mini|Lemmy 2005 Ian Fraser Kilmister (* 24. Dezember 1945 in Stoke-on-Trent, England; † 28. Dezember 2015 in Los Angeles, Kalifornien28. Dezember 2015 - Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister stirbt. In: WDR. 28. Dezember 2020, abgerufen am 8. November 2021.), bekannt als Lemmy Kilmister oder einfach Lemmy, war ein britischer Rockmusiker. Er war Mitglied der Space-Rock-Band Hawkwind sowie Gründer, Sänger und Bassist der Rockband Motörhead.
Leben mini|Lemmy mit E-Gitarre 2006 Ian Fraser Kilmister wurde am Heiligabend 1945 in Burslem, einem Stadtteil von Stoke-on-Trent, geboren. Sein leiblicher Vater war Feldkaplan der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg, seine Mutter Bibliothekarin. Der Vater verließ die Familie kurz nach Lemmys Geburt. Kilmister besuchte die Grundschule in Madeley, einem Dorf nahe seiner Geburtsstadt.
Als er zehn Jahre alt war, heiratete seine Mutter den ehemaligen Profifußballer und Fabrikanten George Willis und die Familie zog nach Benllech, einem Seebad auf der zu Wales gehörenden Insel Anglesey. Nachdem Kilmister mit 15 Jahren ohne Abschluss der Schule verwiesen worden war, jobbte er in einer Reitschule und einer Fabrik, bis er mit 16 sein Elternhaus verließ und nach Manchester zog, wo er bei verschiedenen Bands spielte.
Ende der 1960er-Jahre ging Kilmister nach London und hielt sich zunächst mit Gelegenheitsjobs über Wasser, unter anderem als Roadie bei der Jimi Hendrix Experience und The Nice.Legenden auf der Bühne. In: Nordbayerischer Kurier vom 18./19. Juni 2016, S. 55. Anfang der 1970er-Jahre stieß er als Bassist zur Space-Rock-Band Hawkwind, aus der er 1975 hinausgeworfen wurde, woraufhin er gleich darauf Motörhead gründete. 1990 verlegte er seinen Wohnsitz nach Los Angeles, wo er bis zu seinem Tod lebte.
Aus zwei Beziehungen hatte Kilmister zwei Söhne: Sean und Paul. Speziell zu seinem Sohn Paul Inder hatte er eine sehr innige Beziehung, unter anderem spielte dieser auch als Gastmusiker beim 25. Jubiläum der Band am 22. Oktober 2000 live mit Motörhead. Allerdings war Kilmister nie verheiratet, er erklärt in seiner Autobiographie White Line Fever, die große Liebe seines Lebens sei seine Freundin Susann Bennett gewesen, die im Alter von 19 Jahren an einer Überdosis Heroin starb. Als Konsequenz davon lehnte er sein Leben lang Heroin strikt ab und war ein ausgesprochener Kritiker des Versagens von Regierungen, diese Droge effektiv zu kontrollieren. Kilmister selbst konsumierte in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren LSD und in den späten 1970er- und 1980er-Jahren vor allem Amphetamine. Aus gesundheitlichen Gründen schränkte er seinen Konsum illegaler Drogen in den 1990er-Jahren schließlich ein, trank aber weiterhin große Mengen Alkohol.Joel McIver: Lemmy Kilmister obituary. In: The Guardian. 29. Dezember 2015, abgerufen am 29. Dezember 2015 (englisch).
Im März 2010 wurde der Rockumentary-Film Lemmy von Greg Olliver und Wes Orshoski auf dem Festival South by Southwest im texanischen Austin erstmals dem Publikum gezeigt. In diesem geben zahlreiche Interviews mit Freunden, Kollegen und Bewunderern sowie dokumentarische Aufnahmen von Kilmisters Leben einen ausführlichen Einblick in seine Musikervita.
2000 wurde bei Kilmister Diabetes diagnostiziert.MOTÖRHEAD Manager On LEMMY's Health: ‚He Has Great Days And Then He F**ks It Up‘. In: blabbermouth.net. 17. Januar 2014. Im März 2013 bekam er in Los Angeles aufgrund von Herzproblemen einen Defibrillator eingesetzt.. In: maz-online.de. 22. Juni 2013. Im Körper des Rockmusikers, der sich jahrelang in Behandlung eines Berliner Arztes befand, hatten sich zehn Liter Wasser angesammelt, die medizinisch abgeführt werden mussten.Musikmagazin Rock Hard, 31. Jahrgang, Nr. 317 (30 Jahre Jubiläumsausgabe), Oktober 2013: „Motörhead: Plauderstunde mit Mister Rock'n'Roll“ Interview mit Sänger/Bassist Lemmy Kilmister im Vorfeld eines Motörhead-Auftritts auf dem Wacken Open Air 2013 mit einem Prelistening des noch unveröffentlichten Albums Aftershock und über Lemmys gesundheitliche Probleme von Autor Götz Kühnemund. Rock Hard Verlags- und Handels-GmbH, Dortmund. S. 14–16 Wegen seiner anhaltenden gesundheitlichen Probleme mussten in weiterer Folge im Jahr 2013 viele Konzerte abgesagt und auch ein Auftritt beim Wacken-Open-Air-Festival abgebrochen werden. Auch die Promotiontour des neuen Albums Aftershock wurde verschoben und schließlich ganz abgesagt.Sebastian Kessler: Motörhead-Tour abgesagt. In: Metal Hammer. 24. Januar 2014. Laut eigener Aussage hatte er auch mit dem Rauchen aufgehört,MOTÖRHEAD's LEMMY On His Health Issues: ‘I'm Paying For The Good Times‘. In: Blabbermouth.net, 22. November 2013 was er jedoch wenig später relativierte: Er habe seinen Zigarettenkonsum von zwei Schachteln auf zwei Zigaretten pro Tag reduziert.MOTÖRHEAD's LEMMY Says Fans Were Unbelievably Supportive When He Got Sick. In: Blabbermouth.net, 22. Januar 2014 2015 wurden in Salt Lake City ebenfalls mehrere Konzerte abgesagt.Martin Tege: Motörhead: Lemmys Gesundheit immer noch kritisch – weitere Konzertabsagen. In: rollingstone.de. 3. September 2015.
Kurz nach seinem 70. Geburtstag wurden bei Kilmister Tumore im Kopf- und Nackenbereich diagnostiziert. Er starb am 28. Dezember 2015 in seiner Wohnung in Los Angeles. Laut Todesbescheinigung verstarb er an den Folgen von Prostatakrebs, Herzversagen (Herzinsuffizienz) und Herzrhythmusstörungen. Ob die Tumoren im Kopf- und Halsbereich Metastasen des Prostatakrebses oder eigenständige Tumoren waren, geht aus der Todesbescheinigung nicht hervor.Alex Young: RIP: Lemmy Kilmister – Motörhead Frontman Dead At 70. In: consequenceofsound.net. 29. Dezember 2015, abgerufen am 29. Dezember 2015 (englisch).
Lemmy Kilmister erhielt eine Feuerbestattung. Ein Teil seiner Asche wurde auf dem Forest Lawn Memorial Park in Hollywood beigesetzt. Im März 2021 wurde bekannt, dass Teile seiner Asche auf eigenen Wunsch in Patronenhülsen abgefüllt und an seine engsten Freunde geschickt wurden, zum Beispiel an die deutsche Metal-Sängerin Doro Pesch sowie an Rob Halford, Whitfield Crane und TV-Moderator Riki Rachtman.Lemmy-Asche als Andenken für Judas Priest-Sänger: Rob Halford besitzt Patrone gefüllt mit Lemmys Asche von Sarah Angeli in den News auf www.metal-hammer.de (Metal Hammer), 18. November 2021Doro – The Queen of Metal. Dokumentarfilm, Erstausstrahlung: 25. Oktober 2021, 59 Min. Buch und Regie: Oliver Schwabe. Produktionsleitung: Gaby Montag. Eine Produktion von Rockpalast und WDR Fernsehen Am 2. August 2023 wurde ein weiterer Teil seiner Asche auf Wacken in einer Vitrine platziert. Ein weiterer Teil seiner Asche wurde der Farbe für Tattoos des Tourmanagers von Motörhead, Eddie Rocha, der Produktionsassistentin Emma Cederblad und des Metallica-Sängers James Hetfield hinzugefügt.
Karriere als Musiker mini|Lemmy mit E-Bass und der Halsdekoration „Eisernes Kreuz II. Klasse“ 2005 Im Jahr 1957 nahm Kilmister erstmals eine Gitarre in die Hand, es war die Hawaiigitarre seiner Mutter.Carol Clerk: The Saga of Hawkwind. Omnibus Press, 2004, ISBN 978-1-84449-101-8, S. 79–80. (englisch) Er hatte nie Gitarrenunterricht, sondern brachte sich das Spielen selber bei. Die erste Band, in der er noch in Wales spielte, hieß The Sundowners (später The DeeJays).
Als er Anfang der 1960er-Jahre nach Manchester kam, entstand dort und in Liverpool gerade eine lebendige Musikszene, die in Anlehnung an den Fluss Mersey, der durch Greater Manchester und Liverpool fließt, Mersey Beat genannt wurde. Kilmister spielte in verschiedenen Bands, so unter anderem bei The Rainmakers und danach für ca. drei Jahre bei The Motown Sect. 1965 wurde er schließlich Gitarrist bei Reverend Black and The Rockin’ Vicars (später The Rockin’ Vickers).The Rockin’ Vickers. allmusic.com Mit ihnen nahm er in den Jahren 1965 bis 1967 die Singles Zing! Went the Strings of My Heart (1965), It’s Alright (1965) und Dandy (1966) auf. Er verließ die Band Anfang 1967 und ging nach London.
Dort hatte er zunächst Jobs bei verschiedenen Musikern, z. B. bei P. P. Arnold, bis er 1968 als Sänger bei Sam Gopal anfing.. Dokumentarfilm, 2004, 50 Min. Regie: Tim Kirkby. Ausführende Produzenten: Terry Shand und Geoff Kempin. Eine Produktion von Isis Productions + Eagle Rock Entertainment, London Mit der Band nahm er 1969 das Album Escalator auf, für das er unter dem Namen „Ian Willis“ (dem Nachnamen seines Stiefvaters) einige Songs beisteuerte.Richie Unterberger: AllMusic Review. allmusic.com; abgerufen am 27. Januar 2009 (englisch). Nach dem Scheitern der Band war er für kurze Zeit Mitglied bei Opal Butterfly, mit ihnen nahm er 1970 die Single Groupie Girl auf, verließ die Band jedoch noch vor der Veröffentlichung der Single und des dazugehörenden Filmes.Artist Biography by Ralph Heibutzki. allmusic.com; abgerufen am 27. Januar 2009 (englisch). Mit seinen damaligen mangelhaften Fähigkeiten an der E-Gitarre war Kilmister unzufrieden, weshalb er den E-Bass als Instrument für sich entdeckte und dessen Spiel ihn begeisterte.. Dokumentarfilm, 2004, 50 Min. Regie: Tim Kirkby. Ausführende Produzenten: Terry Shand und Geoff Kempin. Eine Produktion von Isis Productions + Eagle Rock Entertainment, London
Über Dikmik Davies, der damals Synthesizer bei Hawkwind spielte, bekam er 1971 Kontakt zu dieser Londoner Band. Gitarrist Huw Lloyd-Langton und Bassist Dave Anderson hatten innerhalb kurzer Zeit die Band verlassen, und Kilmister hoffte, als Gitarrist in die Band einsteigen zu können. Auf Vorschlag von Dikmik Davies wurde er jedoch schließlich der neue Bassist der Band.Carol Clerk: The Saga of Hawkwind. Omnibus Press, 2004, ISBN 978-1-84449-101-8, S. 77. Er sang für sie die Single Silver Machine, die bis auf Platz 2 der Charts gelangte. Die Band trennte sich 1975 von ihm, nachdem er wegen Drogenbesitzes durch den kanadischen Zoll festgenommen wurde. In Bezug auf seinen leichtfertigen Drogenkonsum, der ihn schließlich seinen Job bei Hawkwind kostete, erklärte Lemmy Kilmister in dem Dokumentarfilm Classic Albums: Motörhead – Ace of Spades von 2004: „Ich war der letzte Irre. Der letzte, der die falschen Drogen nahm: Keine Designerdrogen, sondern das Zeug von der Straße. Weshalb ich sehr unbeliebt war.“. Dokumentarfilm, 2004, 50 Min. Regie: Tim Kirkby. Ausführende Produzenten: Terry Shand und Geoff Kempin. Eine Produktion von Isis Productions + Eagle Rock Entertainment, London
Kurz danach gründete Kilmister eine neue Band, die er Bastard nennen wollte. Auf Anraten seines Managers nannte er die Band jedoch Motörhead, in Anlehnung an den letzten Song, den er für Hawkwind geschrieben und gesungen hatte. Bis zu Kilmisters Tod war die Band mit ihm als musikalischem Kopf aktiv.
Neben Motörhead spielte er auch in der 2000 gegründeten Rockabilly-Band The Head Cat.
Kilmister war auch als Autor und Produzent für andere Musiker tätig. So schrieb er unter anderem die Texte zu vier Songs des Albums No More Tears von Ozzy Osbourne, komponierte Head Over Heels für Girlschool, Can’t Catch Me für Lita Ford und produzierte das Lied Go Home Ann von der Single Bonzo Goes to Bitburg der Ramones sowie das Album Metal Anarchy der Band Warfare.
Markenzeichen Kilmister hatte zwei große Fibrome auf der linken Gesichtshälfte, die zuweilen fälschlich auch als Warzen bezeichnet wurden. Kilmister positionierte sein Mikrofon (Modell Shure SM 57) stets etwas zu hoch, sodass er seinen Kopf während der Gesangspassagen anheben musste. Dies war ein Markenzeichen seiner Bühnenpräsenz, diente nach seinen Aussagen der Bequemlichkeit und sollte ein Relikt aus den Anfangstagen sein, als die Band nur wenige Zuschauer hatte und er „so das Elend im Publikum nicht mitansehen musste“. Seine raue, unausgebildete Stimme galt als Folge seines massiven Zigaretten- und Alkoholkonsums, speziell seiner Vorliebe für „Jack and Coke“ (Mixgetränk aus Jack Daniel’s und Coca-Cola auf Eis).