miniatur|rechts|Marc Sangnier, 1919Marc Sangnier (* 3. April 1873 in Paris; † 28. Mai 1950 ebenda) war ein französischer katholischer Denker, Politiker und Jurist, der 1894 die Bewegung Le Sillon („Die Furche“) gründete. Des Weiteren engagierte er sich für die Arbeiterbildung und gilt als einer der Pioniere der französischen Jugendherbergsbewegung.
Leben Von 1879 bis 1894 besuchte Sangnier in Paris das renommierte Collège Stanislas. Ab 1895 studierte er an der École polytechnique und erhielt 1898 seinen Abschluss in Recht.
Das Ziel Sangniers war, den Katholizismus mit den Idealen der Französischen Revolution zu vereinen sowie eine Alternative zur antiklerikalen sozialistischen Arbeiterbewegung zu formen. Die Bewegung Le Sillon, unter ihnen Peter Maurin als Mitglied, war anfänglich erfolgreich; Sangniers Ideen wurden jedoch von Papst Pius X. in dem apostolischen Schreiben an die französischen Bischöfe Notre charge apostolique („Unser apostolisches Amt“) vom 25. August 1910 verurteilt. Sangnier unterwarf sich und löste die Bewegung auf.
Sangnier gründete eine Tageszeitung, La Démocratie, die für die Gleichheit von Frauen, die proportionale Repräsentation bei Wahlen sowie für den Pazifismus eintrat. 1912 gründete Sangnier die Liga der Jungen Republik, um seine Vorstellung eines sozialen Katholizismus voranzubringen. Papst Benedikt XV. (1914–1922) rehabilitierte Sangnier und seine Bewegung teilweise.Rehabilitating a Radical Catholic: Pope Benedict XV and Marc Sangnier, 1914–1922, in: The Journal of Ecclesiastical History (2009), 60:514-533 Cambridge University Press, .
1914 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, diente als Leutnant und wurde mit dem Croix de guerre ausgezeichnet. Wie auch andere französische Katholiken war Sangnier von der neutralen Haltung des Papstes im Krieg zunächst enttäuscht. Nach dem Krieg warb er jedoch für die deutsch-französische Aussöhnung und schloss sich der Kritik des Heiligen Stuhls am Versailler Vertrag an.Winfried Becker: Deutsche Friedensbewegungen der Weimarer Republik in ihren Beziehungen zu Marc Sangnier. In: Historisches Jahrbuch, Jg. 125 (2005), S. 175–221.
1919 wurde Sangnier ins französische Abgeordnetenhaus gewählt. Als inoffizieller Botschafter der französischen Republik beim Heiligen Stuhl trug er mit dazu bei, dass die diplomatischen Beziehungen 1921 wiederhergestellt wurden. 1923 wurde er im Parlament „niedergeschrien“, weil er sich gegen die Besetzung des Ruhrgebietes und für eine Versöhnung mit dem „Erbfeind“ Deutschland einsetzte. Porträt von Alfons Erb, Initiative wertvolle Zukunft im Erzbistum Freiburg 1924 schied er aus dem Parlament aus. Seine pazifistische Haltung wurde zunehmend unpopulär, weshalb er 1929 ein so schlechtes Wahlergebnis erzielte, dass er sich endgültig aus der Politik zurückzog und sich ganz auf die Verbreitung seiner Ideen konzentrierte.
1932 gründete er das Blatt L’Éveil des Peuples („das Erwachen der Völker“), an dem sich unter anderem Pierre Cot und René Cassin zeitweise beteiligen. Schon 1928 hatte er dem damals 19-jährigen Émilien Amaury (später ein bedeutender Zeitungsverleger in Frankreich) eine erste Anstellung bei einem seiner Blätter verschafft.
Sangnier war auch ein Vorreiter des französischen Jugendherbergswesens. Nach einem Gespräch mit dem Deutschen Richard Schirrmann beschloss Sangnier, die Idee auch in Frankreich umzusetzen. 1929 wurde in Boissy-la-Rivière im Département Essonne die erste französische Jugendherberge gebaut.
Im Zweiten Weltkrieg stellte Sangnier sein Blatt der Résistance zur Verfügung. Während der Besetzung durch Deutschland wurde er von der Gestapo verhaftet und im Gefängnis von Fresnes inhaftiert. Nach der Befreiung vertrat er von Oktober 1945 bis zu seinem Tod 1950 als Abgeordneter in der französischen Nationalversammlung das Mouvement républicain populaire (MRP).
Werke Discours (in 10 Bänden): Tome I − 1891–1906 Tome II −1906–1909 Tome III −1910–1913 Tome IV − 1912–1913 Tome V − 1913–1919 Tome VI − 1919–1922 Tome VII − 1922–1923 Tome VIII − 1923–1925 Tome IX − 1925–1929 Tome X − 1930–1937 L'Éducation sociale du peuple, Paris, Rondelet, 1899 Le Sillon, esprit et méthodes, Au Sillon, 1905 L'Esprit démocratique, Paris, Perrin, 1905 Par la mort, Au Sillon, 1905 Une méthode d'éducation démocratique, Au Sillon, 1906 Au lendemain des élections (Unter dem Pseudonym François Lespinat), Au Sillon, 1906 La vie profonde, Paris, Perrin, 1906 Le plus grand Sillon, Au Sillon, 1907 La trouée, Au Sillon, 1908 Devant l'affiche, Au Sillon, 1908 Chez les fous, Au Sillon, 1908 La lutte pour la démocratie, Paris, Perrin, 1908 Dans l'attente et le silence, Au Sillon, s.d. Aux sources de l'éloquence, Paris, Bloud et Gay, 1908 Conférences aux soldats sur le front, Bloud et Gay, 1918 Ce que savent les jeunes Français d'aujourd'hui, La Démocratie, 1918 Le val noir, La Démocratie, 1919 L'âme commune, 1920–1921 L'anniversaire, La Démocratie, 1928 Albert de Mun, Paris, Alcan, 1932 Autrefois, Paris, Bloud et Gay, 1933 Le pacifisme d'action, Paris, Foyer de la Paix, 1936 Le combat pour la paix, Paris, Foyer de la Paix, 1937 Histoire des auberges de la jeunesse, édité par "Les auberges", 1946
Literatur Willy Buschak, Der Friedenskreuzzug des französischen Pazifisten Marc Sangnier, in: ders., Die Vereinigten Staaten von Europa sind unser Ziel. Arbeiterbewegung und Europa im frühen 20. Jahrhundert. Essen 2014. S. 263f.
Weblinks
Biografie in Le Sillon (englisch)
Einzelbelege
Kategorie:Le-Sillon-Mitglied Kategorie:Mitglied der Abgeordnetenkammer (Frankreich) Kategorie:Mitglied der Nationalversammlung (Frankreich) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Katholischer Modernismus Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1873 Kategorie:Gestorben 1950 Kategorie:Mann