mini|Der Kölner Dom ist das größte Kirchengebäude und die größte Touristenattraktion des Landes. Laut Zensus 2022 waren 34,0 % der Einwohner römisch-katholisch, 21,8 % evangelisch und 44,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2022 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung sinkt seitdem weiter. Ende 2025 waren von den 17.986.214 Einwohnern 31,2 % (5.607.657) katholische Kirchenmitglieder, 19,7 % (3.541.985) evangelische und 49,1 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.EKD Statistik der Evangelische Kirche DeutschlandSekretariat der Deutschen Bischofskonferenz - Bevölkerung und Katholiken nach Bundesländern 2025
Nordrhein-Westfalen ist ein Gebiet mit einer vielgestaltigen Religionslandschaft. Das Land garantiert durch seine Verfassung die Religionsfreiheit.
Geschichte mini|Kloster Kamp besitzt eine der schönsten klösterlichen Gartenanlagen des Landes. mini|Die jülich-bergische Hof- und Jesuitenkirche St. Andreas war ein Zentrum der Gegenreformation. mini|Der Willibrordi-Dom in Wesel ist eine der bedeutendsten protestantischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen. Das linksrheinische Staatsgebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens geriet um die Zeitenwende unter römische Herrschaft. Damit kam die Bevölkerung in diesem Gebiet erstmals mit der Römischen Religion in Berührung. Durch Romanisierung wurde die gallisch bzw. germanisch geprägte Religion der Bevölkerung in den römisch beherrschten Gebieten schrittweise zurückgedrängt. Seit der Konstantinischen Wende im 4. Jahrhundert konnte sich das Christentum im Reich zügig verbreiten. Da es den Römern aber nie gelang, die hinter Rhein und Limes gelegenen Gebiete der Germania magna ihrem Reich anzuschließen, konnte sich das Christentum dort auch nicht ausbreiten, so dass östlich des Rheins und nördlich des Limes die Religion der Germanen weiter ausgeübt wurde.
Nach dem Zusammenbruch der römischen Provinzen um 400 gelang es den christianisierten Franken, ihren Machtbereich im heutigen Nordrhein-Westfalen auszubauen. In den Sachsenkriegen um 800 unterwarfen sie die in ihren Augen heidnischen Sachsen, die damals Westfalen bewohnten, und zwangen ihnen das Christentum auf. Die Franken förderten die Gründung christlicher Zentren, darunter vor allem Klöster. Minden, Corvey, Paderborn oder Herford wurden bedeutende christliche Missionszentren im Osten des heutigen Nordrhein-Westfalen. Die Klöster und Bischofssitze hatten auch eine bedeutende weltliche Funktion. Als Verwaltungszentren waren sie für die fränkischen Herrscher und ihre Nachfolger ein wichtiges Mittel zur Sicherung ihrer Macht. Aus der staatstragenden Funktion der Bischöfe im Frankenreich erwuchs das spätere ottonisch-salische Reichskirchensystem. Aus den Verwaltungsgebieten der Bischöfe und Äbte bildeten sich im Mittelalter geistliche Territorien heraus, die im Heiligen Römischen Reich neben den weltlichen Herrschaftsgebieten eine eigenständige politische Rolle spielten. Die regierenden Bischöfe und Äbte herrschten dabei über ihre Territorien im Grunde wie weltliche Herrscher. Im heutigen Nordrhein-Westfalen waren die größten und einflussreichsten dieser geistlichen Gebiete Kurköln und das Hochstift Münster. Weitere Fürstbischöfe regierten im Mittelalter in Paderborn und Minden über heute nordrhein-westfälische Gebiete. Der äußerste Westen des heutigen Landes gehörte kirchlich zur Diözese Lüttich.
Im 16. Jahrhundert kam es durch Martin Luther, Johannes Calvin und andere zur Reformation. Im Zuge einer Konfessionalisierung nahmen große Teile des heutigen Landes die evangelische Konfession an, mehrheitlich in der lutherischen, teilweise auch in der calvinistischen Variante. Einzelne Gemeinden schlossen sich der reformatorischen Täuferbewegung an. Eine besonders radikale Ausprägung fand die Täuferbewegung im „Täuferreich von Münster“. Die römisch-katholische Kirche reagierte mit der Gegenreformation, im 17. Jahrhundert vor allem durch das Werk des Ordens der Jesuiten, die sich die Rekatholisierung durch den Bau prächtiger Kirchen und Schulen als Stützpunkte jesuitischer Bildung, Seelsorge und Propaganda zum Ziel gesetzt hatten. Ihr Wirken zielte auch auf eine Beeinflussung der Herrscherhäuser; in Jülich-Berg gelang ihnen die Konversion des Pfalzgrafen Wolfgang-Wilhelm. Der Grundsatz Cuius regio, eius religio, nach welchem die Religion des Landes durch die Konfession des Landesherrn bestimmt wurde, barg erhebliches Spannungspotenzial, das sich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Dreißigjährigen Krieg entlud. Die Konfessionen der Territorien wechselten im Laufe dieser unfriedlichen Zeit oft mehrfach. Erst mit dem Westfälischen Frieden entstand durch völkerrechtliche Verträge zwischen den damaligen europäischen Mächten eine relativ stabile Friedensordnung, die die konfessionelle, kulturelle und politische Landkarte des heutigen Nordrhein-Westfalen maßgeblich mitgezeichnet hat. Demnach wurden Lippe, Minden-Ravensberg, das Bergische Land, das märkische Sauerland und ein Teil des Siegerlandes dauerhaft protestantisch, während etwa das übrige Sauerland, das kurkölnische Rheinland, Aachen und die rheinischen Gebiete des Hochstifts Lüttich, das Münsterland, das Paderborner Land sowie große Teile des Niederrheins als katholisch festgeschrieben wurden. Die katholischen Gebiete lagen überwiegend in geistlichen Territorien des Heiligen Römischen Reichs.
Große Veränderungen im Denken der Menschen brachte das Zeitalter der Aufklärung. Es beförderte eine grundsätzlich neue Haltung zur Frage der Legitimation weltlicher und geistlicher Macht und führte zu der politischen Forderung nach Säkularisierung des öffentlichen Lebens. Die Französische Revolution brachte auf dieser geistigen und politischen Grundlage die alten staatlichen Ordnungen in Europa zum Einsturz. Auf Betreiben Napoleons wurden 1803 die geistlichen Territorien und Besitzungen im Heiligen Römischen Reich aufgelöst (Reichsdeputationshauptschluss). Ihrem Untergang folgte 1806 der des Heiligen Römischen Reichs.
Verschiebungen in den konfessionellen Verhältnissen des heutigen Nordrhein-Westfalen ergaben sich im 19. und 20. Jahrhundert durch den tiefgreifenden Wandel der sozialen, politischen und ökonomischen Bedingungen, die sich durch Kolonialismus, Imperialismus, Nationalismus, Liberalismus, Industrialisierung und weitere Prozesse des technischen Fortschritts zu globalisieren begannen. Im Königreich Preußen, dem das heutige Nordrhein-Westfalen nach dem Wiener Kongress großenteils angehörte, kam es in den 1870er Jahren zu erheblichen Spannungen zwischen der protestantisch geprägten Staatsführung und den katholischen Kräften in Klerus und Bevölkerung (Kulturkampf), die etwa in den Erscheinungen des Linkskatholizismus noch lange nachwirkten. Migrationsbewegungen des 19. Jahrhunderts, hiervon betroffen war vor allem das Ruhrgebiet, und die Flüchtlingsströme nach dem Zweiten Weltkrieg führten zu weiteren Veränderungen. In der Phase des Dritten Reichs ging das rheinische und westfälische Judentum, das nach dem Untergang des Heiligen Römischen Reichs großenteils die Religionsfreiheit erlangt hatte, durch Vertreibung und Ermordung unter. Nach der Staatsgründung Nordrhein-Westfalens wurde die Rechtsgarantie der Religionsfreiheit in der Landesverfassung festgeschrieben. Als Folge der Anwerbung von „Gastarbeitern“ ab den 1960er Jahren entwickelten sich erstmals islamische Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Veränderung in der religiösen Vielfalt des Landes kamen auch mit den Migranten, die seit den 1990er Jahren im Zuge der Öffnung Europas und der verstärkten Globalisierung einreisten, darunter auch Juden aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Bedeutend ist heute nicht zuletzt die starke Abnahme der Religiosität und die Zunahme bewusster Konfessionslosigkeit durch die Verbreitung säkularer Auffassungen und Lebensstile in Westeuropa.
mini|Der Altenberger Dom ist eine der größten katholisch-evangelischen Simultankirchen Deutschlands.
Bevölkerungsanteil der Muslime Einer Publikation der nordrhein-westfälischen Landesregierung von 2010 zufolge betrug der Anteil der Muslime etwa 7 bis 8 % der Bevölkerung. Davon zählen sich rund 80 % zu den Sunniten. Ein methodischer Unterschied, der Unterschiede zu obigen Zahlen von 2006 aus der Bochumer Studie teils erklärt, ist der Verzicht auf das Kriterium einer „regelmäßigen aktiven Teilnahme bei einer religiösen Gemeinschaft“, sondern die Erfassung der bedingungslosen Selbstauskunft der Befragten.
Bevölkerungsanteil der Juden Jüdische Gemeinden in Nordrhein-Westfalen sind nach Vertreibung oder Vernichtung im Dritten Reich kaum noch vertreten. Die jüdischen Gemeinden erhielten Zuwachs durch Zuwanderer aus der ehemaligen UdSSR. Im Jahr 2005 gehörten rund 30.000 Einwohner (weniger als 0,2 % der Gesamtbevölkerung) den jüdischen Gemeinden Nordrhein-Westfalens an. Die größte jüdische Gemeinde des Landes besteht in Düsseldorf. Die Stadt hat mit rund 6500 Mitgliedern nach Berlin und München bundesweit die drittgrößte jüdische Gemeinde.Jüdische Gemeinde Düsseldorf K.d.ö.R. beim Zentralrat der Juden in Deutschland, abgerufen am 18. Juli 2025
Verfassungsrechtliche Bestimmungen Die Verfassung für das Land Nordrhein-Westfalen verweist im Ersten Abschnitt (Von den Grundrechten), Artikel 4 für die Grundrechte auf das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Insbesondere Artikel 4 des Grundgesetzes der Bundesrepublik garantiert die Religionsfreiheit in Deutschland und hat daher uneingeschränkt Wirkung in Nordrhein-Westfalen. Die Landesverfassung betont in den Artikeln 19 bis 23 eine besondere, unabhängige und geschützte Stellung der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Explizit greift die Landesverfassung in Artikel 22 erneut auf das Bonner Grundgesetz zurück, indem sie die Gültigkeit des Artikels 140 des Grundgesetzes bekräftigt, der seinerseits rückgreifend auf die Weimarer Verfassung das Verhältnis von Staat und Kirche ordnet und weitere Bestimmung zur freien Ausübung der Religion enthält.