Die Bahnstrecke Hagen–Gummersbach-Dieringhausen (auch Volmetalbahn genannt, nach dem Fluss Volme, deren Lauf sie südlich von Hagen bis zum Quellort Meinerzhagen folgt) ist eine größtenteils eingleisige (früher bis Brügge durchgehend und zwischen Gummersbach und Dieringhausen zweigleisige) und nicht elektrifizierte Eisenbahnstrecke von Hagen über Lüdenscheid-Brügge, Meinerzhagen und Gummersbach nach Gummersbach-Dieringhausen. Dort schließt sich die Aggertalbahn in Richtung Köln an.
Auf dem nördlichen Abschnitt fährt die Regionalbahnlinie Volmetal-Bahn (RB 52), welche genau genommen über vier verschiedene Eisenbahnstrecken führt, von Lüdenscheid über Hagen Hauptbahnhof nach Dortmund Hauptbahnhof.
Im südwestlichen Abschnitt fährt die Oberbergische Bahn (RB 25) von Lüdenscheid über Lüdenscheid-Brügge, Meinerzhagen und Gummersbach-Dieringhausen nach Köln Hansaring.Anschluss ins Ruhrgebiet: Ab Dezember fährt die RB 25 bis Lüdenscheid, Bergische Landzeitung vom 16. Oktober 2017
Im Bahnhof Lüdenscheid-Brügge besteht eine Umsteigeverbindung zwischen RB 25 und RB 52 am selben Bahnsteig in nur 3 Minuten für eine Weiterfahrt im Volmetal.
Geschichte mini|Historisches Stellwerk Brügge mini|Stillgelegter Bahnhof Oberbrügge, jetzt wieder Haltepunkt
Die Strecke wurde schon in den 1840er Jahren als Alternativtrasse zur Ruhr-Sieg-Bahn untersucht.Martin Vormberg: Die Ruhr-Sieg-Eisenbahn. In: Alfred Bruns (Red.): Die Eisenbahn im Sauerland. Schmallenberg 1989, ISBN 3-922659-63-2, S. 41 ff. Am 26. Juni 1869 wurde das Unternehmen der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft durch einen Nachtrag zum Statut erweitert. Der Gesellschaft wurde die landesherrliche Genehmigung (Konzession) für den „Bau und Betrieb einer Eisenbahn von Hagen nach Brügge bei Lüdenscheid“ erteilt. Link zum Digitalisat der BSB Im Mai 1870 wurde von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft mit dem Bau der Volmetalbahn begonnen. Am 16. Oktober 1871 wurde der Abschnitt von Hagen nach Oberhagen und am 15. März 1874 die weitere Strecke bis Dahl für den Güterverkehr eröffnet. Am 6. September 1874 wurde dieser auch für den Personenverkehr freigegeben. Nach der Verstaatlichung wurde die Volmetalbahn in den Jahren 1891/1892 von Brügge über Meinerzhagen nach Marienheide und Gummersbach verlängert. 1893 war die gesamte Strecke bis Dieringhausen fertig gestellt. Die Weiterführung von Krummenerl zum Anschluss an die Biggetalbahn und weiter nach Kreuztal wurde mehrfach in Angriff genommen, allerdings nicht vollendet. Der Weiterbau endete 1927 in Krummenerl.Albert K. Hömberg: Heimatchronik des Kreises Olpe. 2. Auflage, Köln 1967, S. 301f.
In Hagen war anfangs eine Trassierung mitten durch die Stadt (entlang der heutigen Bergstraße) gewählt worden. Aufgrund erheblicher Behinderung für den Straßenverkehr wurde im November 1906 mit dem Bau einer Alternative durch den Goldbergtunnel begonnen, die am 1. Juli 1910 in Betrieb genommen wurde. Beim Ausbau der Strecke um 1906 zur zweigleisigen Hauptbahn wurden im weiteren Verlauf der Kotthausener Tunnel und der Hammerhausener Tunnel abgetragen.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts bestanden Planungen, die Volmetalbahn mit der Bahnstrecke Plettenberg–Herscheid zu verbinden und so eine Verknüpfung zwischen Volme- und Lennetal zu schaffen. Dies scheiterte jedoch an den hohen Baukosten. Im Mintenbecker Tal bei Oberbrügge befindet sich in diesem Zusammenhang ein angearbeiteter Bahndamm, der als Investitionsruine nie von einem Zug genutzt wurde.
Bis in die 1950er Jahre gab es in Marienheide eine Übergabe zur schmalspurigen Leppetalbahn.
Auf der Strecke zwischen Hagen und Brügge befinden sich drei aufgelassene Bahnhöfe beziehungsweise Haltepunkte. Zwischen Oberhagen und Dahl gab es noch Stationen in Hagen-Delstern und -Ambrock, zwischen Dahl und Rummenohl war früher ein Haltepunkt in Priorei. Alle diese wurden am 27. Mai 1979 geschlossen.
Im Mai 1986 wurde der Personenverkehr zwischen Brügge und Marienheide eingestellt, ein Jahr später auch zwischen Marienheide und Gummersbach.
mini|212 312-3 mit N 6367 am 23. Mai 1986 bei der Ausfahrt aus Marienheide in Richtung Meinerzhagen mini|Bahnhof Marienheide 1986 mit City-Bahn-Zug in Pop-Lackierung
Von 1965 bis zum September 1994 fuhren auf der Volmetalbahn Wendezüge, bestehend aus Hagener Diesellokomotiven der Baureihe 212 mit zwei bis drei Wagen. Zumeist handelte es sich dabei um n-Wagen. Bis 1979 gab es außerdem einen Schienenbus-Pendelverkehr zwischen Lüdenscheid und Brügge, der den Anschluss an die Eilzüge zwischen Köln und Hagen herstellte. Vergleichsweise kurz währte die Zeit der Dieseltriebwagen der Baureihe 628.4, die von September 1994 bis zum 30. Mai 1999 verkehrten. Auf dem Abschnitt (Köln–)Dieringhausen–Meinerzhagen (1986 verkürzt bis Marienheide, ab 1987 nur noch bis Gummersbach) kam von 1984 bis 1995 die City-Bahn zum Einsatz.
1996 wurde der Betrieb des Nahverkehrs auf der Volmetalbahn in einer europaweiten Ausschreibung an die Dortmund-Märkische Eisenbahn (DME) vergeben. Sie übernahm am 30. Mai 1999 den Betrieb auf der Verbindung Hagen–Brügge–Lüdenscheid und setzte Dieseltriebwagen vom Typ Bombardier Talent ein. Im Jahr 2004 gewann die Deutsche Bahn die erneute Ausschreibung und setzte Triebwagen vom Typ Alstom Coradia LINT (Baureihe 648) ein. Nach der Erprobung der Triebwagen Pesa Link auf der Strecke seit dem 5. August 2018 werden diese fast ausschließlich in der Baureihe 632 (teilweise auch 633) dort eingesetzt.
mini|Triebwagen der Dortmund-Märkischen Eisenbahn am Haltepunkt Dortmund Westfalenhalle, 2004
Noch während der ersten Ausschreibung wurde die Strecke zwischen Brügge und Hagen-Delstern eingleisig zurückgebaut, um sie zu beschleunigen. Diese Beschleunigung ist jedoch im Betrieb nur minimal, dafür wurden diverse Nebengleise abgebaut und der Fahrplankorridor sehr verengt. Die heute noch regelmäßig von Meinerzhagen Richtung Hagen verkehrenden Schotter-Ganzzüge und die Leerzüge in Gegenrichtung müssen regelmäßig in Brügge oder Delstern warten. Auch bei Verspätungen der Personenzüge ist die planmäßige Begegnung in Rummenohl nicht immer möglich und erzeugt weitere Verspätungen, die die angestrebte Beschleunigung wieder aufheben. Durch den Rückbau des zweiten Gleises wurden die ehemaligen Mittelbahnsteige in Dahl, Dahlerbrück und Schalksmühle zu Außenbahnsteigen.
Eine 1997 vorgestellte Planung zur Regionalstadtbahn Hagen, die Volmetalbahn von Dortmund über Hagen nach Lüdenscheid als Stadtbahn direkt vom Dortmunder Stadtzentrum über das Hagener Stadtzentrum bis in die Innenstadt von Lüdenscheid zu betreiben, wurde trotz des verkehrlichen Nutzens aus Kostengründen abgelehnt.
Unwetter 2021 Der Abschnitt von Hagen nach Brügge wurde durch das Hochwasser im Juli 2021 schwer beschädigt. Güter- und Personenverkehr wurden auf dem gesamten Streckenabschnitt eingestellt. Seit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2021 wird der Abschnitt Hagen – Rummenohl wieder von der RB 52 bedient. Da zwei schwere Böschungsrutschungen den Bahndamm im Abschnitt Rummenohl–Brügge auf mehreren hundert Metern unterspült und dabei große Teile des Gleisunterbaus weggespült haben, wurde im August 2022 mit dem Bau von zwei Stützwänden begonnen. Beim Bau der größeren dieser beiden Wände sorgten starke Regenfälle im September 2022 für massive Probleme mit aufsteigendem Grund- und seitlich drückendem Hang-Stauwasser, was den vorbereitenden Bau eines Spundwandkastens erforderlich machte, um die Baugrube für die Betonarbeiten an der Stützmauer trockenlegen zu können. Daraus ergaben sich neue Umweltverträglichkeitsprüfungen für das betroffene Volme-Ufer sowie die Notwendigkeit zusätzlicher Ausschreibungen für die Bauleistungen im schwierigen Gelände des Volme-Flussbetts, die nur von spezialisierten Tiefbaufirmen erbracht werden können. Im April 2024 konnte der Abschnitt von Rummennohl bis Lüdenscheid wieder mit Zügen der Linie RB 52 befahren werden.flut-aufbau.deutschebahn.com
Bei der im Westkopf des Bahnhofs Brügge befindlichen Volmebrücke wurde der Mittelpfeiler beschädigt. Um die Brücke hochwasserresilient zu machen, geschieht ihr Neubau nun ohne Mittelpfeiler, was allerdings aufwendigere Gründungen der Widerlager erfordert. Daneben erhöhte die auf der Brücke verbaute Weiche die Komplexität von Planung und Bauausführung.
Aufgrund dieser Schwierigkeiten konnte der geplante Termin für die Wiederinbetriebnahme des Streckenabschnitts im Dezember 2022 nicht gehalten werden. Bis Juni 2025 fand weiterhin zwischen Lüdenscheid-Brügge und Meinerzhagen Busverkehr statt. Am 1. Juli 2025 wurde die Strecke zwischen Marienheide und Lüdenscheid wieder freigegeben.
mini|212 312-3 im Bahnhof Marienheide, 1986 mini|Im Januar 2012 abgerissenes Empfangsgebäude in Gummersbach
Bauwerke mini|Rangierlokomotive 294 151-6 vor einem Güterzug aus Richtung Hagen im Bahnhof Brügge (Westfalen) mini|Die Volmetalbahn verlässt den Goldbergtunnel in Richtung Hagen.
An der Volmetalbahn existiert mit dem 2200 Meter langen Goldbergtunnel in Hagen ein bedeutendes Eisenbahnbauwerk, der bis in die 1970er Jahre der längste Eisenbahntunnel in Nordrhein-Westfalen war. Der Hengstenberger Tunnel bei Dahl besteht aus zwei 232 m langen Röhren. Gleiches gilt für Twieströmer- (152 m) und Winkhauser Tunnel (227 m).
Ein weiteres markantes Bauwerk ist das Stellwerk im Bahnhof Brügge.
Eines der beiden Stellwerke am Gummersbacher Bahnhof dient seit 2006 der örtlichen Sparkasse als Schulungszentrum. Die meisten anderen Stellwerke sind dagegen heute abgerissen oder stehen leer.
Betrieb Die Volmetalbahn wird im Personennahverkehr von den Regionalbahnlinien RB 25 (Köln Hansaring – Lüdenscheid) und RB 52 (Dortmund Hbf – Lüdenscheid) befahren.
Auf der unteren Volmetalbahn (Hagen nach Brügge) verkehrt täglich im Stundentakt (mit Taktlücken am Sonntagmorgen) die Regionalbahnlinie Volmetal-Bahn (RB 52). Sie beginnt in Dortmund Hauptbahnhof und führt über Hagen Hauptbahnhof und den Bahnhof Brügge (Westf) (mit Fahrtrichtungswechsel) zum Bahnhof Lüdenscheid. Die Zugkreuzung findet kurz vor der halben Stunde in Rummenohl statt.
Seit dem 12. Dezember 2004 wird der Schienenpersonennahverkehr auf der unteren Volmetalbahn von der DB Regio NRW betrieben, für die Volmetal-Bahn werden seit August 2018 Dieseltriebzüge der Baureihe 632 des polnischen Herstellers Pesa für Geschwindigkeiten bis 140 km/h einsetzt, wobei die Volmetalbahn maximal 90 km/h zulässt.
Auf der oberen Volmetalbahn (Dieringhausen nach Brügge) verkehrt die Regionalbahnlinie 25 „Oberbergische Bahn“ mit Dieseltriebzügen der Baureihe 620 (teilweise in Doppeltraktion), die in Dieringhausen von der Aggertalbahn aus Köln auf die Volmetalbahn durchgebunden werden. Im Stundentakt verkehrt ein Zug zwischen Köln und Lüdenscheid. Das Fahrplanangebot wird in den Hauptverkehrszeiten zu einem halbstündlichen Rhythmus zwischen Köln und Gummersbach verdichtet. Aufgrund der fehlenden Ausweiche zwischen Meinerzhagen und Brügge verkehrte die Regionalbahn zunächst (2017–2019) nur alle zwei Stunden zwischen Köln und Lüdenscheid. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 wurde der Bahnhof Kierspe wiederhergestellt und damit der Stundentakt zwischen Köln und Lüdenscheid ermöglicht. Als Eisenbahnverkehrsunternehmen fungiert DB Regio NRW unter dem Markennamen „VAREO“ (Voreifel, Ahrtal, Rhein, Eifel, Oberbergisches Land/obere Volme).
Seit 2003 verkehrten die Züge wieder bis Marienheide, am 27. Februar 2014 wurde die Strecke bis nach Meinerzhagen reaktiviert,eisenbahn-magazin 12/2013, S. 26 am 10. Dezember 2017 bis Brügge.
Lückenschluss mit der Aggertalbahn und Ausbauten
Ehemalige Planung mini|hochkant|Die Citybahn fuhr in den 1980er Jahren von Köln nach Meinerzhagen (hier in Marienheide, links die bereits damals stillgelegte Wippertalbahn nach Remscheid-Lennep).
Es gab zahlreiche Bestrebungen, den Personenverkehr auf dem eingestellten Abschnitt wieder aufzunehmen. Durch den geplanten Lückenschluss sollte eine Verbindung aus vier Teilen entstehen: