Der Sender Freies Berlin (SFB) war ein öffentlich-rechtlicher Rundfunksender. Vom 12. November 1953 (Sendestart: 1. Juni 1954) bis zum 30. April 2003 war er die Landesrundfunkanstalt des Landes Berlin und eine Anstalt des öffentlichen Rechts.

Am 1. Mai 2003 fusionierte der SFB mit dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) zum neuen Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Wie jetzt der RBB, waren auch SFB und ORB Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD).

Geschichte Vorläufer Radio Hamburg/NWDR mini|Gedenktafel am Haus, Heidelberger Platz 3, in Berlin-Wilmersdorf Die britische Besatzungsmacht richtete in West-Berlin zunächst ein Außenstudio ihres deutschsprachigen Einheitssenders, Nordwestdeutscher Rundfunk (bis September 1945 Radio Hamburg), ein. Neben dem hauptsächlich in Hamburg produzierten Programm wurde ein weiteres, für Berlin bestimmtes Regionalprogramm produziert. Das Berliner NWDR-Studio im britischen Sektor wurde am Heidelberger Platz 3 eingerichtet, da das Haus des Rundfunks an der Masurenallee Sitz des sowjetisch gesteuerten Berliner Rundfunks war und das bereits in den 1920er Jahren für Rundfunksendungen genutzte Vox-Haus nach schweren Kriegsschäden nicht benutzt werden konnte.

Im Jahr 1948 wurde der NWDR in deutsche Hände übergeben und eine Anstalt des öffentlichen Rechts für die Bundesländer Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen sowie West-Berlin. Der RIAS, der immer stärkster Rivale des SFB war, blieb dagegen in amerikanischen Händen. Weitere Konkurrenz hatte der Sender mit dem American Forces Network (AFN) bzw. dem Programm AFN Berlin, dem amerikanischen Soldatensender, sowie den Rundfunkprogrammen der DDR, darunter dem Berliner Rundfunk und zumindest in der Anfangszeit auch dem Deutschlandsender.

Ab 1950 strahlte der NWDR neben seinem bisherigen Programm auf UKW zwei weitere regionale Hörfunkprogramme aus, welche nach Trennung der Anstalt in eine Rundfunkanstalt mit Sitz in Hamburg und eine weitere mit Sitz in Köln als NDR 2 bzw. WDR 2 bezeichnet wurden. Im gleichen Jahr war der NWDR Gründungsmitglied der ARD. 1952 war der NWDR maßgeblich für den Wiederbeginn des Fernsehens in Deutschland verantwortlich.

Nach dem Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 und den Vorwürfen gegen den unter US-Hoheit stehenden RIAS, sich zu zurückhaltend verhalten zu haben, wurden im Westteil Berlins die Rufe nach einer eigenen unabhängigen Rundfunkanstalt laut.

Abspaltung vom NWDR, Gründung des SFB mini|Funkhaus Masurenallee 1955: Der Berliner Rundfunk der DDR war noch nicht ausgezogen, der SFB sendete vom Heidelberger Platz.

Bereits am 12. November 1953 trat das Gesetz über die Errichtung einer Rundfunkanstalt Sender Freies Berlin in Kraft, aufgrund dessen zum 1. Juni 1954 für West-Berlin eine eigenständige Rundfunkanstalt gegründet wurde. Damit schied das Land Berlin aus dem Sendegebiet des NWDR aus, und dieser übergab dem neuen Berliner Sender das Rundfunkgebäude am Heidelberger Platz in Berlin-Wilmersdorf. Mit dem Sendestart am 1. Juni 1954 strahlte der SFB zwei Hörfunkprogramme aus, SFB 1 und SFB 2. Die neue Anstalt trat im September 1954 der ARD bei. Im selben Jahr startete in Deutschland das gemeinsame Fernsehprogramm der ARD, zu dem der SFB ab 1958 ein eigenständiges Regionalprogramm für Berlin veranstaltete.

Der Berliner Rundfunk hatte 1952 das neugebaute Funkhaus Nalepastraße im sowjetischen Sektor bezogen, doch erst 1956 räumte die Sowjetarmee das Haus des Rundfunks und der SFB konnte es übernehmen. Das vorherige Gebäude am Heidelberger Platz beherbergt seither den Springer-Verlag.

mini|hochkant|SFB-Fernsehzentrum

Um die Fernsehzuschauer in der DDR, insbesondere die Schichtarbeiter, mit Informationen und Unterhaltung zu versorgen, startete die ARD unter Federführung des Senders Freies Berlin am 4. September 1961 ein Vormittagsprogramm, das über den Sender des SFB sowie über die Sender entlang der Zonengrenze in der Bundesrepublik Deutschland ausgestrahlt wurde.Peter Kröger (verantw.) Mehr als ein halbes Leben – 50 Jahre Sender Freies Berlin. Sender Freies Berlin Abt. Kommunikation 2003 S. 31 Am 3. Januar 1966 schloss sich das ZDF dem Vormittagsprogramm an, wobei die Sendezeit um eine halbe Stunde von 10 bis 13:30 Uhr erweitert wurde.Peter Kröger 2003 S. 35 Ab 2. Januar 1981 wurde das Vormittagsprogramm auch im gesamten Bundesgebiet ausgestrahlt, wobei die Federführung weiterhin beim SFB verblieb.Peter Kröger 2003 S. 55

Am 1. Oktober 1962 startete der SFB zusammen mit dem NDR das zunächst als Drittes Programm bezeichnete Hörfunkprogramm mit anspruchsvollen Musik- und Wortsendungen. Ab dem 1. Juni 1973 strahlte dieses Programm erstmals Gastarbeiterprogramme aus. Ab dem 1. April 1979 war es unter der Bezeichnung SFB 3 – zeitweise auch in Kooperation mit WDR 3 – die Klassik- und Kulturwelle des SFB.

Am 4. Januar 1965 begann das Dritte Fernsehprogramm Norddeutsches Fernsehen, später Nord 3 bzw. N3 des NDR, an dem sich neben dem SFB auch Radio Bremen beteiligte. Das Programm wurde bald zu einem Vollprogramm ausgebaut und ist zwischenzeitlich auch über Satellit in nahezu ganz Europa zu empfangen. Hierzu zählte beispielsweise das bekannte Politmagazin Kontraste, das am 18. Januar 1968 erstmals vom SFB ausgestrahlt wurde und sich bei der Berichterstattung in den ersten Jahren auf die Entwicklung des Ostblocks konzentrierte. 1970 weihte der SFB sein neu errichtetes Fernsehzentrum am Theodor-Heuss-Platz ein.Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf Abgerufen am 3. Juli 2013.

Ab 1977 hatte der SFB für ARD und ZDF die Federführung bei der Entwicklung und Einführung von Videotext/VT (internationale Bezeichnung: Teletext). Bei den Funkausstellungen 1977 und 1979 bildeten ARD und ZDF unter SFB-Leitung gemeinsame Redaktionen für die Ausstrahlung eines Videotext-Angebots. 1980 wurde Videotext als Regeldienst eingeführt. Sitz der ARD/ZDF-Videotext-Zentrale war bis zum Jahr 2000 der SFB. Dann trennten sich ARD und ZDF und senden seither eigene VT-Angebote. Für den SFB war der Videotext im Fernsehen die wichtigste Innovation in seiner Geschichte. Es war das einzige Mal, dass eine gemeinsame Redaktion von ARD und ZDF beim SFB angesiedelt war (von 1980 bis 2000). Die wichtigste Innovation für den Hörfunk war die Einführung der Stereophonie. Hierzu begannen am 18. November 1963 Testsendungen mit Unterhaltungs- und Tanzmusik montags bis freitags von 17 bis 18 Uhr.Peter Kröger 2003 S. 33

Ab 1978 verbreitete der SFB auch von Niedersachsen aus sein Programm und zwar tagsüber auf Mittelwelle 630 kHz vom Sender Dannenberg-Pisselberg aus.

Entwicklung seit 1989 Am 30. April 1990 wurde mit Radio 4U eine eigene Jugendwelle erschaffen.

Zum 1. Januar 1992 wurde der SFB Landesrundfunkanstalt für das gesamte Berlin und aus dem bisherigen Hörfunkprogramm SFB 1 das Programm Stadtradio 88 Acht. Im Oktober desselben Jahres schied der SFB aus dem Dritten Fernsehprogramm Nord 3 (heute: NDR Fernsehen) aus und strahlte von nun an ein eigenständiges Berliner Fernsehprogramm unter dem Namen B1 aus, das später in SFB1 umbenannt wurde.

Am 22. Februar 1993 startete der SFB mit Radio B Zwei ein erstes Hörfunkprogramm in Kooperation mit dem ORB. Das neue Programm war eine Informations- und Servicewelle für Berlin und Brandenburg und richtete sich an 25- bis 50-jährige Hörer. In diesem Programm ging das bisherige Programm SFB 2 auf.

Eine weitere Kooperation zwischen SFB und ORB wurde mit dem Jugendradio Fritz auf den Weg gebracht. Sendestart war der 1. März 1993. Es ersetzte die bisherigen Programme Rockradio B des ORB und Radio 4U vom SFB; letzteres wurde bereits zum Jahreswechsel 1993 eingestellt.

Am 18. September 1994 begann der SFB das Hörfunkprogramm SFB 4 Radio Multikulti, eine internationale Welle für ausländische und deutsche Hörer. Nach kurzem Probebetrieb startete am 28. August 1995 eine weitere Kooperationswelle zwischen SFB und ORB, das Inforadio, ein Nachrichten- und Informationskanal, der rund um die Uhr sendete.

Der weitere Ausbau der Hörfunk-Kooperation zwischen ORB und SFB führte am 26. August 1997 zur Einstellung des 1993 begonnenen Programms Radio B Zwei (ORB/SFB) und des 1992 vom ORB gestarteten Programms Radio Brandenburg. Als Nachfolgesender für beide Programme ging Radio Eins, ein Tagesbegleitprogramm für Hörer ab 25 Jahren, auf Sendung.

Im Kulturbereich ging der SFB neben dem ORB auch eine Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) ein. Vom 3. Oktober 1997 bis 2000 war Radio 3 die gemeinsame Klassik- und Kulturwelle von SFB, ORB und NDR. In Radio 3 ging das bisherige Programm SFB 3 auf. Nach 2000 wurde Radio 3 von NDR und ORB noch bis 31. Dezember 2002 und danach vom ORB alleine weitergeführt.

Gleichzeitig mit Radio 3 startete am 3. Oktober 1997 als weitere Kooperationswelle zwischen ORB und SFB Radio Kultur (anfangs *radio kultur, später RADIOkultur geschrieben) unter der Federführung des SFB, das Programmteile des ehemaligen SFB 3 übernahm. Dieses Programm bot neben einer breiten politischen Berichterstattung Klassische Musik, Neue Musik, Jazz und Weltmusik.

Schon 1995 startete das Info-Radio Berlin-Brandenburg des ORB und des SFB gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin den Internetradio-Streamingdienst Info-Radio on Demand.

Senderfusion zum RBB mini|200px|Letztes Senderlogo von SFB1 Nachdem der Landtag Brandenburg am 9. Oktober 2002 sowie das Abgeordnetenhaus von Berlin am 31. Oktober 2002 dem Rundfunkstaatsvertrag über die Zusammenführung von ORB und SFB zum Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) zugestimmt hatten, trat dieser am 1. Dezember 2002 in Kraft. Der neue Rundfunkrat trat zu seiner konstituierenden Sitzung am 18. Dezember 2002 zusammen.Rundfunkstaatsvertrag verabschiedet. SFB-Information Dezember 2002/Januar 2003/Ausgabe 41. Sender Freies Berlin, Abt. Kommunikation. Berlin 2002 Der gemeinsame Sender nahm am 1. Mai 2003 als Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) mit Doppelsitz in Potsdam-Babelsberg und Berlin-Charlottenburg (heute der 2004 entstandene Ortsteil Westend) seinen Sendebetrieb auf.

Bekannte Hörfunkformate und ihre Sprecher Von der ersten Stunde im Juni 1954 an bis zur letzten Sendeminute des SFB am 30. April 2003 war Alexander Kulpok dabei: anfangs als Schüler im Jugendfunk, ab 1960 als Redakteur und Reporter im Hörfunk, später als Moderator und Leiter der "Berliner Abendschau".

Zu den Markenzeichen des SFB-Hörfunks zählte das flotte und informative Magazin „Rund um die Berolina“, das im Sender SFB 1 alle Wochentage am späten Vormittag über den Äther ging. Dieses beliebte Sende-Format wurde bereits um 1946/47 beim Vorgängersender NWDR-Berlin von Heinz Riek entwickelt.

In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren war die Zeit der „Zielgruppensendungen für Jugendliche“ (so die damalige Diktion). Entsprechend entstand im März 1967 beim Sender Freies Berlin das allabendlich auf SFB 2 ausgestrahlte neue Popmusik-Format „s-f-beat“. Es erlangte eine hohe Beachtung bei jugendlichen Musik-Fans. Die Sendung wurde in den Anfangsjahren von Hans-Rainer Lange („Pfeifen-Lange“), Hans-Dieter Frankenberg und Ulrich Herzog moderiert. Später zählte auch Stefan Waggershausen zu den Moderatoren dieser Sendung – „damals angesagte Musiksendung in Berlin“. Dieses Format lockte viele der damaligen musikalischen Weltstars für Interviews ins SFB-Sendestudio. Zu ihnen zählten Willy deVille, Allan Clarke von den Hollies, Bryan Ferry, Marianne Faithfull, Peter Sarstedt, Leo Kottke etc. Auch Konferenzschaltungen zu anderen westdeutschen Radiosendern wurden getätigt, so zum Bayerischen Rundfunk zu Sendungen mit Thomas Gottschalk und anderen Moderatoren.