mini|Morgenstimmung auf den -Inseln

Die inseln (, bzw. ) sind eine zu Neuseeland gehörende Inselgruppe im Südpazifik. Sie bilden zugleich die kleinste Verwaltungseinheit Neuseelands, das Chatham Islands Territory.

Wegen ihrer Nähe zur Datumsgrenze wurde für die der Slogan „“ geprägt. Deshalb rückte der abgelegene Archipel auch im Jahr 2000 als Schauplatz einer besonderen Jahrtausendwende-Feier kurzzeitig stärker in den Blickpunkt des internationalen Interesses. Administrativ sind die Inseln keiner Region und keinem Distrikt Neuseelands zugeordnet, sondern bilden eine selbstverwaltete , die vom regiert wird.

Geographie Die Inselgruppe der , die eine Landfläche von 963 km² abdeckt, liegt gut 650 km südöstlich der Nordinsel Neuseelands und rund 860 km östlich von Christchurch entfernt. Rund 600 Menschen leben auf zwei der insgesamt elf Inseln, die sich auf eine Seefläche von rund 7000 km² verteilen. Die beiden bewohnten Hauptinseln, Chatham Island, mit einer Fläche von 920 km² (etwa so groß wie Rügen), und Pitt Island, mit einer Fläche von rund 62 km², liegen nur 15 km entfernt voneinander.

Die Hauptstadt der Inselgruppe ist Waitangi. Sie liegt geschützt in der Petre Bay im Westen von Chatham Island. Nur 5 km südlich der Hauptstadt befindet sich der Maungatere Hill, mit 294 m die höchste Erhebung der Inselgruppe. Die Chatham-Inseln sind vulkanischen Ursprungs und überwiegend aus Tuff und Basaltgestein aufgebaut.

Inseln

Unvollständige Liste der Chatham-Inseln:

Inselname Aliasname Koordinaten Fläche Einwohner AnmerkungThe Sisters (Rangitatahi)Rangitatahi0,2 -InselgruppeWakuru IslandTe Wakuru Island0,17 -Chatham IslandRekohu899 564HauptinselForty-FoursMotuhara, Bertier0,01 -InselgruppeHouruakopara Island0,04 -Round Island0,01 -Star KeysMotuhope0,12 -InselgruppeRabbit Island0,02 -Mangere Island1,13 -Sugar Loaf0,01 -Little Mangere IslandTapuaenuku, The Fort0,15 -The CastleRangiwheau0,06 -Sail Rock0,01 -Pitt IslandRangiaotea62 45AhuruWestern Reef0,01 -South East IslandRangatira2,19 -Fancy Rock0,01 -The PyramidTarakoikoia0,10 -

Alle Inseln, umliegenden Riffe und Felsen sind Teil eines unterseeischen Gebirges namens Chatham-Rücken.

Obwohl sich die Chatham-Inseln östlich des 180. Längengrades befinden, liegen sie westlich der internationalen Datumsgrenze. Die Zeitzone der Chathams (CHAST – Chatham Island Standard Time) ist damit der UTC voraus; der Zeitunterschied beträgt 12:45 Stunden (UTC +12:45), also 45 Minuten vor der neuseeländischen Zeit (UTC +12). Auf den Chatham-Inseln wird auch die Sommerzeit genutzt.

Klima Das Klima ist moderat gemäßigt und hochmaritim. Wetterextreme, wie lang andauernde Trocken- oder Kälteperioden, sind selten, da der Ozean bei den kleinen Landmassen wirksam für einen Ausgleich sorgt. Vereinzelte Kälteeinbrüche sind nicht ausgeschlossen, Frost ist jedoch unbekannt. Die Niederschläge bewegen sich im monatlichen Durchschnitt zwischen 55 und 100 mm, mit dem Maximum im (südlichen) Winter. Regenreichster Monat ist der Juni, regenärmste Monate sind Dezember und Januar. Die monatlichen Durchschnittstemperaturen liegen zwischen 15 °C im Februar und 8 °C im Juli. Typisch für das Klima der Chathaminseln sind bewölkte, windige Tage mit wechselhaftem Wetter, das sich schnell ändert.

Flora und Fauna Flora Bereits Joseph Dalton Hooker, der Verfasser eines umfangreichen botanischen Werkes über Neuseeland betonte die Notwendigkeit einer genaueren Untersuchung der Flora der Chathaminseln.Joseph Hooker: Flora Novae-Zelandiae. Lovell Reeve, London 1851–1853 Er selbst konnte diese Aufgabe nicht leisten, da die Schiffe Erebus und Terror der Ross-Expedition wegen widriger Wetterverhältnisse nicht auf Chatham landen konnten. Die erste wissenschaftliche Untersuchung der Flora führte 1840 der deutsche Naturforscher Ernst Dieffenbach durch. Er kam mit der Bark Cuba Mitte Mai 1840 auf Chatham an, blieb zweieinhalb Monate und brachte auch die ersten Pflanzenproben von den Chathaminseln nach Europa.Ernst Dieffenbach: An account of the Chatham Islands. In: Journal of the Royal Geographical Society of London. Nr. 11, 1841, S. 195–215.

Die Pflanzen des Chatham-Archipels stammen ursprünglich aus Neuseeland und zwar sowohl von der Nord- als auch von der Südinsel. Obwohl sich viele Verwandte auf Neuseeland ausmachen lassen, haben sich in den 80 Millionen Jahren der Isolierung zahlreiche Endemiten entwickelt, das macht die Flora auf den Chathaminseln einzigartig. Endemiten finden sich sowohl unter den Bäumen und Büschen, als auch unter den krautigen Pflanzen. Darunter sind:

Myosotidium Hortensia (Riesenvergissmeinnicht); eine bis zu 1 m hohe, krautige Pflanze, mit prächtigen Blütenständen von 10 bis 20 cm Durchmesser Brachyglottis huntii (engl. Chatham Island Christmas tree); ein bis zu 8 m hoher Baum aus der Familie der Asteraceae, der auf Chatham selbst, aber auch auf Pitts verbreitet ist. Die Blätter sind mit feinen Haaren bedeckt, was sie silbern schimmern lässt. Der Baum ist im Sommer mit großen, leuchtend gelben Blütenkugeln bedeckt. Astelia chathamica (Chatham Islands kakaha); eine bis zu 1,2 m hohe Blütenpflanze aus der Familie der Asteliaceae mit silbriggrauen, schwertförmigen Blättern und unscheinbaren, grünlichen Blütendolden, die kleine, rote Beeren hervorbringen. Aciphylla dieffenbachii (Soft speargrass); ein etwa 1 m hoher Doldenblütler mit blaugrünen Blattrosetten und großen, hellgelben Blütendolden.

Unter den endemischen Pflanzen findet man nicht selten Inselgigantismus, d. h. die Wuchsformen sind höher als die ihrer Verwandten auf Neuseeland. Ursächlich dafür dürfte das warme und gemäßigte Klima sein mit häufiger Bewölkung und gelegentlichen Schauern.

Die Vegetationsdecke ist als Folge menschlicher Eingriffe in den letzten 150 Jahren lichter geworden. Binsen, Simsen und andere grasartige Pflanzen sowie Sträucher bedecken große Landflächen. Der Neuseeländer Flachs (Phormium tenax) und der Farn Pteridium esculentum, dessen Rhizome essbar sind, kommen häufig vor. In den einst geschlossenen Waldinseln dominierte der Karaka (Corynocarpus laevigatus) mit einer höheren Wuchsform als in Neuseeland. Die Wälder waren durchsetzt von Baumfarnen, deren Stämme die Maori zum Bau ihrer Hütten benutzten, und von Plagianthus betulinus (Ribbonwood), einem stattlichen, auf Neuseeland endemischen Baum.Ferdinand Mueller: The Vegetation of the Chatham Islands. John Ferres, Melbourne, 1864. Unter den Sträuchern sind solche der der Gattung Coriaria (Coriaria arborea und Coriaria sarmentosa) häufig.

Fauna Insbesondere die unbewohnten kleineren Inseln des Archipels sind bekannt für ihre ehemals reiche Vogelwelt mit insgesamt 18 endemischen Arten, von denen 13 ausgestorben sind, wie die Dieffenbach-Ralle (Gallirallus dieffenbachii), Hawkins-Ralle (Diaphorapteryx hawkinsi), Chathamralle (Gallirallus modestus), Chatham-Ente (Pachyanas chathamica), Chatham-Brandente (Anas chlorotis), Chatham-Schnepfe (Coenocorypha pusilla), Chatham-Blässhuhn (Fulica chathamensis), Chatham-Pinguin (Eudyptes warhami), Chatham-Kaka (Nestor sp.), Chatham-Rabe (Corvus moriorum), Chatham-Glockenhonigfresser (Anthornis melanocephala) und Chatham-Grassänger (Bowdleria rufescens), ferner einer Unterart des Neuseelandschwans (Cygnus atratus sumnerensis) und einer kleineren Entenart (Tadorna sp.). Die Ursache dafür ist, wie auf vielen Neuseeland vorgelagerten Inseln, die Bedrohung der einheimischen Tierwelt durch eingeschleppte Ratten und Kaninchen.

Der Chatham-Schnäpper (Petroica traversi) gilt als eine der weltweit seltensten Vogelarten. Die Population hat sich von einem Minimum von fünf Exemplaren, darunter nur ein adultes und ein junges Weibchen,incredible story of the Black Robin, abgerufen am 29. Juni 2016 wieder auf mehr als 200 Exemplare im Jahre 2013 erholt. Der Chathamregenpfeifer (Thinornis novaeseelandiae) brütet nur noch auf und . Der Magentasturmvogel (Pterodroma magentae), auch genannt, bildete früher teilweise die Nahrungsgrundlage für die Moriori. Auch seine Kopfzahl hat sich in jüngerer Zeit wieder erholt. Die endemische Langschnabelgerygone (Gerygone albofrontata) scheint nicht bedroht zu sein. Nur auf der Insel brütet der Chatham-Albatros. Zu den endemischen Tierarten der Inselgruppe zählt außerdem die Pittscharbe, deren Bestand in den letzten Jahren zurückgegangen ist, und die von der IUCN mittlerweile als stark gefährdet eingestuft wird.

Auch der Ziegensittich ist mit einer endemischen Unterart (Cyanoramphus novaezelandiae chathamensis) vertreten.

Geschichte Besiedlung Die Ureinwohner der Chathaminseln, die Moriori, stammen ursprünglich von den Maori Neuseelands ab. Nach Ansicht des Archäologen Patrick Vinton Kirch von der University of California, Berkeley, erfolgte die Erstbesiedlung ausgehend von Neuseeland um 1200 n. Chr. Es hat nur eine Besiedlungswelle gegeben, danach fiel Chatham in Isolation, sodass sich eine eigenständige Kultur entwickeln konnte.Patrick Vinton Kirch: On the Road of the Winds – An Archaeological History of the Pacific Islands Before European Contact. University of California Press, Berkeley-Los Angeles-London 2002, ISBN 0-520-23461-8, S. 277. Nach anderer Meinung ereignete sich die Initialbesiedlung erst um oder kurz vor 1500 n. Chr.Atholl Anderson: Origins, Settlement and Society of Pre-European South Polynesia. In: Giselle Byrnes (Hrsg.): The New Oxford History of New Zealand. Part One - People, Land and Sea. Oxford University Press, Melbourne 2009, S. 27, ISBN 978-0-19-558471-4 Den Polynesiern standen große, seetüchtige Doppelrumpfkanus zur Verfügung, mit denen sich die Entfernung von rund 800 km über die offene See bewältigen ließ. Ausgrabungen in den späten 1970er Jahren haben mehrere frühe Siedlungen identifiziert, zum Beispiel: Owenga und der Waihora Mound auf Chatham Island sowie Waipaua und Tupuangi auf Pitt Island.

Die Moriori waren Jäger und Sammler. Hauptnahrungsquellen waren der Robbenfang, die Jagd auf Land- und Seevögel, das Sammeln von Muscheln und von essbaren Pflanzen. Die Nutzung von Karakafrüchten und Farnwurzeln ist archäologisch belegt.Douglas G. Sutton: A culture history of the Chatham Islands. In: The Journal of the Polynesian Society. Band 89, Nr. 1, 1980, S. 67–94. Die Funde legen auch nahe, dass die Moriori – zumindest gelegentlich – Wale gejagt haben, wie zahlreiche Walzähne und Kurzkeulen (Patu) aus Walknochen beweisen.Atholl Anderson: The 1978 Raoul Island Archaeological Exploration: an interim report. In: New Zealand Archaeological Newsletter. 1979, Band 22, Nr. 2, S. 76–82.

Die Gesellschaft war weitgehend egalitär, der soziale Rang abhängig von Geschlecht und Alter. Die Oberhäupter der Großfamilien entschieden über die Verteilung der Ressourcen und verhängten zeitweilige Tabus zu deren Schutz. Wahrscheinlich umfasste die Bevölkerung auf Chatham vor der europäischen Entdeckung ungefähr 2000 Personen.Rhys Richards: A Tentative Population Distribution Map of the Moriori of Chatham Islands, circa 1790. In: Journal of the Polynesian Society. Band 81, Nr. 3, 1972, S. 350–374.

Europäische Entdeckung Als erstes europäisches Schiff erreichte die HMS Chatham, das Begleitschiff der Vancouver-Expedition, unter dem Kommando von William Robert Broughton den Archipel am 29. November 1791. Das Schiff ankerte in der Waitangi Bay – Broughton nannte sie später Skirmish Bay (Scharmützel-Bucht) – an der Westküste von Chatham. Die Moriori vertrieben das britische Landekommando, wobei ein Matrose einen Moriori mit einem Musketenschuss tötete. Broughton taufte die Inseln nach seinem Schiff, das wiederum zu Ehren von John Pitt, 2. Earl of Chatham benannt worden war.