mini|Inserat von Thomas Cook & Son (um 1900) mini|Begleitbrief von Thomas Cook & Son für Schlafwagenreisende (1924) mini|Boeing 757 der Thomas Cook Airlines mini|Logo von 1974 bis 1989 mini|Logo von 1989 bis 2001 mini|Logo von 2001 bis 2013 mini|Thomas-Cook-Reisebüro
Die Thomas Cook Group plc war ein börsennotierter Tourismuskonzern mit Sitz in London. Er entstand 2007 durch den Zusammenschluss der Thomas Cook AG mit der MyTravel Group und wurde 2019 durch Liquidation aufgelöst. Zur Thomas Cook Group gehörten eigene Fluglinien, zu ihren im deutschsprachigen Raum tätigen Tochtergesellschaften zählten unter anderem Neckermann Reisen, Condor Flugdienst und die Bucher Reisen & Öger Tours GmbH.
In der Nacht vom 22. zum 23. September 2019 beantragte die Thomas Cook Group plc die Zwangsliquidation.thomascookgroup.com: Die britische Luftfahrtbehörde Civil Aviation Authority (CAA) gab die Einstellung der Geschäfte und die Streichung aller Flüge bekannt und kündigte eine Rückholaktion für Urlauber an.
Geschichte Firmengründung Thomas Cook wurde am 22. November 1808 in Melbourne (South Derbyshire) geboren. Der Baptistenprediger und Verleger christlicher Schriften organisierte im Juli 1841 für 500 Reisende eine Zugfahrt von Leicester nach Loughborough zu einem Treffen der Abstinenzbewegung. Ziel der Reise war die Zusammenkunft von Mitgliedern verschiedener Mäßigkeitsvereine.
Thomas Cook organisierte 1845 die ersten Reisen nach Liverpool und 1855 die erste Europa-Rundreise für britische Touristen und begann damit die Ära des Pauschaltourismus. Die Tour führte über Brüssel, Köln, Heidelberg, Baden-Baden, Straßburg und Paris zurück über Le Havre oder Dieppe nach London. Sein Sohn John Mason Cook (* 1834) trat 1864 in das Geschäft seines Vaters ein und betreute 1866 die erste Amerika-Reise. 1868 führte Thomas Cook den Hotelvoucher ein, ein wichtiges Instrument der Pauschalreise.
1869 wurde die erste Thomas-Cook-Nilkreuzfahrt mit einem Dampfer angeboten. Weitere Reisen in diesem Jahr führten nach Palästina und zur Eröffnung des Sueskanals. In den kommenden Jahren gründete das Unternehmen eigene Reisebüros in Brüssel, Köln, Paris und Wien. Das Unternehmen Thomas Cook & Son wurde 1871 gegründet – John Mason Cook war offizieller Partner. Aufgrund der großen Nachfrage nach organisierten Schiffsreisen durch den Sueskanal nach Osten eröffnete Thomas Cook 1872 ein erstes Büro in Kairo. Die erste Weltreise, bei der 40.000 Kilometer zurückgelegt werden, begann am 26. September 1872 in Liverpool und dauerte 222 Tage. Thomas Cook erfand 1874 ein weiteres wichtiges Element für den Tourismus. In New York wurde Thomas Cooks Reisekreditbrief, ein Vorläufer des modernen Reiseschecks, eingeführt. John Mason Cook setzte auf Internationalisierung des Familienunternehmens: Er vertrieb ab 1879 Ausgaben des The Excursionist – eine Art Angebotszeitung, die 1851 von seinem Vater gegründet worden war – auch in Übersee. So informierte er Kunden in Frankreich, Deutschland, Indien, Australien, Asien, Amerika und dem Mittleren Osten über seine Angebote. Thomas Cook zog sich im selben Jahr aus dem Geschäft zurück. Sein Sohn wurde alleiniger geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Im britischen Feldzug zur Rettung Charles George Gordons aus dem Sudan (Gordon Relief Expedition) 1884/85 lieh die britische Armee Dampfschiffe von Thomas Cook, um ihre Truppen nach Khartum zu bringen.
Thomas Cook starb am 18. Juli 1892 im Alter von 83 Jahren, bereits 1899 starb auch sein Sohn John Mason Cook mit 65 Jahren. Nach seinem Tod übernahmen dessen Söhne Frank Henry, Ernest Edward und Thomas Albert das Unternehmen bis zu dessen Verkauf 1928.Jörn W. Mundt: Thomas Cook. Pionier des Tourismus. UVK, Konstanz 2014
Siehe auch: Thomas Cook & Son
Weltmarktführer Thomas Cook & Son Im Jahr 1900 wurde Thomas Cook & Son weltweit Marktführer in der Reisebranche. 1919 vertrieb das Unternehmen die ersten Flugtickets.
Frank Henry und Ernest Edward Cook verkauften das Unternehmen 1928 an die einzige internationale Konkurrenz: die Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express Européens mit Sitz in Paris und Brüssel.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Thomas Cook & Son 1948 Teil der nationalen Eisenbahn British Railways unter der British Transport Holding Company. Das Unternehmen kam 1972 durch ein Konsortium der Midland Bank, Trust House Forte und der Automobile Association wieder in Privatbesitz. 1977 wurde die Midland Bank alleiniger Eigentümer von Thomas Cook & Son. Thomas Cook erwarb 1990 den Devisenhandel der Deak International Inc. und wurde damit zum weltgrößten Devisenhändler.
1992 übernahmen die Westdeutsche Landesbank (WestLB) und die LTU gemeinsam Thomas Cook. Zwei Jahre später kaufte das Unternehmen die Firma Interpayment Services Ltd., die Travellers-Cheques-Tochter der Barclays Bank, und wurde zum weltgrößten Anbieter für Travelers Cheques außerhalb der USA. Der Firmenreisedienst wurde an American Express verkauft. 1995 kaufte die WestLB den 10-prozentigen LTU-Anteil an Thomas Cook und machte somit das Unternehmen zu ihrer 100-prozentigen Tochter.
1995 fand auch die Eröffnung der Thomas-Cook-Homepage im Internet statt. Thomas Cook war der erste britische Touristikkonzern, der Reisen, Travelers Cheques, Devisen, Reiseführer und Sitzplatzanfragen für Flüge im Internet anbot. 1996 erwarb Thomas Cook Sunworld, den fünftgrößten Kurzreisen-Anbieter in Großbritannien und Irland, und Time Off, den Spezialisten für europäische Städtereisen; Sunworld wiederum kaufte 1998 die Flying Colours Leisure Group inklusive der Flying-Colours-Fluggesellschaft und der Marken Sunset sowie Club 18-30. Der Bereich „Global Services“ wurde gegründet, mit dem das Unternehmen Touristen und Geschäftsreisenden umfassende Service-Pakete für Reisen in der ganzen Welt anbot. 1999 wurde die Dachmarke „JMC (John Mason Cook)“ gegründet. JMC umfasste die Marken Sunworld, Sunset, Flying Colours, Inspirations und Caledonian Airways und war von nun an die drittgrößte britische Reise- und Fluggesellschaft.
Die Preussag AG (damals eine Tochter der WestLB und Vorläufer der TUI) kaufte 1999 24,9 % der Thomas-Cook-Aktien; gleichzeitig fusionierten Thomas Cook und der britische Teil des Reisegeschäftes der Carlson Leisure Group zur Thomas Cook Holdings; als Folge der Fusion hielt Preussag einen Anteil von 50,1 %.Case No IV/M. 1341 - WESTDEUTSCHE LANDESBANK/CARLSON/THOMAS COOK, Entscheidung der EU-Wettbewerbsbehörde vom 8. März 1999, abgerufen am 23. September 2019 (englisch) 2001 wurde Thomas Cook Holdings von dem Konkurrenten C&N Touristic (heute Thomas Cook AG) übernommen, nachdem TUI den britischen Konkurrenten Thomson Travel unter der Bedingung des Verkaufs von Thomas Cook übernommen hatte.
Neckermann Reisen
Josef Neckermann erweiterte die Angebotspalette seines Versandhauses Neckermann Versand 1962 um „Urlaubsreisen für Jedermann“. Für dieses Vorhaben bot er ab 1963 in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Ferienunternehmen Hotelplan erstmals Flugreisen an. Der erste Prospekt, eine sechsseitige Broschüre, erschien als Beilage zum Versandhauskatalog. Um die Reisesparte weiter auszubauen, gründete er zwei Jahre später unter dem Namen Neckermann und Reisen GmbH & Co (NUR) ein Tochterunternehmen.
1976/77 übernahm Karstadt über eine Mehrheitsbeteiligung den angeschlagenen Neckermann-Konzern einschließlich des Bereichs Touristik mit NUR. In diese wiederum wurde kurz darauf das ebenfalls aufgekaufte Touristikunternehmen gut Reisen, das 1969 von den deutschen Gewerkschaften und der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) gegründet worden war, eingegliedert. Die NUR-Reisen wurden von diesem Zeitpunkt an auch über die Karstadt-Warenhäuser vertrieben. 1978/79 war NUR deutscher Marktführer für Fernreisen: Rund 21.000 Gäste reisten nach Fernost. In Belgien wurde im selben Jahr die Tochtergesellschaft „Neckermann Vliegreizen“ gegründet.
1981 übernahm Karstadt NUR ganz. 1982/83 wurde zur Schaffung einer neuen Corporate Identity aus Neckermann und Reisen die neue Dachmarke NUR Touristic. NUR Touristic begann ein Mehrmarken-Konzept. Im Winter 1983/84 gab die neue Marke „Terramar“ ihren ersten Katalog heraus. 1984/85 verkaufte NUR Touristic seine Auslandsbeteiligung „Neckermann Österreich“. 1986/87 beschloss NUR Touristic das beste Geschäftsjahr seiner bisherigen Unternehmensgeschichte: Die Gästezahl wuchs um 17,5 % auf über eine Million, der Umsatz betrug 1,43 Milliarden Mark. Im Jubiläumsjahr 1988/89 stellte NUR Touristic auf der ersten Neckermann-Pressekonferenz in der – noch bestehenden – Deutschen Demokratischen Republik den ersten Sonderkatalog „Für Reisebüros in der DDR“ vor. Schon im ersten Jahr der Wiedervereinigung 1990 eröffnete die NUR Touristic vierzehn eigene Reisebüros in den neuen Bundesländern. Im Oktober 1990 fand die Grundsteinlegung für die neue NUR-Hauptverwaltung in Oberursel im Taunus statt, die am 15. Mai 1992 eingeweiht wurde. NUR Touristic beteiligte sich 1991 wieder an Neckermann Österreich – von dem Schweizer Konzern Kuoni werden 49 % des Unternehmens erworben. Im selben Jahr erwarb man den deutschen Veranstalter Paneuropa Reisen und den größten belgischen Flugreisenveranstalter „Sunsnacks“.
NUR Touristic erwarb 1994 einen weiteren deutschen Reiseveranstalter, Bucher Reisen. NUR Touristic hatte 1995 die Zahl seiner Gäste weltweit auf 3,4 Millionen und den Umsatz auf 3,51 Milliarden DM gesteigert. NUR Touristic übernahm All Air, den belgischen Marktführer für Autoreisen und Wintersport, und wurde so größter Reiseveranstalter auf dem belgischen Markt. Holiday Land, die neue Franchise-Reisebüro-Marke der NUR Touristic wurde gegründet. Die Gästezahlen der NUR Touristic weltweit stiegen im Geschäftsjahr 1995 – bei einem Umsatz von 4,09 Milliarden DM – auf 3,95 Millionen. 1996 weitete NUR Touristic seine Geschäfte auf Osteuropa aus: „Neckermann Polska“ wurde gegründet. Am Ende des Geschäftsjahres 1996 verzeichnete NUR Touristic 4,89 Millionen beförderte Gäste und einen Umsatz von 4,85 Milliarden DM.
Teil von C&N Touristic seit 1997 Lufthansa und Karstadt beschlossen 1997, ihre touristischen Aktivitäten künftig in einer gemeinsamen Holding zu bündeln. Hierzu gründeten die beiden Unternehmen zum 1. November die C&N Touristic AG durch die Zusammenführung der NUR Touristic und der Condor Flugdienst GmbH. Beide Gesellschafter hielten 50 % an dem Konzern. Die NUR Touristik gehörte zu 90 % der C&N Touristik und zu 10 % direkt der Karstadt AG, ebenso die Condor, die zu 90 % der C&N Touristik und zu 10 % direkt der Lufthansa gehörte. Die C&N Touristic deckte die Wertschöpfungsstufen Reiseveranstalter, Flug, Vertrieb, Hotels und Serviceagenturen ab und stand in direkter Konkurrenz zu TUI.
Stefan Pichler, bisher Vertriebsvorstand der Lufthansa, wurde im März 2000 als Sprecher in den Vorstand des Touristikkonzerns berufen. Weiteres Vorstandsmitglied war Willi Schoppen. Im Juli 2000 übernahm der Konzern den touristischen Bereich des Reiseunternehmens Havas Voyages, Frankreich, vollständig und war damit der erste integrierte europäische Touristikkonzern mit Präsenz im französischen Markt. Der touristische Bereich von Havas Voyages war mit einem Marktanteil von über 20 % Marktführer in Frankreich. Am Ende des Geschäftsjahres 1999/2000 verreisten 10,9 Millionen Personen mit den Marken der C&N Touristic AG, der Umsatz betrug 9,7 Milliarden DM.
Im Jahr darauf übernahm die C&N Touristic AG das britische Reiseunternehmen Thomas Cook Holdings und wurde der zweitgrößte Touristikkonzern in Europa und die Nummer drei weltweit. Aus der C&N Touristic AG wurde Ende Juni 2001 durch Umfirmierung die Thomas Cook AG. Im Dezember 2001 wurde die Fluggesellschaft Thomas Cook Airlines Belgium als 100-prozentige Tochter der Thomas Cook AG gegründet. Im Geschäftsjahr 2000/2001 buchten 14,1 Millionen Gäste ihre Reise bei Marken der Thomas Cook AG. Der Konzern erwirtschaftete einen Umsatz von 7,9 Milliarden Euro.
mini|Condor-Flugzeug mit Thomas-Cook-Logo.