mini|Salentinbau nach Braun-Hogenberg um 1570 mini|Schloss Arnsberg (Clemens-August Bau) nach Renier Roidkin Mitte 18. Jahrhundert mini|Heutiger Zustand mit fälschlich gotisch rekonstruierten Torbögen in der Durchfahrt im früheren Westturm Das Schloss Arnsberg auf dem 256 m hohen Schlossberg in Arnsberg, Nordrhein-Westfalen wurde als Burg von den Grafen von Werl-Arnsberg wohl in der Zeit um 1100 angelegt. Sie diente nach der Verlegung des Hauptsitzes den Grafen von Arnsberg bis 1368 als Wohnsitz. Mit dem Übergang der Grafschaft in den Besitz der kölnischen Erzbischöfe und späteren Kurfürsten wurde sie Herrschaftszentrum des Herzogtums Westfalen. Dort residierten die Kurfürsten bei ihren Besuchen, dort hatte der Landdrost als Statthalter seinen Sitz und dort fanden teilweise auch die Landtage statt.

Kurfürst Salentin von Isenburg ließ die Burg um 1575 im Stil der Renaissance umgestalten. Unter Maximilian Heinrich kam es 1654 zu einem weiteren Umbau. Eine grundlegende Umgestaltung im Stil des Barock erfuhr der Bau seit 1739 unter Kurfürst Clemens August durch den Baumeister Johann Conrad Schlaun. Im Siebenjährigen Krieg wurde das Schloss 1762 zerstört. Heute ist die Anlage eine Ruine.

Entwicklung und Baugeschichte Die Entwicklung und Baugeschichte der Anlage ist durch künstlerische Darstellungen, Pläne und Beschreibungen erst seit dem 16. Jahrhundert genauer nachvollziehbar. Nur eine größer angelegte archäologische Untersuchung könnte Aufschlüsse über die früheren Bauabschnitte liefern. Grabungen im Jahr 2023 erbrachten mittelalterliche Mauerstrukturen, die möglicherweise zu einer frühen Ringmauer gehörten.Westfalenpost vom 30. August 2023 mini|Grabungen Schlossberg Arnsberg 2023

Grafenburg Die Frühzeit der Anlage liegt weitgehend im Dunkeln. Um 1060 baute Bernhard II. die sogenannte alte Burg, auch Rümburg genannt, auf einem Berg am Zusammenfluss von Walpke und Ruhr. Konrad II. verlegte zwischen 1070 und 1080 den Sitz der Grafen von Werl nach Arnsberg. Früher wurde ihm auch der Bau der Grafenburg auf dem Berg gegenüber der Rüdenburg zugeschrieben. Als Entstehungsjahr wurde 1077 angegeben. Heute wird die Verlegung des Grafensitzes von Werl nach Arnsberg dem Grafen Friedrich dem Streitbaren in der Zeit um 1100 zugerechnet.Paul Leidinger: Die Grafen von Werl und Werl-Arnsberg (ca. 980–1124): Genealogie und Aspekte ihrer politischen Geschichte in ottonischer und salischer Zeit. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen, Band 1: Das kurkölnische Herzogtum Westfalen von den Anfängen der kölnischen Herrschaft im südlichen Westfalen bis zur Säkularisation 1803. Aschendorff, Münster 2009, S. 150.

Im Jahr 1102 wurde eine Burg im Bereich des heutigen Arnsberg durch Erzbischof Friedrich I. von Köln zerstört, da sich Graf Friedrich während des Investiturstreits auf Seiten von Kaiser Heinrich IV. gestellt hatte. Nach Leidinger handelte es sich dabei um die Rüdenburg, nicht wie in der älteren Literatur angegeben um die Grafenburg.Paul Leidinger: Die Grafen von Werl und Werl-Arnsberg (ca. 980–1124): Genealogie und Aspekte ihrer politischen Geschichte in ottonischer und salischer Zeit. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen, Band 1: Das kurkölnische Herzogtum Westfalen von den Anfängen der kölnischen Herrschaft im südlichen Westfalen bis zur Säkularisation 1803. Aschendorff, Münster 2009, S. 156.

Eine weitere Zerstörung fand 1166 unter der Herrschaft von Graf Heinrich I. statt, dessen Ermordung seines Bruders einen Sühnefeldzug Heinrichs des Löwen auslöste. Eine dritte Zerstörung erfolgte 1366 während einer Fehde von Graf Gottfried IV. mit dem Grafen Engelbert III. von der Mark. In beiden Fällen wurde die Burg wieder aufgebaut.

Über das Aussehen der mittelalterlichen Burg ist nur wenig bekannt. Wahrscheinlich hat schon damals ein mit starken Ecktürmen versehener Hauptbau den Burgbereich nach Süden abgeschlossen. Erste Hinweise auf eine Burgkapelle stammen aus dem Jahr 1114. Die Burg war Keimzelle der aus einer kleinen Burgmannen- und Handwerkersiedlung hervorgegangenen Stadt Arnsberg. Die Burg selbst war Wohn- und Herrschaftsmittelpunkt der Grafschaft Arnsberg. In zwei Urkunden aus den Jahren 1259 und 1270 wird eine aurea caminata (eine goldene Kemenate) erwähnt, was für eine teilweise repräsentative Ausstattung spricht. Auch der Neubau einer dreischiffigen Kapelle und der Grundriss des Hauptturms sind Hinweise auf eine prachtvolle Anlage.

Salentin-Bau mini|Max-Heinrich-Bau nach Christoph Metzger 1669 Nach dem Verkauf der Grafschaft Arnsberg an Kurköln im Jahr 1368 diente die Burg als Wohnsitz der Erzbischöfe von Köln, wenn diese das Herzogtum Westfalen besuchten. Während der Soester Fehde (1444–1449) befand sich dort der Hauptstützpunkt der Truppen von Erzbischof Dietrich von Moers. In der folgenden Zeit wurde Bau nur wenig genutzt und verfiel.

Am baulichen Zustand änderte sich zunächst nichts. Dies änderte sich erst als unter Kurfürst Salentin von Isenburg im Jahr 1575 eine Umgestaltung durchgeführt wurde. Dabei blieb der wehrhafte Grundcharakter, der auch bei den folgenden Bauten nie ganz verloren ging, erhalten. Die Umgestaltung beschränkte sich darauf Dach und Holzwerk der Burg abzutragen und die Mauern auch aus Kostengründen weiter zu verwerten und zu integrieren. Die Pläne für den Umbau stammten von dem Baumeister Laurenz von Brachum. Wahrscheinlich war dessen Sohn, der in den Quellen auch als Johannes von Arnsberg erscheint, der eigentliche Bauausführende. Beratend wurden auch die Baumeister des Herzogs von Jülich und des Landgrafen von Hessen-Kassel Hans Wezel hinzugezogen. Zur Zeit der Abdankung Salentins war der Bau noch nicht abgeschlossen. Auch unter dessen Nachfolgern Gebhard I. von Waldburg, Ernst von Bayern und Ferdinand von Bayern ist weiter am Schloss gebaut worden.Horst Conrad: Anmerkungen zur Baugeschichte des Schlosses Arnsberg. In: Südwestfalenarchiv 13/2013, S. 72f.

mini|Burg und Stadt 1588 Eine um 1653 angefertigte Karte, gibt daher zumindest im Ansatz auch die Gestalt der mittelalterlichen Burg wieder. Von der Stadt aus kommend, ermöglichte ein Durchlass den Zugang zum Bereich der Burg. Weiter den Berg hinauf befand sich ein zwischen Vorwerks- und Batteriebefestigungen befindliches Torhaus. An weiteren Vorbefestigungen vorbei, durchschritt der Besucher ein Tor im westlichen Turm und gelangte in den Hof der Burganlage. Dieser war bis auf einen Bereich im Osten fast gänzlich von Baulichkeiten umgeben.

Im Westen befand sich der Amtssitz des Landdrosten, also des Vertreters des Landesherren im Herzogtum Westfalen. In der Mitte des Burghofes mit einem Ausmaß von 130 × 60 m lag die Burgkapelle, die mit dem Landdrostenflügel durch einen Gang verbunden war. Direkt mit der Kapelle verbunden war der Bergfried, auch weißer Turm genannt. Dieser überragte die gesamte Anlage. Turm und Kapelle waren noch von einer Mauer umgeben, in die noch ein Gebäude unbekannten Zwecks angefügt war. Im Nördlichen Teil befanden sich wahrscheinlich Wirtschaftsgebäude. Dort befand sich mit der Galgenpforte ein weiteres kleines Tor nach Norden. Daran schlossen sich weitere Gebäude wie ein Brauhaus, eine nach Norden gerichtete Batterie und der Pulverturm an. Im Osten befanden sich wahrscheinlich Marstall mit Stallungen und weiter südlich davon ein Schlacht- und Brunnenhaus.

Der Brunnen wurde zur Zeit Salentins im Jahr 1576 angelegt. Er ist 43 m tief in den Fels des Schlossberges getrieben. Ein kurzer Ostflügel lehnte sich an das Hauptgebäude an. Dieses befand sich zwischen dem schon erwähnten West- und einem Ostturm. Beide Türme waren vier Stockwerke hoch. Dem Ostturm vorgelagert war noch ein Befestigungswerk mit einem weiteren Gebäuden, dass vielleicht als Wachthaus gedient hatte. Der Hauptbau wurde architektonisch repräsentativ umgestaltet. Er enthielt im ersten Stock einen großen Festsaal (38 m × 19 m), dessen Trägerwerk – zu dieser Zeit ungewöhnlich – aus Eisen bestand.Michael Gosmann: Von der Burg zum Lustschloss. Ein Grundriß des Arnsberger Schlosses von 1653. In: Heimatblätter 3/1982, S. 55–58. Insbesondere die Schlosskapelle war prächtig ausgestattet. Insgesamt führte ein zeitgenössisches Inventar des Oberkellners Hermann Dücker neunundvierzig Räumlichkeiten auf. Darunter war auch eine Schlossbibliothek und eine Kammer für Jesuiten.Horst Conrad: Anmerkungen zur Baugeschichte des Schlosses Arnsberg. In: Südwestfalenarchiv 13/2013, S. 73.

Maximilian-Heinrich-Bau mini|Untergeschoss des Hauptbaus. Im Hintergrund Reste des Ostturmes In den folgenden Jahrzehnten trug nicht zuletzt der Dreißigjährige Krieg zum Verfall der Anlage bei, ehe unter Kurfürst Maximilian Heinrich ab 1654 zunächst eine Instandsetzung und später eine erneute Umgestaltung stattfand. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt befahl er den dazu verpflichteten Klöstern Wedinghausen und Rumbeck die verfallene Wasserkunst wieder in Stand zu setzen. Nicht ganz klar ist, wann die Wasserkunst ursprünglich angelegt worden war. Wenig wahrscheinlich ist, dass sie auf die Zeit Salentins zurückgeht, hat dieser doch den Brunnen vertiefen lassen.Horst Conrad: Anmerkungen zur Baugeschichte des Schlosses Arnsberg. In: Südwestfalenarchiv 13/2013, S. 73f. Ebenso wurde frühzeitig mit der Verbesserung der Verteidigungsanlagen begonnen. Die drei Geschützbatterien vor dem Ost- und Westturm sowie im Norden wurden mit teils unterirdischen Vorwerken versehen ausgebaut.

Geleitet wurde die eigentlichen Umbauarbeiten von dem Waldecker Baumeister Hans Deger. Dieser legte Anfang 1661 erste Entwürfe vor. Nach Änderungswünschen durch den Kurfürsten begannen die Baumaßnahmen mit dem Westturm. Es folgte der Mittelbau. Etwa ein Jahr später waren die Baumaßnahmen beendet.Horst Conrad: Anmerkungen zur Baugeschichte des Schlosses Arnsberg. In: Südwestfalenarchiv 13/2013, S. 80.

Die beiden Ecktürme wurden ausgebaut. Im westlichen Turm hatten die oberen Stockwerke jeweils sechs Zimmer. Darunter war auch das kurfürstliche Hauptzimmer. Dieses enthielt statt hölzerner Dielen einen Boden aus zierlichen Quadersteinen. Auch wurden Fenster und Türen erweitert. Ähnlich wurde auch der andere Turm umgestaltet. Im Bereich des Hauptbaus wurden von dem großen Saal vier Räume abgetrennt, die als Antichambre, Audienz- und Garderobenräume dienten. Der Boden wurde mit Steinen belegt. Über dem Saal entstand eine Galerie mit acht bewohnbaren Zimmern mit Kamin und Ofen. Unter dem Stockwerk mit dem Saal befanden sich fünf Kreuzgewölbe. Dort waren die Küche, Dispens, Weinschrank, Backkammer, Silberkammer und ähnliche Räumlichkeiten untergebracht.

Am äußeren Bild des Salentinbaus änderte sich kaum etwa. Insbesondere die Gebäude nördlich des Hauptbaues änderte sich kaum etwas. Man unterschied nunmehr ein neues und altes Gebäude. Insgesamt gab es nunmehr 68 Räumlichkeiten. Besonders prunkvoll unter anderem mit vergoldeten Ledertapeten und Seidenbespannungen waren die kurfürstlichen Räumlichkeiten, das Audienzzimmer und seines Vertrauten Franz Egon von Fürstenberg ausgestattet. Um seinen alchemistischen Neigungen nach gehen zu können, ließ der Kurfürst auch ein Labor und eine Apotheke einrichten.Horst Conrad: Anmerkungen zur Baugeschichte des Schlosses Arnsberg. In: Südwestfalenarchiv 13/2013, S. 80f.