mini|Harburg

Harburg (Schwaben) () (Rieser-schwäbisch Horburg oder auch Horre) ist eine Stadt im Landkreis Donau-Ries in Schwaben (Bayern). Sie liegt im Tal der Wörnitz an der Romantischen Straße zwischen Nördlingen und Donauwörth. Historisch bedeutend ist die gleichnamige Burg Harburg oberhalb der Stadt. Deshalb trägt Harburg auch den Beinamen „Burgstadt“.

Geologie Harburg liegt am Südostrand des Nördlinger Rieses. Zwischen 1920 und 1950 machte Joachim Schröder geologische Aufnahmen von Harburg.

Physische Geografie Topografie Die Stadt liegt südlich des südöstlichen Randes des durch einen Meteoriteneinschlag entstandenen Ries-Kraters im UNESCO Global Geopark Ries und bildet den geografischen Mittelpunkt des Landkreises Donau-Ries. Harburg befindet sich am Übergang von Schwäbischer und Fränkischer Alb und weist einen Höhenunterschied von fast 160 Metern auf, von der Stadt bei bis zum Bock, der höchsten Erhebung, bei .

mini|Geodätischer Referenzpunkt auf der alten Steinernen Brücke Auf der alten steinernen Brücke befindet sich ein geodätischer Referenzpunkt, ein Kontrollpunkt zum Überprüfen von GNSS-Empfängern.

Natur Naturschutzgebiet Im Stadtgebiet gibt es mit der Priel bei Brünsee ein Naturschutzgebiet. Dieses enthält die größte Jura-Karstquelle Schwabens.

FFH-Gebiete Hinzu kommen verschiedene FFH-Gebiete wie die Harburger Karab, der Heroldinger Burgberg und das Wörnitztal.

Geotope Das bayerische Landesamt für Umwelt hat fünf Geotope im Stadtgebiet ausgewiesen: die Malmscholle Rauhe Birk bei Ebermergen die Karstquelle in Brünsee, die Felskuppe Wöllwart, der Felshang am Fischholz und der Wedelbuck bei Harburg.

Landschaftsschutzgebiete Zu den Landschaftsschutzgebieten zählen der Bereich zwischen Harburg und Großsorheim mit dem Bock und das Gebiet zwischen Katzenstein und dem Sonderhof.

Naturdenkmäler Diverse Naturdenkmäler befinden sich im Stadtgebiet wie der Rollenberg bei Hoppingen, die Lindenallee beim oberen Burgparkplatz und der gesamte Burgberg in Harburg.

Hydrologie Fließgewässer mini|Wörnitz im Bereich der alten Steinernen Brücke Das Tal, in dem sich Harburg befindet, ist geprägt durch die Wörnitz, ein Fließgewässer erster Ordnung. Diese fließt vom Ries kommend in zahlreichen Mäandern und teilt sich in Harburg in zwei Arme, die für die ehemalige Bruck- und die Stadtmühle im Bereich der alten Steinernen Brücke mit mehreren Wehren versehen sind, um die Wasserkraft der Wörnitz besser nutzen zu können.

Aufgrund dieser Wehre können die Fische nicht vom unteren in den oberen Bereich der Wörnitz gelangen. Deshalb soll ab Juni 2021 bei der alten Stadtmühle auf Höhe der Geopark-Infostelle eine 45 m lange Fischtreppe mit 13 Becken gebaut werden.

Hochwasser mini|Historische Hochwassermarken der Wörnitz Die Pegelmessstelle in Harburg befindet sich bei der Tennisanlage neben der neuen Wörnitzbrücke auf Höhe des Flusskilometers 19,28. Die historischen extremen Hochwasserstände der Wörnitz sind in Harburg auf dem Mauerwerk der ehemaligen Fleischbank auf der alten Steinernen Brücke sowie im Egelsee festgehalten. Die höchsten Pegelstände verzeichnete der Hochwassernachrichtendienst Bayern an folgenden Tagen: +Höchste Wasserstände und Abflüsse der Wörnitz bei Harburg (Schwaben)RangDatumWert am PegelWiederkehrzeitin cmin m³/s1.14.04.199458644450- bis 100-jährlich2.21.12.199358543550- bis 100-jährlich3.23.02.197052836720- bis 30-jährlich4.17.03.198852631920-jährlich5.30.10.1998524269zehnjährlich

Klima In Harburg herrscht ein warmgemäßigtes Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 9,7 °C. In der Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger wird Harburg als Cfb eingestuft. Das Klima in Harburg ist kontinental beeinflusst. Harburg hat während des Jahres eine erhebliche Menge an Niederschlägen zu verzeichnen. Das gilt auch für den trockensten Monat. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 663 mm. Am wenigsten Niederschlag gibt es mit 27 mm im Monat April. Im Gegensatz dazu ist der Juni der niederschlagsreichste Monat des Jahres mit 98 mm Niederschlag. In Harburg wird eine Wetterstation des deutschen Wetterdienstes betrieben.

Humangeografie mini|Partie an der Wörnitz Gemeindegliederung Gemeindeteile Es gibt 25 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Gemarkungen Die Gemeinde besteht aus zehn Gemarkungen, die deckungsgleich sind mit den ehemaligen Gemeinden: 46x46px|class=noviewer Brünsee mit Marbach 46x46px|class=noviewer Ebermergen mit Untere Reismühle 46x46px|class=noviewer Großsorheim mit Egermühle und Möggingen 46x46px|class=noviewer Harburg mit Birkenhof, Bühlhof, Harthof, Kratzhof, Listhof, Salchhof und Stadelhof 46x46px|class=noviewer Heroldingen mit Brennhof und Tiefenmühle 46x46px|class=noviewer Hoppingen 46x46px|class=noviewer Mauren mit Obere Reismühle und Spielberg 46x46px|class=noviewer Mündling mit Mündling Bahnhof und Olachmühle 46x46px|class=noviewer Ronheim mit Katzenstein und Sonderhof 46x46px|class=noviewer Schrattenhofen

Die Gemarkung Harburg hat eine Fläche von 13,530 km². Sie ist in 2001 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6761,38 m² haben.

Flächenaufteilung Die Flächenaufteilung des 7.316 ha großen Stadtgebietes zeigt folgendes Schema: Nach Daten des bayerischen Landesamtes für Statistik, Stand 2018.

Stadtgliederung Die Stadt ist seit Jahrhunderten durch die Wörnitz in mehrere Viertel aufgeteilt. Den Kern bildet die Altstadt mit ihren historischen Gassen und ehemaligen Stadttoren. Östlich der Wörnitz entstand im Laufe der Zeit ein Neubaugebiet, das heute ebenfalls zum Stadtkern zählt, und an dessen Enden noch weitere Neubausiedlungen entstehen. In den 1990er Jahren waren die westlich auf dem Berg gelegenen Wohnbezirke Heide und Stadelhof sehr beliebt.

Planungsregion Harburg ist ein Kleinzentrum der bayerischen Planungsregion Augsburg.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Huisheim, Fünfstetten, Kaisheim, Donauwörth, Mönchsdeggingen, Möttingen und Alerheim. Außerdem grenzt das Gemeindegebiet noch an Bissingen im Landkreis Dillingen.

Geschichte

Ortsname Alte Urkunden sprechen von „Harburc“, „Horeburch“ und „Horburc“. Im Althochdeutschen bedeutet horo Schlamm, Morast oder Schmutz, die Harburg wäre damit eine Burg über dem Sumpf. Dagegen spricht allerdings die Bodenbeschaffenheit in Harburg. Umgangssprachlich wird in Harburg bis heute das Wort Hore für Horn verwendet, das eher auf die Form des Berges hindeutet. Die Harburg wäre damit eine Burg auf einem Berghorn.

Mittelalter Im Jahr 1093 erschien der Name Harburg erstmals bei Mathilde de Horeburc, der Gemahlin des Grafen Kuno von Lechsgmünd. Es ist aber nicht belegt, ob es sich hierbei um Harburg (Schwaben) handelt. In alten Dokumenten wird auch ein „Dienstmannengeschlecht von Gosheim und Horibuch“ sowie ein „Dominus Otto de Gosheim sive Horburch“ genannt. Die Burg Harburg gehörte in staufischer Zeit ab dem Jahr 1150 zusammen mit der Siedlung zum Reichsgut. In ihrem Schutz entwickelte sich der Ort durch die ausgezeichnete Lage als Eingangspforte für die von Italien, über die Schweiz und Augsburg kommende und weiter zum Ries und nach Nürnberg führende wichtige Heer- und Handelstraße Via Imperii. Bereits 1250 erhielt der Ort Marktrechte, wurde aber im Jahr darauf (noch ohne die Burg) von König Konrad IV. an Graf Ludwig III. von Oettingen verpfändet. Eine weitere Verpfändung von Burg und Markt erfolgte 1299 durch König Albrecht I. an Graf Ludwig V. von Oettingen. Erstmals erschien 1290 der Reichsadler im Wappen der Gemeinde.Erhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 40. 1418 kamen Stadt und Burg endgültig in den Besitz der Grafen von Oettingen, die sie unter Graf Wolfgang I. (1455–1522) und dessen Sohn Karl Wolfgang (1484–1549) von 1493 bis 1549 als Residenz nutzten.

Ab 1591 ist in Harburg nach Daten der Gesellschaft für Leprakunde ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das als Leprosenhaus bezeichnet wurde und der „Siechenpflege“ diente. Das Gebäude war später ein Armen- und Krankenhaus, 1903 wurde es aufgelöst., zuerst in der Zeitschrift „Die Klapper“, auf muenster.org, abgerufen am 18. März 2018 Bis heute existiert noch die Siechenpflegestiftung. Das letzte Armenhaus in Harburg stand bis in die 1970er Jahre in der Donauwörther Straße, oberhalb der neuen Brücke.

Neuzeit Reformation Graf Karl Wolfgang zu Oettingen begeisterte sich früh für die Lehre Martin Luthers. Da er zusammen mit seinem Bruder Ludwig XV. über die Grafschaft Oettingen regierte, führte er in seinen Gebieten südlich der Eger die Reformation durch. An seine Residenz, die Burg Harburg, holte Karl Wolfgang 1524 Paul Warbeck als Hofprediger. Die Schlosskirche St. Michael war somit die erste evangelische Predigtstätte im Ries. 1539, nach dem Bauernkrieg, berief Karl Wolfgang eine Synode in Harburg ein, auf der alle Pfarrer seiner Grafschaft über den evangelischen Glauben diskutierten, und schließlich wurde die Augsburger Konfession eingeführt. Sein Bruder Ludwig XV. tat das Gleiche in Alerheim.

Während des Schmalkaldischen Krieges blieb Karl Wolfgang neutral und trat dem Schmalkaldischen Bund nicht bei. Jedoch wurde die Burg Harburg im September 1546 von Truppen des Schmalkaldischen Bundes besetzt. Nach deren Kapitulation plünderten kaiserliche Truppen den damaligen Markt und besetzten die Burg. Die Folge des Schmalkaldischen Krieges war, dass Karl Wolfgang, trotz seiner Neutralität, im Dezember 1546 abgesetzt wurde. Er starb kinderlos 1549 auf Burg Harburg, wo ein Epitaph in der Schlosskirche an ihn erinnert. Mit seinem Tod fiel Harburg an die katholischen Grafen Friedrich V. und Wolfgang II., die im Jahre 1550 in der Marktkirche wieder den katholischen Gottesdienst einführten. Ludwig XV., der aktiv auf der Seite des Schmalkaldischen Bundes tätig war, wurde mit der Reichsacht versehen und verbannt. Er setzte aber das reformatorische Werk seines Bruders Karl Wolfgang nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 mit dem Grundsatz „Cuius regio, eius religio“ fort, indem alle Gebiete, somit auch Harburg, wieder evangelisch wurden.

Unter den Söhnen Ludwigs XV. kam es zur konfessionellen Teilung des Hauses Oettingen. Die Burg und Stadt blieben bei der evangelischen Linie Oettingen-Oettingen und haben deshalb bis heute eine evangelische Bevölkerungsmehrheit. 1612 wurde unter Graf Gottfried von Oettingen-Oettingen mit dem Bau der heutigen evangelischen Stadtpfarrkirche St. Barbara am Fuße des Burgberges begonnen.

Dreißigjähriger Krieg Nach der Besetzung des Schellenbergs bei Donauwörth erreichten im April 1632 schwedische Truppen Harburg. Nach einem Jahr war das Umland von kleinen Gruppen auf der Suche nach Nahrung, ohne Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit, ausgeraubt und zerstört worden. Der Schwedenkönig Gustav Adolf speiste 1632 in Harburg, forderte hohe Abgaben und zog mit seinem Heer durch den Markt.

Die Folgen der Schlacht bei Nördlingen am 5. und 6. September 1634 sowie der Schlacht bei Alerheim am 3. August 1645 verschärften auch die Situation in Harburg. Es gab einen großen Mangel an Nahrungsmitteln und Futter. Durch die Kriegseinwirkungen und den Ausbruch der Pest verzeichnete Harburg 1634 einen Bevölkerungsverlust um mehr als die Hälfte. Deshalb wurde nach Ende des Dreißigjährigen Krieges unter der Regentschaft des späteren Fürsten Albrecht Ernst I. zu Oettingen-Oettingen im Jahr 1671 mit der Ansiedelung einer jüdischen Gemeinde in Harburg begonnen.

18. Jahrhundert mini|Ein Hinweisschild zeigt auf den Ort der ehemaligen Richtstätte.