mini|Ortsteile und Nachbargemeinden von Rangsdorf mini|230px|Rangsdorfer See
Rangsdorf ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg.
Geographie Der Ort liegt auf dem Plateau des Teltow am Rangsdorfer See. Teile des Naturschutzgebiets Rangsdorfer See liegen im Westen des Gemeindegebiets. Die Naturschutzgebiete „Machnower See“ und „Zülowgrabenniederung“ liegen ebenfalls im Gemeindegebiet. Durch den Ort verläuft weiterhin der Zülowkanal, der bei Mittenwalde in den Nottekanal mündet und am Rangsdorfer See beginnt.
Nachbargemeinden beziehungsweise Nachbarstädte sind Blankenfelde-Mahlow im Norden, Mittenwalde im Osten und Zossen im Süden.
Rangsdorf wurde auf vier markanten Hügeln, dem Postberg, dem Zabelsberg, dem langen Berg und dem Weinberg, erbaut. Der Gerichtsfichtenberg und der Pramsdorfer Hügel befinden sich außerhalb der Wohnbebauung. Im Gemeindegebiet befinden sich neben dem Rangsdorfer See auch der Zülowsee, der Kiessee, der Nymphensee, der Machnower See und drei Tonteiche.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören folgende Ortsteile: Groß Machnow im Süden Rangsdorfs, mit den Wohnplätzen Fenne, Pramsdorf und Theresenhof Klein Kienitz im Norden Rangsdorfs
Geschichte Die Geschichte der heutigen Gemeinde ist bis in das 20. Jahrhundert hinein die Geschichte der einzelnen Dörfer und Wohnplätze, die heute zur (Groß-)Gemeinde Rangsdorf gehören. Der Aufstieg Rangsdorfs zur Großgemeinde begann Ende der 1920er Jahre mit dem Verkauf und der Parzellierung von Gutsgelände im Bereich des Bahnhofs sowie 1939 mit der Eingliederung der Siedlung Groß Machnow (oder Neumachnow), die bis dahin zur damaligen Gemeinde Groß Machnow gehörte. 1974 wurde Klein Kienitz eingemeindet und 2003 folgte die Eingemeindung von Groß Machnow.
Frühgeschichte Funde belegen, dass am Rangsdorfer See erste Siedlungen bereits um 8000 v. Chr. bestanden, also bereits rund 2000 Jahre nach dem Ende der letzten Eiszeit, deren Schmelzwasser den See bildeten.
Nach dem Wegzug der germanischen Semnonen rückten ab dem 7. Jahrhundert slawische Stämme in den weitgehend siedlungsfreien Raum nach. Eine slawische Vorgängersiedlung zu Rangsdorf konnte bisher aber nicht festgestellt werden.
Mittelalter Die slawische Zeit ging 1157 mit der endgültigen Eroberung des Teltow und der Gründung der Mark Brandenburg durch den Askanier Albrecht den Bären zu Ende. Der westliche Teltow war ein Kerngebiet der jungen Mark. Im Zuge des Landesausbaus wurden neue Siedlungen im Bereich des Rangsdorfer Sees gegründet, neben Rangsdorf auch Pramsdorf und westlich des Sees Jühnsdorf, östlich des Sees Alt Machnow.
Die erste urkundliche Erwähnung Rangsdorfs fand sich 1375 im Landbuch Karls IV. als Rangenstorpp (bzw. Rangestorff in einer der drei erhaltenen Handschriften des Landbuches). Über Rangersdorff (1544), Rangensdorff (1583) bildete sich der 1775 erstmals genannte Name Rangsdorf heraus. Der Name geht sehr wahrscheinlich auf eine mittelniederdeutsche Grundform Rangher(e)sdörp zurück und bezeichnet das Dorf eines Ranghers, wobei sich der Eigenname Rangher vermutlich aus dem Begriff Rangen = Zanken, im Althochdeutschen dann = ringen bzw. im Altsächsischen heri = Heer ableitet. Die ursprüngliche Dorfstruktur war ein Angerdorf mit späterem Rittergut.
Der Ort war mit seinen 25 Hufen und 9 Kossäten viel kleiner als die heutigen Ortsteile Groß Machnow und Klein Kienitz. Ein Größenvergleich: Groß Machnow hatte 80 Hufen und 33 Kossäten, Klein Kienitz 30 Hufen und 7 Kossäten. Bemerkenswerterweise werden keine Pfarrhufen erwähnt; ein deutlicher Hinweis darauf, dass es damals noch keine Kirche und keinen Pfarrer im Ort gab. Jede Hufe hatte an Pacht (pactum) drei Scheffel Roggen und drei Scheffel Hafer zu bezahlen. An Zins mussten für jede Hufe zwei Schillinge (solidi) und an Bede 16 Pfennige (denarii) entrichtet werden. Es waren neun Kossäten im Dorf ansässig, von denen jeder einen Schilling zu bezahlen hatte. Der Dorfkrug hatte zwei Schillinge zu entrichten, die Mühle einen halben Wispel Roggen (also zwölf Scheffel). Außerdem mussten die Dorfbewohner noch insgesamt 24 Hühner und 60 Eier abliefern. Die Rechte im Dorf waren geteilt. Jacob Rathenow, Bürger in Rangsdorf, hatte das Hochgericht, und ihm standen die Wagendienste der Bauern zu. Das Niedergericht besaß jedoch ein gewisser Dyreke in Rudow. Die Abgaben der Bauern und Kossäten gingen ebenfalls an diese beiden Personen. Jacob Rathenow hatte Anspruch auf Pacht und Zins von vier Hufen sowie auf die Bede von allen Hufen. Die Bede war ein erbliches Lehen derer von Torgau. Außerdem standen ihm 15 Hühner zu. Dyreke bezog Pacht und Zins von den übrigen 21 Hufen sowie die restlichen Hühner und die Abgabe von Eiern.
Nach den Schoßregistern (Steuerregister) von 1451 gehörte Rangsdorf mit seinen 26 abgabenpflichtigen Hufen dem Henning Stroband. Jede Hufe gab drei Scheffel Roggen, drei Scheffel Hafer und vier Groschen. Vier Kossäten gaben zusammen jährlich sieben Groschen. Der Dorfkrug hatte eine jährliche Abgabe von 12 Groschen zu leisten. 1472 waren Berthold, Thomas und Herr Hans Strobant (ein Priester) mit Rangsdorf belehnt worden. Das Dorf gab drei Wispel minus sechs Scheffel Roggen, zwei Wispel 18 Scheffel Hafer und ein Schock 54 Gr. jährlichen Zins.
Die Schoßregister von 1480 vermelden Henning Stroband als Besitzer. Ein Hof war abgebrannt.
Neuzeit Im Jahr 1536 erscheint die Familie Reich von Berlin als Besitzer des Dorfes in den Urkunden. 1544 bewirtschaften sechs Bauern je drei Hufen (darunter der Schulze und der Krüger), vier Bauern je zwei Hufen. Acht Kossäten hatten Häuser mit Gärten. Einige Bauern und Kossäten bewirtschafteten „Neuland“, vermutlich trockengefallene oder trockengelegte Randbereiche des Rangsdorfer Sees sowie Kohlgärten. Bis 1581 war ein Zweihüfnergut von der Grundherrschaft eingezogen worden und bildete den Grundstock für das spätere Rittergut. Es wird erstmals seit 1375 wieder eine Mühle genannt. Die Familie Reiche verkaufte 1571 zunächst eine Hälfte des Dorfes mit allen Rechten an den Kammerrat Johann von Köppen. Dieser kaufte 1586 auch die andere Hälfte von Henning Reiche. Bis 1598 war ein weiteres Dreihüfnergut eingezogen worden, bis 1612 kam noch ein Dreihüfnerhof hinzu, so dass das Rittergut acht „freigewilligte“ Hufen hatte, d. h., diese Hufen waren von den Pacht-, Zins- und Bedeabgaben befreit. Dafür hatte der Rittergutsbesitzer Vasallendienste für den Markgrafen zu leisten. 1598 ist erstmals wieder nach 1375 von einer Windmühle im Dorf die Rede. 1608 gab es sieben Bauerngüter, vier Bauerngüter hatte je drei Hufen unter dem Pflug, drei Bauern bewirtschafteten je zwei Hufen. Im Dorf gab es den Krug und eine Windmühle. Ansässig waren außerdem neun Kossäten und ein Küster.
Im Jahr 1617 wurde einem von Kahlenberg die Lehensbestätigung erteilt. Dabei werden folgende Rechte und Einnahmen aufgeführt: Ober- und Niedergericht, Straßengericht, Kirchlehn, Pächte, Diensten, Pflichten, Zehnten, Jagd, Windmühle, der große Vehling mit der Lanke (= Rangsdorfer See), ein Hof mit acht freien Hufen (Rittergut), die Einnahmen vom Dorfkrug („Zapfenzins“) und die Pächte, und Zehnten von fünf Bauern, die 16 Hufen bewirtschafteten sowie die Abgaben der vier Kossäten. Jeder Bauern- und Kossätenhof hatte zusätzlich noch ein Rauchhuhn und ein Zinshuhn abzugeben. Die Kossäten entrichten zudem Bede und Kahnzins, ein Hinweis auf die auf dem Rangsdorfer See betriebene Fischerei. Auch vom „wüsten Wubert“ und dem „neuen Land“ mussten Zehnt und Zinshühner entrichtet werden. Ab dieser Zeit werden nur noch 24 Hufen genannt. 1624 wird in den Quellen ein Schmied erwähnt.
Im Jahr 1650 kam Rangsdorf in den Besitz derer von Pfuel. Das Dorf war von dem Dreißigjährigen Krieg erheblich betroffen. 1652 lebten nur noch der Schulze, drei Bauern und sieben Kossäten (jeweils mit ihren Familien) im Dorf. Die wüst gefallenen Bauern- und Kossätenstellen wurden aber wieder besetzt. Um 1682 kam Rangsdorf in den Besitz der Familie von Hake. Der letzte von Hake starb unverheiratet, und der Ort ging 1738 an die Familie von Otterstedt. Erasmus Dietrich von Redern erwarb 1785 Dorf und Rittergut; aus seinem Nachlass kam es in den Besitz von Generalmajor Erasmus Ludwig Friedrich von der Gröben (1744–1799). Dessen Witwe (eine geborene von Holle) verkaufte es 1801 dem Etatminister Heinrich Ludwig von Buchholz. Es folgten dann in rascher Folge neue Besitzer: 1804 Wolf Friedrich Ludwig von Quast, 1807 Eberhardt August Freiherr von Medem, darauf Graf von Hake, Amtmann Bohnstedt und 1818 Oberamtmann Körner. Der Besitz wurde 1855 verkauft und kam 1876 nach mehrmaligem Besitzerwechsel an Ferdinand Spiekermann, der jedoch schon 1880 starb. Ihm folgte sein Sohn Richard Spiekermann. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gemeinde 150 Einwohner und der Gutsbezirk 91 Einwohner. Richard Spiekermann war Amtsvorsteher des Amtes Groß Machnow und Patron der Dorfkirche, die er 1888 bis 1890 umbauen ließ.
Aus Rangsdorf heraus wurde 1897 erstmals weltweit eine „funken-telegrafische“ Verbindung hergestellt. Der Erfinder Adolf Slaby sendete über eine Distanz von 21 Kilometern eines der ersten Telegramme aus Rangsdorf nach Schöneberg.
Richard Spiekermann starb 1921, und Eigentümerin wurde die Witwe von Richard Spiekermann sen., Emilie Spiekermann. Sie versuchte, durch den Verkauf von Teilflächen das Gut zu sanieren, verkaufte es dann jedoch 1927 für 1.150.000 RM an den Kreis Teltow. Das Gut umfasste zu diesem Zeitpunkt etwa 710 Hektar. Der Kreis Teltow verkaufte 1928 den bisher gesperrten Rangsdorfer See und ein größeres Waldgebiet nördlich des Ortskerns bis zur Krummen Lanke an die Gemeinde (insgesamt 389 ha). Das Restgut mit Gutshof und Ländereien südlich des Dorfes wurden ebenfalls 1928 an Adolf Henning verkauft. Ein kleinerer Teil Wald und die Krumme Lanke verblieben beim Kreis Teltow. Direkt nach dem Verkauf begann die Gemeinde Rangsdorf, den Rangsdorfer See zum Seebad auszubauen. Land nördlich der Seebadallee wurde parzelliert und verkauft. 1930 verkaufte auch der Besitzer des Restgutes Land südlich des Dorfkerns; die Siedlung Klein Venedig entstand. 1935 wurden 145 Hektar des Restgutes gegen Entschädigung enteignet und auf dem Gelände der Reichssportflughafen Rangsdorf und die Bücker Flugzeugwerke errichtet.
Die verbliebenen 35 Hektar des Restgutes wurden 1946 enteignet. Der Gutshof verblieb zunächst im Bodenfonds der Gemeinde Rangsdorf. Im Gutshof war die Kommandantur der sowjetischen Streitkräfte untergebracht. Später wohnten einige Familien im Gutshof. Ab 1946 nutzte die Landwirtschaftliche Genossenschaft Rangsdorf das Gutshaus, später auch die LPG Seeperle und der VEB Getreidewirtschaft. Mit der Wende kam das Gutshaus in den Besitz des Bundes und 1992 wurde es mit einer Sanierungsverpflichtung verkauft. Die Sanierung unterblieb, und das Gebäude verfiel zusehends. Der Arbeiter-Samariter-Bund Königs Wusterhausen ließ 2005 das Gebäude abreißen und ab 2006 ein zweigeschossiges Altenpflegeheim errichten. In die Fassadengestaltung wurden Elemente des alten Gutshauses aufgenommen.
Eisenbahn und der Aufstieg zum „Seebad“ In den 1870er Jahren wurde eine Eisenbahnverbindung von Berlin nach Dresden gebaut (Berlin-Dresdener Eisenbahn), die Rangsdorf am östlichen Rande der Gemarkung berührte. Auf der Gemarkung Rangsdorf wurde ein Bahnhof gebaut; am 17. Juni 1875 wurde der öffentliche Personenverkehr eröffnet. Parallel zu dieser Strecke wurde in den 1880er Jahren die Königlich Preußische Militäreisenbahn zum Schießplatz nach Kummersdorf gebaut. Die Gleise wurden jedoch 1920 demontiert. Teile des Rittergutes wurden 1928 parzelliert und verkauft. Einen weiteren Sprung in der Einwohnerentwicklung machte Rangsdorf 1939 durch die Angliederung der Siedlung Groß Machnow (auch Neu-Machnow), die östlich der Bahnlinie bzw. südwestlich des Bahnhofs entstanden war. 1940 wurde Rangsdorf an die Berliner S-Bahn angeschlossen.