauft.
Bildung der Ortsgemeinde und des Bezirks mini|Landschaft um Pernegg
1846 beteiligten sich die niederösterreichischen Industriellen Matthäus und Franz von Rosthorn am Eisenwerk in Buchscheiden nahe Feldkirchen, das mit Torf betrieben wurde. Hier wurden Eisenbahnschienen erzeugt. Das Eisenwerk in Buchscheiden wurde nach Zahlungsunfähigkeit und Ausgleich 1870 verkauft.
Nach dem Revolutionsjahr 1848, das in Feldkirchen selbst für wenig Aufregung sorgte, schuf das Gemeindegesetz vom 17. März 1849 die Voraussetzungen für die Bildung von politischen Ortsgemeinden. Ausgangspunkt hierfür waren die damals schon bestehenden Katastralgemeinden, jedoch ging man in Kärnten sehr uneinheitlich vor. Vor allem in Oberkärnten wurden sehr große Gemeinden geschaffen, so hatte auch die im Jahr 1849 gebildete Gemeinde Feldkirchen bereits rund 60 km² und etwa 4500 Einwohner, wobei die Bewohner des Marktes politisch dominierten. Einige Ortschaften waren daher mit dieser Einteilung unzufrieden und spalteten sich wieder ab: So wurden Steuerberg bereits 1866 und Waiern im Jahr 1894 wieder zu eigenständigen Gemeinden.
mini|Typisches Mittelkärntner Holzhaus in Pernegg
Mit der Bildung von Gemeinden ging auch die Schaffung von Bezirksgerichten und Bezirkshauptmannschaften einher. Jede Gemeinde in Kärnten wurde einem der 28 neuen Bezirksgerichte und diese wiederum einer Bezirkshauptmannschaft zugeordnet. Feldkirchen erhielt zwar ein Bezirksgericht, dem die Gemeinden des heutigen Bezirks Feldkirchen untergeordnet waren, jedoch keine eigene Bezirkshauptmannschaft, sondern wurde dem Bezirk Klagenfurt-Land untergeordnet. Wiederholt versuchten die Gemeinden des Gerichtsbezirks Feldkirchen in gemeinsamen Petitionen an die Landesregierung die Errichtung einer eigenen Bezirkshauptmannschaft zu erreichen. Dieses Ziel konnte zwar nicht vollständig durchgesetzt werden, aber mit Erlass vom 18. März 1903 genehmigte das Innenministerium die Errichtung einer Politischen Expositur in Feldkirchen, die am 1. Oktober desselben Jahres ihre Arbeit aufnahm. Der politische Kommissär erhielt zwar einen Großteil aller Kompetenzen eines Bezirkshauptmanns, war aber dem Klagenfurter Bezirkshauptmann weisungsgebunden. Erst per Verordnung der Landesregierung zur „Bildung eines politischen Bezirks Feldkirchen“ kam es zum 1. Jänner 1982 zur Bildung des Bezirks Feldkirchen. Das Amtsgebäude in der Milesistraße war bereits 1963 von der kommissarischen Verwaltung bezogen worden.
Der Erste Weltkrieg und die Folgen