Innovation (wörtlich „Neuerung“ oder „Erneuerung“; von abgeleitet) wird in der Umgangssprache im Sinne von neuen Ideen und Erfindungen und für deren wirtschaftliche Umsetzung verwendet. Im engeren Sinne resultieren Innovationen erst dann aus Ideen, wenn diese in neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren umgesetzt werden, die tatsächlich erfolgreich Anwendung finden und den Markt durchdringen (Diffusion). Der komplementäre Prozess zur Innovation ist die Exnovation, die Abschaffung von nicht mehr wirksamen oder gewünschten Prozessen, Produkten oder Technologien.
In die Wirtschaftswissenschaft wurde der Begriff durch Joseph Schumpeter mit seiner Theorie der InnovationenJoseph A. Schumpeter: Konjunkturzyklen. Eine theoretische, historische und statistische Analyse des kapitalistischen Prozesses. Bd. I, Göttingen 1961 (engl. Business Cycles. A Theoretical, Historical, and Statistical Analysis of the Capitalist Process. New York 1939). eingeführt; hier ist er als Aufstellung einer neuen Produktionsfunktion definiert. Die Innovation ist ein willentlicher und gezielter Veränderungsprozess hin zu etwas Erstmaligem, „Neuem“.Martin Kaschny: Innovationsmanagement im Mittelstand: Strategien, Implementierung; Praxisbeispiele Wiesbaden 2015. Wirtschaft und Gesellschaft wandeln sich, wenn Produktionsfaktoren auf eine neuartige Art und Weise kombiniert werden.
Auch in der Geisteswissenschaft und der Kultur wird der Begriff Innovation verwendet. Das forschende Suchen nach neuen Erkenntnissen oder künstlerischen Lösungswegen und Lösungen setzt Neugier, Kreativität und Lust auf Erneuerung voraus. Merkmal künstlerischer Avantgarden ist es, bisher unbekannte („innovative“) Ausdrucksformen zu finden und zu nutzen.
Allgemeines Historisch betrachtet gibt es Zeiten, zu denen Neuerungen schubartig aufkamen. In diesem Fall bedingte ein Entwicklungsdruck als Folge gesellschaftlicher Gegebenheiten oder negativer Faktoren zum Beispiel in Form von Kriegen, Missernten oder Überbevölkerung das Auftreten von Innovationen („Not macht erfinderisch“). Innovationen entstehen durch „Forschung und Entwicklung“ (F&E, englisch R&D für research and development).
Eine Invention (Erfindung) ist noch keine Innovation. Inventionen umfassen neue Ideen bis einschließlich Prototypenbau beziehungsweise konkreter Konzeptentwicklung in der vormarktlichen Phase. Von Innovation im ökonomischen Sinne kann erst gesprochen werden, wenn ihre Nützlichkeit erkannt und ein Produkt, Produktionsprozess oder ein Geschäftsmodell entsprechend neu eingeführt oder verändert wird. Dabei kann es sein, dass der Nutzen oder Wert einer Innovation erst nach einer langen Phase entdeckt wird. Viele hergestellte Objekte sind im Moment ihrer Schaffung noch „Unsinn“. Das Hergestellte wird sinnvoll erst in einem Interpretations- und Anwendungsprozess.
Mit anderen Worten: Die Innovation muss ihre eigenen Geltungsvoraussetzungen mit produzieren, indem sie in einem sozialen Interaktions- und Sinnstiftungsprozess Anerkennung findet. Sie ist also mit dem kreativen Schöpfungsakt bei weitem nicht abgeschlossen. Der Wert der Innovation kann durch den Interaktionsprozess mit den Anwendern auch weiter gesteigert werden.Ekaterina Svetlova: Innovations als soziale Sinnstiftung. In: Peter Seele (Hrsg.): Philosophie des Neuen.Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2008, S. 166–179, hier: S. 174 f. Die Anwender können den Wert einer Innovation auch in Eigenschaften erblicken, die der kreative Schöpfer nicht voraussehen konnte. So wollte Thomas Alva Edison das Telefon ursprünglich für Opernübertragungen nutzen.
Klassifizierung mini|Innovationsbegriff mini|Vergleich von Innovationen Neu kann in diesem Sinne eine echte Weltneuheit oder aus Sicht eines einzelnen Unternehmens, Mitarbeiters etc. eine subjektive Neuheit bedeuten. Zu einer Innovation gehört nicht nur die Neuartigkeit; vielmehr muss sie auch einen Bedarf decken, d. h., sie muss aus der Sicht von Anwendern nützlich erscheinen.
Man unterscheidet eine Vielzahl von Innovationskategorien, grundsätzlich können 3 übergeordnete Kategorien gebildet werden:
Produkt-Service-Innovationen Prozess-Verfahrensinnovationen Konzeptinnovationen: Management- und Organisationsinnovationen Geschäftsmodellinnovationen
Innovationen können auch nach Fachgebieten unterschieden werden: Soziale und gesellschaftliche Innovationen (wie z. B. die Schaffung des dualen Ausbildungssystems) Design-Innovationen (Kunstinnovationen, wie z. B. Darstellung von Comicfiguren als Kunst wie es Roy Lichtenstein tat) Juristische Innovationen (wie z. B. die Einführung des Schweizer Bankgeheimnisses im Jahre 1934) Systeminnovation.
Darüber hinaus können Innovationen auch nach der Art ihrer Entstehung unterteilt werden in: geschlossene Innovation („Closed Innovation“) (die Innovatoren befinden sich ausschließlich innerhalb einer Organisation) und offene Innovation („Open Innovation“): Organisationen können sich in einer zunehmend diversifizierten Welt weit verteilten Wissens nicht nur auf ihre eigene Innovationskraft verlassen, sondern sind verstärkt auf die Integration und Nutzung externer Informationen und Kompetenzen angewiesen. Transferinnovationen: Organisationen machen sich bereits vorhandenes Wissen zu eigen und wenden es auf ihre Produkte oder Prozesse an.
Eine weitere Möglichkeit der Kategorisierung von Innovationen ist der Grad an Neuheit:
Dabei betrachtet man die Kombination aus Zweck des Gegenstandes oder Produktes und die Mittel, mit denen der Zweck erreicht wird. Gemäß diesen beiden Dimensionen lassen sich folgende Innovationsformen differenzieren: Eine Invention ist das erstmalige Auftauchen einer Neuheit. Falls eine Innovation in beiden Dimensionen hohe Werte erreicht, spricht man auch von einer radikalen, disruptiven, revolutionären oder Sprunginnovation im Unterschied zur inkrementellen Innovation. Wenn eine Innovation grundlegend für ein gesamtes Technikfeld ist, wird von einer Basisinnovation gesprochen. Nachfolgeinnovationen bauen auf Basisinnovationen auf, vier Ausprägungen lassen sich unterscheiden: Verbesserungsinnovationen: bei einem bereits existierenden Produkt werden einzelne oder mehrere Nutzenparameter verbessert, ohne dass die grundlegenden Funktionen und Eigenschaften verändert werden. Anpassungsinnovationen: aufgrund von bestimmten Kundenwünschen oder Kundenbedingungen werden Problemlösungen speziell angepasst. Scheininnovationen: bei einem Produkt wird ausschließlich das Design verändert, ohne dass für den Kunden zusätzliche Produkteigenschaften optimiert werden. Für den Kunden stellen diese Pseudoverbesserungen keinen zusätzlichen Nutzen dar. Imitationen: Problemlösungen, welche andere Unternehmen bereits erfolgreich einsetzen, werden von anderen Unternehmen absichtlich nachgeahmt.
Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Verwendung
Nach Joseph Schumpeter (Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, 1911) ist Innovation die Durchsetzung einer technischen oder organisatorischen Neuerung im Produktionsprozess, nicht schon die entsprechende Erfindung.
Innovator ist für Schumpeter der „schöpferische Unternehmer“ (im Gegensatz zum Arbitrageunternehmer, der lediglich vorhandene Preisunterschiede zur Gewinnerzielung ausnutzt), der auf der Suche nach neuen Aktionsfeldern den Prozess der schöpferischen Zerstörung antreibt. Seine Triebfeder sind auf der Innovation basierende kurzfristige Monopolstellungen, die dem innovativen Unternehmer Pionierrenten verschaffen. Das sind geldwerte Vorteile (auch Innovationspreise), die durch die innovativen Verbesserungen entstehen, zum Beispiel durch die höhere Produktivität einer Prozessinnovation oder durch höhere Monopolpreise einer Produktinnovation.
Laut Jürgen Hauschildt geht es bei einer Innovation grundsätzlich um etwas „Neues“: neue Produkte, neue Märkte, neue Verfahren, neue Vorgehensweisen, neue Prozesse, neue Vertriebswege, neue Werbeaussagen und vieles mehr. Innovationen sind in ihrem Ergebnis etwas „Neuartiges“, die sich gegenüber dem vorangegangenen Zustand merklich unterscheiden. Diese Neuartigkeit muss wahrnehmbar sein; nur wer die Innovation wahrnimmt, für den kann es eine Innovation sein. Die Neuartigkeit besteht darin, dass Zwecke und Mittel in einer bisher nicht bekannten Form miteinander verknüpft werden. Diese Verknüpfung muss sich auf dem Markt oder innerbetrieblich (wirtschaftlich) bewähren. So kann ein gegebener Zweck (zum Beispiel Antrieb eines PKW) mit neuen Mitteln (Wasserstoff, Autogas, Erdgas usw.) erreicht werden oder mit gegebenen Mitteln (beispielsweise bestehender Telefonleitung) ein neuer Zweck geschaffen werden (Nutzung auch zur Datenübertragung für das Internet). Die reine Hervorbringung einer Idee genügt nicht – erst Verkauf oder Nutzung unterscheidet eine Innovation von der Invention (Erfindung).
Peter Drucker untersuchte als einer der ersten Wissenschaftler, welche Quellen für Innovation existieren. Er identifiziert 1986 sieben Quellen der Innovation plus der „großen Idee“. Letztere hat Charme, aber scheitert am häufigsten.
Clayton Christensen gilt als Entdecker der disruptiven Innovation. Diese zielt darauf ab, neue Märkte oder neue Kundengruppen durch eine radikale Änderung der Produkte anzusprechen. Besonders in den Internetunternehmen im Silicon Valley wird anhand dieses Grundsatzes versucht neue Produktlösungen zu finden und Märkte zu erschließen.
Innovationswettbewerb Unter Innovationswettbewerb wird der Wettbewerb um Monopolrenten, welche durch das Entwickeln von Prozess- und Produktinnovationen entstehen, verstanden. Dieser existiert immer dann, wenn Unternehmen eine Aussicht auf Monopolgewinne haben und darum mit anderen Unternehmen um diese Gewinne konkurrieren.
Um den Innovationswettbewerb besser zu verstehen, ist es sinnvoll, die Ebenen näher zu betrachten, auf denen wirtschaftliche Aktivität stattfindet: Ebene des Konsums (Konsum der vorhandenen Güter) Ebene der Produktion (Produktion der Güter) Ebene der Innovation (Hervorbringen von neuen Gütern bzw. Produktionsprozessen)
Auf der ersten Ebene ist es notwendig, das Eigentumsrecht an einem Gut, z. B. ein Smartphone oder ein Brötchen, zu haben, um es zu konsumieren. Dadurch wird der Konsum von anderen Personen eingeschränkt und zugleich die Möglichkeit eines Marktes eröffnet. Der Besitz von Gütern, das Eigentumsrecht an einer Sache, kann zwischen Individuen getauscht bzw. gekauft und verkauft werden.
Die Produktionsebene dient dazu, die Ebene des Konsums zu erweitern, da die Güter nur in begrenzter Anzahl vorhanden sind. Wiederum das Eigentumsrecht an den produzierten Gütern, nun zum Verkauf bestimmt, ermöglicht die Erweiterung des Konsums auf der ersten Ebene. Der potenzielle Gewinn des Herstellers setzt die Anreize überhaupt zu produzieren und zu verkaufen.