mini|hochkant=1.4|Die Catharinenkirche von Norden mit (von rechts) der Ahlefeldtschen, der Bosseer und von Bülowische Kapelle; letztere ist heute Sakristei.

mini|Blick zum Altar (2015)

Die St. Catharinen-Kirche ist die Pfarrkirche der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Westensee. Sie trägt das Patrozinium der Katharina von Alexandrien. Die Feldsteinkirche aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hat einen etwas jüngeren, gotischen Chor und einen massiven Westturm aus Backstein. An der Nord- und Ostseite sind Grabkapellen der ansässigen Adligen angebaut. Im Inneren befindet sich mit dem Epitaph des Daniel von Rantzau das älteste Renaissancekunstwerk in Schleswig-Holstein. Geschichte

Die Kirche stammt aus der Zeit der Besiedlung des Landes nach der Schlacht bei Bornhöved (1227). Sie wurde erstmals 1253 als Filiale des Klosters Neumünster erwähnt. Die aus Feldsteinen errichtetem Kirche aus dem 13. Jahrhundert ähnelte in ihrem Aussehen ursprünglich gleichzeitigen Feldsteinkirchen, wie sie sich etwa Ratekau und Flemhude befinden. Im Osten befand sich ein ebenfalls aus Feldsteinen gemauerter Chor, von dem Mauerreste bei der Renovierung in den 1970er Jahren unter dem Boden des jetzigen Chorraumes gefunden wurden, und im Westen möglicherweise ein Rundturm wie bei den Vicelinkirchen. Die Kirche betrat man durch zwei Eingänge im Norden (Frauentür) und Süden (Männertür). Die heute zugemauerten Türen sind noch zu erkennen.Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs. Wachholtz Neumünster 1994², S. 34 ff.

Nach 1300 wurde die kleine Apsis durch einen das Kirchenschiff überragenden zweijochigen gotischen Backsteinchor ersetzt. In der Form ist der fünfeckige Chor möglicherweise dem der Kirche des Klosters Cismar nachempfunden. Diesem verkaufte der Ritter von Westensee, der Patron der Westenseer Kirche, 1322 Grömitz. Ähnlichkeiten bestehen auch zum wohl etwas jüngeren Chor der Klosterkirche von Bordesholm. Da die westlichen Pfeiler des Chores nicht direkt an die Ostwand der alten Feldsteinkirche anschließen, lässt sich vermuten, dass möglicherweise beabsichtigt war, die ganze Kirche durch einen gotischen Neubau zu ersetzen. Stattdessen wurde das Kirchenschiff um 1505 mit behauenen Granitsteinen nach Westen erweitert und der Westturm angefügt. Zu dieser Zeit war die der heiligen Katharina von Alexandrien geweihte Kirche eine Wallfahrtskirche mit vier Vikarien neben dem Ortspriester und einem Jahrmarkt am Catharinentag, dem 25. November.

Obwohl der damalige Kirchenpatron Jürgen von Ahlefeldt vom Gut Westensee ein enger Verwandter des letzten katholischen Bischofs Gottschalk von Ahlefeldt war, wurde die Reformation in Westensee verhältnismäßig früh eingeführt. Der erste evangelische Pastor war 1529–1539 Johann von Wehrden, der frühere Hauslehrer der Kinder des Herzogs Friedrich. Johann von Wehrden wurde 1539 Nachfolger von Johannes Jüngling in Bovenau. mini|Patronatslogen über dem Westeingang Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ließen sich die Gutsherren der Güter Bossee, Westensee, Deutsch-Nienhof, Emkendorf, Schierensee, Pohlsee und Klein Nordsee Logen im Chor der Kirche errichten. Die adligen Gutsbesitzer wurden auch in der Kirche beigesetzt, zuletzt Julia von Reventlow.

Der Dreißigjährige Krieg führte zu großen Bevölkerungsverlusten in allen Kirchspieldörfern. Einige Dörfer fielen ganz wüst. Kaiserliche Truppen verwüsteten 1627/28 die Kirche und raubten das Kirchensilber. Die Kirchenbücher gingen verloren. Einige Jahre später stahlen schwedische Truppen 1645 alle beweglichen Kunstgegenstände, darunter das Taufbecken aus Bronze, das alter Tradition entsprechend im Turmraum aufgestellt war. Die 1503 von den Rantzaus auf Deutsch-Nienhof gestiftete und 1631 reparierte erste Orgel wurde zerstört. Margaretha Rantzau stiftete 1648 einen bemalten hölzernen Taufständer mit einer Taufschale aus Messing, der jedoch nicht mehr vorhanden ist. Die Altarleuchter konnten zurückgekauft werden. Die Schäden am Bau, vor allem Risse im Chorgewölbe, konnten erst Ende des Jahrhunderts behoben, weil die verarmte Bevölkerung die Kosten nicht aufbringen konnte. Pastor ab 1629 war Jacob Schröder, der 1653 ein neues Kirchenrechnungsbuch anlegte und darin auch aufführte, was während des Krieges zerstört und geraubt worden war. Ihm folgte um 1656 sein gleichnamiger Sohn. Der Enkel, der wiederum Jacob Schröder hieß, war beim Tod des Vaters 1682 noch nicht mit dem Studium fertig, weshalb die Gemeinde ihm die Stelle bis 1686 freihielt und solange der Mutter die Pastoratseinkünfte überließ. Jacob Schröder III. starb 1704. mini|Pastorat 1753 fiel das Pastorat mit allen Kirchenbüchern und Dokumenten einer Brandstiftung zum Opfer. Das alte Kirchenbuch von 1653 und andere Dokumente blieben nur ausschnittsweise als Abschriften in den Gutsarchiven von Deutsch-Nienhof und Bossee erhalten. Im 1754 von Sonnin errichteten neuen Pastorat war Matthias Claudius 1813 auf der Flucht vor den Franzosen zu Gast.

Die Kirche wurde in dieser Zeit stark vernachlässigt. Schwere Orkane um die Jahreswende 1717/18 hatten Schäden verursacht, die in den folgenden Jahrzehnten nur notdürftig repariert worden waren. Um 1770 wurde sogar überlegt, die Kirche durch einen Neubau zu ersetzen, was aber aus Geldmangel unterblieb. Um wenigstens mehr Platz für die Gottesdienstbesucher zu schaffen, wurde das monumentale Kenotaph des Daniel Rantzau 1771 abgerissen, der Baldachin als Feuerholz verwendet und die beschädigte Liegefigur in die Familiengruft unter dem Epitaph verbracht. Die Baufälligkeit schritt indes fort. Erst 1819 wurde der Chor durch Stützpfeiler von außen und Balken von innen stabilisiert. Gleichzeitig erweiterte man die schmalen Fenster im Kirchenschiff und ersetzte die mit den Wappen der Gutsherren bemalten Scheiben der Chorfenster durch schlichtes Glas, wodurch der zuvor sehr düstere Kirchenraum etwas erhellt wurde. Auch der Chorbogen wurde erweitert, um der Gemeinde bessere Sicht auf den Altar zu ermöglichen.

1918 erhielt die Liegefigur des Daniel Rantzau einen neuen Platz vor dem Epitaph. Gleichzeitig wurden drei frühneuzeitliche Grabplatten an der Südwand befestigt. In den 1930er Jahren wurde aus den zwischenzeitlich in eine Empore integrierten Überresten der Renaissancekanzel ein Kanzelkorb rekonstruiert. Bei der Renovierung ab 1954 wurden zwei im Zuge des Anbaus der Grabkapellen zugemauerte Fenster im Chor wieder geöffnet und auch die übrigen Fenster erneuert. Die Gutslogen an der Südseite des Chores wurden entfernt, wobei Teile der Adelsgestühle zum Eingang des Kirchenschiffs verlegt wurden. Der Barockaltar wurde abgebaut und der frühneuzeitliche Schnitzaltar wieder aufgestellt.

In den 1970er Jahren machten Mauerrisse im Chor eine grundlegende Renovierung notwendig. Die im 19. Jahrhundert errichteten, ursprünglich hohlen und mit Gebeinen gefüllten Stützpfeiler wurden durch mit Ziegel umkleidete Stahlbetonpfeiler ersetzt.Anhalt/Schütz: Ev.-luth. St.-Catharinen-Kirche Westensee. S. 6. Die Kirche erhielt einen neuen, leichten Dachstuhl. Die ursprüngliche Balkendecke im Kirchenschiff wurde unter einer Putzschicht freigelegt und am Dachstuhl aufgehängt, um die Seitenwände etwas zu entlasten. Im Chor wurden neue Zuganker zur Bausicherung eingezogen. Zudem wurde die bisherige Orgel durch eine neue Schwalbennestorgel ersetzt, die restlichen Logen entfernt und die Kanzel an ihren heutigen Platz links vom Chorbogen versetzt. Auch die Emporen im Kirchenschiff wurden entfernt, die Seitentür, die bisher vom Süden direkt in den Chor geführt hatte, wurde zugemauert und der Eingangsbereich durch den Westturm neu gestaltet. Die Särge aus den meisten Grabkapellen wurden auf den Friedhof umgebettet.

2024/25 wurde die Kirche renoviert.

Ausstattung mini|Altar Vor der Reformation soll die Kirche fünf Altäre besessen haben. Davon existiert nur noch die Figurengruppe aus dem Mittelschrein eines spätgotischen Flügelaltars. Die Schnitzarbeiten dieser in Eichenholz hergestellten Kreuzigungsdarstellung waren farbig gefasst und vergoldet und standen vor einem vergoldeten Hintergrund. Die Bemalung wurde 1956 entfernt.Detail vom Altar 1956 bei bildindex.de. Die ursprünglichen Flügel waren bereits im 19. Jahrhundert verloren, die jetzigen leeren und deutlich zu schmalen Flügel wurden 1958 ergänzt, als das Retabel, das lange an der Seitenwand des Chores neben dem Barockaltar gehangen hatte, wieder auf den Altar gestellt wurde. Die ebenfalls spätmittelalterliche Predella wurde im 18. Jahrhundert mit einer Abbildung des Passahmahls bemalt und in den Barockaltar integriert. Der aus Backstein im Klosterformat gemauerte Altartisch hat an den Seiten zwei Hohlräume, die in vorreformatorischer Zeit wohl zur Aufnahme von Reliquien dienten.

Der schlichte, halbkugelförmige Taufstein aus Granit stammt vermutlich aus der Erbauungszeit der Kirche. Er stand bis 1952 als Blumenkübel im Park von Gut Emkendorf. Außerdem befindet sich im Chor ein fünfsitziges Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert vor einer Nische mit spätgotischer Rankenwerk-Ausmalung.

Im Chorbogen hängt ein Triumphkreuz mit spätgotischem Corpus. Nach der Renovierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts lagerte es bis 1918 auf dem Dachboden, ehe es an einem neuen Holzkreuz befestigt wieder in die Kirche kam. Die gleichzeitig entfernten Assistenzfiguren wurden dem Thaulow-Museum überlassen und befinden sich jetzt im Magazin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte auf Schloss Gottorf.

Die Kanzel im Renaissance-Stil wird auf etwa 1570 datiert und von Richard Haupt einer holländischen Werkstatt zugeschrieben. Die erhaltenen drei Seitenteile mit Hermenpilastern an den Ecken und geschnitzten Blattmasken ähneln dem Rantzaugestühl in der Marienkirche in Waabs, das Ciriacus Dirkes, dem Begründer der Eckernförder Bildschnitzerschule, zugeschrieben wird. Weder die Füllung der Seitenelementen, eventuell wie in Waabs mit Reliefs, noch die ursprüngliche Bemalung ist erhalten. Die weiße Lackierung aus dem 19. Jahrhundert wurde vor 1908 abgebeizt.Zustand der Kanzel um 1908 bei bildindex.de. Nach mehreren Platzwechseln und Umgestaltungen in den vergangenen Jahrhunderten wurden die nunmehr holzsichtigen verbliebenen Originalteile der Renaissancekanzel 1978 mit einem neuen Ständer und einer neuen Treppe in der Nordostecke des Kirchenschiffs aufgestellt.

An der Nordwand des Kirchenschiffs hängen ein Holzepitaph des 1579 mit seiner Frau und zwei Töchtern an der Pest verstorbenen Pastors Balthasar Oldeneiken, sowie zwei Bilder, die nacheinander Altarbilder des 1956 durch den Schnitzaltaraufsatz ersetzten Barockretabels waren: eine Abendmahlsdarstellung aus dem 18. Jahrhundert und eine Kopie der Beweinung Christi von Jürgen Ovens, deren Original sich in der St.-Christophorus-Kirche in Friedrichstadt befindet, durch Julius Fürst von 1911. Die Bekrönung des Barockaltars, eine Darstellung der Trinität als Auge im von Strahlen umgebenen Dreieck, wurde 1977 an der Decke des Turmraumes aufgehängt.

mini|hochkant|Epitaph von Daniel Rantzau Das größte Grabmal im Kirchenschiff ist das des dänischen Feldherrn Daniel Rantzau südlich des Chorbogens. Ursprünglich bestand es aus einem Epitaph und einem von einem Baldachin beschirmten freistehenden Kenotaph mit einer Liegefigur. Das Epitaph ist das älteste Renaissancekunstwerk in Schleswig-Holstein, das sich noch in situ befindet. Das 1645 von den Schweden beschädigte Kenotaph und der hölzerne Baldachin wurden 1771 demontiert. Die Erlaubnis dazu erteilte die dänische Regierung unter Struensee. Über das Material von Kenotaph und Baldachin entbrannte ein Streit zwischen den Gutsherren von Deutsch-Nienhof und Emkendorf. Die Liegefigur, die in die Rantzau-Gruft unter dem Epitaph verbracht wurde, wurde nach der Wiederauffindung 1918 auf einem neuen Unterbau mit einem Grabstein von 1840 als Deckplatte direkt vor dem Epitaph aufgestellt.