Albrecht Johannes Waldemar 2. Graf von Roon (* 4. Juli 1837 in Berlin; † 27. März 1919 in Schloss Krobnitz) war ein preußischer Generalleutnant und Politiker.
Leben Waldemar war ein Sohn von Albrecht Graf von Roon und dessen Ehefrau Anna Rogge (1818–1885). Nach dem Besuch der Gymnasien in Berlin und Bonn absolvierte er die Kadettenanstalten in Wahlstatt und Berlin. Anschließend trat Roon am 1. Mai 1855 als Sekondeleutnant in das 1. Garde-Regiment zu Fuß ein. Von 1859 bis 1862 besuchte er die Kriegsakademie in Berlin. Mitte Dezember 1863 kommandierte man ihn als Generalstabsoffizier zum Oberkommando der verbündeten Armee in Schleswig. Roon nahm während des Krieges gegen Dänemark an den Gefechten bei Fredericia und Rackebüll teil, wurde beim Sturm auf die Düppeler Schanzen leicht verwundet und machte den Übergang nach Alsen mit. Für sein Wirken wurde er am 22. April 1864 mit dem Roten Adlerorden IV. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet. Mit der Beförderung zum Hauptmann erfolgte am 16. August 1864 seine Versetzung in den Großen Generalstab. 1866 war Roon anlässlich des Krieges gegen Österreich beim Generalstab des II. Armee-Korps. In dieser Stellung nahm er an den Schlachten bei Gitschin und Königgrätz teil. Nach kurzzeitigen Truppendienst wurde Roon 1869 Major im Großen Generalstab und im April 1870 zur Dienstleistung beim Generalstab des Gardekorps kommandiert. Mit Beginn des Krieges gegen Frankreich versetzte man ihn in den Generalstab des Gardekorps. Roon nahm an den Kämpfen bei Gravelotte, Beaumont, Sedan und Le Bourget sowie der Belagerung von Paris teil und erhielt beide Klassen des Eisernen Kreuzes.
Er wurde 1877 zum Kommandeur des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2 mit Sitz in Stettin ernannt. Im Jahr 1883 wurde er zum Generalmajor und zum Kommandeur der 4. Garde-Infanterie-Brigade ernannt. Ab 1886 war er Inspektor der I. Landwehr-Inspektion und wurde am 3. Juli 1888 mit dem Charakter eines Generalleutnants zum Kommandanten von Posen ernannt. Unter Verleihung des Sterns zum Roten Adlerorden wurde Roon am 19. September 1888 mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt.
Roon war Besitzer des Fideikommiss Dobschütz, zumeist verpachtet an Familie Eugen von Wißmann, und des Majorats mit Schloss Krobnitz. Dort ließ er im Park eine Kapelle über der Gruft des Vaters errichten.Richard Jecht (Hrsg.): Neues Lausitzisches Magazin. Band 81, Hrsg. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, Selbstverlag, Görlitz 1905, S. 88–89. Graf Roon gehörte von 1893 bis 1903 als Mitglied der Deutschkonservativen Partei dem Reichstag an. Zeitweise war er Militärreferent der Budgetkommission des Reichstages. Ab 1904 war er Mitglied des Preußischen Herrenhauses. 1912 findet man Roon im Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen.Rudolf Martin: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen. 1912. Verlag W. Herlet GmbH, Berlin 1912, S. 875. Dobschütz pachtete der Schwager Rittmeister a. D. Eugen von Wißmann (1841–1912), dessen Vorfahren 1817 geadelt wurden.Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. Band 1, Hrsg. Förderung Königliches Herolds-Amt, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892, S. 618.
Familie Am 21. Oktober 1864 heiratete Waldemar von Roon in Kardemin die sieben Jahre jüngere Magdalene Cordelia Henriette Jenny von Blanckenburg (* 5. August 1845 in Kardemin bei Greifenberg, † 21. November 1915 in Görlitz). Sie war eine Tochter des Politikers Moritz Karl Henning von Blanckenburg-Zimmerhausen (1815–1888) und der Maria geb. von Thadden. Das Ehepaar Roon hatte zwei Töchter und acht Söhne. Der älteste Sohn und Erbe Albrecht starb früh 1916. So bekam Enkelsohn Hans Albrecht (1907–1938) Krobnitz und Dobschütz überschrieben, unter Vormundschaft, unter anderem seiner Mutter Carola, geborene Freiin von Seckendorff-Brook, bekannt geworden als Dichterin. Die Landwirtschaft beider Güter wurde daher verpachtet. Den Grafentitel übernahm der 1933 in Krobnitz gebürtige Manfred von Roon.
Sohn Moritz von Roon (* 1876; † 1960) heiratete Rita von Seydewitz (* 1880; † 1966), Tochter der Lucie geborene Freiin von Ungern-Sternberg und des Damm von Seydewitz. Rita von Roon erbte das Allod-Gut Reichenbach, dessen Gemarkung heute ein Teil der Stadt Reichenbach/O.L. ist. Der zweitjüngste Sohn Wilhelm fiel 1914 als Oberleutnant, der jünsgte Sohn Wolfram wurde Verkehrsdirektor in Stettin und heiratete Marie-Luise Gräfin von Bassewitz-Schwiessel. Die Kinder trugen alle den Namen von Roon.
Schriften Roon verfasste eine Biographie seines Vaters Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Generalfeldmarschalls Grafen von Roon und war auch HerausgeberBritish Museum. Catalogue of Printed Books. Band (67): Romea–Rosemundus., William Clowes and Sons Ltd., London 1895, S. 78.Vgl. Ed. Zarncke: Literarisches Zentrallblatt für Deutschland. Begründet von: Friedrich Zarncke, №. 28. 17. Juli 1897, Breitkopf und Härtel-Verlag Eduard Avenarius, Leipzig 1897, S. 904. von dessen Reden: 2. Auflage, Breslau 1892: Band 1 4. Auflage: Band 1 4. Auflage, Breslau 1897: Band 3
Genealogie Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Johann Georg von Rappard: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. B (Briefadel). 1955. Band I, Band 6 der Gesamtreihe GHdA. Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1953, , , S. 374–375–378. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel). 1941. Jahrgang 114, Justus Perthes, Gotha November 1941, , S. 404 f. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1916. Jahrgang 89, Justus Perthes, Gotha 8. November 1915, S. 805–806. Melville Henry Massue Marquis de Ruvigny et Raineval: The Titled Nobility of Europe. An International Peerage, Or Who`s Who, of Sovereigns, Princes and Nobles of Europe. Harrison & Sons, London 1914, S. 1243.
Literatur Ottův slovník naučný Illustranovă Encyklopædie Obecnȳch Védomosti. Band: R(Ř)–Rozkoš. Mit: Vater u. Sohn Graf Roon. Verlag J. Otto, Praha 1904, S. 958–959)2. Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist's? 4. Ausgabe, Selbstverlag, Leipzig 1909. Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist's? Who`s Who in Germany 5. Ausgabe, G. E. Stechert & Co.- New York, Selbstverlag, Leipzig 1911, S. 1205. Hermann Christern (Hrsg.) Deutsches Biographisches Jahrbuch. Überleitungsband 2: 1917–1920. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart, Berlin [u. a.] 1917/1920. Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 10, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o. O. [Hamburg], o. J. , , S. 379–381, Nr. 3280. Reinhold Zilch (Bearb.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817–1934/38. Band 10. (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Neue Folge. Olms-Weidmann, Hildesheim 1999, ISBN 3-487-11007-5, S. 429. Digitalisat PDF Steffen Menzel: Schloss Krobnitz, Geschichte eines Rittergutes und seiner Besitzer. In: Krobnitzer Hefte. 1, Hrsg.: Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverband, Verlag Gunter Oettel, Görlitz/Zittau 2008, ISBN 978-3-938583-33-3, insb. S. 71–77.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Generalleutnant (Königreich Preußen) Kategorie:Person im Deutschen Krieg Kategorie:Person im Deutsch-Französischen Krieg Kategorie:Absolvent der Preußischen Kriegsakademie Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 2. Klasse Kategorie:Träger des Preußischen Königlichen Kronenordens 2. Klasse Kategorie:Rechtsritter (Johanniterorden) Kategorie:Reichstagsabgeordneter (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Mitglied des Preußischen Herrenhauses Kategorie:Mitglied der Deutschkonservativen Partei Kategorie:Titulargraf Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1837 Kategorie:Gestorben 1919 Kategorie:Mann