mini|Symbolbild – Kahla Porzellanteller – Wirkung von Viagra wird in anschaulicher nonverbaler Kommunikation als Bildsprache dargestellt Nonverbale Kommunikation (auch averbale Kommunikation, Verständigung ohne Worte) bezeichnet jenen Teil der zwischenmenschlichen Kommunikation, der nicht durch wörtliche Sprache vermittelt wird.M. Knapp, J. A. Hall (2006): Nonverbal Communication in Human Interaction. Zur nonverbalen Kommunikation gehören Körpersprache, Bildsprache, Symbolik, Berührung, Musik und verschiedenste Formen, sich ohne Worte auszudrücken. Belmont, CA: Thomson Wadsworth Auch im Tierreich existieren Zeichensysteme und kommunikative Handlungen, die als Sprache bezeichnet werden. Der Begriff umfasst auch die Kommunikation zwischen Mensch und Tier (z. B. mit Haustieren), die nicht durch Worte von Menschen erfolgt. Nonverbale Kommunikation kann absichtlich (intentional) oder unabsichtlich erfolgen. Auch die gesprochene Kommunikation hat nonverbale Aspekte (Parasprache).
Die ersten systematischen Untersuchungen zu interkulturell universell ausgedrückten Basisemotionen unternahm Charles Darwin.C. R. Darwin (1872): The expression of the emotions in man and animals. London: Murray
Definitionen Nonverbale Kommunikation (vom lat. non = nicht, verbum = Wort und communicare = sich verständigen; nicht-wörtliche Verständigung) ist jegliche Kommunikation, die nicht verbal erfolgt, also weder über Lautsprache noch über Gebärdensprache oder Schriftsprache. Verständigungssysteme, in denen sprachliche Zeichen aus einem dieser Systeme in eine andere Modalität „übersetzt“ werden, beispielsweise Lormen oder lautsprachbegleitende Gebärden, werden ebenfalls nicht zur nonverbalen Kommunikation gerechnet, da es sich bei ihnen um Kodierungen der jeweiligen verbalen Systeme handelt, von denen sie abgeleitet sind. Allerdings können auch Schriftbild, Stimmlage und Sprechverhalten wesentliche – nonverbale – Botschaften über einen Menschen übermitteln, ebenso wie es auch bei Bilderschriften und Gebärdensprachen neben den verbalen auch nonverbale Anteile gibt, welche die verbal übermittelte Botschaft ergänzen.
Auf einer anderen Ebene wird auch die Verwendung verschiedener Zeichen als nonverbale Kommunikation bezeichnet. Es wird in Zeichen, Anzeichen (aufsteigender Rauch für Feuer), nachahmende Zeichen (z. B. Informationsgrafiken, Symbole) und hinweisende Zeichen (z. B. Verkehrsschilder) unterschieden.Otto Schober (2010). Körpersprache. Schlüssel zum Verhalten. Bad Hersfeld: Neuromedizin Verlag. S. 15–26 Eine weitere Lesart des Begriffs ist die Gleichsetzung von nonverbaler Kommunikation mit nicht-stimmlicher Kommunikation und verbaler Kommunikation mit lautsprachlicher Kommunikation. Diese Lesart ist umgangssprachlich verbreitet, entspricht aber nicht der Gebrauchsweise des Begriffs in der Linguistik.A. Linke, M. Nussbaumer, P. Portmann: Studienbuch Linguistik. Tübingen 1996
Im weiteren Sinn bezeichnet nonverbale Kommunikation jedes nicht-sprachliche Verhalten, das Auskunft über innere Zustände des sich verhaltenden Lebewesens gibt. In dieser Lesart liegt nonverbale Kommunikation vor, sobald der Empfänger der Kommunikation Schlüsse aus dem Verhalten des anderen oder auch aus wahrnehmbaren Resultaten des anderen zieht; eine kommunikative Absicht des Senders ist in diesem Fall nicht erforderlich. Beispiele hierfür sind das Erröten als Kommunikation von Verlegenheit oder schlechtem Gewissen, Gestaltungen des Erscheinungsbilds wie Kleidung und Accessoires, die Frisur, Tätowierungen und Ziernarben – bis hin zur Wohnungseinrichtung und gestalterischen Maßnahmen in der Architektur, die eine Gruppenzugehörigkeit oder ein bestimmtes Lebensgefühl zum Ausdruck bringen sollen.
Träger nonverbaler Botschaften sind nicht nur willentlich kontrollierbare Äußerungen wie Gestik, Mimik, Blickkontakt oder nicht-sprachliche Lautäußerungen wie beispielsweise das Lachen; vielmehr kann in dieser Gebrauchsweise des Begriffs jedwedes Verhalten als nonverbale Kommunikation betrachtet werden. Der bekannte Ausspruch von Paul Watzlawicks, man könne „nicht nicht kommunizieren“, bezieht sich auf diesen Sachverhalt. In Anlehnung an Watzlawick wird nonverbale Kommunikation gelegentlich auch als analoge Kommunikation bezeichnet, wohingegen verbale Kommunikation als digitale Form der Kommunikation gilt.
Kanäle nonverbaler Signale Nonverbale Informationen können auf vielfältige Weise kodiert sein. Zu den am häufigsten bemerkten AusdrucksmöglichkeitenN. M. Henley im Jahr 1977. Body Politics: Power, sex, and nonverbal communication. Englewood Cliffs, NJ: Prentice Hall gehören die Gesichtsausdrücke, Gesten, Körperhaltung und -bewegung, Tonfall (schmeichelnd, aggressiv usw.), Berührung und Haptik, Geruch (Schweiß, Parfum, Atemalkohol, Pheromone, Arbeitsstoffe usw.), Anhaftungen an Körper und Kleidung (Schminke, Schmutz, Schmieröl, Staub, Spinnweben, Schnee, …), Blickkontakt, interpersonelle Distanz, Impression-Management (durch Kleidung, Frisur usw.)B. M. de Paulo (1992): Nonverbal behavior and self-presentation. Psychological Bulletin, 111, S. 203–243 u. a.
Funktionen nonverbaler Kommunikation Nonverbale Signale dienen zum Ausdrücken von Emotionen, zur Übermittlung von Einstellungen (zum Beispiel Antipathie mit einem verächtlichen Gesichtsausdruck), zur Darstellung von Persönlichkeitseigenschaften (zum Beispiel Schüchternheit) oder zur Modulation einer verbalen Nachricht (ergänzen, verdeutlichen, ersetzen, einschränken oder gar, beim Sarkasmus, widersprechen).D. Archer, R. M. Akert: Problems of context and criterion in nonverbal communication: A new look at the accuracy issue. In: M. Cook (Hrsg.) Issues in person perception. Methuen, New York 1984, S. 114–144
Ein Beispiel für eine nonverbale Kommunikation, welche die Wahrnehmung von sich selbst und anderer beeinflusst, ist das Power Posing. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, bei welchem das Einnehmen einer bestimmten Körperhaltung (Power Posing) dazu führt, dass man auf andere Personen machtvoller wirkt und sich deshalb auch mächtiger fühlt.
Die Harvard-Professorin Amy Cuddy schreibt in ihrem Buch mit dem Titel „Presence“ von der Wechselwirkung zwischen Körper und Emotionen. Demnach kann sich durch die entsprechende Körpersprache und Körperhaltung das Denken und das Wahrnehmen von Emotionen ändern.Cuddy, A. J. C., Wilmuth, C. A., Yap, A. J., & Carney, D. R. (2015). Preparatory power posing affects nonverbal presence and job interview performance. Journal of Applied Psychology, 100(4), 1286–1295.
In einem Beispiel spricht sie vom sogenannten Power Posing. Es ähnelt dem Bild von „Wonder Woman“, welche im festen Stand die Arme in die Hüften stemmt und erhobenen Hauptes eine klare, selbstbewusste Pose darstellt.
Diese Haltung des Körpers soll wirksam gegen Stressemotionen helfen und die Hormone Testosteron und Cortisol im Blut verändern. Demnach müssten die Anteile des körpereigenen Testosterons steigen und die Produktion des Stresshormons Cortisol abgeschwächt werden. Ein Gefühl des Selbstvertrauens und des gestärkten Selbstbewusstseins entsteht laut Cuddy, ganz nach dem Motto „Fake it till you make it“.
Dekodierung nonverbaler Kommunikation Auch die Dekodierung nonverbaler Signale erfolgt auf vielfältige Weise, bewusst und unbewusst, aufgrund von Wissen oder, mithilfe der Spiegelneurone, durch empathisches Mitfühlen.G. Rizzolatti: Empathie und Spiegelneurone. Die biologische Basis des Mitgefühls. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008
Das Auge liefert Informationen über Mimik, Gestik und Körpersprache sowie über Bewegungsmuster, Nähe und Distanz, vegetative Symptome (z. B. Erröten, Schwitzen, Pupillengröße des Gegenübers) und anderes (vgl. Blickkontakt). Die Rezeptoren der Haut liefern Empfindungen, die dem Tast-, Temperatur- und Schmerzsinn zugeordnet werden. Dabei liegen dem Tastsinn und der taktilen Kommunikation Sensationen wie Kitzel, Berührung, Vibration, Druck und Spannung zugrunde. Der Geruchssinn (Olfaktorik) bestimmt z. B. ob der Geruch des Gegenübers als angenehm oder unangenehm wahrgenommen wird. Daneben liefert die akustische Wahrnehmung der averbalen Anteile des Sprechens – wie Stimmfärbung, Tonhöhe usw. als Bestandteile der paraverbalen Kommunikation – weitere Informationen.
Gliederung der nonverbalen Kommunikation Unbewusste nonverbale Kommunikation
Neben den visuell aufgenommenen Informationen (Mimik, Gestik, Mikroexpressionen) haben auch die übrigen Sinne eine große Bedeutung für das durch nonverbale Kommunikation gesteuerte Verhalten.
Teilbewusste nonverbale Kommunikation Bestimmte körpersprachliche Signale laufen teilbewusst ab. So bemerken wir i. d. R. durchaus bestimmte Veränderungen unserer Mimik selbst, über weite Strecken nehmen wir diese Veränderungen jedoch nicht wahr und können diese auch nicht bewusst zur Kommunikation einsetzen. Friedrich Nietzsche hat das schon auf den Punkt gebracht: „Man lügt wohl mit dem Munde; aber mit dem Maule, das man dabei macht, sagt man doch noch die Wahrheit.“Friedrich Nietzsche (1886), Jenseits von Gut und Böse (Nietzsche) – Viertes Hauptstück: Sprüche und Zwischenspiele. 166
Bestimmte autonome Körperfunktionen wie beispielsweise Schweißbildung, Erröten, Pupillenveränderung oder Puls, welche dem Gegenüber auffallen, können nicht bewusst gesteuert werden, sind jedoch zum Teil durchaus selbst wahrnehmbar.
Ähnlich den olfaktorischen Signalen bildet die Körpersprache ebenfalls Ausdrucksformen einer genetisch veranlagten Verhaltenssteuerung ab. Diese führen uns beispielsweise bei Gefahr zu erhöhter Leistungs- und Wahrnehmungsfähigkeit (Hautwahrnehmung durch Schweißbildung, gesteigerte Leistungsfähigkeit durch Pulsveränderung, Wahrnehmungsveränderungen des Gesichtsfeldes bei Gefahr etc.) oder sie helfen uns bei der Vorbereitung der Fortpflanzung, das jeweils beste erreichbare genetische Material zu gewinnen (die kräftige männliche Erscheinung als Zeichen für Durchsetzungsfähigkeit beziehungsweise die Ausprägung der sekundären Geschlechtsmerkmale der Frau zur Versorgung der Kinder). Da diese Einschätzungen teilweise unbewusst ablaufen, werden sie kulturell oft verleugnet.
Längerfristige Veränderungen in den Lebensgewohnheiten des Menschen drücken sich ebenfalls körpersprachlich aus. Zu nennen sind hier exemplarisch die Beschaffenheit von Fingernägeln und Haaren, ernährungsbedingte Veränderungen der Haut oder Fettablagerungen beziehungsweise Muskelaufbau, Haltungsstörungen im Wirbelsäulenbereich aufgrund mangelnder Vitalität oder mimische Veränderungen aufgrund lang anhaltender einseitiger emotionaler Lebenssituationen (die „griesgrämige Erscheinung“, die „Lachfalten“, das „markante Kinn“).
Die Fähigkeit der Decodierung derartiger Signale hat sich, ebenso wie die unbewusste nonverbale Aussendung solcher Signale und die körpersprachliche Ausdrucksform im Laufe der Evolution als nützlich erwiesen. Zum einen, um im Wettbewerb das beste genetische Material für den Arterhalt zu sichern („Gene Shopping“). Zum anderen, um im sozialen Umgang miteinander Vorteile zu gewinnen.
Ein besonders wichtiges Beispiel ist in diesem Zusammenhang das Lächeln.
Bewusste nonverbale Kommunikation mini|Siegerpose Die Gestik des Menschen drückt sich durch Arme, Hände und Oberkörper aus, die Mimik im Gesicht, insbesondere in Augen- und Mundpartie. Hier finden sich nuancenreiche Ausdrucksformen. Auch die Fähigkeit des „Lesens“ in einem Gesicht ist Teil unserer genetischen Veranlagung aus der Zeit, in der die Sprache noch nicht entwickelt war. Diese Fähigkeit variiert jedoch stark, je nachdem ob uns die Kultur einer Person bekannt ist oder nicht, siehe auch Cross-Race-Effekt.
Als Teil der gesellschaftlichen Sprache ist der bewusste Einsatz von Gesten, Mimik und Körperstellungen Bestandteil jeder menschlichen Kultur. In unterschiedlichen Gebieten der Erde haben ähnlich ausgeführte Gesten zum Teil eine vollkommen gegenteilige Bedeutung: