Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland an der Museumsmeile in Bonn ist ein Museum zur deutschen Zeitgeschichte seit 1945. Mit 850.000 Besuchern jährlich ist es eines der meistbesuchten Museen in Deutschland.Pressemitteilung der Stiftung vom 15. Januar 2009, zitiert im Bonner General-Anzeiger, 16. Januar 2009, S. 14. Ebenso wie das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig, der Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße und das Museum in der Kulturbrauerei in Berlin ist das Haus Teil der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Der Sitz der Stiftung ist in Bonn. Der Eintritt ist frei.
Umfang mini|Haus der Geschichte in Bonn (2005) mini|Innenansicht (2014) mini|hochkant|Eingangshalle (2006)
Das Museum zeigt in seiner Dauerausstellung die deutsche Geschichte von 1945 bis zur Gegenwart und setzt in zahlreichen Wechsel- und Wanderausstellungen zusätzliche Akzente. Nach der baulichen Revitalisierung des Kanzlerbungalows zwischen der Villa Hammerschmidt und dem Palais Schaumburg unweit des Museums wird das frühere Atrium-Wohngebäude verschiedener Bundeskanzler seit April 2009 durch die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland betreut, die in dem Bungalow ebenfalls eine Dauerausstellung einrichtete, die über die Geschichte des Gebäudes informiert. Das Haus der Geschichte organisiert Gruppenführungen und Begleitungen durch den Kanzlerbungalow, den früheren Sitz des Bundesrates und das Palais Schaumburg (wegen Sanierungsarbeiten seit 2013 bis etwa 2022 geschlossen), das Besucher zurzeit virtuell besuchen können.Zum Online-Panorama Palais Schaumburg, abgerufen am 18. September 2018.
Geschichte Bundeskanzler Helmut Kohl forderte direkt nach seinem Amtsantritt in seiner Regierungserklärung vom 13. Oktober 1982, „daß möglichst bald in der Bundeshauptstadt Bonn eine Sammlung zur deutschen Geschichte seit 1945 entsteht, gewidmet der Geschichte unseres Staates und der geteilten Nation.“Deutscher Bundestag (Hrsg.), Stenographischer Bericht, 9. Wahlperiode, 121. Sitzung vom 13. Oktober 1982, Abgabe einer Erklärung der Bundesregierung, S. 7227. (online unter: https://dipbt.bundestag.de/doc/btp/09/09121.pdf) Im darauf folgenden Jahr konkretisierte er seine Vorstellungen in einer weiteren Regierungserklärung. 1986 begann die Umsetzung dieses Auftrages in Bonn mit dem Aufbau einer historischen Sammlung, der Planung einer Dauerausstellung und dem Bau des Museumsgebäudes. Der Deutsche Bundestag beschloss 1990 das Gesetz zur Errichtung einer selbständigen Stiftung öffentlichen Rechts. Das Museum wurde am 14. Juni 1994 von Helmut Kohl eröffnet. Erster Präsident der Stiftung war fast 20 Jahre lang Hermann Schäfer, von Juni 2007 bis Dezember 2021 führte Hans Walter Hütter die Geschäfte der Stiftung. Seit Januar 2022 ist Harald Biermann Präsident der Stiftung.
Bau Das Museumsgebäude wurde 1985 von dem Architektenehepaar Ingeborg und Hartmut Rüdiger aus Braunschweig im Rahmen eines zweistufigen, offenen und bundesweiten Architekturwettbewerbs des Bundes entworfen, nach dessen erster Stufe die sechs erstplatzierten Teilnehmer 1986 zu einer Überarbeitung ihrer Entwürfe gebeten wurden.Die Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn (Hrsg.); Friedrich Busmann: Vom Parlaments- und Regierungsviertel zum Bundesviertel. Eine Bonner Entwicklungsmaßnahme 1974–2004. Bonn, Juni 2004, S. 45. (online PDF) Im November 1986 erhielt schließlich das Büro Rüdiger & Rüdiger den Bauauftrag. Auf dem Baugrundstück befanden sich zuvor das Ausflugslokal Rheinlust und ein Autohaus.Karl-Heinz van Kaldenkerken, Oberstadtdirektor Bonn (Hrsg.); Friedrich Busmann: Ausbau der Bundeshauptstadt. 10 Jahre Hauptstadtvereinbarung 1975–1985. Bonn 1986, S. 72. Die Bauarbeiten begannen mit dem ersten Spatenstich am 21. September 1989, der Rohbau mit Montage der Baukräne im April 1990. Am 27. Juni 1991 wurde Richtfest gefeiert und der Neubau schließlich ein Jahr vor der Eröffnung des Museums im Juni 1993 fertiggestellt.Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Ingeborg Flagge (Hrsg.): Haus der Geschichte: die Architektur des neuen Museums für Zeitgeschichte. S. 139. Die Baukosten betrugen 115 Millionen DM zuzüglich 15 Millionen DM für die Inneneinrichtung. Der Museumsbau hat eine Gesamtnutzfläche von rund 22.000 m². Für die Dauerausstellung stehen über 4.000 m², für Wechselausstellungen mehr als 800 m² zur Verfügung.
Von März bis November 2017 wurde das aufgrund eines Konstruktionsmangels seit längerem undichte und zuletzt auch teilweise gerissene Glasdach erneuert., Westdeutscher Rundfunk, abgerufen am 2. September 2026.
Lage Das Haus der Geschichte befindet sich an der Bundesstraße 9 an der Museumsmeile in der zum Bundesviertel gehörenden Gronau, dem ehemaligen Parlaments- und Regierungsviertel. Wenige Meter südlicher liegen das Kunstmuseum Bonn und die Bundeskunsthalle, die Museen gehören ebenfalls zur Museumsmeile. Diese Museen teilen sich die unterhalb des Hauses der Geschichte gelegene U-Bahn-Haltestelle Heussallee/Museumsmeile an den Strecken Bonn–Bad Godesberg und zur Südbrücke Richtung Königswinter, von wo es einen direkten Zugang ins Kellergeschoss des Museums gibt.
Dauerausstellung Die Dauerausstellung im Haus der Geschichte präsentiert die Vergangenheit Deutschlands vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart. Auf 4000 m² veranschaulichen mehr als 7000 Ausstellungsstücke und 160 Medienstationen deutsche Zeitgeschichte im internationalen Kontext. Der Ausstellungsrundgang ist chronologisch aufgebaut und umfasst gesamtdeutsche Themen ebenso wie die Geschichte der geteilten Nation.
Das Museum legt Wert auf Besucherorientierung sowie auf eine lebendige Darstellung der historischen Ereignisse. Unter dem Leitspruch „Geschichte erleben“ besteht das Konzept darin, historische Objekte „in Szene zu setzen“ und damit für die Besucher zum Leben zu erwecken. Dies geschieht auch unter Verwendung historischer Film- und Tondokumente. Während die politische Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und der DDR den roten Faden der Dauerausstellung bildet, ermöglicht die Darstellung von Alltags- und Kulturgeschichte den Besuchern die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und fördert zudem den Dialog zwischen den Generationen. Neben den Ausstellungen finden im Haus der Geschichte in Bonn zahlreiche wissenschaftliche Tagungen und Veranstaltungen statt.
Informationszentrum Ein Informationszentrum mit einer Präsenzbibliothek inklusive einer umfangreichen Mediathek ermöglicht die individuelle Vertiefung von historischen Themen. Die ehemalige Bibliothek des Gesamtdeutschen Instituts (Bibliothek zur Geschichte der DDR) gehört seit dem 1. Januar 1994 zum Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und ist in das Informationszentrum integriert. Mit einem über 50 Jahre laufend ergänzten Bestand von mehr als 180.000 Bänden ist sie eine der führenden Sammlungen zur Geschichte der DDR und der innerdeutschen Beziehungen.
Neugestaltungen Im Juli 2001 wurde die erste Neugestaltung der Dauerausstellung fertiggestellt, die einen Schwerpunkt auf die Thematisierung der Wiedervereinigung legte. Nach Vorplanungen ab Herbst 2007 und der Umbauphase ab Oktober 2010 erfolgte am 23. Mai 2011 die Eröffnung der zweiten Neugestaltung der Dauerausstellung im Haus der Geschichte. In ihr nehmen der Kalte Krieg und der Mauerbau einen größeren Platz ein als zuvor. Bei dieser Überarbeitung ist deutlich über die Hälfte der 4.000 m² großen Fläche neu gestaltet worden, auch die U-Bahn-Galerie im Untergeschoss.Haus der Geschichte eröffnet neue Dauerausstellung, General-Anzeiger, 24. Mai 2011 Die abermals erneuerte aktualisierte Dauerausstellung wurde am 11. Dezember 2017 durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wiedereröffnet.Haus der Geschichte schließt Dauerausstellung, Welt Online, 11. März 2017Besuch der erneuerten Dauerausstellung und Ansprache bei deren Wiedereröffnung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Der BundespräsidentSteinmeier eröffnet neue Dauerausstellung im Haus der Geschichte, General-Anzeiger, 11. Dezember 2017
Die Dauerausstellung „Unsere Geschichte. Deutschland seit 1945“ war vom 15. September 2024 bis zum 8. Dezember 2025 für eine vollständige Überarbeitung geschlossen. Die Neugestaltung kostete rund 25 Mio. Euro.Thomas Kliemann: Alles auf Anfang, General-Anzeiger, 20. Dezember 2024, S. 9. Während der Schließzeit zeigte das Museum die Wechselausstellung „Nach Hitler. Die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“ und bot Rundgänge durch das Depot an.
Nach der rund einjährigen Schließzeit wurde die neue Dauerausstellung mit dem Titel „Du bist Teil der Geschichte“ am 8. Dezember 2025 wiedereröffnet. Die Ausstellung orientiert sich stärker an persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen der Bevölkerung und bindet Zeitzeugen mit ihren Lebensgeschichten ein. Insgesamt werden rund 3.850 Objekte gezeigt. Im Zuge der Neukonzeption wurde die bisherige Ausstellung nahezu vollständig geräumt; lediglich zwei originale Mauersegmente blieben erhalten. Die thematische Gewichtung wurde verändert, sodass der jüngeren Zeitgeschichte seit den 1990er-Jahren deutlich mehr Raum eingeräumt wird. Neue Schwerpunkte liegen unter anderem auf Migration, Digitalisierung, Klimawandel und der Corona-Pandemie. Auch aktuellere Ereignisse wie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und dessen Auswirkungen auf Deutschland sind Bestandteil der Ausstellung. Ein zentrales Element der Neugestaltung ist der Ausbau interaktiver und inklusiver Vermittlungsformate. Neben der weiterentwickelten Bundestagssimulation wurden digitale Medienstationen integriert. Den Abschluss bildet der nicht kuratierte Raum „Heute“, in dem Gäste dazu aufgefordert sind, selbst Themen und Objekte vorzuschlagen, die aus ihrer Sicht Teil der deutschen Alltagsgeschichte sind. Bilder aus der Dauerausstellung (2001 - 2024)
Organisation Die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wird getragen und finanziert von der Bundesrepublik Deutschland. Die vier Stiftungsorgane sind das Kuratorium, der Wissenschaftliche Beirat, der Arbeitskreis gesellschaftlicher Gruppen und der Präsident.
Das Kuratorium entscheidet als Aufsicht führendes Gremium über den Haushalt und die Grundzüge der Programmgestaltung sowie über Personalentscheidungen von wesentlicher Bedeutung. Es setzt sich drittelparitätisch aus Vertretern der Fraktionen des Deutschen Bundestages, der Bundesregierung und Repräsentanten aller Bundesländer zusammen. Die Beteiligung der Länder trägt ihrer Kulturhoheit Rechnung. Vorsitzende des Kuratoriums ist Maria Bering.Stiftungsorgane, Gremien und Präsident, abgerufen am 8. August 2022.
Der Wissenschaftliche Beirat (Vorsitzender Joachim Scholtyseck) berät das Kuratorium und den Präsidenten der Stiftung im Rahmen des gesetzlichen Auftrags vor allem bei der konzeptionellen Vorbereitung der Wechselausstellungen und der inhaltlichen Arbeit an der Dauerausstellung. Der Wissenschaftliche Beirat, dem Historiker, Politikwissenschaftler, Juristen und Museumsfachleute angehören, ist ein wichtiger Garant für die Unabhängigkeit der Stiftung von politischer Einflussnahme.
Der Arbeitskreis gesellschaftlicher Gruppen (Vorsitzende Regine Möbius) versteht sich als Interessenvertretung der Besucher. Eine Vielzahl gesellschaftlich relevanter Kräfte, darunter die großen Religionsgemeinschaften, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, Vertreter des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates, des Zentralrats der Muslime, des Deutschen Frauenrats, des Deutschen Kulturrats, des Deutschen Sportbundes, des Bundes der Vertriebenen, des Deutschen Bundesjugendrings und der kommunalen Spitzenverbände, bündeln ihre Interessen innerhalb des Arbeitskreises, der sowohl das Kuratorium als auch den Stiftungspräsidenten berät.
Der Präsident der Stiftung, Harald Biermann, führt die Geschäfte der Stiftung und entscheidet in allen Angelegenheiten, sofern dafür nicht das Kuratorium zuständig ist.