__FORCETOC__ mini|Alte Reklametafel und Logo von Kronenbrot vor 1918 mini|links|Emailleschild „Kronenbrotwerke“ im Dorfmuseum Mönchhof (2015) Die Kronenbrotwerke waren eine bedeutende Wiener Brotfabrik, die sich im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten befand.
Geschichte Die Ersten Wiener Kronenbrotwerke wurden im Jahre 1880 von Moritz Hafner gegründet. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Die kleine Schwarz- und Weißbäckerei entwickelte sich rasch zu einer bedeutenden Brotfabrik. Die Waren des Unternehmens waren zu einem günstigen Preis bei den meisten Kaufleuten und Gemischtwarenhändlern sowie in den zehn (Stand: Mai 1906) eigenen Filialen der Kronenbrotwerke zu erwerben. Abgerufen am 21. Dezember 2020. In den Jahren 1905/06 erfolgte ein größerer Zubau. Die Eröffnung weiterer Zu- und Umbauten, die zu einer deutlichen Vergrößerung des Unternehmens führten, erfolgte im Jahr 1908. Abgerufen am 21. Dezember 2020. In den Zeitungen der damaligen Zeit wurde oftmals über die prunkvolle und luxuriöse Ausstattung und Bauweise des Unternehmens, für die mitunter der Architekt Emmerich Richter verantwortlich war, berichtet. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Da es bereits zu dieser Zeit oftmals vorkam, dass Brot als originales „Kronenbrot“ verkauft wurde, obwohl es gar nicht aus den Kronenbrotwerken stammte, verwiesen die Kronenbrotwerke in ihren Ausschreibungen in den österreichischen Medien stets darauf, dass der Kunde kontrollieren müsse, ob an der Unterseite des Brotes das Firmenlogo eingeprägt sei.
Kurz nach der Eröffnung der erweiterten Werke im Jahr 1908 wurde das sogenannte Kronenbrot an sämtliche Ärzte der Stadt Wien versandt, die daraufhin ärztliche Gutachten über das Brot erstellten, die dann in den Tageszeitungen abgedruckt wurden. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Nachdem dies in sämtlichen Zeitungen abgedruckt und auch in den Filialen des Unternehmens ausgehängt worden war, kam es zu einer Klage von 17 der 49 namentlich angeführten Ärzte gegen das Unternehmen. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Die Initiative zu den Attesten war von beiden Ärzten Segel und Donat(h), den Herausgebern der Zeitschrift Medizin für alle gekommen; diese hatten 49 ärztliche Atteste besorgt, für die sie je 45 Kronen erhielten. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Nach einer erfolgreichen öffentlichen Besichtigung der Kronenbrotwerke Anfang März 1911, Abgerufen am 21. Dezember 2020. Abgerufen am 21. Dezember 2020. vermeldete das Unternehmen am 25. März 1911 in sämtlichen österreichischen Zeitungen, dass es ab sofort jeden Dienstag und jeden Donnerstag ab 20 Uhr abends die Fabrik für öffentliche Besichtigungen öffnet. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Die Besichtigungen waren so gut besucht, Abgerufen am 21. Dezember 2020. dass schon bald darauf täglich (außer am Wochenende) öffentliche Besichtigungen stattfanden. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Ebenfalls 1911 setzte das Unternehmen Jeanne d’Arc als Werbeträgerin ein; Abgerufen am 21. Dezember 2020. mit dem Wortlaut „Kronenbrot siegt über alle Brotmarken“. Abgerufen am 21. Dezember 2020.
Für seine Verdienste erhielt der Alleininhaber der Kronenbrotwerke, Moritz Hafner, diverse Auszeichnungen; so wurde ihm unter anderem im Sommer 1911 vom k.k. Obersthofmeisteramt der Titel eines k.u.k. Hoflieferanten verliehen. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Nachdem das Unternehmen lange Zeit gelobt und als Vorzeigeunternehmen präsentiert wurde, wurden ab dem Jahr 1912 vermehrt arbeitsrechtliche Probleme innerhalb der Kronenbrotwerke bekannt. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Während des Ersten Weltkriegs stellten die Kronenbrotwerke vermehrt Frauen als Zustellerinnen und Ausführerinnen ein. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Im Jahr 1917 wurde vielfach von kriminellen Aktivitäten im Umgang mit Kronenbrot berichtet; so wurden Brot von betriebsfremden Personen zu Wucherpreisen in Flüchtlingslagern verkauft. Auch zwei Brotausführer des Unternehmens machten sich strafbar, als sie Brot, für das sie 46 Heller verlangen sollten, zu deutlich überhöhten Preis verkauften.
Nachdem der Verwaltungsrat der Ersten Wiener Walzmühle Vonwiller & Co. AG, an der die Gemeinde Wien zum damaligen Zeitpunkt mit 60 % beteiligt war, bereits im Dezember 1916 einstimmig beschlossen hatte, eine städtische Brotfabrik mit einer Tagesleistung von 200.000 Laiben Brot zu errichten, scheiterte dies in der Folgezeit jedoch am andauernden Ersten Weltkrieg. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Im März 1918 wurde bekannt, dass die Kronenbrotwerke in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden und sich die Ersten Wiener Walzmühle Vonwiller & Co. AG in weiterer Folge an der Mehrheit der Aktien des Unternehmens beteiligen werde. Hafner blieb mit den restlichen Anteilen weiter am Unternehmen beteiligt. Somit konnte das angestrebte Projekt der Gemeinde Wien zumindest teilweise verwirklicht werden. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Am 30. März 1919 starb Hafner, zu diesem Zeitpunkt Verwaltungsrat in dem von ihm gegründeten Unternehmen, im Alter von 59 Jahren. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Im Juni 1924 stellte das Unternehmen ein Gesuch um Baubewilligung eines Werkstättengebäudes in der Siccardsburggasse. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Abgerufen am 21. Dezember 2020.
Nachdem es bereits seit längerer Zeit zu Diskussionen betreffend dem Brotpreis gekommen war, vermeldete die Gemeinde Wien im Jänner 1925 nicht an der Preispolitik beteiligt zu sein, da sie lediglich fünf Prozent an der Ankerbrotfabrik sowie 18 % an der Ersten Wiener Walzmühle Vonwiller & Co. AG halte. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Weiters vermeldete die Gemeinde, in keiner Weise direkt an der Kronenbrotwerken beteiligt zu sein. Der Streit um die Brotpreise ging sogar so weit, dass der Generaldirektor von Ankerbrot, Arthur Fried, aufgrund des Verdachts des Brotwuchers verhaftet wurde. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Fried wurde in weiterer Folge sogar zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.Hans Werner Scheidl: Zeitreise. Ankerbrot: Brot-Monopolisten aus Favoriten. In: Die Presse. 25. November 2011, abgerufen am 21. Dezember 2020. Die Preispolitik machte in im Weiteren auch den Kronenbrotwerken zu schaffen; diese weigerten sich auch die Preise zu senken. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Der Präsident der Kronenbrotwerke und ehemalige Wiener Bürgermeister, Richard Weiskirchner, zog sich im Zuge der Preisdiskussionen aus seinem Amt zurück. Dass die Produktion bei den Kronenbrotwerken zu dieser Zeit bereits stark zurückgegangen war, zeigt eine in den Tageszeitungen veröffentlichte Statistik, laut der der wöchentliche Brotverbrauch in Wien 1 bis 1,1 Millionen Laibe betrage, wovon rund 600.000 von den Ankerbrotwerken, rund 350.000 von den Hammerbrotwerken, rund 50.000 von den Kronenbrotwerken, rund 30.000 von den Austriabrotwerken und etwa 15.000 bis 20.000 Laibe von den Wilhelm-Werken kommen würden. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Aus anderen Berichten aus dieser Zeit ging hervor, dass die Hammerbrotwerke und die Kronenbrotwerke gegen die drohende Monopolherrschaft durch Ankerbrot ankämpfe und dass Kronenbrot in der Woche sogar auf rund 100.000 Laibe Brot kommen würde. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Andere Zahlen gehen davon aus, dass 900.000 Laibe von Ankerbrot, 350.000 von Hammerbrot und 50.000 von Kronenbrot kommen würden. Abgerufen am 21. Dezember 2020.
Betreffend dem Verdacht des Preiswuchers wurden in weiterer Folge gegen sämtliche Wiener Großbäckereien – somit auch gegen die Kronenbrotwerke – behördliche Verfahren eingeleitet. abgerufen am 21. Dezember 2020. Ohne Rücksicht auf die polizeilichen Maßnahmen gab die Direktion der Kronenbrotwerke noch Ende Januar 1925 bekannt, den Preis des Brotes, nach der sprunghaften Teuerung des Mehls, weiter erhöhen zu wollen. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Durch den Druck der Konkurrenz gab das Unternehmen Mitte Februar 1925 bekannt, den Preis für einen Laib Brot von 8700 Kronen auf 7500 Kronen herunterzusetzen. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Kurz nach der Währungsreform 1924/25 investierte das Unternehmen schon wieder in Neubauten und suchte im April 1925 um Baubewilligung für ein Riegelwandgebäude in der Siccardsburggasse an. Abgerufen am 21. Dezember 2020.
Trotz aller Wirren der Nachkriegszeit entwickelte sich das Unternehmen zu einer bedeutenden Brotfabrik und war laut einem Artikel in der Reichspost vom 28. Juni 1925 Mitte der 1920er Jahre eine der größten und bekanntesten Brotfabriksbetriebe in Europa. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Die Kronenbrotwerke AG galt zu dieser Zeit noch immer als maschinell modern eingerichtet. Die gesamte Arbeiterschaft erhielt auf Kosten der Firma die Arbeitskleider beigestellt. Duschbäder und eigene Ess- und Ruheräume, sowie ein eigener Werksarzt standen den Arbeitern zur Verfügung. Darüber hinaus besaß das Unternehmen ein eigenes Laboratorium, in dem die Reinheit und Güte der Produkte überprüft wurde. Zusätzlich besaßen die Kronenbrotwerke auch eine Feigenkaffeefabrik und brachten unter der Marke Sonnen-Feigenkaffee ein dementsprechendes Produkt in den Handel. Ein weiterer Ausbau des Unternehmens war zu diesem Zeitpunkt noch geplant. Die Zustellung erfolgte Mitte der 1920er täglich in ganz Wien und Umgebung durch ein eigenes Auto- und Pferdefuhrwerk. Zu ebendieser Zeit beschäftigten die Werke mehrere hundert Arbeiter und Beamte. Mit Sommer 1925 war in Wien auch wieder eine deutliche Preissenkung (auf 400 Kronen bzw. 80 Groschen) bei Brot bemerkbar. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Im August 1926 zogen sich der einstige Präsident Richard Weiskirchner, der mittlerweile im Verwaltungsrat fungierte, sowie Rudolf Hießmanseder aus dem Verwaltungsrat der Kronenbrotwerke zurück. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Ihnen folgten Viktor Hafner und Arnold Kellner. Im März 1927 erwarb ein Konsortium unter der Führung des Wetzler-Konzerns (ein Wiener Lebensmittelgroßhändler) und der Kronenbrotwerke die gesamten Aktien der Hammerbrotwerke, die sich im Besitz von Siegmund Bosel befunden hatten, von diesem aber bei der Postsparkasse verpfändet worden waren. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Abgerufen am 21. Dezember 2020. Die Hammerbrotwerke wurden in weiterer Folge den Wetzlerschen Lebensmittelbetrieben angegliedert.