mini|Metronom von Johann Nepomuk Mälzel, Paris 1815 Johann Nepomuk Mälzel (* 15. August 1772 in Regensburg; † 21. Juli 1838 im Hafen von La Guaira, Venezuela) war Erfinder und Mechaniker sowie Konstrukteur mechanischer Musikinstrumente. Er gilt als Urheber der Bezeichnung Metronom, während Dietrich Nikolaus Winkel als Erfinder dieses Taktinstruments gilt.

Leben und Wirken mini|Werbeplakat für Ausstellung Johann Nepomuk Mälzel wurde geboren als Sohn des Regensburger Orgelbauers und Mechanikers Johann Nepomuk Mälzel (1741–1797) in dem Haus Unter den Schwibbögen Nr. 7.Endlich Lorbeer für den Erfinder des Metronoms. In: Mittelbayerische Zeitung. 28. Juli 2016, S. 25. Er genoss wie sein jüngerer Bruder Leonhard Mälzel eine gute allgemeine und musikalische Ausbildung. Er wurde sehr früh durch sein meisterhaftes Pianofortespiel bekannt, auch in späteren Jahren gab er dies nie auf und führte fast immer ein Pianoforte mit sich, mit dem er seine Vorführungen untermalte und auflockerte. Die gute Resonanz seiner späteren Veranstaltungen war daher auch maßgeblich von seiner Person abhängig. Vorführungen, die ohne seine Anwesenheit stattfanden, brachten geringere Einkünfte.

1792 zog Mälzel nach Wien, studierte Mechanik, wurde Bürger von Wien und baute mit seinen Arbeitern in einer Werkstätte Automaten,„Sollte sich Hr. Mälzel zum Verkaufe seines Instruments entschliessen, und gesonnen seyn, ein ähnliches zu verfertigen, so könnte dies, nach seiner Versicherung, nur in Wien Statt finden, weil nur dort seine zu solchen Arbeiten eingerichtete Werkstätte ist, und weil nur seine in Wien von ihm angestellte Arbeiter ihm hierin hülfreiche Hand leisten können.“ In: Morgenblatt für gebildete Stände. Band 1. J.G. Cotta’sche, 1807, S. 411–412. books.google.at durch die er bald in ganz Europa Berühmtheit erlangte. Zur selben Zeit hielt Georg Joseph Vogler in Prag, Wien und an anderen Stätten Vorlesungen, die für Mälzel von Bedeutung waren; beide waren über einige Jahre zur selben Zeit in Wien und Paris tätig. In Wien entwickelte Mälzel auch sein Panharmonikon, ein mechanisches Musikinstrument, das die Instrumente einer ganzen Militärmusikkapelle spielen konnte. Es wurde mit einem Federwerk angetrieben, Blasebälge sorgten für den Wind, und es hatte die Noten auf rotierenden Trommeln gespeichert. Mälzel war einer der Ersten, der durchschlagende Zungen verwendete.

Ein Panharmonikon verkaufte er im Jahr 1807 in Paris für 100.000 Franken.„Nach Zeitungsnachrichten hat ein Hr. Lecuyer das Panharmonicon im Mai für 100.000 Franken gekauft, um es in dem Palais Royal öffentlich hören zu lassen, und zwar für 6 Francs, als die Hälfte der sonstigen Entree.“ In: Kunst- und Gewerbeblatt des Polytechnischen Vereins für das Königreich Bayern. Band 4, 1818, S. 223–228. books.google.atEncyclopädie der gesammten musikalischen wissenschaften, oder Universal-lexicon der tonkunst. Band 4, 1841, S. 510. books.google.at Eines wurde 1811The New-England Magazine. Band 6, 1834, S. 30. books.google.at an eine Gesellschaft in Boston geschickt und mindestens eines nach 1826 in Amerika verkauft.Pleikard Joseph Stumpf: Denkwürdige Bayern: Kurze Lebensbeschreibungen verstorbener verdienter Männer, die in dem Ländergebiete des jetzigen Königreichs Bayern geboren oder durch längeren Aufenthalt ihm angehörig waren. Rieger, München 1865, S. 128. books.google.at

Mälzel konstruierte zahlreiche weitere Musikautomaten. 1807 führte er in Nürnberg und 1808 in Paris und Wien seinen „mechanischen Trompeter“ vor, der den Anstoß zu dem vollkommenen Trompeterautomaten Kaufmanns in Dresden gab.Eduard Hanslick: Geschichte des Concertwesens in Wien. Wien 1869, Band 1: „Im Fache der musikalischen Automaten stand der Mechaniker Joh. Nepomuk Mälzel 1), der berühmte Erfinder des Metronoms, obenan. Er producirte in Wien im Jahre 1809 seinen „mechanischen Trompeter“ (welcher den Anstoß zu dem vollkommenen Trompeter-Automaten Kanfmann’s in Dresden gab), dann wiederholt in späteren Jahren (zuletzt 1828 im Augarten) seine aus sechsunddreißig Trompeten zusammengesetzte „Trompetenmaschine“. Ein andrer Mechaniker, Bauer, besuchte Wien im Jahre 1829 mit seinem „Orchestrion“. Mit ähnlichen Instrumenten und Spielwerken hat späterhin nur noch Fr. Kaufmann Erfolg gehabt, namentlich mit seinem ausgezeichneten „Harmonichord“ (einem clavirartigen Tasteninstrument) und dem „Chordaulodion“ (Flötensaitengesaug). Im Allgemeinen ist die Aufmerksamkeit dafür rasch geschwunden, und die oben angeführten zahlreichen Fantasie-Instrumente waren im Jahre 1830 bis auf den Namen verschollen.“ books.google.at Mälzel beschäftigte für seine Vorhaben auch immer die besten verfügbaren Mechaniker vor Ort. Er unternahm im Allgemeinen keinerlei Anstrengungen, seine Maschinen und deren Funktion geheim zu halten.

Einzig um den Puppenautomaten „Der Schachtürke“, den Mälzel nach dem Tod von Wolfgang von Kempelen von dessen Sohn 1804 erworben und etwas umgebaut hatte, machte er ein Geheimnis. Viele Besucher vermuteten beim „Schachtürken“ bereits einen Trick, andere machten sich jedoch Gedanken über künstliche Intelligenz. Durch die Diskussionen, die darüber geführt wurden, waren ihm Neugier und Interesse des Publikums sicher, so dass er mit seinen Musikautomaten und dem „Schachtürken“ erfolgreich auf Tournee gehen konnte. Nach einer Vorstellung in Baltimore wurde von Zeugen beobachtet, wie Mälzels Assistent, der aus dem Elsass stammende Schachlehrer Wilhelm Schlumberger, dem Automaten entstieg, und die Baltimore Gazette und weitere Zeitungen lüfteten immer mehr das Geheimnis. Der „Schachtürke“ verlor aber nicht komplett seine Anziehungskraft und wurde bis zum Tod Schlumbergers bei Illusionsdarbietungen verwendet. Auch Edgar Allan Poe verfasste 1836 unter dem Titel Maelzels Schachspieler eine Analyse des angeblichen Automaten.

1808 wurde Mälzel in Wien zum k. k. Hof-Kammermaschinisten ernannt. Hier wurde er auch zum Mentor von Elisabet (genannt Elise) Barensfeld, die gleichfalls aus Regensburg stammte. Elisabet Barensfeld war – nach einer These von Rita Steblin – möglicherweise Widmungsträgerin von Beethovens Klavierstück Für Elise. Vom König von Preußen erhielt Mälzel eine Goldmedaille als Anerkennung. Rasch entstanden mehrere dieser Orchestrien, die bald überall Aufsehen erregten.

Für die Verwundeten militärischer Auseinandersetzungen zur Zeit der napoleonischen Feldzüge beziehungsweise der Belagerung Wiens entwickelte Mälzel 1809 in Wien auch Fußprothesen:Augsburgische Ordinari Postzeitung. Nro. 273, Mittwoch, den 15. Nov. 1809, S. 1 f.

Für Ludwig van Beethoven, der in seinen späten Jahren an fortschreitender Taubheit litt, konstruierte Mälzel mehrere Hörrohre, von denen vier aus der Zeit zwischen 1812 und 1814 im Bonner Beethoven-Haus erhalten sind. Vermutlich als Dank hierfür schrieb Beethoven ein Stück für ein neues Panharmonikon von Mälzel, für dessen dramaturgischen Verlauf der Konstrukteur dem Komponisten recht genaue Vorgaben machte. Als Beethoven dieses Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria genannte Werk dann später für Orchester bearbeitet hatte (op. 91) und 1813 in Wien uraufführte, kam es zum Streit zwischen den beiden, weil Mälzel der Meinung war, er habe Rechte daran. Erst 1819 wurde der Streit freundschaftlich beigelegt. 1812 war er wieder in Paris; in Wien eröffnete er im selben Jahr ein eigenes Kunstkabinett. Für den mechanischen Trompeter komponierten Jan Ladislav Dussek und Ignaz Pleyel 1813 ein Konzertstück mit Orchesterbegleitung, dazu gehörte angeblich auch eine sprechende Puppe, welche die Augen bewegen konnte.

Das Metronom, durch dessen Konstruktion Mälzel allgemein bekannt ist, ließ er 1815 als einziges seiner Geräte patentieren.

Mit diesem Gerät kann das Tempo von Musikstücken gemessen werden: auch heute noch wird in Partituren vielfach mit MM, der Abkürzung für Mälzels Metronom, einem Notenwert und einer Ziffer die Zahl an Schlägen pro Minute für diesen Notenwert angegeben. Die eigentliche Erfindung des Metronoms wurde 1820 in einem Rechtsstreit dem in Amsterdam lebenden deutschen Mechaniker und Orgelbauer Dietrich Nikolaus Winkel zuerkannt; Winkel hatte für Mälzel nach dessen Vorstellung das erste Metronom konstruiert, Mälzel erweiterte dieses um eine Skala, fertigte es schließlich in großen Stückzahlen in Paris in einer eigenen Fabrik und verkaufte es bis nach Amerika.Vgl. Oesterreichisches MusiklexikonGottfried Wilhelm Fink: Der musikalische Hauslehrer, oder Theoretisch-praktische Anleitung für Alle, die sich selbst in der Tonkunst, namentlich im Pianofortespiele, im Gesange und in der Harmonielehre ausbilden wollen. 1846. books.google.at Am 14. Februar 1818 veröffentlichte die Wiener allgemeine musikalische Zeitung eine gemeinsame Erklärung Beethovens und Salieris über den Nutzen von Mälzels Metronom.Allgemeine musikalische Zeitung. Band 5, 1870, Friedrich Rochlitz, S. 129. books.google.at Der Scherzkanon Auf den Erfinder des Metronoms, dessen Motiv dem zweiten Satz der 1812 komponierten und 1814 uraufgeführten 8. Sinfonie Beethovens entnommen worden ist, stammt nicht, wie lange angenommen, von Beethoven, sondern ist eine Fälschung Anton Schindlers. 1819 und 1820 war Mälzel wieder in Paris, London, München und weiteren Städten Europas.Nathaniel Hawthorne, Elizabeth Manning Hawthorne (Hrsg.): American magazine of useful and entertaining knowledge. Band 3, 1837, S. 194. books.google.at Der Schachtürke war für kurze Zeit im Besitz von Eugène de Beauharnais, der im Jahre 1824 verstarb."The writer in the Palamede makes the result a kind of partnership in an exhibitiontour — the title of the Automaton was to remain in the princely owner, and Maelzel was to pay the interest of the original cost as his partner’s fair proportion of the profits. But another account — current, I believe, at Munich — makes the transaction to have been a sale: Maelzel bought back the Automaton for the same thirty thousand francs, and was to pay for it out of the profits of his exhibitions — " Provided, nevertheless," that Maelzel was not to leave the Continent to give such exhibitions. The latter account I believe to be the more correct one." In: The Book of the first American Chess Congress. S. 427. (online) Mr. Maelzel, who had already experienced some regret at parting with his protegi, requested the favour to be again reinstated in the charge, promising to pay Eugene the interest of the thirty thousand francs Mr. M. hod pocketed. This proposition was graciously conceded by the gallant Beauharnois, and Maelzel thus had the satisfaction of finding he had made a tolerably good bargain, getting literally the money for nothing at all! Leaving Bavaria with the Automaton, Maelzel was once more en ramie, as travelling showman of the wooden genius. Other automata were adopted into the family, and a handsome income was realised by their ingenious proprietor. Himself an inferior player, he called the assistance of first-rale talent to the field as his ally. On limits compel us to skip over some interval of time here, during which M. Boncourt (we believe) was Maelzel’s chef in Paris, where the machine was received with all its former favour; and we take up the subject in 1819, when Maelzel again appeared with the Chess Automaton in London. In: Fraser’s magazine for town and country. Band 19, James Fraser, 1839. (online) Er reiste mit einem Großteil seiner Erfindungen einschließlich des Schachtürken auch nach Nordamerika. Am 7. Februar 1826 kam er in New York an und sorgte mit Vorführungen in den Vereinigten Staaten für soviel Furore, dass er auch später noch einige Male dorthin erfolgreich auf Tournee ging.