mini|hochkant=1.2|Augustus mit Bürgerkrone (Corona civica)Sogenannter „Augustus Bevilacqua“, Münchner Glyptothek.

Augustus (* 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius in Rom;Sueton, Augustus 5,1. † 19. August 14 n. Chr. in Nola bei Neapel) war der erste römische Kaiser.

Der Großneffe und Haupterbe Gaius Iulius Caesars gewann die Bürgerkriege, die auf dessen Ermordung im Jahr 44 v. Chr. folgten, und war von 31 v. Chr. bis zu seinem Tod faktisch Alleinherrscher des Römischen Reiches. Unter der Devise der vorgeblichen Wiederherstellung der Republik – restitutio rei publicae – betrieb er in Wirklichkeit deren dauerhafte Umwandlung in den quasi-monarchischen Prinzipat, der rund 300 Jahre lang bestand, bis zur Reichskrise des 3. Jahrhunderts. Damit setzte er dem Jahrhundert der Römischen Bürgerkriege ein Ende und begründete die Julisch-Claudische Kaiserdynastie. Seine Herrschaft, nach außen durch zahlreiche Expansionskriege geprägt, mündete im Inneren in eine lang anhaltende Konsolidierungs- und Friedensphase, die als Pax Augusta verklärt wurde.

Namen und Titel des Augustus mini|hochkant=1.3|Inschrift auf dem Markttor von Ephesos mit der offiziellen Titulatur des Augustus

Der Geburtsname des späteren Augustus lautete Gaius Octavius. Laut Sueton trug er ursprünglich das Cognomen Thurinus, das sonst nicht belegt ist.Sueton, Augustus 7,1. Sueton gibt an, es auf einer Büste gelesen zu haben, die er einem Kaiser seiner Zeit (Trajan oder Hadrian?) zum Geschenk gemacht habe. Außerdem erwähnt er, dass Marcus Antonius es als Ausdruck seiner Verachtung gebraucht habe. Sueton ist sich nicht sicher, aus welchen Gründen der junge Gaius Octavius das Cognomen Thurinus erhalten hatte. Er gibt zwei Möglichkeiten an: Es könne die Herkunft der Familie aus der Gegend von Thurii anzeigen (die Oktavier stammten jedoch wahrscheinlich aus Velitrae) oder in Verbindung zum Sieg seines Vaters regione Thurina stehen. Dies bezweifelt jedoch F. X. Ryan, Kaipias. Ein Beiname für Augustus. In: Studia humaniora Tartuensia. Bd. 6, Art. 2, 2005, Anmerkung 2 (online) aufgrund der Inschrift , die keinen entsprechenden Sieg erwähnt. Cassius Dio nennt den Namen Kaipias als weiteres, jedoch wenig beachtetes Cognomen des Augustus.Cassius Dio 45,1,1: . Verschiedene Interpretationen wurden hierzu versucht, wie beispielsweise eine fehlerhafte Übertragung von Copiae (lat. für Thurii) ins Griechische. Ryan, Kaipias sieht hierin eine Verbindung zum Sternzeichen des Augustus (Capricornus). Das sehr seltene Cognomen Caipias wurde allerdings auf einem Altar aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. in der Krypta der Franziskanerkirche von Montefalco entdeckt, so dass die Familie der Octavier aus Umbrien stammen könnte. Nach der testamentarischen Adoption durch Caesar im Jahr 44 v. Chr. nahm er dessen Namen offiziell an: C. Iulius Caesar oder in vollständiger Form mit Filiation Gaius Iulius C. f. Caesar.Mit C. f. für Gaii filius („Sohn des Gaius“). Vgl. auch Appians Darstellung als „Caesar, Caesars Sohn“ (Appian, Bürgerkriege 3,11,38). Cicero, ad Atticum 14,12, berichtet, dass er sich bereits vor der öffentlichen Annahme seiner Adoption Caesar nannte, was von Cassius Dio 45,3 bestätigt wird. Eine intermediäre Form Octavius Caesar ist in Appian, Bürgerkriege 4,8,31 ff. für das Jahr 43 v. Chr. zu finden, wird jedoch nicht als historisch relevant, teilweise gar als Fälschung angesehen. Den Namenszusatz Octavianus, wie er nach einer Adoption eigentlich üblich gewesen wäre, hat er wohl selbst nie geführt, wenngleich andere, darunter Marcus Tullius Cicero, ihn so nannten.Aus diesem Grund wird Octavianus in der Forschung häufig in Klammern gesetzt: C. Iulius C. f. Caesar (Octavianus) (vgl. auch Ronald Syme: The Roman Revolution. Oxford 1939, S. 307 ff., 322 ff.; Hubert Cancik: Zum Gebrauch militärischer Titulaturen im römischen Herrscherkult und im Christentum. In: Heinrich von Stietencron: Der Name Gottes. Düsseldorf 1975, S. 112–130, hier: 113f.). Auch die moderne geschichtswissenschaftliche Literatur verwendet für die Zeit seines Aufstiegs meist die Namen Octavian oder Oktavian, um ihn sowohl von Gaius Iulius Caesar als auch von seiner späteren Rolle als Augustus zu unterscheiden. Spätestens nach der offiziellen Apotheose Iulius Caesars im Jahr 42 v. Chr. lautete der neue Name seines Adoptivsohns Gaius Iulius Divi filius Caesar.Selten: Gaius Iulius Divi Iuli(i) filius Caesar. Auch hier ist die Überlieferung des Cassius Dio 47,18,3, der Ronald Syme: Imperator Caesar. A study in nomenclature. In: Historia. Bd. 7, 1958, S. 172–188, noch folgt, fraglich. Andreas Alföldi (Der Einmarsch Octavians in Rom, August 43 v. Chr. In: Hermes. Bd. 86, 1958, S. 480–496) – sowie ebenfalls von Kraft (1952–1953) in Erwägung gezogen, jedoch zunächst noch angezweifelt – datiert die ersten Münzen mit DIVI IVLI•F• und DIVI•F• in das Jahr 43 v. Chr. nach Octavians Übernahme der kapitolinischen Münzprägestätte. Diese Ansicht wird untermauert von Nikolaos von Damaskus (FGrHist 18,55) und Appian (Bürgerkriege 3,11,38), wonach deutlich wird, dass Octavian dazu neigte, sein politisches Handeln durch religiöse Weihung zu erhöhen. Nach der Annahme des Titels Imperator als Vorname – vielleicht 38 v. Chr., spätestens 31 v. Chr. – verwendete er das ursprüngliche Cognomen Caesar an Stelle des Gentilnamens Iulius (Imperator Caesar Divi filius).Vgl. Ronald Syme: Imperator Caesar. A study in nomenclature. In: Historia. Bd. 7, 1958, S. 172–188.

Am 16. Januar 27 v. Chr. verlieh ihm der Senat den Ehrennamen Augustus (dt.: „der Erhabene“), so dass sich als vollständige Form Imperator Caesar Divi filius Augustus ergab.Vgl. Ronald Syme: Imperator Caesar. A study in nomenclature. In: Historia. Bd. 7, 1958, S. 172–188. Der Name Augustus wurde wie der Name Caesar mit Beginn der Regierungszeit seines Nachfolgers Tiberius zum Bestandteil der römischen Kaisertitulatur.Caesar in der Titulatur, vor allem in der des ersten Augustus, evoziert vorsichtig die persönliche, geschichtliche Dimension, ohne die soziale und politische Stellung zu sehr zu betonen. Augustus (wie der Titel pater patriae) weist in den Stadtgründungsmythos Roms (siehe Quirinus bzw. Romulus). Die Bezeichnung Imperator dagegen wurde von den ersten Nachfolgern des Augustus noch nicht als Praenomen geführt. Zum Zeitpunkt seines Todes lauteten sein Name und seine vollständige Titulatur: Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex maximus, Co(n)s(ul) XIII, Imp(erator) XXI, Trib(uniciae) pot(estatis) XXXVII, P(ater) p(atriae) (zu deutsch etwa: „Imperator Caesar, Sohn des Vergöttlichten,Gemeint ist hier der vergöttlichte Diktator Caesar (Divus Iulius). Die Titulatur (bzw. der Namensbestandteil) Divi filius („Gottessohn“) wurde von allen Kaisern verwendet, die Söhne eines divus waren, so zum Beispiel Tiberius als Divi Augusti filius und Titus als Divi Vespasiani filius. der Erhabene, Höchster Oberpriester, 13 Mal Konsul, 21 Mal Imperator,Die beigefügte Zahl XXI bezieht sich auf Siege, die Augustus selbst oder dessen Feldherren unter seiner Herrschaft errangen. Imperator ist somit kein Amtstitel, sondern ein echtes Praenomen sowie ein „Name der Macht“ (Syme und Béranger, in: Cancik 1975). Octavians erste „imperatorische Akklamation“ erfolgte 43 v. Chr. nach seinem Sieg über Antonius bei Mutina. 37 Mal Inhaber der tribunizischen Gewalt, Vater des Vaterlandes“). Nach seiner Konsekration im Jahr 14 n. Chr. wurde sein offizieller Name als Divus Augustus Divi filius weitergeführt.Vereinzelte Tempel und Altäre in Italien und den Provinzen weisen bereits auf eine Verehrung des Augustus als Gott zu seinen Lebzeiten hin, unabhängig vom Kult des genius Augusti, jedoch nicht als Divus Augustus, sondern als Divi filius, evtl. auch fälschlicherweise als Divus Iulius (Ittai Gradel: Emperor Worship and Roman Religion. Oxford 2002).

Leben Die Lebensgeschichte des Kaisers Augustus handelt von zwei scheinbar gegensätzlichen Persönlichkeiten: einerseits von einem jungen, ehrgeizigen, mitunter grausamen Politiker, der im Kampf um die Macht weder Gesetz noch Skrupel kannte, andererseits von dem Kaiser, der – einmal im Besitz dieser Macht – äußerst klugen Gebrauch von ihr machte und mit dem Prinzipat eine neue, dauerhafte Staatsordnung an die Stelle der in 100 Jahren Bürgerkrieg zerrütteten Republik setzte.Klaus Bringmann: Augustus. Darmstadt 2007, S. 13. Diese Paradoxie prägt auch die Darstellung von Werner Dahlheim: Augustus. Aufrührer – Herrscher – Heiland. Eine Biographie. München 2010.

Herkunft und Jugend

Der spätere Augustus und seine Schwester Octavia waren die Kinder des Gaius Octavius und seiner Frau Atia, einer Nichte Gaius Iulius Caesars. Über seinen Großvater Marcus Atius Balbus war Augustus mit Gnaeus Pompeius Magnus verwandt. Dessen Großvater, Gnaeus Pompeius, war zugleich Augustus’ Ururgroßvater. Die Familie der Octavier gehörte den Equites, dem römischen Ritterstand an.Sueton: Augustus 2,1 benutzt den Ausdruck minores gentes, der für die plebejischen Familien benutzt wurde, die im römischen Senat vertreten waren. Sie war wohlhabend, aber wenig bedeutend. Als Erster seines Familienzweigs seit über 100 Jahren schlug Gaius Octavius den Cursus honorum ein, stieg in den Senat auf und gelangte 61 v. Chr. bis zur Praetur.

Nach dem überraschenden Tod des Vaters im Jahr 59 oder 58 v. Chr. heiratete die Mutter Lucius Marcius Philippus, der 56 v. Chr. das Konsulat bekleidete. Der junge Gaius wurde seiner Großmutter Iulia, einer älteren Schwester Caesars, zur Erziehung übergeben. Auf ihrem Landgut in Velitrae wuchs er auf, bis sie im Jahr 51 v. Chr. starb. Laut Sueton hielt Gaius die Leichenrede für seine Großmutter. Den Rest seiner Kindheit verbrachte er im Haus seines Stiefvaters Philippus in Rom. Im Jahr 49 v. Chr. legte er die Männertoga (toga virilis) an.Sueton, Augustus 8,1.

Da Caesar keinen gesetzlich anerkannten Sohn hatte, nahm er sich seines Großneffen an. So wurde Octavius dank Caesars Fürsprache 48 v. Chr. in das Kollegium der Pontifices aufgenommen. 47 v. Chr. wurde er für die Dauer des Latinerfestes, an dem sich die Konsuln und die übrigen Magistrate traditionsgemäß außerhalb Roms aufhielten, zum Praefectus urbi, das heißt zum stellvertretenden Oberhaupt der Republik, ernannt.Dietmar Kienast: Augustus. Prinzeps und Monarch. 4., bibliographisch aktualisierte und um ein Vorwort ergänzte Auflage, Darmstadt 2009, S. 3–4. Im Jahr 46 v. Chr. ließ Caesar ihn an seinem Triumphzug anlässlich des Sieges im Bürgerkrieg teilnehmen. Im Jahr darauf begleitete Gaius Octavius seinen Großonkel auf dessen Kriegszug gegen die Söhne des Pompeius nach Spanien, wo er Caesar angeblich durch seine Tapferkeit beeindruckte.

Als Reiterführer (magister equitum) sollte er auch an dem geplanten Feldzug gegen das Partherreich teilnehmen und war mit seinen Freunden Marcus Vipsanius Agrippa und Quintus Salvidienus Rufus Salvius bereits nach Apollonia im heutigen Albanien vorausgeschickt worden. Dort erreichte ihn im Frühjahr 44 v. Chr. die Nachricht von Caesars Ermordung. Während seiner Rückreise nach Rom erfuhr er, dass der Diktator ihn durch Testamentsverfügung adoptiert und zum Haupterben seines Privatvermögens eingesetzt hatte.Dietmar Kienast: Augustus. Prinzeps und Monarch. 4., bibliographisch aktualisierte und um ein Vorwort ergänzte Auflage, Darmstadt 2009, S. 26. Caesar hatte diese Verfügung nach der Ermordung seines zunächst als Erbe vorgesehenen Neffen Sextus Iulius Caesar getroffen, mit dem er, anders als mit Octavius, in männlicher Linie verwandt gewesen war.

Aufstieg zur Macht mini|hochkant=1|Bronzebüste des Octavian(Fund aus Meroe, Nubien; heute London, Britisches Museum)