mini|Ein Porträtbild, von dem angenommen wurde, dass es Cervantes zeigt. Es gibt allerdings kein Porträt von Cervantes, dessen Authentizität gesichert ist. rahmenlos|zentriert|klasse=skin-invert-image notpageimage|Cervantes Signatur Miguel de Cervantes Saavedra [] (* vermutlich 29. September 1547 in Alcalá de Henares, getauft am 9. Oktober 1547 in Alcalá de Henares;Vergleiche Brockhaus Enzyklopädie, Vierter Band, BRO-COS, Mannheim: F.A. Brockhaus, 1987, S. 391, und vgl. Encyclopaedia Britannica, Volume 3, Ceara-Deluc, Fifteenth edition, Chicago: Encyclopaedia Britannica, Inc., 2007. S. 41. † 22. oder 23. April 1616Shakespeare und Cervantes: Zwei Genies, ein Todestag. In: Deutsche Welle, 23. April 2016, abgerufen am 10. September 2020: Miguel de Cervantes wurde am 23. April begraben und verstarb am Abend oder in der Nacht zuvor, in Spanien gilt der 22. April als sein Todestag. in Madrid) war ein spanischer Schriftsteller. Der Autor des Don Quijote gilt als Spaniens Nationaldichter.
Leben Herkunft und Studium
mini|Kirche, in der er getauft wurde, Alcalá de Henares mini|Wahrscheinliches Geburtshaus von Cervantes in Alcalá de Henares Miguel de Cervantes Saavedra wurde als drittes von sieben Kindern einer verarmten adeligen Familie in Alcalá de Henares geboren. Seine Eltern waren Rodrigo de Cervantes (1509–1585), ein Wanderchirurg, und Leonor de Cortinas (1520–1593).
Der junge Cervantes studierte Theologie an den Universitäten von Salamanca und Madrid.
Flucht nach Rom und Eintritt in die spanische Marine mini|Statue von Cervantes im Miguel-de-Cervantes-Denkmal in Madrid Miguel de Cervantes führte ein sehr abenteuerliches Leben. Nach einjährigen Studien bei dem Humanisten Juan López de Hoyos (1511–1583) in Madrid, bei denen er die Schriften des Aristoteles und die des Erasmus von Rotterdam kennenlernte, zog er 1569 zunächst nach Rom, möglicherweise auf der Flucht vor der spanischen Justiz. Laut einer königlichen Verfügung aus dem Jahr 1569 sollte ein Mann namens Miguel de Cervantes festgenommen werden, der angeklagt war, einen gewissen Antonio Sigura bei einem Duell verletzt zu haben. Es ist möglich, aber nicht sicher, dass es sich dabei um den späteren Dichter Cervantes handelte.
In Rom trat er, wahrscheinlich 1569, als Kammerdiener in die Dienste von Kardinal Giulio Acquaviva (1546–1574) ein. Die italienischen Erfahrungen hinterließen vor allem in seinem Novellenwerk deutliche inhaltliche und stilistische Spuren. Noch im gleichen Jahr trat er als unvermögender Hidalgo, dem kaum andere Karrierewege offenstanden, in eine in Neapel stationierte Einheit der spanischen Marine ein. Als Mitglied der Infantería de Marina nahm er 1571 an der Schlacht von Lepanto teil, in der Juan de Austria, der Cervantes seine soldatischen Talente später bescheinigte, gegen die Türken kämpfte. Er erhielt drei Schusswunden, zwei in der Brust, eine in den linken Arm bzw. Unterarm, wodurch seine linke Hand dauerhaft gelähmtVolker Klimpel: Berühmte Amputierte. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 23, 2004, S. 313–327; hier: S. 314.G. Steiner, H. Greiner-Mai (Hrsg.): Fremdsprachige Schriftsteller. Leipzig 1971, S. 137 blieb und er den Beinamen el manco de Lepanto (der Einhändige von Lepanto) bekam. In einer Anspielung auf seinen Erfolg mit dem Don Quijote schrieb er später in der Geschichte Viaje del Parnaso, er habe „die Fähigkeit, seine linke Hand zu bewegen, zum Ruhme seiner rechten verloren“.
Sklave in Algier Nach weiteren Jahren in der spanischen Marine trat Cervantes im September 1575 die Heimreise mit seinem Bruder Rodrigo an Bord der Galeere Sol an. Als sich das Schiff bereits der katalanischen Küste näherte, wurde es von Barbaresken-Korsaren angegriffen. Nach einem verlustreichen Kampf wurden die überlebenden Passagiere gefangen genommen und als Sklaven nach Algier verschleppt, wo sich bereits 25.000 christliche Gefangene aufhielten. Man hielt Cervantes und seinen Bruder für wohlhabend und verlangte daher ein Lösegeld, was ihnen das meist tödliche Schicksal eines Galeerensklaven ersparte. Erst nach fünf Jahren und vier erfolglosen Fluchtversuchen konnte Cervantes 1580 durch den Trinitarierorden freigekauft werden und kehrte am 19. September nach Spanien zurück.
Im Jahre 1580 sah sich der spanische König Philipp II. nach dem Tod des Kardinalkönigs Heinrich I. (port. Henrique I, span. Enrique I) aus dem Hause Avis als Thronerbe des Königreiches Portugal und setzte seinen Anspruch noch im Sommer des gleichen Jahres militärisch gegen den selbsternannten Gegenkönig Antonio von Crato durch. Cervantes nahm zwischen dem Jahr 1580 bis 1582 als Soldat an den Kriegszügen Spaniens nach Portugal und auf die Azoren teil.
Ehemann und Schriftsteller mini|Titelblatt des Don Quixote, 1605 In seinem ersten, in den 1580er Jahren ohne größere Beachtung aufgeführten und erst 1615 veröffentlichten Gefangenendrama Los tratos de Argel verarbeitete er seine Erfahrungen aus der Gefangenschaft. Er war hoch verschuldet und versuchte schließlich, sich als Schriftsteller zu etablieren und so etwas Geld zu verdienen. 1585 erschien sein erster Roman La primera parte de la Galatea (die erste Übersetzung ins Deutsche erfolgte unter dem Titel Der Galatea Erster Teil durch Felix Schnurrmann bereits 1588). Ein Jahr zuvor hatte er die 18 Jahre jüngere Catalina de Salazar y Palacios geheiratet, Tochter eines wohlhabenden Bauern. Diese Verbindung blieb kinderlos, doch hatte er aus einer Affäre mit der Schauspielerin Ana Franca de Rojas eine Tochter, Isabel de Saavedra. Ende der 1580er Jahre trennte er sich von seiner Frau.
1585 arbeitete er als Steuereintreiber. Da die Bauern nur leere Scheunen vorweisen konnten und er sich auch am Kircheneigentum vergriff, wurde er von einem Inquisitionsgericht exkommuniziert. Im Mai 1590 bewarb er sich schriftlich für den vakant gewordenen Gouverneursposten der mittelamerikanischen Provinz Soconusco; sein Gesuch wurde jedoch abschlägig beschieden. Danach arbeitete er unter anderem als „Versorgungskommissar der Marineverwaltung“ und verbrachte 3 Monate wegen angeblicher Veruntreuung von Staatsgeldern 1597/98 im Gefängnis von Sevilla in Untersuchungshaft. Ein zweiter Gefängnisaufenthalt 1602 ist nicht eindeutig erwiesen.Cervantes: Don Quijote Bd. I, Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1953. Kommentare des Hrsg. Werner Bahner S. 667f.
Dort begann er mit der Arbeit an seinem bedeutendsten Werk El ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha (Der sinnreiche Junker Don Quijote von La Mancha), dessen erster Teil 1605 erschien. Den zweiten Teil veröffentlichte er 1615. Zwischen den beiden Teilen entstanden 1613 Cervantes’ Novelas ejemplares, im Deutschen mit Exemplarische Novellen. 1616 vollendete er den Roman Los Trabajos de Persiles y Sigismunda (Ed. Madrid 1617). Im Juli 1613 trat Cervantes der säkularen franziskanischen Bruderschaft beiFitzmaurice-Kelly, James: Miguel de Cervantes Saavedra; Oxford, Clarendon press 1913, S. 179 online auf archive.org.
Don Quijote brachte zwar den ersehnten Erfolg, doch verlor Cervantes das dadurch gewonnene Geld wieder.
Im Frühjahr 1616 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends. Am 2. April, als er bereits sein Haus nicht mehr verlassen konnte, legte er das endgültige Gelübde der Franziskanischen Gemeinschaft ab.Fitzmaurice-Kelly, James: Miguel de Cervantes Saavedra; Oxford, Clarendon press 1913, S. 201 f. Er starb verarmt am 22. April 1616 in Madrid. Am darauffolgenden Tag wurde er im Konvent der Barfüßigen Trinitarierinnen beerdigt, weshalb dieses Datum lange als sein Todestag galt.
Das Grab mini|hochkant|In diesem Kloster wurde Cervantes bestattet Cervantes wurde auf dem Gelände des Klosters der Barfüßigen Trinitarierinnen im Literatenviertel der Stadt begraben.Cervantes: Don Quijote Bd. I, Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1953. Zeittafel S. XI–XIII. Seine Grabstätte wurde bei Umbauten der Kirche im 17. Jahrhundert abgeräumt und umgebettet. Nach den sterblichen Überresten wurde seit 2014 von einem spanischen Forscherteam systematisch gesucht.stuttgarter-zeitung.de, 28. April 2014, Martin Dahms: Madrid sucht seinen berühmtesten Toten
Anfang 2015 – ein Jahr vor Cervantes’ 400. Todestag – wurde gemeldet, Wissenschaftler hätten in einer Grabnische einen Sarg mit den Initialen „M. C.“ des Autors gefunden.badische-zeitung.de, 27. Januar 2015: Die Knochen von Cervantes? Am 17. März erklärten die Forscher, sie hätten das Grab identifiziert. Da Cervantes’ Gebeine zusammen mit denen anderer Personen bestattet worden waren, sei derzeit eine individuelle Zuordnung der Knochen nicht möglich. Man wolle eventuell eine DNA-Analyse durchführen, allerdings hat Cervantes heute keine bekannten Nachfahren mehr.Neue Zürcher Zeitung, 7. März 2015, Grab von Cervantes gefunden – vielleichtbadische-zeitung.de, 19. März 2015, Martin Dahms: "Es ist möglich, in Betracht zu ziehen..."
Bei der Identifizierung einzelner Gebeine waren auch bekannte Verletzungen, die sich Cervantes zugezogen hatte, hilfreich, wie die Verletzung seiner linken Hand im Alter von 24 Jahren und mindestens eine Schusswunde an der Brust.
Werk Don Quijote
Novelas ejemplares mini|Titelblatt der Novelas ejemplares, 1613 1613 wurden die Novelas ejemplares veröffentlicht. Es handelt sich um eine Sammlung von zwölf Novellen, die zu einem großen Erfolg geriet und seit der Erstveröffentlichung unzählige Editionen und Übersetzungen in Fremdsprachen erlebte. Die Novellen beziehen sich unter anderem auf Ereignisse in Cervantes’ Leben. Cervantes sieht sich als erster, der die Gattung der Novelle in der spanischen Literatur anwendet. In seinem Vorwort unterstreicht er, dass im Unterschied zu seinen die übrigen in Spanien verbreiteten „Novelas“ nur Übersetzungen oder Nachahmungen ausländischer Vorlagen seien. Die Exemplarität seiner Novellen ist in zweierlei Hinsicht gegeben: Zum einen besteht Vorbildhaftigkeit im moralischen Sinne, zum anderen in Bezug auf die literarische Form. Obwohl er sie zur Unterhaltung schrieb, betonte der Autor in seinem Vorwort ihre absolute Vorbildhaftigkeit und schwor, sich die Hand abzuhacken, falls jemand keine moralische Belehrung in ihnen fände. Jedoch lag in diesem Versprechen eine gewisse Ironie: In einer Schlacht war Cervantes’ Arm verletzt worden, so dass er gar nicht fähig gewesen wäre, sich selbst eine Hand abzuhacken.
Zugleich Unterhaltung und moralische Unterweisung finden sich in den Exemplarischen Novellen, die in der Literaturgeschichte oft in zwei Gruppen eingeteilt wurden: die idealistischen Novellen die realistischen bzw. satirischen Novellen.
Verschiedene Einflüsse werden den Novelas ejemplares zugeordnet. So zum Beispiel des Theaters des Goldenen Zeitalters (insbesondere in der Dialogführung), des humanistischen Dialogs, des Ritter- und des Schäferromans sowie des pikaresken Romans. Ein Einfluss seiner italienischen Vorläufer, vor allem Giovanni Boccaccios, ist jedoch umstritten, auch wenn er in Bezug auf Erzähltechnik und Wirklichkeitsdarstellung von Boccaccio, Bandello und Cinthio lernen konnte.
Liste der Werke mini|Miguel de Cervantes Saavedra (Retratos de Españoles Ilustres, 1791) La primera parte de la Galatea, Alcalá 1585 (dt. Galathee: Schäferroman, Berlin 1787) El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha, Roman, Madrid 1605 und 1615 (dt. Don Quijote von der Mancha, Carl Hanser Verlag 2008) Novelas ejemplares, Novellenzyklus, Madrid 1613 (dt. Moralische Novellen, Leipzig 1779), darin: La gitanilla (Das Zigeunermädchen) Deutscher Auszug in Adalbert Keil Hg.: Die Prophezeiung. Zigeunergeschichten. Reihe: Goldmanns Gelbe TB #1622. München 1965. S. 5f. (Eine Anthologie, zuerst Kurt Desch, ebd. 1964) als Drama: Pius Alexander Wolff, Preciosa. Romantisches Schauspiel, Musik von Carl Maria von Weber, 1821 El amante liberal (Der edelmütige Liebhaber) Rinconete y Cortadillo (Rinconete und Cortadillo, steht in der Tradition des Schelmenromans) La española inglesa (Die englische Spanierin)