mini|Entwicklung der Geldbasis in der Eurozone von 1999 bis 2014 in Milliarden Euro. Weiterhin ist die konjunktur- und preisniveaurelevante Geldmenge M3 dargestellt, die u. a. durch das Volumen der Geldbasis beeinflusst wird. mini|Entwicklung der Geldbasis in den USA von 1970 bis 2012. Im Zuge der Finanzkrise ab 2007 erhöhte die Zentralbank die Geldbasis, um den Banken Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Erhöhung der Geldbasis führte bislang nicht zu einer Erhöhung der Geldmenge. Dies wird als Indiz dafür gesehen, dass die Liquiditätsversorgung notwendig war, um einen größeren Bankenzusammenbruch zu verhindern. Wenn sich die Situation wieder entspannt und die Banken wieder verstärkt Kredite vergeben, könnte eine Reduzierung der Geldbasis nötig werden.Makram El-Shagi: Geldschöpfung in der Krise. Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, doi:10.1007/s10273-012-1421-0
Der Begriff monetäre Basis (auch: Geldbasis, Zentralbankgeldmenge, Basisgeld oder Geldmengenkonzept M0) bezeichnet das sogenannte Zentralbankgeld, welches nur von der Zentralbank geschaffen werden kann.
Die Geldbasis stellt Verbindlichkeiten der Zentralbank gegenüber Geschäftsbanken und Nichtbanken dar. Sie setzt sich zusammen aus dem Bargeld sowie digitalem Zentralbankgeld und den Einlagen (Mindestreserven plus Überschussreserven) der Geschäftsbanken bei der Zentralbank. Für digitales Zentralbankgeld werden in mehreren Staaten Pilotversuche durchgeführt. In einigen Entwicklungsländern ist es bereits gesetzliches, buchmässiges Zahlungsmittel gleichrangig dem Bargeld.CBDC Tracker. Atlantic Council. Abgerufen am 21. Oktober 2023.Deutsche Bundesbank: Digitaler Euro: Eurosystem startet die nächste Phase. 19. Oktober 2023. Abgerufen am 21. Oktober 2023.
Die gesamte in einer Volkswirtschaft umlaufende Geldmenge ist nur indirekt von der Geldbasis abhängig, da die Schöpfung von Giralgeld durch das Gewähren von Krediten durch Geschäftsbanken kein Zentralbankgeld im Voraus erfordert. Das zur Erfüllung der Mindestreserve erforderliche Zentralbankgeld können solvente Geschäftsbanken stets im Nachhinein durch das Hinterlegen von den bei der Kreditvergabe erhaltenen entsprechenden Sicherheiten gegen gewisse Abschläge und zum jeweils gültigen Leitzins entweder über die Hauptrefinanzierungsgeschäfte oder die Spitzenrefinanzierungsfazilität der Zentralbank erhalten. Dabei ist zu beachten, dass eine Geschäftsbank die Mindestreserve über den Durchschnitt einer Mindestreserveperiode, aber nicht am Ende eines bestimmten Tages innerhalb dieser Periode aufweisen muss. Eine Beschränkung der Kreditvergabe durch die Mindestreserve würde daher erst bei sehr hohen Mindestreservesätzen bindend wirken, wie es etwa in manchen Schwellen- und Entwicklungsländern oder im Rahmen von bestimmten Kapitalverkehrskontrollen der Fall ist. Die Mindestreservesätze von Zentralbanken in entwickelten Volkswirtschaften liegen jedoch typischerweise so niedrig (in der Eurozone derzeit bei 1 %), dass sie keine begrenzende Wirkung auf die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken haben.
Die falsche, aber weit verbreitete Vorstellung eines Geldschöpfungsmultiplikators, der besagt, dass aus Zentralbankgeld ein Vielfaches an Giralgeld geschöpft werden könne, wurde zwar von Zentralbanken in verschiedenen Publikationen hinreichend widerlegt, findet sich aber trotzdem nach wie vor in manchen Lehrbüchern.Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. 5. Auflage. Pearson Deutschland, 2010, ISBN 978-3-8273-7363-2, S. 130.
Da Zentralbankgeld (bis auf Bargeld) darüber hinaus nicht in den Geldkreislauf der Realwirtschaft gelangen kann, weil Unternehmen und Privathaushalte keinen Zugang zu Konten bei der Zentralbank und damit Zugriff auf Zentralbankgeld haben, kann dementsprechend bei einer Ausweitung von Zentralbankgeld, z. B. im Rahmen von quantitativer Lockerung (QE), auch schwerlich von einer direkt inflationär wirkenden „Geldschwemme“ gesprochen werden. Eine solche Formulierung, wie sie häufiger in den Medien gefunden wird,Patrick Bernau: Euro-Tsunami: Die große Geldschwemme. In: FAZ.NET. 22. April 2012. (faz.net) ignoriert die fundamentalen Unterschiede zwischen Zentralbankgeld und Giralgeld bzw. unterstellt einen – in der Realität nicht vorhandenen – stabilen kausalen Zusammenhang zwischen beiden Größen auf Basis des Geldschöpfungsmultiplikator-Modells.
Definition Die Geldbasis setzt sich aus folgenden Geldmengenbestandteilen zusammen: aus den Mindestreserven, das heißt dem Volumen der vorgeschriebenen Pflichteinlagen der Banken bei der Zentralbank aus den Überschussreserven, das heißt den über das Mindestreserve-Soll hinausgehenden freiwilligen Einlagen inkl. Bargeldbestand der Geschäftsbanken aus dem Bargeldbestand der Geschäftsbanken und Nichtbanken (Unternehmen, private Haushalte und Öffentliche Hand).Peter Schaal: Geldtheorie und Geldpolitik. 3. Auflage. Oldenbourg Verlag, München 1992, S. 24.
mini|hochkant=2|links|Vereinfachte Zentralbankbilanz
Soweit die Geschäftsbanken für ihre Giralgeldschöpfung auf Mindestreserven angewiesen sind, kann die Zentralbank über die Geldbasis die gesamte Geldmenge M3 steuern. Laut Quantitätstheorie des Geldes beeinflusse M3 wiederum das allgemeine Preisniveau. Halten die Banken jedoch hohe Überschussreserven, wird diese (expansive) Steuerungsmöglichkeit eingeschränkt.
Korrigierte Geldbasis Die Geldbasis im weitesten Sinne umfasst alle Positionen, die der Passivseite (auch Verwendungsseite) der Zentralbankbilanz entsprechen. Also alle die Positionen, deren Höhe die Zentralbank durch Ausgabe von Bargeld und Festlegung der Mindestreserve beeinflussen kann. Jedoch zählen nach herrschender Meinung Einlagen der Öffentlichen Hand, der Ausländer und inländischen Nichtbanken nicht zu diesen bestimmbaren Positionen. Um die geldpolitischen Vorgänge der Zentralbank einfacher nachvollziehen zu können, wird eine engere Definition vorgegeben. Das Zentralbankgeld von der Verwendungsseite kann beispielsweise durch das Auflösen inländischer Geldmarktpapiere beeinflusst werden. Die Geschäftsbanken erhöhen damit ihre Liquidität an Zentralbankgeld. Diese durch die Banken beeinflusste Zentralbankgeldmenge wird als korrigierte Geldbasis bezeichnet.
Vor der Euro-Einführung (1999) wurde in Deutschland die Geldbasis durch rediskontierte Wechsel und Lombardverbindlichkeiten reduziert. Hier wird ebenfalls von einer korrigierten Geldbasis gesprochen. Falls die Basis zu konstanten Mindestreservesätzen bewertet ist, wird sie auch als bereinigte monetäre Basis bezeichnet.Manfred Borchert: Geld und Kredit. 8. Auflage. Oldenbourg Verlag, 2003, S. 48 ff./ 345 ff.Otmar Issing: Einführung in die Geldtheorie. 13. Auflage. Verlag Vahlen, München 2003, S. 69 ff./ 76 ff./ 86 ff.
Volkswirtschaftliche Bedeutung der Geldbasis Wirtschaftssubjekte (Nichtbanken) benötigen Zentralbankgeld aufgrund der Zahlungsmittelfunktion. Geschäftsbanken benötigen es wegen der Abwicklungsfunktion durch die Mindestreservepflicht. Beide Funktionen werden durch die monetäre Basis erfüllt.
Die verschiedenen Geldmengendefinitionen (auch Geldmengenaggregate; M1, M2, M3) zeigen, dass Geld neben dem von der Zentralbank ausgegebenen Bargeld insbesondere die von den Geschäftsbanken bereitgestellten Einlagen umfasst. Die Schaffung neuer Bankeinlagen durch die Geschäftsbanken und damit die Vergrößerung der Geldmenge ist nur möglich, wenn diese über einen ausreichenden Bestand an Zentralbankgeld verfügen.
+ Übersicht aller GeldmengenKreditvolumen der Banken an inländische Nicht-Banken + Nettoforderungen der Banken an das Ausland Geldkapital Zentralbankeinlagen inländischer öffentlicher Haushalte Sonstige EinflüsseGeldmenge M3Geldkapital Spareinlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist, Sparbriefe, Bankschuldverschreibungen, Kapital und Rücklagen der BankenAuslandspassiva der Banken und BundesbankGeldmenge M2Sparguthaben Inländischer Nicht-Banken bei den Banken gesetzlicher KündigungsfristGeldmenge M1Quasigeld Termineinlagen inländischer Nicht-Banken bei den Banken mit Befristung bis zu unter 4 JahrenÜberschuss der InterbankverbindlichkeitenMindestreserven auf Inlandsverbindlichkeiten bei konstanten ReservesätzenBargeld Münzen und Banknoten ohne Kassenbestände der BankenSichteinlagen inländischer Nicht-Banken bei den BankenGuthaben auf BardepotGeldbasisZentralbankeinlagen inländischer öffentlicher HaushalteGiralgeldGeld
Zentralbankgeldmengenabgrenzungen: Aktuelles Zentralbankgeld ist das im Umlauf befindliche Zentralbankgeld im engeren Sinne (auch ZBG 0) Potenzielles Zentralbankgeld: alle zentralbankfähigen Aktiva, d. h. solche Aktiva, die von den Kreditinstituten jederzeit und ohne nennenswerte Verluste bei der Zentralbank in aktuelles Zentralbankgeld umgewandelt werden können (v. a. zentralbankfähige Geldmarktpapiere) Zentralbankgeld im weiteren Sinne umfasst das aktuelle und das potenzielle Zentralbankgeld Zentralbankgeldmenge in der Abgrenzung der Bundesbank ZBG 1 umfasst Bargeldbestände der Nichtbanken und das Mindestreserve-Soll der Kreditinstitute auf ihre Verbindlichkeiten gegenüber Inländern, berechnet zu den im Januar 1974 geltenden, durchschnittlichen Reservesätzen (16,6 % für Sicht-, 12,4 % für Termin und 8,1 % für Spareinlagen). Diese Geldmenge kann als Indikator für die monetäre Expansion genutzt werden. Zentralbankgeldmenge in der Abgrenzung des Sachverständigenrates ZBG 2 umfasst die gesamten Bargeldbestände, das Mindestreserve-Soll zu den jeweils geltenden Mindestreservesätzen sowie die Überschussreserven. Stellt das für die monetäre Expansion notwendige Basisgeld dar.
Geldbasiskonzept als ein Ansatz der Geldmarkttheorie Die Geldmarkttheorie beschäftigt sich mit der Frage, durch welche Faktoren die angebotene Geldmenge bestimmt wird. Sie befasst sich daher mit den Anbietern von Geld. Im Folgenden wird die Entstehung der tatsächlichen Geldmenge (M) erläutert. Voraussetzung hierfür ist, dass man verschiedene Verhaltensgleichungen des Geld- und Kreditschöpfungsprozesses kennt und einbindet. Folgende zwei Modelle werden als monetaristische Ansätze der Geldangebotstheorie unterschieden: Geldbasiskonzept Kreditmarkttheorie
Das Geldbasiskonzept unterscheidet sich von der traditionellen Kredit- und Giralgeldschöpfungstheorie unter anderem dadurch, dass es nicht mehr um die maximal mögliche Giralgeldschöpfung geht, sondern um das gesamte tatsächliche Geldangebot, seine Bestimmungsfaktoren und deren Beeinflussbarkeit durch die Zentralbank.
Ausgangspunkt ist eine Gleichung, in der die tatsächliche Geldmenge über den Geldangebotsmultiplikator aus der Geldbasis abgeleitet wird:
(1) Hierbei sind: M: Geldmenge m: Geldangebotsmultiplikator (auch Geldschöpfungsmultiplikator, erklärt die tatsächliche Vervielfältigung der Geldbasis) Z: Geldbasis
Die Geldbasis setzt sich wie folgt zusammen:
(2) Hierbei sind: BGB: Bargeld der Banken ZEB: Zentralbankeinlagen der Banken BGNB: Bargeld der Nichtbanken ZENB: Zentralbankeinlagen der Nichtbanken
Werden die Zentralbankeinlagen der Nichtbanken vernachlässigt, so besteht die Geldbasis aus dem Zentralbankgeld der Geschäftsbanken (B) und dem Bargeld der Nichtbanken:
(2a) mit ZB: Zentralbankgeld der Banken
Wird für die Geldmenge die enge Abgrenzung M1 verwendet, so ist:
(3) mit SE: Sichteinlagen
Aus Gleichung (1) ergibt sich mit Einsetzen von (2a) und (3):
(4)
Das Zentralbankgeld der Banken wird um diejenigen Passiva der Bankenbilanz, die der Mindestreservepflicht unterliegen, erweitert:
(5) Hierbei sind: SPE: Spareinlagen TE: Termineinlagen
Wird der Zähler und der Nenner durch SE dividiert, so ist:
(6)
Daraus ergibt sich für den Geldangebotsmultiplikator:
(7)
Hierbei gelten folgende Definitionen: der Bargeldkoeffizient der Termineinlagenkoeffizient der Spareinlagenkoeffizient der Reservesatz der Banken
Formel (7) wird in Gleichung (1) eingesetzt und es resultiert:
(8)