Die Banater Berglanddeutschen sind eine ethnische Minderheit und deutschsprachige Minderheit im Banater Bergland zwischen Rumänien und Serbien. Ihr Ursprung geht auf deutschsprachige Siedler zurück, die sich Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts im Banat niederließen, das zu dieser Zeit dem Staat Österreich-Ungarn (k. und k. Monarchie) angehörte. Diese Siedler stammten vornehmlich aus dem steirischen und oberösterreichischen Salzkammergut, später kamen Siedler aus Tirol, Zipser aus Oberungarn und Deutschsprachige aus Böhmen dazu sowie Auswanderer aus dem Bayerischen Wald. Diesen Gruppen gemeinsam war, dass sie bairische Dialekte sprachen, die sich von den moselfränkischHans Gehl: und rheinfränkischHans Gehl: geprägten Dialekten der Banater Schwaben unterschieden, weshalb sich zur Unterscheidung der Begriff Berglanddeutsche eingebürgert hat.Herta Drozdik-Drexler: auf banater-berglanddeutsche.deHans Gehl: Deutsche Stadtsprachen in Provinzstädten Südosteuropas. Franz Steiner, 1997, ISBN 3-515-07171-7, S. 52.
Geschichte mini|Ethnische Zusammensetzung im Banater Bergland, 1930 mini|Kaiser Franz-Joseph in Orschowa, 1896 mini|Kaserne des Grenzwachregiments in Karansebesch Das Banater Bergland liegt im Südwesten des rumänischen Banats, im Grenzgebiet zu Serbien, und bedeckt eine Fläche von der Größe Nordtirols im Südwesten Rumäniens. Der größte Teil befindet sich im Kreis Caraș-Severin und nur wenige Ortschaften in den Kreisen Timiș, Hunedoara, Gorj und Mehedinți.
Das Bergland war und ist reich an Edelmetallen, Kupfer- und Eisenerzen, sodass nach dem Frieden von Passarowitz (1718) die angehende Habsburgermonarchie die Errichtung eines ausgedehnten Bergbauwesens im Banater Bergland beschloss. Die deutschen Kolonisten sollten mit ihren Fachkenntnissen in Ackerbau, Handwerk und Bergbau im Banat die Wirtschaft wieder aufbauen und so zu einer Erhöhung der Staatseinnahmen durch Steuern beitragen. Das Banat wurde 1716 zu einer Kaiserlichen Provinz erhoben, die von Ungarn und Siebenbürgen getrennt wurde und unmittelbar dem Wiener Hof, dem Hofkriegsrat und der Hofkammer unterstand.
Ebenso bestand die Notwendigkeit, die Grenze zum Osmanischen Reich zu sichern. Die ersten deutschen Ansiedler kamen noch, bevor die Türken endgültig aus dem Banat vertrieben wurden. Es waren 13 Tiroler Bergknappen, welche im Frühling des Jahres 1703 in Orawitz eintrafen. Ihnen folgten Einwanderer aus der Zips (siehe Zipser in Rumänien), aus Niederösterreich, Tirol, der Steiermark, aus Oberösterreich und Ungarn, aber auch aus Bayern, Württemberg, Baden und Böhmen. Das Land wurde urbar gemacht und es entstanden zahlreiche Dörfer; jedoch ein neuer österreichisch-türkischer Krieg (1737–1739) verwüstete das Land erneut.
Um der ständigen Einfälle der Türken Herr zu werden, wurde das südliche und südöstliche Banat als ein breiter Streifen von der Theiß über Pantschowa, Weißkirchen, Orschowa und Karansebesch vom übrigen Banat abgetrennt und zur militärischen Schutzzone gegen die Türken erklärt. Das übrige Banat erhielt eine Zivilverwaltung und wurde von der Banater Militärgrenze abgegetrennt. Unter diesem Schutz konnte sich das Land wirtschaftlich wieder erholen.
Um die Fortentwicklung des Bergbauwesens zu sichern, wurden Fachleute aus den Alpenländern, hauptsächlich aus der Steiermark und Oberösterreich, umgesiedelt. Orawitz wurde Verwaltungszentrum des gesamten Berglandes, und 1771 fand die Inbetriebnahme der Hochöfen und des Eisenwerks Reschitz statt. Als 1790 die Steinkohlelager um Steierdorf entdeckt wurden, musste wieder eine größere Anzahl von Bergleuten für den Ausbau des Kohlebergbaus angeworben werden. Zunächst kamen Einwanderer aus Oberösterreich, später kamen auch Böhmen, Mähren und Slowaken. Die zahlreichen Bergorte von Rußberg über Reschitz bis Bokschan, von Karansebesch über die Militärgrenze bis zum Donauhafen Orschowa mit ihren Bergwerken, Schmelzen, Werksanlagen, Domäneneinrichtungen und Wasserbauten formten und prägten das Banater Bergland derart, dass die deutschen Fachleute zum sozialen Ordnungsfaktor und Wirtschaftsträger der Region geworden waren. Die Banater Berglanddeutschen gestalteten bis zur Zerschlagung der Doppelmonarchie einen eigenständigen alpenländischen Lebensraum und errichteten einen wichtigen Standort in der Schwerindustrie Südosteuropas. Nach dem Zerfall der K.u.K. Monarchie fiel das Banater Bergland an das Königreich Rumänien.
Anders als in der Banater Ebene war die Bevölkerungsdichte im Banater Bergland nach den Türkenkriegen und der Eroberung des Banats durch Prinz Eugen von Savoyen zufriedenstellend, weswegen hier die großangelegte „Impopulation“ ausblieb. Im Banater Bergland galt es bis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei Gebiete zu erhalten: das Montanbanat mit den Bergwerksrevieren und die Banater Militärgrenze. In die Bergorte, anfangs nur Orawitza und Bokschan, später Lunkan, Saska, Moldowa, Russberg, Reschitza, kamen ab 1722 zunächst nur die zur Wiederaufnahme, Erweiterung, Aufbau neuer Hütten und Bergwerke notwendigen Fachkräfte, danach im verstärkten Maße größere Gruppen von Facharbeitern. Zuwanderungswellen von Berg-, Hütten-, Forst- und Bauarbeitern aus anderen Teilen der Habsburger-Monarchie wurden in diesem Raum bis ungefähr 1870 registriert. Innerhalb der Militärgrenze ist eine einzige Aktion zu vermerken: jene zur Ansiedlung von deutsch-böhmischen und tschechischen Grenzbauern (1827–1828) in den Wäldern des Semenic- und Almăj-Gebirges.Ansiedlung der Deutschen im Banater Bergland.
Die Ansiedlung der Banater Berglanddeutschen bezieht sich im Wesentlichen auf: Die Ansiedlung der Militärgrenze: Altsadowa (1829), Bosowitsch, Herkulesbad (1880), Karansebesch (1717), Lindenfeld (1827), Mehadia, Neukaransebesch (1812), Orschowa (1717), Temesch-Slatina, Teregowa, Topletz, Weidenthal (1827), Wolfsberg (1827), Wolfswiese (1827). Die Ansiedlung des Bergbaugebiets: Anina (1773), Bokschan (1719), Dognatschka (1722), Doman (1853), Eisenstein (1815), Ferdinandsberg (1850), Franzdorf (1793), Häuerdorf (1722), Karlsdorf (1797), Kohldorf (1789), Maria Schnee (1789), Neu-Moldowa (1733), Orawitza (1853), Reschitza (1769), Russberg (1816), Ruskitza, Saska (1853), Sekul (1880), Steierdorf (1790), Tschiklowa (1717). Die Ansiedlung der ehemaligen Kameraldomäne: Eichental (1896), Moritzfeld (1784), Königsgnad (1812), Bresondorf (1871) und 1908 die Ruthenendörfer Copăcele, Cornuţel und Zorile.Ansiedlung der Banater Berglanddeutschen.
Im Jahr 1943 konnte die deutsche Wehrmacht auf Grund eines Abkommens mit der rumänischen Regierung rumänische Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit anwerben. Die meisten „Freiwilligen“ wurden in die Waffen-SS eingegliedert und jene, die den Krieg überlebten, mussten nach dem Krieg die Konsequenzen tragen.
Im Januar 1945 wurden die Deutschen in Rumänien im Alter zwischen 17 und 45 Jahren zur so genannten Aufbauarbeit in die Sowjetunion verschleppt (Don- und Donezbecken, Ural und Sibirien). Viele sind umgekommen. 1951 wurde aus dem Grenzstreifen zu Serbien der größte Teil der Dorfbevölkerung in die Bărăgan-Steppe verschleppt. Im Kreis Caraș-Severin war der Anteil der Deutschen bei der Verschleppung geringer als in der Banater Ebene, da es außer Bresondorf, Moritzfeld und Königsgnad (heute Tirol) keine deutschen Dörfer im Grenzstreifen gab. Aus dem Banater Bergland wurden etwa 10.000 Deutsche zwangsdeportiert. In den folgenden Jahren begann die Abwanderung der Deutschen, hauptsächlich der politisch verfolgten, nach Deutschland und Österreich, anfangs durch Flucht, Familienzusammenführung, danach, insbesondere nach der Wende 1989, durch Massenabwanderung. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die Banater Berglanddeutschen trotz des kommunistischen Regimes ihre kulturelle Tätigkeit in ihrer Muttersprache fortsetzen im Bereich Publizistik, Schulwesen, Theaterwesen und in anderen Bereichen.Demokratisches Forum der Banater Berglanddeutschen.
Wirtschaft Bergbau mini|Industrieanlage Tschiklowa, 1905 Nach der Befreiung des Banats 1716 durch Eugen von Savoyen wurde Claudius Florimund Mercy zum Gouverneur der Region ernannt. Mercy rief österreichische Fachleute für die Erneuerung der Verteidigungsanlagen und vor allem Bergleute für die Beschaffung der nötigen Ressourcen ins Land. Die „Banater Einrichtungskommission“ wurde von Temeswar aus von Kallanek geleitet. Herbeigerufene Zipser und Tiroler Bergleute nahmen auf der Grundlage der im deutschen und österreichischen Bergbau erprobten Technologien die Erzgewinnung und Verhüttung auf. Sie bliesen in Deutsch-Orawitza den ersten Kupferhochofen Südosteuropas an.Baron Mirko, Stephan Somlo: Anfang und Entwicklung des montanistischen Schulwesens in Rumänien. In: Berichte der Geologischen Bundesanstalt. Band 41, 1997, S. 147 ().
Gleichzeitig entstand in Deutsch-Bokschan die erste Großeisenhütte (1719). Weitere Kupfer, Silber und Blei fördernde Bergwerke entstanden in Deutsch-Tschiklowa (1718), Neu-Moldowa (1728) und Deutsch-Saska (1730) und bildeten somit die Banater Metallindustrie. Auf dieser Basis wurde durch die Gewerke die erste Bergbauschule in diesem Teil Europas gegründet (1729). Die Unterrichtssprache war Deutsch. Aus Mangel an Einwanderern wurden die einheimischen Rumänen und Serben herangezogen.
Die Verwaltung der Bergwerke oblag vier Bergämtern. Sie wurden eingerichtet in Orawitz, Bokschan, dessen Rolle später Reschitz übernahm, Dognatschka und Saska, das 1877 aufgelöst und der Verwaltung Neu-Moldowa zugeteilt wurde. Die Bergämter standen unter der Leitung des 1723 gegründeten k.k. Oberbergamts, welches als solches, später unter der Bezeichnung Banater Bergdirektion, mit kaum nennenswerten Unterbrechungen bis 1856 bestand und zeitweilig seinen Sitz in Temeswar hatte, die meiste Zeit aber in Orawitz.
Der Einfall der Türken im Jahr 1738 legte zunächst die Anfänge des Bergbaus lahm. Die Kaiserin Maria Theresia sorgte nach dem erneuerten Friedensschluss für eine Wiederbelebung des Bergbaus und der Schule. So wurden im Banater Bergland neue Kontingente, besonders deutscher und österreichischer Herkunft, durch F.K. Krakows, Hofrat der Kaiserin, geschaffen. Als herausragende Persönlichkeit des dortigen Bergbaus ist Christoph Traugott Delius zu erwähnen, der für die Lehre der Bergbaukunst an die Bergakademie Schemnitz berufen wurde. Mit dem Übergang des Verfügungsrechts über die Bodenschätze in die Verwaltung des Staats wurde das Weisungsrecht für Bergbaubeamte eingeführt. Ihre Ausbildung erfolgte in den in verschiedenen Ländern gegründeten Bergakademien (Freiberg 1765, Schemnitz 1770).
1747 genehmigte die Kaiserin dem Zuständigen der Montanbehörde, Mulz von Walda, die Errichtung von Bergschulen unter Berücksichtigung entsprechender Vorschriften. Zu Beginn des Jahrhunderts wurde in Petroșani eine Bergbauschule eingerichtet. Die Veränderung der Grenzen nach dem Vertrag von Trianon hatte die Errichtung der Berg- und Hüttenfakultät in Timișoara zur Folge.
In den Jahren 1733–1759 wurden in Orawitza und Dognatschka die ersten Talsperren gebaut. Im Oktober 1768 erteilte Maria Theresia die Baugenehmigung für das „Eisenwerk Reschitz“ auf Vorschlag der Bergmeister Christoph Traugott Delius und Franz Xaver Wögginger an Stelle einer Erweiterung der Bokschaner Werke. Am 3. Juli 1771 bliesen in Deutsch-Reschitza Deutsche aus Bokschan die Hochöfen „Franziskus“ und „Josephus“ an. 1771 wohnten in der Arbeiterkolonie Reschitz 126 deutsche Familien. In der Steierdorfer Waldung entdeckte 1790 der Holzknecht Mathias Hammer den „schwarzen Stein“, die Steinkohle.Das Banater Bergland: eine Zeittafel. (PDF; 89 kB).