Jarchau ist ein Ortsteil der gleichnamigen Ortschaft der Hansestadt Stendal im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt, (Deutschland).

Geographie Jarchau, ein Straßendorf mit Gut und Kirche, liegt 6 km nordöstlich der Kernstadt von Stendal in der Altmark. Das Gebiet der Gemarkung Jarchau wird von einigen Gräben entwässert, darunter durch den Landgraben Sanne, der westlich des Dorfes in die Uchte mündet.

Nachbarorte sind Eichstedt (Altmark) im Nordwesten, Lindtorf und Rindtorf im Nordosten, Sanne im Osten, Hassel im Südosten und das Chausseehaus Hassel im Süden.

Geschichte Mittelalter bis Neuzeit Der Ort wurde 1238 als Gartgouve iuxta Bungerden erstmals urkundlich erwähnt, als Graf Siegfried von Osterburg Dörfer und Besitz in der Altmark, mit denen er vorher vom St. Ludgerikloster Helmstedt belehnt worden war, dem Abt Gerhard von Werden und Helmstedt überschrieb. Weitere Nennungen sind 1333 villa Gargowe, 1404 to iarchow; 1687 Garchow, 1725 Gerchau und 1804 Dorf und Gut Jarchau mit Windmühle und Krug.

Das Dorf ist in jüngerer Zeit durch die Erschließung von Baugebieten zu einer Art Wohnvorort von Stendal geworden.

Im August 2015 wurde das 777ige-jährige Bestehen des Dorfes mit einem Festumzug gefeiert.

Herkunft des Ortsnamens Heinrich Sültmann deutete die Namen 1238 gartgouve, gargow, 1431 garchow und 1540 garchau. Sie enthalten das deutsche Wort „jary“ für „kühn“ und die slawische Endung „-chow“ für „kowe“, zu übersetzen als „Schutz“. Jarchau heißt somit „Burg eines kühnen Streiters“.Friedrich Hoßfeld, Ernst Haetge: Der Kreis Stendal Land. In: Die Kunstdenkmale der Provinz Sachsen. Band 3, Verlag Hopfer, Burg 1933, S. 108–110.Nach Friedrich Hoßfeld:

mini|Preußischer Rundsockelstein am nördlichen Ortsausgang von Jarchau

Vorgeschichte und Archäologie Paul Kupka berichtete 1937 über den Fund bronzezeitlicher Gefäße nahe dem Kirchsteig in Jarchau durch den Bauern Karl Redde. Er fand bei Schachtarbeiten in einer Tiefe von „dreiviertel Metern“ vier Tongefäße aus der Bronzezeit.

Im Jahre 1847 wurden einige Hundert Kleinmünzen des 15. bis 17. Jahrhunderts gefunden, die vor 1648 vergraben worden waren.

Gutshistorie In Jarchau bestand über Jahrhunderte ein Rittergut, mit Nebengütern in Nachbarorten, wie etwa in Rinddorf.Carl von Seydlitz: Der Regierungs-Bezirk Magdeburg. Geographisches, statistisches und topographisches Handbuch. 1820. M: Topographische Beschreibung des landräthlichen Kreises Stendal. Ferdinand Rubach, Magdeburg 1820, S. 314. Die GutsherrenFriedrich Hoßfeld, Ernst Haetge, Hermann Alberts: Die Kunstdenkmale der Provinz Sachsen. Band 3: Kreis Stendal-Land, Hrsg. Provinzialkommission zur Erforschung und zum Schutze der Denkmale der Provinz Sachsen, Verlag A. Hopfer, Burg 1933, S. 108. stellten zunächst die Familien von Sanne, von Vintzelberg und von Rosenbruch.

Dann gehörte dieser Besitz über Generationen der bisher nicht genealogisch näher erforschten uradeligen Familie von Werdeck, in Übernahme von der Familie von Rosenbruch durch Erbe. Die von Werdeck verfügten auch mit Schorbus bei Drebkau über ein Gut in der Niederlausitz. Überliefert ist der Gutsbesitzer zu Jarchau, der Rittmeister Hans Gottlob Friedrich von Werdeck, verstorben 1822. Er hatte mit Klein Schwechten eine weitere Begüterung. Überliefert von ihm ist eine erhalten gebliebene Metalltafel, heute mit Standort im Museum Osterburg.Frank Moldenhauer-Magdeburg (Red.), Christian Schröder-Isernhagen (Fotos): Hans Gottlob Friedrich von Werdeck. Gutsbesitzer, Rittmeister. Sterbedatum: 10.07.1822. Konfession: evangelisch. Hrsg. Altmärkischer Verein für vaterländische Geschichte zu Salzwedel, In: Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark. Ihm beerbte und wurde somit qua Amt Mitglied der Ritterschaft und zur LandratswahlHandbuch der Provinz Sachsen. 1839. Verlag Ruhbach (Eugen Fabricius Magdeburg / E. Kloß Salzwedel), Magdeburg 1839, S. 154. berechtigt, der Neffe, der Politiker Adolf von Werdeck-Schorbus. Von ihm ist in der Jarchauer Dorfkirche ebenso eine Erinnerungstafel überliefert. Die Gutsbesitzerfamilie war zugleich Patron der Kirchengemeinde Jarchau.Haase/Hilbert (Hrsg.): Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen, der Graffschaften Wernigerode, Roßla und Stolberg. Zehnter Jahrgang, Selbstverlag, Magdeburg 1882, S. 100. Herr von Werdeck-Jarchau war zudem beim Huldigungsfest 1840 für den damaligen preußischen König als Deputierter der Altmark in Berlin zugegen.Karl Streckfuß: Der Preußen Huldigungsfest, nach amtlichen und andern sichern Nachrichten und eigener Anschauung. Beilage H, Enslin (Ferd. Müller), E. H. Schroeder, Berlin 1840, S. 49.Vgl. Karsten Holste: In der Arena der preußischen Verfassungsdebatte. Adlige Gutsbesitzer der Mark und Provinz Brandenburg 1806 - 1847. Akademie Verlag / Oldenbourg Gruppe, Berlin 2013, ISBN 978-3-05-006067-5, S. 292. Die Nachfolge als Gutsherren traten dann später an der Premierleutnant Adolf von Werdeck (1840–1904) sowie der kgl. preuß. Oberst Friedrich von Werdeck (1856–1919), er als Verweser und Nutznießer des Fideikommiss Jarchau.Jarchau, Stadt Stendal, Landkreis Stendal, Sachsen-Anhalt., In: Onlineprojekt Gefallenendenkmäler. Greenwich. USA. 2024.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts war Gut Jarchau in Pacht bei der Familie Bremer,Leuch’s Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc. Band 10: Preuss. Sachsen und Anhalt, 11. Ausgabe 1895, Selbstverlag, Nürnberg 1895, S. 306. Gutsherr von Werdeck war Offizier in Königberg. Anfang der 1920er Jahre war ein Georg Freiherr von Werdeck der Gutsherr in Jarchau. Der Umfang des Gutes betrug 278 ha. Der Besitz war damals verpachtet an Max Bremer.Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 82–83.

Eingemeindungen Ursprünglich gehörte das Dorf Jarchau zum Arneburgischen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Zwischen 1807 und 1813 lag es im Kanton Arneburg auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Nach weiteren Änderungen gehörte die Gemeinde ab 1816 zum Kreis Stendal, dem späteren Landkreis Stendal.

Am 30. September 1928 wurde der vormals juristisch eigenständige Gutsbezirk Jarchau mit Ausnahme des Vorwerks Glänemäker mit der Landgemeinde Jarchau vereinigt. Das 1835 gegründete Schäfereivorwerk GlänemäkerSiehe Literatur: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Selbstverlag, Magdeburg 1842, S. 296, 47. wurde hingegen am gleichen Tag mit der Landgemeinde Sanne vereinigt.

Am 25. Juli 1952 kam die Gemeinde Jarchau zum Kreis Stendal. Am 1. Juli 1994 wurde sie dann dem heutigen Landkreis Stendal zugeordnet. Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Jarchau am 29. März 2003 und am 29. Juni 2004, dass die Gemeinde Jarchau in die Stadt Stendal eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2005 in Kraft.

Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Jarchau wurde ein Ortschaftsrat mit neun Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet. In der Hauptsatzung wurde später die Anzahl der Ortschaftsräte für 2019 bis 2024 auf sieben reduziert.Siehe Hinweis: Hauptsatzung 2024.

Somit ist Jarchau seit dem 1. Januar 2005 Ortsteil und Ortschaft der Hansestadt Stendal.

Einwohnerentwicklung Jahr 1734 1772 1789 1790 1801 1818 1840 1864 1871 1885 1892 1895 1900 1905 1910 Dorf Jarchau 107 88 129 152 159 134 194 257 219 159 256 152 237 143 225Siehe Hinweis: Zahn 1928. Gut Jarchau 12 45 96 83 93

JahrEinwohner19252721939263194639819643511971333JahrEinwohner198130319932612003598Verwaltungsgemeinschaft Arneburg-Krusemark, 2004 (offline, nicht archiviert).20134932014494JahrEinwohner20184812019477202145020224462023442 Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1993: mini|Dorfkirche Jarchau

Religion Die evangelische Kirchengemeinde Jarchau, die früher zur Pfarrei Jarchau bei Eichstedt in der Altmark gehörte, wird betreut vom Pfarrbereich Arneburg im Kirchenkreis Stendal im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Jarchau stammen aus dem Jahre 1701.

Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Anna in Stendal im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.

Politik Ortsbürgermeister Heiko Wichmann ist Ortsbürgermeister der Ortschaft Jarchau. Letzter ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde war Lutz-Rüdiger Stockmann.Siehe: Einzelnachweis AB-SDL.

Ortschaftsrat Bei der Ortschaftsratswahl am 9. Juni 2024 errang die Wählergemeinschaft „Unser Dorf - Jarchau“ 4 Sitze und die Wählergemeinschaft „Heimatdorf Jarchau“ 3 Sitze. 5 Ortschaftsräte und 2 Ortschaftsrätinnen wurden gewählt (7 Sitze). Von 382 Wahlberechtigten hatten 317 ihre Stimme abgegeben, die Wahlbeteiligung betrug damit 82,89 Prozent. mini|Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Jarchau

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die evangelische Dorfkirche Jarchau, entstanden um 1200 und vermutlich St. Andreas geweiht, ist ein kleiner romanischer Feldsteinsaal mit eingezogenem Chor.Folkhard Cremer. Tilmann von Stockhausen: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt. Band I: Ute Bednarz, Folkhard Cremer u. a.: Regierungsbezirk Magdeburg. Neubearbeitung. Hrsg. Georg Dehio Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2002, ISBN 3-422-03069-7, S. 446. Das Patronatsgestühl wurde 1973 entfernt. Ende der 1970er Jahre erfolgten mehrere Instandhaltungsarbeiten. Der Ortsfriedhof auf dem Kirchhof ist mit einer Findlingsmauer umgeben. Im früheren Gutspark, dicht hinter dem früheren Hof Nr. 1 an der Südwestecke des Dorfes befindet sich eine obertägig sichtbare Struktur eines Bodendenkmals, Reste eines Burghügels, wohl einer mittelalterlichen Wasserburg. Paul Grimm beschrieb das Bodendenkmal im Jahre 1958 als „abgerundet-rechteckiger, etwa 1,5 Meter erhöhter Burghügel mit einem Durchmesser von etwa 25 x 30 Meter, der breite umlaufende Sohlgraben ist noch teilweise mit Wasser gefüllt.“ (Zitiert nach Rohrlach).

In Jarchau steht auf dem Friedhof ein Ehrenmal für die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges, ein aufgemauerter Feldsteinrahmen, auf der Spitze ein steinerner Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Der „Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Jarchau e. V.“ unterstützt die Freiwilligen Feuerwehr vor Ort. Weitere Vereine sind der „Skatclub Jarchau 04 e. V.“ und der Sportverein „SV Jarchau 99 e. V.“

Verkehr Es verkehren Linienbusse und Rufbusse von stendalbus.

Sage – Vom Riesen in Jarchau Hanns H. F. Schmidt erzählte im Jahre 1994 die Sage „Vom Riesen in Jarchau“ nach. Einem Riesen, der früher in der Nähe von Jarchau lebte, gefiel die gefährliche Nähe zur Elbe nicht. Er beschloss daher den Fluss durch einen riesigen Damm nach Osten abzuleiten. Schon beim ersten Gang riss der Sack, der Sand fiel zu Boden. Er bildet heute den FuchsbergDie Lage des Berges ist nicht bekannt. bei Staffelde. Verärgert kratzte der Riese allen Sand an den Wegen zwischen Stendal, Goldbeck und Arneburg zusammen, wo man die großen Gräben noch erkennt. Doch der geflickte Sack riss schon beim nächsten Gang. Auf ihm ist später Staffelde gebaut worden. mini|Gedenktafel an der Kirche für Friedrich Wilhelm Leopold von Rosenbruch

Persönlichkeiten