Aš [] (deutsch Asch) ist eine Stadt in Nordwestböhmen in Tschechien. Sie war in den Zeiten der Habsburgermonarchie (Österreich-Ungarn) ein Zentrum der Textilindustrie.
Geographie
Geographische Lage mini|hochkant|links|Rathaus Die Stadt liegt nahe der äußersten Spitze Nordwestböhmens, im tschechischen Teil des Elstergebirges. Die Ortslage erstreckt sich im oberen Tal des Ašský potok bis zur Wasserscheide mit dem Račí potok/Selbbach. Östlich erhebt sich der Skřivánčí vrch (Lerchenpöhl), im Südosten der Ascher Berg, südlich der Große und der Kleine Kegelberg, im Westen der Selbský vrch (Selber Berg) und der Kaplanberg sowie nordöstlich der Háj (Hainberg, ). Aš ist Zentrum des Ascher Ländchens (), auch böhmisches Vogtland genannt. Im Hinblick auf die geografische Lage und die Form der Grenzziehung gibt es auch die Bezeichnung Ascher Zipfel, denn sowohl im Westen und Nordwesten als auch im Osten grenzt das Stadtgebiet von Aš an Deutschland und ragt wie ein Finger in das deutsche Staatsgebiet hinein. Verwaltungsmäßig gehört die ehemalige Bezirksstadt zum Okres Cheb.
Stadtgliederung Die Stadt Aš besteht aus den Ortsteilenuir.cz Aš (Asch), Dolní Paseky (Niederreuth), Doubrava (Grün), Horní Paseky (Oberreuth), Kopaniny (Krugsreuth), Mokřiny (Nassengrub), Nebesa (Himmelreich, früher auch Egrisch Reuth), Nový Žďár (Neuenbrand) und Vernéřov (Wernersreuth), die zugleich auch Katastralbezirke bilden.uir.cz Grundsiedlungseinheiten sind Aš-u stadionu, Blata, Dolní Paseky, Doubrava, Hlavní-Okružní, Horní Paseky, Kopaniny, Mokřiny, Na výsluní, Nebesa, Nový Žďár, Pod Hájem, Pod Skřivánčím vrchem, Průmyslový obvod, Selbský vrch, U rozhledny, U zastávky, Vernéřov und Za nádražím.uir.cz
Nachbarorte
Geschichte Von den Anfängen bis 1900 mini|hochkant|links|Goethedenkmal vor dem Rathaus Die Besiedlung des Ascher Ländchens begann etwa im 11. Jahrhundert durch bairische Kolonisten aus dem Nordgau (Bayern). Die Mundart in der Stadt Asch war – wie im südlich angrenzenden Egerland – nordbairisch. Auch im nördlich angrenzenden Vogtland wird diese Mundart in den Ortschaften nahe der tschechischen Grenze in Adorf, Markneukirchen und deren Umgebung gesprochen, noch ausgeprägter in der Umgebung von Bad Brambach. Hier wird sie als Südvogtländisch bezeichnet.
Erste nachweisbare Lehensherren des Gebietes um Asch waren die Vögte von Weida, daher wird es auch als böhmisches Vogtland oder Ascher Ländchen bezeichnet. 1281 übergab der Kaiser des Deutschen Reiches den Vögten von Weida das Gebiet als Reichslehen, das 1331 an Johann von Böhmen verkauft wurde. Weitere Lehensträger folgten. 1394 starb Konrad von Neuberg ohne männliche Nachkommen. Durch die Heirat seiner Tochter Hedwig von Neuberg mit Konrad von Zedtwitz kam die Herrschaft Asch, die Asch und vierzehn Dörfer umfasste, 1400 in den Besitz der Herren von Zedtwitz.
Auf dem Schlossberg von Asch (inmitten einer Parkanlage) befinden sich noch heute geringe Reste der abgegangenen Burg Asch (Siehe auch Stadtmuseum Aš).
1557 wurde das Gebiet um Asch durch Dekret Ferdinands I. ein reichsunmittelbares Lehen des Königreichs Böhmen. Das Gebiet war wie das südlich angrenzende Egerland mit der Stadt Eger in drei Generationen von 1555 bis etwa 1630 evangelisch-lutherisch. Mit der Rekatholisierung in Böhmen während des Dreißigjährigen Krieges um 1631 wurden Eger und das Egerland wieder römisch-katholisch.mini|hochkant|links|Lutherdenkmal in Aš (1883), einziges Lutherdenkmal in Böhmen
Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 blieb Asch evangelisch-lutherisch.
Nach den vergeblichen Versuchen von 1736 und 1746 wurde die Herrschaft Asch am 16. Dezember 1774 von Kaiserin Maria Theresia von Österreich nach langem Widerstand der Herren von Zedtwitz mediatisiert. Dadurch verlor das Ascher Ländchen seine Unabhängigkeit und wurde 1806 in das Königreich Böhmen eingegliedert. Allerdings blieb die Region trotz der Zugehörigkeit zum römisch-katholischen Böhmen weiterhin evangelisch, da Kaiserin Maria Theresia ihr Glaubensfreiheit zugesichert hatte, die durch die Toleranzpatente ihres Sohnes Joseph II. bestätigt wurde.
An der Stelle des abgerissenen Schlosses der Grafen Zedtwitz (Straße: Mikulášská 3) neben der Kirche St. Nikolaus befindet sich heute eine Fabrikantenvilla, die das Stadtmuseum Asch beherbergt.mini|Bahnhof Asch, 1903 Im Jahr 1854 wurde in Asch nach der Bauernbefreiung und dem Ende der Erbuntertänigkeit im Jahr 1848 ein Kreisgericht eingerichtet, das dem Gerichtsbezirk Asch vorstand. Die Rechte der von Zedtwitz aus der Feudalzeit, die fast 500 Jahre das Gebiet beherrscht hatten, wurden aufgehoben. Die ihnen verbliebene Kirchenhoheit mussten sie schließlich 1869 aufgeben, als die evangelisch-lutherischen Gemeinden des Ascher Ländchens als Superintendentur Asch direkt der Evangelischen Kirche A. B. in Österreich unterstellt wurden. Am 1. November 1865 wurde der Bahnhof Asch zusammen mit der Bahnstrecke Eger–Oberkotzau und 1885 die später nach Adorf weitergeführte Lokalbahn nach Roßbach eröffnet. Durch die florierende Textilindustrie wuchs die Bevölkerung des Ortes. Am 1. Mai 1871 wurde in der Steinstraße 107 auf dem Werksgelände des Textil-Fabrikanten Georg Kraus eine Abend-Fachschule für Weben, Wirken und Zeichnen eröffnet.Gemeinde-Zeitung für Asch und Umgegend. Nr. 15 vom 15. April 1871, siehe: S. 1, Amtliches. Asch wurde 1872 zur Stadt erhoben.
Seit dem 20. Jahrhundert Nach dem Untergang der Monarchie Österreich-Ungarn am Ende des Ersten Weltkriegs 1918 hatte ein Soldatenrat der neu gegründeten Tschechoslowakei die politische Macht in Asch inne und lehnte Forderungen der deutschen Partei aus Eger auf Anschluss an Bayern in Erinnerung an die Zugehörigkeit des Gebietes zum Nordgau ab. Die Inflation im Jahr 1923 und eine Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1929 und 1930 setzten der Textilwirtschaft in Asch schwer zu. Im Vorfeld der Sudetenkrise besetzte ein sudetendeutsches Freikorps im März 1938 die Stadt. Im Mai 1938 erhielt die Sudetendeutsche Partei von Konrad Henlein, der längere Zeit in Asch als Lehrer tätig war, die Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
Nach dem Münchner Abkommen gehörte die Stadt von 1938 bis 1945 zum Landkreis Asch im Reichsgau Sudetenland, Regierungsbezirk Eger, des Deutschen Reichs. Am 3. Oktober 1938 zogen in Asch reichsdeutsche Truppen ein. Der Diktator Hitler selbst kam über den Grenzübergang Selb-Asch in die Stadt. Die meisten der tschechischen Bewohner (1930: 113/0,5 %) verließen die Stadt Asch, die 1939 etwa 23.000 Einwohner hatte.
Zu Ende des Zweiten Weltkriegs am 20. April 1945 wurde Asch durch US-amerikanische Truppen auf dem Vormarsch nach Westböhmen besetzt. Im November 1945 kam Asch nach der Übergabe an sowjetische Besatzungstruppen unter sowjetische Militärverwaltung. Tschechische Personengruppen begannen im Juni 1945, die deutschen Haus- und Grundeigentümer sowie Unternehmer zu enteignen und deren Besitz zu übernehmen. Infolge der Vertreibung der Deutschböhmen verringerte sich die Zahl der Bewohner von Aš nach Kriegsende um etwa die Hälfte. In den 1950er Jahren zur Zeit des Sozialismus in der Tschechoslowakei flüchteten viele Einwohner von Aš, vor allem bedingt durch die desolate Wirtschaftslage und erleichtert durch die Grenzlage mit ihren Fluchtmöglichkeiten. Die Einwohnerzahl sank nochmals und viele Werkstätten und Fabriken wurden betriebsunfähig. Durch den Zuzug von Tschechen aus dem Landesinneren, Repatrianten, Angehörigen der Volksgruppen der Roma, der Slowaken und Vietnamesen nahm die Anzahl der Bewohner in den 1970er Jahren wieder zu.
Bevölkerung Bis 1945 war Asch fast ausschließlich von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.
+ Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1830 4.938 in 565 HäusernJahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 200, Ziffer 1. 1847 6.108 in 612 Häusern, 10 % der Einwohner sind KatholikenJohann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 15: Elbogner Kreis, Prag 1847, S. 370. 1869 9.405 1880 13.209 9.904 Evangelische, 3250 Katholiken; Sprache der einheimischen Bev.: 11.796 deutsch, 0 tschechisch 1890 15.557 10.829 Evangelische, 4661 Katholiken; Sprache der einheimischen Bev.: 13.682 deutsch, 10 tschechisch 1900 18.675 deutsche Einwohner (12.462 Evangelische) 1910 21.880 1921 19.525 davon 17.812 Deutsche und 133 Tschechen 1930 22.930 davon 20.885 Deutsche und 290 Tschechen (11.930 Evangelische)Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon. Band 4. Adam Kraft Verlag, 1985, ISBN 3-8083-1163-0, S. 42. 1939 23.123 davon 12.502 Evangelische, 10.023 Katholiken, 15 sonstige Christen und ein Jude
Bevölkerungsentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs
(Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres)
Jahr Einwohner 1947 11.399 1950 10.784 1960 11.086 1970 11.546 1980 13.936 Jahr Einwohner 1990 13.167 2000 12.260 2010 13.413 2020 13.105 2022 12.804
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Stadtmuseum
Museen Das in einem Neurenaissanceschlösschen der Grafen von Zedtwitz informiert über die Geschichte des Ascher Ländchens und zeigt unter anderem eine umfangreiche Handschuhsammlung.
Bauwerke mini|hochkant|Kirche St. Nikolaus mini|hochkant|Besteigbarer Bismarckturm auf dem Ascher Hainberg Kirche St. Nikolaus Neben dem Rathaus befinden sich die Ruine der evangelischen Stadtkirche, die 1960 bei Renovierungsarbeiten abbrannte, und der Sockel des Martin-Luther-Denkmals. Auf dem Háj (Hainberg) in unmittelbarer Umgebung der Stadt befindet sich ein Bismarckturm. Es handelt sich um einen von drei Bismarcktürmen auf dem Gebiet der Tschechischen Republik. Schloss Doubrava Schloss Kopaniny Grand Casino Aš
Denkmäler Goethedenkmal am Goetheplatz Martin-Luther-Denkmal von Hans Rößner am Husplatz Friedrich-Ludwig-Jahn-Denkmal (mit erneuerter Büste) am Hainberg Theodor-Körner-Denkmal (mit erneuerter Büste und Reliefs) am Hainberg Friedrich-Schiller-Gedenktafel am Hainberg (erneuert) Edvard-Beneš-Denkmal in der Okružní-Straße Gustav-Geipel-Denkmal in der Okružní-Straßezu Geipel, dem Teilhaber der Firma „Geipel und Sohn“ und Philanthrop, siehe Bericht über eine Ausstellung in Aš: Ein Leben für die Stadt Asch. Radio Prague International, Januar 2019. Robert-Schumann-Gedenktafel an der Musikschule in der Šaldova-Straße Kriegerdenkmal (1848–1869) am Städtischen Friedhof Kriegerdenkmal (Zweiter Weltkrieg) am Städtischen Friedhof US-Denkmal am Masarykplatz Sowjetisches Denkmal am Städtischen Friedhof Denkmal zur Wiedereröffnung des Grenzübergangs Aš-Selb
Ehemalige Denkmäler / Bauwerke: Josef-II.-Denkmal Kriegerdenkmal (Erster Weltkrieg) Sowjetisches Denkmal mit der Skulptur eines Soldaten Grimm Schusterhauskunzmann.family
Städtepartnerschaften Rehau, Deutschland Plauen, Deutschland, seit 1962 Oelsnitz/Vogtl., Deutschland, seit 2001 Fiumefreddo di Sicilia, Italien, seit 2004 Marktbreit, Deutschland, seit 2012 Selb, Deutschland, seit 2025
Die Stadt ist seit 2002 Mitglied der Vereinigung Freunde im Herzen Europas.
Wirtschaft