Wiehl ist eine Stadt im Oberbergischen Kreis im Regierungsbezirk Köln in Nordrhein-Westfalen (Deutschland).

Geografie Ortslage mini|300px|Karte mit wichtigen Ortsteilen Wiehl liegt in Luftlinie etwa 41 km östlich von Köln. An die Stadt grenzen die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn von Norden beginnend) Gummersbach, Reichshof, Nümbrecht, Much, und Engelskirchen. Zwischen der Autobahn A4 und Wiehl liegt das mit etwa 81 ha größte Gewerbegebiet Wiehls: Wiehl-Bomig. Der gleichnamige Fluss Wiehl fließt in Ost-West-Richtung durch die Stadt.

Stadtgliederung mini|300px|Wiehl mit Ortschaften

A Alferzhagen – Alpe – Alperbrück – AngfurtenB Bieberstein – Bielstein – Börnhausen – Bomig – Brächen – Breidenbruch – Büddelhagen – BüttinghausenD Dahl – Drabenderhöhe – Dreisbach – DrosselhardtF Fahlenbruch – Faulmert – ForstG Gassenhagen – GroßfischbachH Hahn – Hau – Hengstenberg – Hillerscheid – Hübender – HückhausenI ImmenJ JenneckenK Kleinfischbach – KurtensiefenL LindenM Marienhagen – Merkausen – Monsau – Morkepütz – Mühlen an der Bech – MühlhausenN Neuklef – Niederbellinghausen – NiederhofO Oberbantenberg – Oberholzen – OberwiehlP Pergenroth – PfaffenbergR RempergS SteinackerV VerrW Wald – Weiershagen – Wiehlsiefen

Daneben existierten über 30 alte Ortsbezeichnungen, die zu verschiedenen Zeiten und aus unterschiedlichen Anlässen aufgegeben wurden und heute in Straßennamen erhalten und wiederzuerkennen sind:

Alpermühle, Koppelweide, Pergenroth, Seifen (gehören heute zu Marienhagen) Breidenbruch (zu Bomig) Altklef, Bruch, Dahl, Dörnen, Nürsche, Ohl, Puhl, Zaun, Zirre, Wülfringhausen (zu Wiehl) Atzenhagen (zu Hübender) Heckelsiefen, Mühlenau, Perke, Scheidt, Siefen, Soelsiefen (zu Oberwiehl) Neuenhaus (zu Alpe) Damte, Dreibholz, Helmerhausen, Kehlinghausen, Mühle, Repschenroth, Unterbantenberg (zu Bielstein) Hähnermühle (zu Hahn) Reuschenbach, Kleebornen, Steeg, Hütte, Weiden (zu Weiershagen) Scheidt (zu Drabenderhöhe).

Die Preisgabe historischer, zumeist in der Mercator-Karte von 1575 verzeichneter Siedlungsnamen begann schon 1901/02 mit der Umbenennung der früheren Gemeinde Drabenderhöhe in Bielstein (Rheinl.), das zuvor im Kern Repschenroth hieß. 1912 folgte Weiershagen als Sammelname für etliche Streusiedlungen. Durch rege Bautätigkeit und raschen Bevölkerungszuwachs nahmen in der Entwicklungsphase nach dem Zweiten Weltkrieg weitere siedlungsstrukturelle Verschmelzungen Gestalt an, vor allem um den Hauptort Wiehl. Der Wegfall vieler Ortsnamen verbunden mit der flächendeckenden Einführung von Straßenbezeichnungen ging einher mit der kommunalen Gebietsreform 1969 (Vereinigung der Gemeinden Wiehl und Bielstein) sowie der für die Stadtwerdung (1971) dokumentierten Urbanisierung. Anlass waren nicht zuletzt aber auch postalische Bedürfnisse im Gefolge der Einführung von Postleitzahlen.

Geschichte

mini|Ehemalige Fabriken und heutiges Gewerbegebiet am Hans-Teich in Oberwiehl, 2004 1131 wurde Wiehl unter dem Namen Wila erstmals urkundlich erwähnt. Auf der Mercator-Karte von 1575 ist es als Wiell verzeichnet. Durch den Siegburger Vergleich von 1604 wurde Wiehl endgültig der Reichsherrschaft Homburg zugeschlagen und damit dem Haus Sayn-Wittgenstein unterstellt. 1815 ordnete der Wiener Kongress das Homburger Ländchen, das praktisch nur aus den Gemeinden Wiehl und Nümbrecht bestand, Preußen zu. Wiehl war um diese Zeit noch ein landwirtschaftlich geprägter Ort dörflichen Charakters, dessen Bevölkerungsüberschuss sich durch Wanderarbeit ernähren musste.

Erst die Nutzung der Wasserkraft der Wiehl durch den Ohler Hammer seit 1860 sowie Stromerzeugung seit 1895, der Anschluss ans Eisenbahnnetz 1897 und die Gründung der Bergischen Patentachsenfabrik Wiehl (BPW) im Jahr 1898 schufen die Voraussetzung für verstärktes Bevölkerungswachstum. Der Nationalsozialismus hinterließ Wiehl ein neues Rathaus (heute das alte). Nach dem Zweiten Weltkrieg integrierte Wiehl den Zustrom von Ausgebombten und von Vertriebenen.

Durch die Gebietsreform wurde die Gemeinde am 1. Juli 1969 mit Bielstein (einschließlich Drabenderhöhe) und Gebietsteilen von Denklingen (Reichshof) vereinigt. Bielstein und Wiehl verloren jedoch auch Gebiete vor allem mit einwohnerstarken Orten im Aggertal an Gummersbach. Ründeroth wurde um Gebietsteile Bielsteins, Reichshof um Gebiete der Altgemeinde Wiehl vergrößert. Die neue Gemeinde erhielt im Jahr 1971 das Stadtrecht, also 840 Jahre nach seiner Erstnennung. Seither erfreut es sich, auch dank des Zuzugs von Aussiedlern und einer geschickten Industriepolitik, soliden und stetigen Wachstums.

Einwohnerentwicklung Vor der Gebietsreform am 1. Juli 1969

Im Ersten Weltkrieg 1914–1918 fielen 157 Wiehler und 169 Bielsteiner Bürger. Wiehl (alt) Bielstein (alt)Jahr Einwohner Einwohner Summe1830 2.325 2.324 4.6491860 2.833 2.671 5.5041871 2.548 1890 2.985 3.407 6.3921900 4.278 1910 4.879 5.012 9.891Wiehl (alt) Bielstein (alt)Jahr Einwohner Einwohner Summe1920 5.249 5.148 10.3971925 5.520 5.254 10.7741937 6.206 1939 6.618 1946 8.871 1950 9.562 8.794 18.356Wiehl (alt) Bielstein (alt)Jahr Einwohner Einwohner Summe1955 9.762 8.692 18.4541960 10.107 9.099 19.2061965 11.389 9.998 21.3871967 11.212 10.560 21.7721969 11.618 10.905 22.523 mini|400px|Einwohnerentwicklung von Wiehl von 1830 bis 2017 nach nebenstehenden Tabellen. Zu dem starken Abfall der Einwohnerzahlen nach der Gebietsreform 1969 siehe Text

Nach der Gebietsreform am 1. Juli 1969 Mit der am 1. Juli 1969 in Kraft getretenen kommunalen Gebietsreform endete der Gebietsstand der selbständigen Gemeinden Wiehl und Bielstein. Für die neue Gemeinde Wiehl erklärt sich rein rechnerisch ein beträchtlicher Rückgang gegenüber den vorher zusammengezählten Gemeindebewohnern der Altgemeinden Bielstein und Wiehl. Vereinzelt auffällige Rückgänge beruhen auch auf statistischen Bereinigungen der Einwohner-Meldekarteien (Löschung von Zweitwohnsitzen usw.). Jahr Einwohner1969 16.8591970 17.5561971 17.9011972 18.2901973 18.9221974 19.5201975 19.9371976 20.1681977 20.6701978 21.027 Jahr Einwohner1979 21.7171980 22.2601981 22.5221982 22.5191983 22.6761984 22.8121985 22.7951986 22.8961987 22.7721988 22.985 Jahr Einwohner1989 23.4171990 23.1231991 23.6711992 24.0421993 24.3231994 24.6211995 25.3671996 25.5771997 25.8621998 26.029 Jahr Einwohner1999 26.3652000 26.4482001 26.4552002 26.5512003 26.5862004 26.6042005 27.3472006 27.2952007 26.9472008 26.806Jahr Einwohner2009 26.5362010 26.4792011 26.4912012 26.4442013 26.2512016 25.1772017 25.1522020 26.290Stadt Wiehl - Zahlen und Fakten2022 25.314

Politik

mini|Das Rathaus Wiehl von 1939 Stadtrat Der Stadtrat der Stadt Wiehl umfasst 44 Sitze. Die letzte Kommunalwahl fand am 14. September 2025 statt, seitdem verteilen sich die Sitze im Stadtrat wie folgt: Partei CDU SPD AfD GRÜNE LINKE FDP UWG Sitze 15 11 8 4 2 2 2 G / V * ±0 +1 +5 −4 −1 ±0 −1 * Gewinne oder Verluste im Vergleich zur vergangenen Wahl 2020

Bürgermeister 1983–1997: Wilfried Bergerhoff (SPD) 1997–2015: Werner Becker-Bloningen (FDP) seit 2015: Ulrich Stücker (parteilos)

Stücker wurde 2015 mit 86,9 % der Stimmen zum Bürgermeister gewählt und 2020 mit 81,2 % im Amt bestätigt. 2025 wurde er mit 72,0 % erneut bestätigt, sein Gegenkandidat Joel Chamorro (PdF) erhielt 28,0 % der Stimmen.

Wappen Als Grundlage des heutigen Wiehler Wappens diente das Wappen der Herrschaft Homburg der Fürsten von Sayn-Wittgenstein. Die offizielle Beschreibung lautet: „In Rot eine silberne (weiße) Torburg mit einem hohen dreifenstrigen Zinnenturm auf der rechten und einem niedrigen zweifenstrigen Zinnenturm mit blauer Kuppel auf der linken Seite.“ Das spitzgieblige Torhaus trägt ein Fenster über roter, mit goldenem (gelbem) Fallgitter ausgefüllter Türöffnung. Es besteht aus einer zweitürmigen Burg mit offenem Tor und Fallgitter. Über dem niedrigen Turm schwebt ein silbernes (weißes) Johanniterkreuz. Dieses Kreuz soll daran erinnern, dass die in Marienhagen (Wiehl) bestehende Johanniterkommende das Patronat über die damals noch nicht selbständige Kapelle in Drabenderhöhe und die dazugehörigen Gebäude besaß. Die Wappenanordnung wurde am 1. Juli 1969 beim Zusammenschluss der Gemeinden Wiehl und Bielstein aus dem Bielsteiner Wappen übernommen, durch das Kreuz ergänzt und am 17. April 1972 genehmigt.

Städtepartnerschaften Jokne’am, Israel (Partnerschaftsvertrag 1991) Im Jahr 1972 entsteht aus ersten Kontakten zwischen dem Jokne’amer Gewerkschafter Moshe Amos und dem damaligen Stadtdirektor Dr. Dieter Fuchs schnell eine lockere Freundschaft. Der Besuch einer Reisegruppe aus Wiehl im Oktober 1973 musste wegen der Wirren und Gefahren des plötzlich ausgebrochenen Jom-Kippur-Kriegs vorzeitig beendet werden. 1974 erfolgte der Gegenbesuch einer Fußballmannschaft aus Yokneam in Wiehl. Weitere Besuche auf privater Ebene sowie offizieller Reisegruppen folgten. 1980 wurde der Freundeskreis Wiehl-Yokneam unter dem Vorsitzenden G. Hermann gegründet, im Jahr 1981 erfolgte der Abschluss einer Freundschaftsvereinbarung und im Jahr 1991 des Partnerschaftsvertrages.

Hem, Frankreich (Partnerschaftsvertrag 1993) Erste Besuchskontakte zwischen offiziellen Vertretern aus Wiehl und der Stadt Hem im französischen Teil Flanderns, unweit Lille/Roubaix erfolgten im Jahr 1991. Ein Jahr später besuchte eine Abordnung Wiehler Schulen und Vereine Hem. 1992 wurde ein gemeinsames Partnerschaftskomitee mit der Aufgabe gegründet, Begegnungen zwischen Jung und Alt aller Bevölkerungsgruppen zu fördern. Vor allem wurden Austauschmaßnahmen zwischen den Schulen und Berufspraktikanten unterstützt. Gegenseitige Besuche von Jugendgruppen, Vereinen, Einzelpersonen und Familien festigten die Kontakte. In den Jahren 1993 und 1994 fanden in Wiehl und Hem offizielle Feiern zur Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde statt. In Wiehl gründete sich 1995 der „Deutsch-Französische Partnerschaftsverein Wiehl/Hem“, der gemeinsam mit dem „Comitė de Jumelage“ Hem Ville d’Europe die partnerschaftlichen Aktivitäten mit dem Ziel der Völkerverständigung koordiniert und fördert.

Crimmitschau, Sachsen Schon bald nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und der Öffnung der innerdeutschen Grenze empfing Wiehl in den ersten Februartagen des Jahres 1990 den Besuch einer dreiköpfigen Delegation aus der sächsischen 24.000-Einwohner-Stadt Crimmitschau an der Pleiße. „Wir wollen Wegbereiter sein und eine Brücke schlagen“ – darin waren sich die Gesprächspartner im Wiehler Rathaus einig. Erste Kontakte hatte der damalige Stadtverordnete Reinhold Ley nach verwandtschaftlichen Besuchen angebahnt. Schon wenige Tage später brach eine Wiehler Delegation mit Spitzenvertretern aus Rat und Verwaltung zum Gegenbesuch in die DDR auf, um dort den Boden für die angestrebte Städtepartnerschaft vorzubereiten. Arbeitsgruppen zu den Themen „Industrie und Handwerk“ sowie „kommunale Selbstverwaltung“ wurden eingerichtet. Reger Gedanken- und Erfahrungsaustausch bei zahlreichen menschlichen Begegnungen schlossen sich an, dauerhafte Freundschaften wurden geschlossen. Die sächsische Kleinstadt erlebte einen regelrechten Besucherandrang aus dem Homburger Land. Rund 250 Wiehler wollten dabei sein, als am 24. März 1990 die Partnerschaftsvereinbarung in Crimmitschau feierlich unterzeichnet wurde. Die Grundlage für eine fruchtbare Zusammenarbeit war gelegt, nicht nur auf kommunaler Ebene, sondern auch für Handel, Handwerk, Industrie, Gastronomie und nicht zuletzt für Kontakte der Vereine in den Bereichen Sport und Kultur.

Bistritz (Bistrița), Rumänien