Das Ruwenzori-Gebirge (im Englischen meist Rwenzori geschrieben) ist mit bis zu das dritthöchste Gebirge Afrikas. Es liegt in Ostafrika auf der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Uganda und gehört zu den drei Gebirgen Afrikas, die Vergletscherungen aufweisen. Wegen seiner hohen ökologischen Bedeutung ist es Teil des UNESCO-Weltnaturerbes.

Name Der Name Ruwenzori leitet sich vom Begriff Rwenjura (ausgesprochen: Rwen-dschura) in der Sprache der auf ugandischer Seite ansässigen Batoro ab und heißt in etwa „Regenmacher“, kann aber auch mit „Wolkenkönig“ übersetzt werden. Anfänglich existierten viele weitere Schreibweisen wie Ruwenzururu, Ruwenjura, Runssoro, Rundjuru, Rwenzuzu, Rwenzeri, der britisch-amerikanische Afrikaforscher Henry Morton Stanley favorisierte jedoch Ruwenzori. Der Name setzte sich in der Folge durch und ist sowohl im Kongozum Beispiel: Parc national de la Virunga bei ICCN, Staatliche Naturschutzbehörde, , . als auch im deutschsprachigen Raum, gefördert auch durch die Expeditionsberichte von Luigi Amadeo von Savoyen, noch heute die gängige Bezeichnung.

Im englischsprachigen Raum hat sich die Schreibweise Rwenzori durchgesetzt. Sie gilt als näher an der ursprünglichen Aussprache und ist daher seit den 1980er Jahren auch die offizielle Schreibweise in Uganda.Höbenreich: Ruwenzori – 100 Jahre Erstbesteigung. 2007, S. 245.

Geographie Lage und Umgebung Das Ruwenzori-Gebirge ist in Nord-Süd-Richtung etwa 130 km lang und 50 km breit und liegt etwa 40 km nördlich des Äquators inmitten des äußerst langgestreckten Ostafrikanischen Grabenbruchs im Western Rift, dem westlichen Ast des Grabenbruchs, zwischen dem Albertsee im Nordosten und dem Eduardsee im Südwesten. Etwas weiter westlich schließt sich jenseits des Grabens bzw. hinter den dortigen Gebirgen das Kongobecken an. Im Osten fällt das Gelände zum Georgsee bzw. Eduardsee und Hochland von Uganda ab, auf dem der Viktoriasee liegt, bevor weiter östlich die andere Seite des Riftgrabens erreicht wird. Ein Großteil des Ruwenzori, insbesondere der hohe Zentralteil des Ruwenzori-Gebirges liegt hauptsächlich in Uganda, die westlichen Abhänge gehören zum Territorium der Demokratischen Republik Kongo.

Historisch und touristisch bedeutsamster Ort im Umkreis des Gebirges ist Fort Portal, nordöstlich des Ruwenzori in Uganda gelegen. Weitere wichtige Städte sind das südöstlich gelegene Kasese und Kilembe, das bereits unmittelbar im Gebirge liegt. Ibanda, ein verhältnismäßig kleiner Ort im östlichen Ruwenzori, ist als wichtiger Ausgangspunkt von touristischer Bedeutung. Im Nordwesten, aber dennoch in Uganda gelegen, liegt Bundibugyo. Auf der kongolesischen Seite sind Mutwanga im westlichen Teil des Ruwenzori und Kasindi im Süden zu erwähnen.

Gipfel Die Hauptgipfel liegen im Zentrum des Ruwenzori-Gebirges, das von Nord nach Süd etwa 50 km lang und von Ost nach West etwa 40 km breit ist und sich in mehrere Teilgebirge aufgliedert.

Das Massiv der Stanley-Berge weist den höchsten Ruwenzori-Gipfel auf, den Margherita Peak (Pic Marguerite) (), über den die Grenze zwischen Kongo und Uganda verläuft. Seine Höhe wird manchmal auch mit , oder angegeben. Er ist über einen hohen Kamm mit dem zweithöchsten Berg – Alexandra () – verbunden. Weitere Gipfel dieses Massivs sind Albert () und Wasuwamesu () im Kongo und Möbius () und Savoia () in Uganda.

mini|Hauptgipfel der Ruwenzori-Kette: v. l. n. r. Doppelspitze des Mt. Stanley (Margherita Peak 5109 m, r.), Mt. Baker, Mt. Speke und Mt. Gessi Mount Speke (auch Speke-Plateau genannt) umfasst die Gipfel Vittoria-Emanuele () und Johnston () in Uganda.

Zum Mount Baker (auch Baker-Plateau genannt) in Uganda zählen die Gipfel Edward (), Semper (), Wollaston () und Moore ().

Mount Emin ist das nördlichste des hohen Ruwenzorimassivs und liegt als einziges vollständig auf kongolesischer Seite. Der höchste Gipfel ist Umberto (auch Humbert, ). Der zweite wichtige Gipfel, Kraepelin Peak, ist hoch.

Mount Gessi liegt im Nordosten des zentralen Ruwenzori in Uganda. Der höchste Gipfel ist Iolanda (auch Jolanda, ), Bottego ist hoch.

Der Mount Luigi di Savoia (auch Luigi-di-Savoia-Plateau genannt), ebenfalls in Uganda gelegen, ist das südlichste Massiv und umfasst die Gipfel Sella (), Weismann () und Stairs ().

Ebenfalls in Uganda liegen die Portal Peaks (auch Mount Portal Peaks oder Portal-Peaks-Plateau genannt) mit den Gipfelpunkten Kihuma (), Middle Portal () und Rutara (). Diese Gipfel sind nicht vergletschert.

Flüsse und Täler mini|Einwohnerin im Nationalpark der Ruwenzoriberge, Uganda Der Bujukufluss entspringt zwischen Mount Stanley und Mount Speke und fließt in Richtung Osten durch das Bujukutal, das einer der bedeutendsten Zugänge zur Kernzone des Gebirges ist. Zuflüsse zum Bujuku sind der Mugusu (auch Migusi), der zwischen Gessi und Speke entspringt, und der Kurungu, der seinen Ursprung zwischen Gessi und den Portal Peaks hat. Zwischen Mount Baker und Mount Savoia entspringt der Mubuku (auch Mobuku), in den der Bujuku mündet. Das Mubukutal ist der wesentliche Zugang zum südlichen Ruwenzori, insbesondere zum Mount Baker und Mount Savoia. Weniger bedeutend ist das Tal des Kuruguta, das direkt in den Süden des Savoia führt.

Nach Westen fließt der Semliki Nebenfluss Butawu, der aus den Kitandaraseen im südlichen Bereich zwischen Mount Baker und Mount Savoia entspringt.

Seen Im Ruwenzori liegen einige Seen, die ihre Entstehung meist dem Rückzug der Gletscher verdanken und somit als Gletscherrandseen klassifiziert werden können. Zu den größten zählen etwa die Kitandara-Seen () südwestlich des Mount Baker, Lake Bujuku () im oberen Bujukutal und Lake Vert () westlich des Mount Stanley.

Geologie mini|Topographische und geologische Karte der Ruwenzori-Kette. Nach den Aufnahmen der Expedition von Luigi Amadeo von Savoyen 1906. Mit Routenverlauf der Expedition (rot) Als einziges der hohen Gebirge Subsahara-Afrikas ist der Ruwenzori nicht vulkanischen Ursprungs. Das Ruwenzori-Gebirge ist eine geologische Besonderheit, denn hier entsteht ein Bruch innerhalb einer Kontinentalplatte. Dadurch bildet sich der Ostafrikanische Graben als Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs. Die Ostafrika-Platte entfernt sich pro Jahr um etwa zwei Zentimeter vom übrigen Kontinent, so dass der Graben immer breiter wird. Dennoch wurde das Ruwenzori-Gebirge bei der Entstehung dieses vulkanisch und tektonisch aktiven Grabenbruchs in mindestens zwei Phasen aus präkambrischen Gesteinen als Horst angehoben. Vor etwa acht und vor drei Millionen Jahren gab es im afrikanischen Graben eine starke vulkanische Aktivität und kräftige Hebungsprozesse. Dabei entstand auch das Ruwenzori-Gebirge.

Hier treten hauptsächlich metamorphe Gesteine wie etwa Amphibolit und Gneis auf. In Kontakt damit finden sich Quarzite und Kalkschiefer. Basalt, Kalkstein und Marmor sind seltener vertreten.Henry A. Osmaston, David Pasteur: Guide to the Ruwenzori. 1972, S. 129.

Klima Das Klima im Ruwenzori-Gebirge zeichnet sich durch sehr hohe Luftfeuchtigkeit (bis zu 100 %) und große Niederschlagsmengen in nahezu allen Klima- bzw. Vegetationszonen aus. Berghänge verwandeln sich oftmals in tückische Schlammrutschbahnen. Weil es an rund 300 Tagen pro Jahr regnet und die Verdunstung bedingt durch die warmen Aufwinde sehr stark ausfällt, ist das Gebirge zumeist von Wolken umhüllt. Feucht-warme bis -heiße Witterung herrscht in den tieferen Gebieten vor und eher eisig-feuchte Kälte auf den Gipfeln.

mini|Markt in Fort Portal, dem Ausgangspunkt für Expeditionen in den Ruwenzori Von April bis Oktober dominieren hier südöstliche Winde, die den Monsun bringen. Von Oktober bis März hingegen ist Nordost die Hauptwindrichtung. Die Windgeschwindigkeit ist meist nur schwach. Besonders die Ostflanke des Gebirges verzeichnet mit bis zu 2500 Millimetern Niederschlag pro Jahr Spitzenwerte, wobei diese Mengen von der Regenwaldzone am Fuß der Berge bis in die Gipfelregion erreicht werden. Die Ebenen um das Gebirge sind im Vergleich dazu wesentlich trockener und erreichen nur etwa ein Drittel dieser Menge.

Die Temperaturen liegen während der Regenzeit aufgrund der geringeren Sonneneinstrahlung etwas geringer als in der Trockenzeit, die Unterschiede sind jedoch klein. Auch die Tagesschwankungen sind sehr gering. So schwankt die Temperatur etwa auf der Bujukuhütte () ständig zwischen −1 °C und 10 °C. Ab tritt fast jede Nacht Frost auf. Die durchschnittliche Temperatur nimmt mit 100 Metern Höhe um etwa 0,65 °C ab. Die Null-Grad-Grenze liegt dabei bei etwa bis .Noggler: Neuzeitliche Gletscherschwankungen am Ruwenzori – Ostafrika. 1992, S. 39.

Gletscher mini|Der vergletscherte Mount Stanley von Osten: Links Alexandra Peak, rechts Margherita Peak Der Ruwenzori ist neben Kilimandscharo und Mount Kenya das dritte Gebirge des Kontinents, dessen höchste Gipfelregionen vergletschert sind, obwohl es in den tropisch-heißen Regionen liegt. Nahezu alle Gipfel des Zentralmassivs, von denen sich fast alle in Uganda befinden, liegen oberhalb der Schneegrenze; Ab etwa 4500 m Höhe sind/waren die meisten Berge leicht und ab 4800 m Höhe stark vergletschert.

Aber die Fläche, die bei der ersten Erforschung vor hundert Jahren noch 6,5 Quadratkilometer ausmachte, geht aufgrund der Klimaerwärmung zurück. Im Januar 2022 betrug die Gletscherfläche noch 0,38 Quadratkilometer, wobei der Mount Stanley 92 Prozent der Gletscherfläche ausmacht. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass die in der Literatur zu findenden Angaben oft stark voneinander abweichen. Pro Jahr schrumpfen die Gletscher derzeit aufgrund kontinuierlich steigender Temperaturen um mehrere Dutzend Meter. Die Gleichgewichtslinie lag bis etwa 1900 unterhalb von , 1955 etwa auf und heute noch einmal mindestens 100 Meter höher.

1955 wurden im Ruwenzori noch zweiundvierzig Gletscher gezählt, 1988 waren es allenfalls mehr als dreißig. Heute ist nur mehr der Mount Stanley großflächig vergletschert, alle anderen Massive weisen nur noch kleine Eisfelder auf. Mount Gessi und Mount Emin, die etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch stark vergletschert waren, gelten heute bereits als eisfrei.Noggler: Neuzeitliche Gletscherschwankungen am Ruwenzori – Ostafrika. 1992, S. 55. Wissenschaftler rechnen damit, dass die Gletscher bald ganz verschwunden sind.

Flora und Fauna mini|Steile landwirtschaftlich genutzte Hänge in den niedrigeren Regionen des Ruwenzori Das Ruwenzori-Gebirge stellt für die afrikanische Flora und Fauna einen wichtigen, üppigen und artenreichen Lebensraum dar. Mehrere Arten sind hier endemisch. Darüber hinaus sind hier mehrere andernorts sehr gefährdete Arten zu finden. Es wird damit gerechnet, dass viele Spezies des Ruwenzori noch gar nicht entdeckt worden sind.

Einige Pflanzengesellschaften des Ruwenzori ähneln denen der Anden in Südamerika.

Flora Die Identifikation deutlich abgegrenzter Höhenstufen ist im Ruwenzorigebiet kaum möglich, da sich die Vegetation bestimmter Höhenlagen je nach Exposition stark unterscheiden kann und sich die einzelnen Pflanzengesellschaften stark überlappen.

Das Tiefland rund um das Ruwenzorigebirge ist hauptsächlich von Grasland geprägt, das bis in eine Höhe von etwa hinaufreicht. Während der Trockenzeit kommt es hier zu zahlreichen Bränden, die große Teile des Gebiets zerstören und gefährliche Ausmaße annehmen können. Solche Feuer ziehen häufig auch höhere Vegetationszonen in Mitleidenschaft. Das dicht wachsende Napiergras aus der Gattung der Lampenputzergräser ist eine typische Pflanze der Täler dieser Höhenstufe, an den Hügeln wachsen kürzere Gräser und viele Blütenpflanzen, als Bäume sind die Schirmakazien zu nennen. In dieser Zone wird Landwirtschaft betrieben, unter anderem werden Maniok, Kochbananen, Bohnen, Süßkartoffeln und Taro angebaut.

mini|Lobelien-Art aus dem Berg-Regenwald des Ruwenzori-Gebirges