mini|Ossi Oswalda, Fotografie (um 1920) von Nicola Perscheid rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift Ossi Oswalda (1897–1947) deutsche Schauspielerin der Stummfilmzeit. Ossi Oswalda (* 2. Februar 1898 als Oswalda Amalie Anna Stäglich in Niederschönhausen; † 7. MärzKay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Acabus-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 382 f. – Die kursierenden späteren Sterbedaten sind falsch, bereits am 21. März 1947 erschien ein kurzer Nachruf auf Oswalda in der deutschsprachigen US-Exilantenzeitschrift Aufbau 1947 in Žamberk, Tschechoslowakei) war eine deutsche Schauspielerin der Stummfilmzeit.
Leben mini|Ossi Oswalda, Fotografie (um 1920) von Alexander Binder mini|Ossi Oswalda, Fotografie (um 1925) von Nicola Perscheid Oswalda wurde als uneheliche Tochter der Plätterin Pauline Stäglich geboren.Landesarchiv Berlin, Geburtsregister Standesamt Niederschönhausen, Nr. 8/1898 (online auf Ancestry, kostenpflichtig). Nach dem Tanzunterricht bei Eva Peter als Primaballerina ging sie als Chortänzerin an ein Berliner Theater, wo sie 1916 von Hanns Kräly entdeckt wurde, der sie Ernst Lubitsch empfahl. Zwischen 1916 und 1920 drehte sie fast exklusiv mit Lubitsch rund ein Dutzend Filme, von denen die Mehrzahl heute als verloren gilt.Dies betrifft Der G.m.b.H.-Tenor, Der Rodelkavalier, Die Wohnungsnot, Leutnant auf Befehl (mit Lubitsch als Darsteller), Meine Frau, die Filmschauspielerin und Prinz Sami. Vgl. Verlorene Filme Ernst Lubitschs auf lost-films.eu Auch andere Regisseure wussten ihr Talent zu nutzen. Aufgekratzt, großspurig und schrill wurde sie zum Publikumsliebling, weshalb man sie bald schon als „die deutsche Mary Pickford“ bezeichnete. Neben Henny Porten und Asta Nielsen war sie „einer der ersten großen weiblichen Stars des deutschen Films.“Holger Jörg: Die Sagen- und märchenhafte Leinwand. Erzählstoffe, Motive und narrative Strukturen der Volksprosa im „klassischen“ deutschen Stummfilm (1910–1930). (Dissertation, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 1994) Pro-Universitate-Verlag, Sinzheim 1994, ISBN 3-930747-11-1, S. 143.
Im Jahr 1921 gründete Oswalda ihre eigene Filmgesellschaft Ossi-Oswalda-Film. Diese wurde von ihrem damaligen Ehemann Gustav von Kóczián-Miskolczy (in einer späteren Ehe Vater der Schauspielerin Johanna von Koczian) geleitet, mit dem sie von 1919 bis zur Scheidung 1926 verheiratet war.Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Nr. 1469/1919 (online auf Ancestry, kostenpflichtig). Die Ehe wurde 1926 aufgelöst. Regisseur der fünf von ihr bis 1924 produzierten Filme wurde ihr Filmpartner Victor Janson. Ab 1925 war sie bei der Ufa unter Vertrag und spielte bis 1929 in rund 20 Stummfilmen mit.
Der Tonfilm bedeutete das Ende ihrer Filmkarriere, sie stand nur zweimal für deutsche Tonfilme vor der Kamera. Nach der NS-Machtergreifung folgte Ossi Oswalda ihrem Lebensgefährten Julius Außenberg ins Exil nach Prag. 1943 schrieb sie das Drehbuch zum Film Der Vierzehnte am Tisch (Čtrnáctý u stolu). In ihren letzten Lebensjahren geriet die einst gefeierte Stummfilmdiva in Vergessenheit. Sie starb völlig verarmt 1947 in Žamberk und wurde auf dem Olšany-Friedhof beigesetzt.
Wirken In Schuhpalast Pinkus, ihrem ersten Film und der ersten Zusammenarbeit mit Ernst Lubitsch, hatte Oswalda nur eine winzige Rolle als Lehrling und Tochter eines Schuhverkäufers inne und wurde auch in den folgenden Filmen zunächst mit kleineren Rollen bedacht. Zu dieser Zeit wurde sie noch unter dem Namen „Fräulein Storry“ geführt.Gerhard Lamprecht: Deutsche Stummfilme 1915–1916. Deutsche Kinemathek e. V., Berlin 1969, S. 395. Ihre erste Hauptrolle spielte Oswalda 1917 in Lubitschs Wenn vier dasselbe tun, in der sie erstmals als Backfisch des deutschen Films in der Nachfolge der 1916 verstorbenen Dorrit Weixler wahrgenommen wurde.
Oswalda wurde schnell zu einer prominenten Komikerin – „die wilde kreischende Jungfer, die ihren Kopf durchsetzen will gegen Väter, Vormünder und notfalls auch Ehemänner und überhaupt nicht zum bürgerlichen Wunschbild von der devoten, still duldenden Hausfrau passt.“
Als Oswaldas „vermutlich … beste Komödie“Thomas Koebner: Ossi Oswalda (1897–1948). Die unbeherrschte Göre. In: Thomas Koebner, Fabienne Liptay (Hrsg.): Komödiantinnen. 2006, S. 123. gilt Ich möchte kein Mann sein, in der sie wie in mehreren Filmen Lubitschs die weibliche Hauptfigur Ossi spielt. Sie erscheint hier in der „bis dahin für sie typischen Rolle der verwöhnten und frechen jungen Frau, die offenbar ohne Eltern aufgewachsen ist und sich gegen die Disziplin, die ihr der Onkel und vor allem die Gouvernante auferlegen wollen, heftig wehrt“.Thomas Koebner: Ossi Oswalda (1897–1948). Die unbeherrschte Göre. In: Thomas Koebner, Fabienne Liptay (Hrsg.): Komödiantinnen. 2006, S. 122. Als Frau gibt sie sich dabei völlig ihren (un-)weiblichen Bedürfnissen hin und raucht, trinkt, spielt Poker und geht gerne einkaufen. Sie verkörperte als erste deutsche Schauspielerin ein Frauenbild, in dem „erotische Attraktion durch das Burschikose gemildert wird“.Gabriele Jatho, Rainer Rother (Hrsg.): City Girls. Frauenbilder im Stummfilm. Bertz + Fischer, Berlin 2007, ISBN 978-3-86505-177-6, S. 7. Ihre Darstellung, auch in späteren Filmen wie Die Austernprinzessin, hatte dabei zügellose und teilweise derbe Züge, die auch auf Ablehnung stieß. Béla Balázs schrieb so im Hinblick auf Die Austernprinzessin: „Ein Ossi-Oswalda-Film [ist] zu erkennen an einer Reihe roher, bochesquer Geschmacklosigkeiten.“Béla Balázs: Schriften zum Film. Band 1: Der sichtbare Mensch. Kritiken und Aufsätze von 1922–1926. Hanser u. a., München u. a. 1982, ISBN 3-446-12870-0, S. 211. Andere Kritiker werteten das Überdrehte der Rollen als Überspielen:
War Oswalda in den 1910er-Jahren der Backfisch des deutschen Films, wandelte sich ihr Image in den 1920er-Jahren hin „zum „Berliner Girl“ mit mondänen Attitüden, gut für verzückte Tanzeinlagen in extravaganten Kostümen.“
Filmografie Stummfilme 1916: Schuhpalast Pinkus 1916: Leutnant auf Befehl 1916: Der Tod auf Zeche Silva 1916: Der Hilferuf 1916: Der G.m.b.H.-Tenor 1917: Wenn vier dasselbe tun 1917: Ossi’s Tagebuch 1917: Prinz Sami 1917: Das fidele Gefängnis 1918: Dem Licht entgegen 1918: Ich möchte kein Mann sein 1918: Der Rodelkavalier 1918: Das Schwabemädle 1918: Das Mädel vom Ballett 1919: Meine Frau, die Filmschauspielerin 1919: Hundemamachen 1919: Die Austernprinzessin 1919: Die Puppe 1919: Das Mädchen aus dem wilden Westen 1919: Das Millionenmädel 1920: Die Wohnungsnot 1920: Putschliesel 1920: Kakadu und Kiebitz 1921: Das Mädel mit der Maske* 1921: Amor am Steuer* 1922: Der blinde Passagier* 1923: Das Milliardensouper* 1924: Colibri* 1924: Niniche 1924: Ein Weihnachtsfilm für Große 1925: Herrn Filip Collins Abenteuer 1925: Das Mädchen mit der Protektion 1925: Blitzzug der Liebe 1926: Die Fahrt ins Abenteuer 1926: Schatz, mach’ Kasse 1926: Gräfin Plättmamsell 1926: Eine tolle Nacht 1926: Die Kleine vom Varieté 1926: Das Mädel auf der Schaukel 1927: Wochenend wider Willen 1927: Frühere Verhältnisse 1927: Ein schwerer Fall* 1928: Es zogen drei Burschen 1928: Eddy Polo mit Pferd und Lasso 1928: Ossi hat die Hosen an 1928: Die Vierte von rechts 1928: Das Haus ohne Männer 1929: Der Dieb im Schlafcoupé * auch Produzent
Tonfilme 1930: Der keusche Josef 1933: Der Stern von Valencia
Literatur Ossi Oswalda. In: Friedemann Beyer: Die Gesichter der UFA. Starportraits einer Epoche (= Heyne-Bücher, 32 / Heyne-Filmbibliothek, Nr. 175). Heyne, München 1992, ISBN 3-453-05971-9, S. 108–109. Thomas Koebner: Ossi Oswalda (1897–1948). Die unbeherrschte Göre. In: Thomas Koebner, Fabienne Liptay (Hrsg.): Komödiantinnen (= Film-Konzepte, Band 1). Edition Text + Kritik, München 2006, ISBN 3-88377-821-4, S. 122–128. Jörg Schöning: Ossi Oswalda – Schauspielerin, Produzentin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 8, 1987. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N – R. Mary Nolan – Meg Ryan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 90 f. Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. Acabus-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 382 f.
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