mini|Abtei Mariawald, Luftaufnahme (2015) mini|Gästehaus und Kirche der Abtei Mariawald (2020) mini|hochkant|Wappen mit Wahlspruch der Abtei Mariawald, Luceat lux vestra – Euer Licht soll leuchten (2007) mini|hochkant|Abteikirche (2024)
Die Abtei Mariawald (lat. Abbatia B. M. de Nemore) ist ein ehemaliges Kloster des Ordens der Trappisten nahe Heimbach in der Eifel im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Ihr Wahlspruch lautete: Luceat lux vestra – Euer Licht soll leuchten . Im Januar 2018 wurden die Aufhebung und der Verkauf des Klosters beschlossen, am 15. September 2018 verließen die Mönche das Kloster. Der Eigentümer des Klosters ist der Verein „Kloster Mariawald e.V.“, der die Klosterbetriebe seit 2018 weiterführt.
Geographische Lage mini|Blick auf die Abtei Mariawald vom Ehrenfriedhof (2017) Die Abteigebäude von Mariawald liegen innerhalb der Nordeifel im Naturpark Hohes Venn-Eifel und sind vom Nationalpark Eifel umgeben. Sie befinden sich südlich oberhalb des Kernorts der Kleinstadt Heimbach im Nordteil des bewaldeten Kermeter, nahe den Erhebungen und Hangspornen Altenberg (ca. ) im Nordosten und Griesberg () im Nordnordwesten zwischen 400 und Höhe.
Geschichte rechts|mini|Pietà (vor 1470) im Antwerpener Retabel (um 1520), heute in der Pfarrkirche Heimbach (2021)
Gründung und Entwicklung bis zur Aufhebung 1795 Die Geschichte der Abtei Mariawald wurzelt in der Aufstellung einer Pietà im Wald bei Heimbach. 1470 kaufte der Heimbacher Strohdachdecker Heinrich Fluitter eine Pietà und stellte sie in einem hohlen Baumstamm zur Verehrung auf. Dieser Platz erwies sich jedoch als zu einsam, sodass Fluitter eine hölzerne Kapelle an einer Wegkreuzung baute und die Pietà dort aufstellte. Als immer mehr Pilger zur Pietà kamen, baute sich Fluitter eine Zelle an die Kapelle an und betreute von dort aus bis zu seinem Tod die Pilgerstätte.
Im Jahr 1479 ersetzte der Heimbacher Pfarrer Johann Daum die Kapelle durch eine hölzerne Kirche und bat die Zisterzienser aus dem Kloster Bottenbroich um Hilfe bei der Wallfahrtsbetreuung. Mit Urkunde vom 10. November 1480 schenkte Pfarrer Daum die Kirche mit der Pietà dem Zisterzienserorden, der dort mit dem Bau eines Klosters begann. Am 12. September 1481 wurde die Kirche durch den Kölner Weihbischof Arnold von Unkel OFM geweiht.kloster-mariawald.de: Die Gründung des Klosters, abgerufen am 5. November 2021. Am 4. April 1486 bezog die erste Mönchsgemeinde das neu errichtete Kloster, sodass dieser Tag als Gründungsdatum der Abtei gilt, die den Namen Monasterium Nemoris beatae Mariae Virginis (Mariawald) erhielt. 1494 wurde begonnen, die hölzerne Kirche durch einen Steinbau zu ersetzen. Um 1520 wurde die Pietà in ein Antwerpener Retabel, das verschiedene Szenen aus dem Leben Jesu – von Verkündigung bis Tod und Auferstehung – zeigt, integriert. 1539 wurde die neue steinerne Kirche geweiht.
Die folgenden 100 Jahre waren eine schwierige Zeit für das Kloster. Wie auch die übrige Bevölkerung hatte die Abtei unter diversen Kriegen, insbesondere dem Dreißigjährigen Krieg, zu leiden. Danach begann eine Phase der Ruhe und guten Entwicklung des klösterlichen Lebens, die mit dem Ausbruch der Französischen Revolution wieder endete. Als 1794 die französische Revolutionsarmee linksrheinische Gebiete besetzte, kam die Abtei unter französische Herrschaft. Am 2. April 1795 wurde das Kloster aufgehoben; Land und Inventar wurden versteigert. Die Pietà von Mariawald wurde mit dem Antwerpener Retabel am 22. Juni 1804 in die Heimbacher Pfarrkirche St. Clemens gebracht. Noch heute stehen beide Objekte in Heimbach, nunmehr in der am 24. Mai 1981 geweihten Salvatorkirche. Teile der Kirchenfenster befinden sich heute im Victoria and Albert Museum in London.
Wiederbesiedlung 1861 und weitere Geschichte 1860 kaufte Ephrem van der Meulen, Abt der elsässischen Trappistenabtei Oelenberg, das Klostergut. Im Februar 1861 kamen zwei Brüdermönche von Ölenberg nach Mariawald und begannen mit dem Wiederaufbau der Klosteranlage. Im April 1862 wurde das reguläre Klosterleben wieder aufgenommen. Beendet werden konnte der Wiederaufbau des Klosters nach Plänen von August Carl Lange erst im Jahr 1891, da die Aufbauarbeiten durch den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und den Kulturkampf in Preußen und im Deutschen Reich unterbrochen worden waren. Zwar mussten die Mönche von September 1875 bis zum 18. Oktober 1887 das Kloster verlassen; durch den preußischen Staat enteignet werden konnte das Kloster aber nicht, da immer noch Ephrem van der Meulen als Eigentümer des Klostergutes eingetragen war.
Am 29. September 1909 wurde Mariawald zur Abtei erhoben. Im Ersten Weltkrieg wurden 33 Mönche der Abtei zum Kriegsdienst eingezogen. Drei von ihnen verstarben während des Krieges. Wie auch der übrigen Bevölkerung machte die schwierige Nachkriegszeit der Abtei zu schaffen.
mini|Ehrenfriedhof. Auf diesem Friedhof sind 414 Tote des Zweiten Weltkriegs beerdigt. (2006) Erneute Beeinträchtigungen des Klosterlebens bis hin zur Auflösung mussten die Mönche von Mariawald während der nationalsozialistischen Herrschaft hinnehmen. Während des Baus des Westwalls wurden Bauarbeiter im Kloster einquartiert. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden einige Mönche zum Kriegsdienst eingezogen. Teilweise wurden Mönche von der Gestapo verhaftet. Am 21. Juni 1941 schließlich wurde das Kloster wegen „staatsfeindlicher Aktivitäten“ aufgelöst (zum „Klostersturm“ vgl.). Die Priestermönche mussten das Kloster verlassen, die Brudermönche wurden als Arbeiter in der Landwirtschaft des zum Gemeingut gemachten aufgelösten Klosters eingesetzt. Als im Herbst 1944 die Front in die Nähe des Klosters rückte, wurde im Kloster über einige Monate hindurch ein Feldlazarett eingerichtet. 414 Menschen starben während ihres dortigen Lazarettaufenthalts. Sie wurden auf einem Hang westlich des Klosters bestattet. Auf dem so entstandenen Ehrenfriedhof auf dem Klostergelände findet alljährlich am Volkstrauertag eine Gedenkveranstaltung statt.
Im Zuge der Ardennenoffensive wurde das Kloster zum großen Teil zerstört. Die noch auf dem Gelände verbliebenen Brüdermönche wurden vertrieben. So standen die Gebäude einige Zeit leer. Am 28. April 1945 nahm Pater Christophorus Elsen das Kloster wieder in Besitz, nachdem die britische Militärregierung den Fortbestand der Abtei genehmigt hatte.kloster-mariawald.de: Abt Meinrad Behren, abgerufen am 27. Februar 2021. Der Abt von Ölenberg hatte ihn zuvor zum Superior ernannt. Pater Christophorus nahm Kontakt zu den vertriebenen Mönchen auf, die sich größtenteils wieder im Kloster einfanden. Jedoch sind während des Krieges drei Mönche gefallen und vier blieben vermisst. Außerdem sind einige Patres in der Verbannung gestorben. Erneut wurde das Kloster wiederaufgebaut. Im Dezember 1946 wurde Christophorus Elsen zum Abt gewählt. Die Beseitigung der Kriegsschäden dauerte bis zum Jahr 1959.
Auf Initiative des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, im Einvernehmen mit dem Abt, entstand in den 1950er Jahren die Kriegsgräberstätte Heimbach. Sie wurde am 20. September 1953 eingeweiht. Dort liegen insgesamt 414 Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg. Von 1962 bis 1964 wurde die Klosterkirche renoviert und den liturgischen Änderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils angepasst.
Im 20. und 21. Jahrhundert war die Abtei Mariawald das einzige männliche Trappistenkloster in Deutschland. In der Abtei lebten im Jahr 2010 unter der Leitung von Abt Bernardus Peeters aus Tilburg 14 Mönche, zwei Novizen, ein Mönch mit zeitlicher Profess, ein Postulant und ein Oblate. Zusätzlich gab es noch drei externe Mitbrüder. Bis 2016 ging die Anzahl auf neun Mönche, einen zeitlichen Professen und zwei Externe zurück. (PDF; 446 kB) Die Klosteranlage wurde sowohl von den Mönchen als auch von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern bewirtschaftet. Zur Unterstützung des Klosters wurde 1995 der Verein der Freunde und Förderer der Abtei Mariawald e. V. gegründet.
Päpstliches Privileg (2008) Mit Schreiben vom 21. November 2008 hatte Papst Benedikt XVI. der Bitte des Abtes Dom Josef Vollberg OCSO entsprochen und dem Kloster die Erlaubnis erteilt, auf Wunsch zur Feier der Liturgie und Observanz im Usus des Ordens von Monte Cistello in der Fassung von 1963/64 zurückzukehren.Summorum Pontificum.de: Usus von Monte CistelloTrappistenabtei kehrt zur Alten Liturgie zurück. kath.net, 26. November 2008 mit Pressemitteilung der Abtei, abgerufen am 6. Juni 2017. Damit war die Klostergemeinschaft der Abtei Mariawald die erste deutschsprachige, die zu den vorkonziliaren Observanzen und der Feier der Liturgie nach der außerordentlichen Form zurückkehrte. Der Abt und ein Teil des Konvents erhofften sich davon unter anderem neue Impulse – auch für den Nachwuchs der Abtei. Stattdessen ging jedoch ein Riss durch die Gemeinschaft.Christian Füller Das Schweigen der Trappisten in Die Welt; 18. September 2018 S. 8. Zwei Novizen schieden aus, einige Ältere starben, so dass die Zahl der Mönche in der Abtei bis 2016 auf 10 zurückging.Alexander Brüggemann: Aus für Abtei Mariawald. In: Paulinus, Wochenzeitung im Bistum Trier, Nr. 5 vom 4. Februar 2018, S. 5.
Rücktritt des Abtes 2016 Die Zahl der Mönche in Mariawald fiel bis 2016 unter die für eine eigenständige Abtei nötige Zahl von 12 Mönchen. Im Mai 2016 fand eine Visitation durch den Abt der Mutterabtei Tilburg, Bernardus Peeters, und den Abt des englischen Trappistenklosters Mount Saint Bernard, Erik Varden, statt. Abt Josef Vollberg erklärte im Oktober 2016 seinen Rücktritt. Ab dem 1. Adventssonntag, dem 27. November 2016 amtierte Bernardus Peeters von Tilburg als Pater Immediat, Josef Vollberg wurde zum Prior des Klosters ernannt und blieb Hausoberer.kloster-mariawald.de:
Schließung der Trappistenabtei Im Januar 2018 beschloss die Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens in Rom die Schließung und den Verkauf des Klosters noch im selben Jahr. Aachener Zeitung vom 23. Januar 2018 Die Mönche hatten ein Durchschnittsalter von 84 Jahren, und der Konvent – so die Begründung der Schließung – könne sich nicht mehr selbst versorgen.Aus für Deutschlands einziges Trappistenkloster Mariawald. neuesruhrwort.de, 23. Januar 2018, abgerufen am 12. Januar 2019. Mariawald soll jedoch auch nach dem Weggang der Mönche ein geistlicher Ort bleiben. Die Klostergaststätte, der Klosterladen und die Likörmanufaktur werden durch einen Förder- und Trägerverein weitergeführt.kloster-mariawald.de: (Juni 2018) Das Eigentum an den Abteigebäuden ging von dem bisherigen Trägerverein „Trappistenkonvent Mariawald“, dem nur Mönche angehören konnten, auf den Verein „Kloster Mariawald“ über, dem satzungsgemäß auch Nichtmönche angehören können, die der Bischof von Aachen ernennt; zu den Mitgliedern gehört auch das Bistum Aachen. Die Abtei wurde zum 15. September 2018 mit einem Dankgottesdienst geschlossen. Die Mönche verließen daraufhin das Kloster.
Mehrere ältere und pflegebedürftige Mönche zogen in ein Altenheim. Abt Josef Vollberg lebt seither als Einsiedler des Trappistenordens nahe einem Zisterzienserkloster in Tschechien, der Abtei Vyšší Brod (Hohenfurth), in der die Mönche 2011 wie zuvor in Mariawald zur Liturgie und Observanz im Usus des Ordens von Monte Cistello in der Fassung von 1963/64 zurückgekehrt waren.
Bewirtschaftung ab 2018 Eigentümer des Klosters war bereits vor der Aufhebung der Verein „Trappistenkonvent Mariawald e. V.“, der sich in Kloster Mariawald e. V. umbenannte und seine Satzung änderte, so dass nicht nur Mönche Mitglied werden können. Damit wurde sichergestellt, dass der Verein die Klosterbetriebe weiterführen kann, die Versorgung der bisherigen Ordensleute sichergestellt wurde und insbesondere die Abteikirche entsprechend ihrer Bestimmung fortbestehen kann. „Der Verein ist Arbeitgeber aller Mitarbeiter des Klosterbetriebes, alle Arbeitsverträge behalten ihre Gültigkeit.“