mini|hochkant=1.5|Logo der English Defence League: Ein geschweiftes Georgskreuz vor weiß-schwarz geteiltem Grund, umrandet von den Schriftzügen English Defence League und In hoc signo vinces|alt=Logo der English Defence League

Die English Defence League (, kurz EDL) ist eine politische Organisation in Großbritannien. Sie entwickelte sich 2009 aus der britischen Hooligan-Szene, zu der sie weiterhin in Verbindung steht. Gleichzeitig gibt es Kontakte zur rechtspopulistischen UK Independence Party (UKIP), zur rechtsextremen British National Party (BNP) und zu vergleichbaren Parteien und Organisationen im europäischen Ausland, beispielsweise der deutschen German Defence League. Seit ihrer Gründung erfuhr die EDL starken Zulauf und stellt eine der bedeutendsten organisierten Gruppen im rechten Spektrum des Vereinigten Königreichs dar. Als zentrale Persönlichkeiten der EDL sind in der Öffentlichkeit vor allem der Millionär Alan Lake sowie Stephen Yaxley-Lennon alias Tommy Robinson hervorgetreten.

Die EDL stellt sich auf den Standpunkt, Kritik am Islam zu üben und die Ausbreitung von „Islamismus, Scharia und islamischem Extremismus“ verhindern zu wollen, und weist Rassismusvorwürfe zurück. Dem stehen Zeitungsberichte, wissenschaftliche Studien und Gerichtsurteile entgegen, die der EDL radikale Islamfeindlichkeit und Rechtsextremismus attestieren.

Geschichte Entstehung und Gründung Bereits vor der Gründung der English Defence League in Luton waren dort verschiedene Vorläuferorganisationen aktiv. Der frühste Vorläufer der EDL bestand aus einer losen, gewaltbereiten Gruppe, die regelmäßig an Demonstrationen gegen eine islamistische Splittergruppe namens Ahl as-Sunna wa-l-Dschama’a teilnahm, welche ihrerseits gegen den britischen Militäreinsatz im Irak und britische Soldaten demonstrierte. Dabei kam es am 10. März 2009 zu einem Zwischenfall, bei dem heimkehrende Soldaten von etwa 15 Islamisten als „Babymörder“ und „Schlächter“ beschimpft wurden, woraufhin die umstehende Menge auf sie losging. Dieses Ereignis sorgte für große Medienaufmerksamkeit und veranlasste James Yeomans, ein Mitglied des betroffenen Armeeregiments, dazu, einen Protestmarsch ins Leben zu rufen, um Respekt für die britischen Truppen zu fordern. Der anti-islamische Blogger Paul Ray organisierte daraufhin unabhängig von Yeomans und ohne dessen Wissen Unterstützung durch islamfeindliche Gruppen von außerhalb Lutons. Die meisten dieser Gruppen – etwa die Welsh Defense League (WDL), March for England (MfE) oder die United British Alliance (UBA) – entstammten dem Hooligan-Milieu und bestanden vor allem aus Fußballfans und Armeeveteranen. Als Yeomans von antifaschistischen Aktivisten darauf aufmerksam gemacht wurde, sagte er den Protestmarsch umgehend ab.

Ray wollte daraufhin eine Georgstagsparade als Ersatz abhalten, was ihm jedoch von den örtlichen Behörden verweigert wurde, weil gegen ihn wegen Incitement to Racial Hatred (Aufhetzung zum Rassenhass) ermittelt wurde. Daraufhin kam es am 13. April 2009 zu einer ungenehmigten Demonstration von etwa 150 Teilnehmern, die sich als United People of Luton (UPL) bezeichneten; sie wurde umgehend von der Polizei aufgelöst. In der Folge kam es zu weiteren Demonstrationen der UPL, von denen sich MfE zunehmend distanzierte. Die UPL und Ray schlossen sich fortan für ihre Aktionen mit der Hooligan-Gruppe Casuals United (CU) zusammen. Am 24. Mai 2009 veranstalteten beide Gruppen einen Protestmarsch, bei dem Geschäfte und Autos vandaliert wurden. Die Teilnehmerzahl dieser Demonstrationen nahm stetig zu; am 27. Juni 2009 schlossen sich die daran beteiligten Gruppen zur English Defence League zusammen.

Etablierung und Richtungsstreit Bereits kurz nach der Gründung der EDL erregte sie die Aufmerksamkeit etablierter rechtsextremer Parteien wie der National Front (NF) oder der British National Party (BNP). Während die EDL von Anfang an auf Abstandnahme zu diesen Parteien bedacht war (so verwarf sie etwa wegen der Ähnlichkeit zum Namen der BNP die Selbstbezeichnung „British Defence League“), versuchte vor allem die BNP trotz offizieller Distanzierung, innerhalb der EDL an Einfluss zu gewinnen. Tatsächlich gelang ihr dies an einigen Stellen, in denen BNP-Mitglieder wichtige Funktionen in der EDL ausübten. Als die EDL für den 8. August 2009 eine Demonstration ansetzte, erklärte Paul Ray seinen Ausstieg: Das Datum des 8. 8. sei in Anlehnung an Neonazi-Symbolik gewählt worden, und zwar auf Betreiben von einschlägig aktiven Mitgliedern von Casuals United sowie der BNP, die die EDL „gekapert“ hätten. Ray gründete zunächst eine eigene EDL-Abteilung, löste diese anschließend aus der EDL und wanderte schließlich nach Malta aus, nachdem ihm in Großbritannien Strafverfolgung drohte und er nach eigenen Angaben Todesdrohungen von Islamisten erhalten hatte.

Aus diesem Führungsstreit ging Stephen Yaxley-Lennon als neuer Kopf der EDL gestärkt hervor. Yaxley-Lennon nennt sich selbst Tommy Robinson (nach dem Autor und Mitglied der Hooligan-Gruppe Luton Town MIGs) und hielt seine Identität in der Öffentlichkeit geheim. Er trat stets nur vermummt auf, dennoch wurde er im April 2010 unmaskiert fotografiert und im Juni identifiziert. Dabei kam seine frühere BNP-Mitgliedschaft sowie ein 12-monatiger Gefängnisaufenthalt heraus, den er für einen Angriff auf einen Polizisten verbüßt hatte. Yaxley-Lennon wiederum behauptete, er heiße in Wahrheit Robert Harris, was in der Öffentlichkeit für zusätzliche Verwirrung sorgte.

Währenddessen ermittelten die britischen Medien den Londoner Millionär Alan Lake als Finanzier der EDL. Lake war von Paul Ray an die Organisation herangeführt worden und trat intellektueller und gemäßigter auf als Yaxley-Lennon. Er hatte bereits vor seinem Engagement für die EDL gegen den Islam agitiert und war stark von anti-islamischen Autoren wie Robert Spencer und Daniel Pipes geprägt. Nachdem Lake zunächst als ideologische Führungsfigur der EDL aufgetreten war und eine Allianz mit der United Kingdom Independence Party (UKIP) vorgeschlagen hatte, zog er sich ab Mai 2010 zunehmend in den Hintergrund zurück.

Organisation Führungsstruktur Die English Defence League verfügt über keine ausgeprägten formellen Organisationsstrukturen, so gibt es etwa keine offizielle Mitgliedschaft. Es existiert jedoch ein Führungsgremium, das im Juni 2010 neben Yaxley-Lennon auch Trevor Kelway, Jeff March, Jack Smith, Joel Titus und Richard Price umfasste. Ende Juli 2010 ernannte Yaxley-Lennon seinen Cousin Kevin Carroll zum „joint leader“, also zum formal gleichrangigen Führer neben sich. Der innere Führungskreis der EDL bestand weiterhin aus Smith, Marsh und Kelway. Alan Lake tritt nicht als offizieller Vertreter in Erscheinung, sondern beschränkt seine Aktivitäten auf die ideologische Hintergrundarbeit und Finanzierung der EDL.

Am 8. Oktober 2013 gab die Quilliam Foundation bekannt, dass Tommy Robinson und Kevin Carroll die Organisation verlassen wollen. Zum neuen Vorsitzenden wurde Ende 2013 Tim Ablitt gewählt.ibtimes.co.uk

Organisatorische Gliederung Die Gliederung der EDL erfolgt einerseits nach regionalen, andererseits nach thematischen Gesichtspunkten in sogenannten Divisions. Regionale Divisions mit einem Division Leader existieren auf lokaler Ebene in vielen Städten Englands. Im Oktober 2010 gab die EDL die Zahl dieser örtlichen Divisions mit über 90 an. Sie werden in regionalen Verbänden – North West, North East, Eastern Midlands, West Midlands, East Anglia, South West, South East, South East Central und Greater London – zusammengefasst, denen seit Sommer 2010 jeweils ein Regional Organiser vorsteht. Die Funktion des Regional Organiser wurde eingeführt, um die unübersichtlichen Strukturen der EDL-Abteilungen stärker zu integrieren und effektiver zu organisieren. Laut dem EDL-Verhaltenskodex müssen Angehörige der den Regional Organisers und Division Leader unterstehenden Abteilungen deren Weisungen Folge leisten.

Neben den lokalen Divisions existieren auch Divisions, die sich an bestimmte Gruppen richten. Die erste dieser Gruppen war die LGBT-Division, die im März 2010 gegründet wurde. Sie wird – wie auch Divisions für Sikhs, Menschen mit Behinderungen, Juden oder Frauen – von Beobachtern als ein Versuch interpretiert, nichtmuslimische Minderheiten gegen den Islam und Muslime zu vereinnahmen, sich als Vertreter ihrer Interessen zu gerieren und sich nach außen hin als pluralistisch, weltoffen und tolerant zu präsentieren und so dem Verdacht des Rechtsextremismus entgegenzuwirken. Neben solchen speziell an Minderheiten innerhalb der EDL gerichteten Divisions existieren auch Divisions für Armeeveteranen oder Jugendliche.

Kommunikation und Koordination Die English Defence League verfügt über keine eigene Zeitschrift. Der Großteil der internen Kommunikation erfolgt über die eigene Webseite und die angeschlossenen Foren der einzelnen Divisions sowie über soziale Netzwerke im Internet wie Facebook und die Plattform Twitter. Laut Nigel Copsey hat diese Art der Kommunikation mehrere Vorteile für die EDL: Sie sei nicht sonderlich teuer, verbinde eine große Reichweite mit Interaktivität und garantiere ihren Teilnehmern nicht zuletzt Anonymität. Die Vorbereitung von Aktionen über Facebook binde die Teilnehmer stark mit ein, erzeuge eine Gruppenidentität und befeuere Erwartungen an Demonstrationen und andere Protestaktionen. Diese Integrationswirkung werde durch den Merchandise-Shop der EDL im Internet noch verstärkt.

Mitgliederstruktur Über die Zahl der EDL-Mitglieder lassen sich nur schwer Aussagen treffen. So hatte die EDL 2010 im Juli nach eigenen Angaben 22 000 Facebook-Freunde, wobei es sich aber wohl zu einem großen Teil um Unterstützer auf dem Papier handeln dürfte. Eine Mitgliedschaft, die über die Teilnahme an Facebook-Diskussionen oder die Anmeldung auf der EDL-Webseite hinausgeht, gibt es nicht. Dementsprechend werden auch keine Mitgliedsbeiträge erhoben. Die Zahl der aktiven Unterstützer der EDL auf Demonstrationen variiert und liegt gelegentlich bei mehreren Tausend Demonstranten. Der von der EDL veranstaltete „Homecoming March“ in Luton konnte im Februar 2011 rund 4.000 Teilnehmer mobilisieren.

Unter der Anhängerschaft der EDL sind vor allem junge Männer stark vertreten, die aus Industriarbeitermilieus stammen und darüber hinaus auch in oder im Umfeld von Hooligan-Gruppen aktiv sind. Sie stammen zumeist aus Mittelengland, wo durch den Niedergang der angestammten Industrie hohe Arbeitslosigkeit herrscht und wo in vielen Städten Menschen mit Migrationshintergrund aus den ehemaligen britischen Kolonien in Südasien einen hohen Anteil an der Einwohnerschaft stellen. Hier befinden sich sowohl die weiße Unterschicht als auch die auf Basis ihrer Religion, Hautfarbe oder Herkunft diskriminierten Gruppen in prekären sozialen Umständen, haben aber untereinander nur wenig Kontakt. Beides trägt, so Jon Garland und James Treadwell, zur Radikalisierung der Gemeinschaften und zur gegenseitigen Feindseligkeit unter ihnen bei. Solche Haltungen wurden durch die Anti-Terrorismus-Rhetorik der britischen Politik, geplante und durchgeführte islamistische Terroranschläge und zunehmend restriktive Einwanderungsbestimmungen zusätzlich gefördert. Für Jugendliche aus diesen weißen Milieus ist die EDL auch deshalb attraktiv geworden, weil sie gemeinsame Aktivitäten, gewalttätige Auseinandersetzung sowie mit dem behaupteten Kampf gegen den Islamismus ein übergeordnetes Ziel bietet. Während die Fußball-Hooliganszene unter den erhöhten Eintrittspreisen und Stadionverboten leidet, ermögliche ihnen die EDL, so Garland und Treadwell, physische Konfrontation in einer Ersatzarena auszutragen. Umgekehrt seien gerade Hooligans für die EDL eine wichtige Zielgruppe, da sie eine hohe Demonstrations- und Aktionsbereitschaft aufbrächten und sich gut mobilisieren ließen. Alan Lake drückte die Haltung der EDL folgendermaßen aus: