Tennis Borussia Berlin (bis 2005 Berliner Tennis-Club Borussia, kurz TeBe oder TB Berlin) ist ein am 9. April 1902 als Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft Borussia gegründeter Berliner Sportverein.
Obwohl der Verein ursprünglich als Tennis- und Tischtennis-Verein gegründet wurde, entdeckte man schon 1903 den Fußball für sich und erwarb für 50 Pfennig eine Lizenz, die zur Teilnahme an der Berliner Meisterschaft berechtigte. Da Tischtennis vor allem bei neuen Vereinsmitgliedern kaum Anklang fand, wurde es im selben Jahr schon aus dem Programm genommen. Später wurde wieder eine Tischtennis-Abteilung gegründet, die (neben Hertha BSC) die erfolgreichste Berlins ist.
Geschichte Tennis wurde zunächst auf dem ehemaligen Bötzowfeld im heutigen Gebiet von Friedrichshain gespielt. Die Mitgliederzahl lag anfangs nur bei 20. Dennoch gab es sportliche Erfolge: Das erste Turnier wurde gegen den VfB Pankow gewonnen. Als auf dem Bötzowfeld eine neue Wohnsiedlung entstehen sollte, musste der Verein bereits ein Jahr nach seiner Gründung ein neues Gelände suchen. Mit Tischtennis versuchte man die Zeit zu überbrücken. Doch „die gerade erst gewonnenen Mitglieder traten wieder aus.“Vereinschronik Seite 10 Schließlich gelang es, im Schlosspark Niederschönhausen bis etwa 1945 das Tennisspiel weiter zu betreiben. Tennis Borussia verfügte außerdem über ein Gelände an der Nordendstraße in Niederschönhausen, bis dieses in den 1930ern enteignet wurde. In der DDR wurden auf diesem Gelände Tennisplätze für das diplomatische Corps angelegt. Tennis Borussia erhielt das Gelände nach der Wende zurück und verkaufte es später an die spok sport und kultur gmbh, die es seit 1992 als Pächter betrieben hatte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Verein 1945 zunächst als SG Charlottenburg (lang: Sportgruppe Charlottenburg) neu ins Leben gerufen. Aber es dauerte bis 1967, bevor der Tennissport wieder aktiviert werden konnte. Dafür wurde ein neuer Verein namens „Tennis-Verein TeBe“ gegründet.Vereinschronik Seite 78
Fußball
Anfänge (1902–1933) Am 9. April 1902 trafen sich zwölf sportenthusiatische junge Männer (fast ausschließlich Studenten) an der Spandauer Brücke nr. 13 nahe dem Alexanderplatz in Berlin um die „Kameradschaftliche Vereinigung Borussia“ und die „Berliner Tennis - und Ping-Pong-Gesellschaft“ zu einem neuen Verein zusammenzuschließen, der sich fortan Berliner Tennis - und Ping-Pong-Gesellschaft Borussia nannte. 1903 änderte der Verein den Namen und nannte sich fortan Berliner Tennis Club Borussia, ein Name der bis heute Gültigkeit besitzt, auch wenn sich umgangssprachlich eher die Bezeichnung TeBe oder TB Berlin durchgesetzt hat. Alfred Lesser war die treibende Kraft um eine Fußball-Lizenz für den Preis von 50 Pfennig zu erwerben und somit wurde TeBe das 27. Mitglied im Berliner Ballspielverband (V.B.B.).Sievers, Olaf (2002). ”Die Anfänge des Berliner Tennis Club Borussia”. in Michael Hohlfeld, 100 Jahre Tennis Borussia Berlin. Eine Chronik. Berlin: Powerplay Verlag GmbH. s. 9-11 Die Mannschaft spielte und trainierte auf dem Exerzierplatz Schönhauser Allee im Prenzlauer Berg, einem von damals zwei Fußballplätzen in Berlin. Für die Fußballabteilung ging es stetig aufwärts und im Frühjahr 1914 erreichte die Mannschaft die höchste Berliner Spielklasse. Da viele Spieler nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges an die Front berufen wurden, bekam der Verein immer größere Schwierigkeiten den Fußballbetrieb aufrechtzuerhalten. Mehr als 50 Mitglieder fielen im Krieg.Sievers, Olaf. s. 13-19.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges geriet die Gesellschaft in eine politische und ökonomische Krise, die sich auch in der variierenden Mitgliederanzahl bei TeBe widerspiegelte, aber bis Ende der 20er Jahre war diese auf etwa 400 angestiegen. Die Mitglieder kamen in der Regel aus der Mittelschicht bzw. oberen Mittelschicht und rekrutierten sich geographisch aus der Mitte und dem Norden Berlins.Buschbom, Jan, ”Erste Blüte”. in Michael Hohlfeld, 100 Jahre Tennis Borussia Berlin. Eine Chronik. Berlin: Powerplay Verlag GmbH. s. 23-24 Mitte der 1920er Jahre entwickelte sich Tennis Borussia zu einer der führenden Fußballmannschaften Berlins. Einen nicht geringen Anteil an den Erfolgen im Fußball hatte der spätere erste Reichstrainer Otto Nerz, der die Mannschaft von 1924 bis 1926 trainierte. Wie sein Vorgänger bei TeBe, Richard Girulatis, war Nerz Dozent an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen. Bereits nach Ablauf der ersten Spielzeit unter Nerz belegte die Mannschaft Platz zwei der Staffel B der Oberliga. Ein weiterer späterer Trainer der Nationalmannschaft, Sepp Herberger, spielte von 1926 bis 1930 für die „Veilchen“. 1928 stellte die Mannschaft unter Trainer Walter Hollstein einen deutschen Erstliga-Rekord auf, indem die Mannschaft bis April 1928 in 18 Spielen nur einen Punkt abgab und ein Torverhältnis von 93:16 vorwies, und erreichte damit erstmals das Finale um die Oberligameisterschaft, scheiterte aber an der in diesen Jahren übermächtigen Hertha. Diese Konstellation – Staffelmeister, aber anschließend in den Endspielen der Hertha unterlegen – wiederholte sich in den Jahren 1928 bis 1931 gleich vier Mal hintereinander. Erst 1932, als der Gegner nicht Hertha, sondern Minerva 93 Berlin hieß, konnte sich TeBe erstmals den begehrten Titel des Berliner Fußballmeisters holen. In der Endrunde um die deutsche Meisterschaft war Tennis Borussia in diesen Jahren allerdings stets chancenlos und schied jeweils spätestens im Viertelfinale aus.Buschbom, s. 27-29.
Ursprünglich kickte der Klub auf dem Exerzierplatz am Prenzlauer Berg, nutzte später Plätze in Niederschönhausen und Wilmersdorf, ehe es in das Polizeistadion Mitte ging, also dorthin, wo in der DDR-Zeit das Stadion der Weltjugend entstand. Allerdings wurden in der Zwischenkriegszeit auch bereits Partien mit großem Zuschauerzuspruch im Poststadion (häufiger) und im Mommsenstadion oder Preussen-Stadion ausgetragen.
TeBe im „Dritten Reich“ (1933–1945) 1933 hatten etwa ein Drittel von Tennis Borussias Mitgliedern einen jüdischen Hintergrund. Nach Hitlers Machtergreifung wurden diese Mitglieder aufgrund der Rassenpolitik der Nationalsozialisten gezwungen, den Verein zu verlassen. Viele dieser Mitglieder wurden später in Konzentrationslagern ermordet, andere wiederum überlebten im Exil und kehrten nach 1945 zum Verein zurück.Fischer, Gerhard, Lindner, Ulrich, Stürmer für Hitler. Vom Zusammenspiel zwischen Fussball und Nationalsozialismus. Göttingen: Verlag Die Werkstatt 2002, s. 207-208. Die minderjährigen Mitglieder wurden gezwungen, sich der Hitlerjugend anzuschließen.Fischer, Ralf, ”Tennis Borussia: „Hevenu TeBe alejchem!“ | Jüdische Allgemeine”. www.juedische-allgemeine.de. Abgerufen: 19. März 2016.
Das Verhalten Tennis Borussias während der Machtübernahme ist unterschiedlich bewertet worden. Nils Havemann meint, dass viele „arische“ Mitglieder eine unklare Haltung zu ihren jüdischen Vereinskameraden einnahmen. Auf der einen Seite gab es eine antisemitische Grundstimmung, gleichzeitig jedoch auch ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl mit den jüdischen Mitgliedern.Havemann, Nils, Fussball unterm Hakenkreuz. Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz. Frankfurt/Main: Campus Verlag 2005. s. 158 Mike Tichers vertritt die Auffassung, dass Schatzmeister Ulrich Rüdiger, der die Sitzung einberufen hatte, auf der die jüdischen Mitglieder aufgefordert wurden, den Verein zu verlassen, Feigheit zeigte, da er diese Sitzung ohne Not einberufen hatte. Karl-Heinz Schwarz-Pich meint dagegen, dass es für den Einzelnen schwer war, Widerstand zu leisten. Seiner Ansicht nach ging man davon aus, dass die Hitlerzeit nicht von Dauer sein würde und man daher in erster Linie darauf bedacht war, nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen.von Radetzky, Robert, ”Tennis Borussia im Dritten Reich”. in Michael Hohlfeld, 100 Jahre Tennis Borussia Berlin. Eine Chronik. Powerplay Verlag GmbH. s. 37-38 Die Machtergreifung beendete die erfolgreiche Ära Tennis Borussias und um sich von diesem Einbruch der Aktiven zu erholen, brauchte der Verein mehrere Jahre. Erst 1941 gelang dies mit dem zweiten Titelgewinn als Meister der Gauliga Berlin-Brandenburg. In der anschließenden Endrunde zur deutschen Meisterschaft scheiterte TeBe aber wie schon zehn Jahre zuvor frühzeitig.
Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurden viele Spieler zum Kriegsdienst eingezogen und, je länger der Krieg dauerte, desto mehr war die Zivilbevölkerung vom Bombenkrieg betroffen. Schlussendlich verschlechterte sich auch die Versorgungslage. 1942 nahm TeBe ein letztes Mal an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft teil, bevor der Ligabetrieb 1944 eingestellt wurde. 49 Mitglieder fielen im Krieg, unter ihnen Schatzmeister Ulrich Rüdiger, der bei der Schlacht um Berlin umkam.von Radetzky, Robert. s. 42-43
Nachkriegsjahre, „goldene Fünfziger“ und allmählicher Abstieg (1945–1963)
Saison Liga Spielklasse Platz 1945/46 Stadtliga Berlin, Staffel C I 2. 1946/47 Stadtliga Berlin I 1. 1947/48 Stadtliga Berlin I 3. 1948/49 Stadtliga Berlin I 2. 1949/50 Stadtliga Berlin I 1. 1950/51 Vertragsliga Berlin I 1. 1951/52 Vertragsliga Berlin I 1. 1952/53 Vertragsliga Berlin I 3. 1953/54 Vertragsliga Berlin I 6. 1954/55 Vertragsliga Berlin I 2. 1955/56 Vertragsliga Berlin I 7. 1956/57 Vertragsliga Berlin I 2. 1957/58 Vertragsliga Berlin I 1. 1958/59 Vertragsliga Berlin I 7. 1959/60 Vertragsliga Berlin I 6. 1960/61 Vertragsliga Berlin I 3. 1961/62 Vertragsliga Berlin I 3. 1962/63 Oberliga Berlin I 3.
Einen ersten regelmäßigen Spielbetrieb für Herrenmannschaften nach dem Kriegsende gab es ab Januar 1946 in Form der Berliner Stadtliga, bei der insgesamt 36 Mannschaften in 4 Staffeln (TeBe bzw. die SG Charlottenburg in Staffel C) antraten. Tennis Borussia musste in dieser ersten Nachkriegssaison unter dem Namen SG Charlottenburg auflaufen (was bis zum Ende der Saison 1947/48 so bleiben sollte). 1947 gewann der Verein die Berliner Stadtmeisterschaft in der neuen Stadtliga, die 1950 – in Anlehnung an die neu eingeführten Vertragsspielerstatuten – in „Vertragsliga“ umbenannt wurde. Zur Saison 1948/49 konnte der Verein wieder seinen Namen aus der Vorkriegszeit führen und spielte fortan unter dem Namen Berliner Tennis-Club Borussia. In der Nachkriegszeit war TeBe bis Ende der 1950er der erfolgreichste Berliner Verein: Dem ersten Titelgewinn 1947 folgten vier weitere Meisterschaften (1950, 1951, 1952 und 1958). Jedoch schaffte man es weder in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1949/50, 1950/51, 1951/52 noch 1957/58 über die dortige 1. Runde hinaus zu kommen; insgesamt gewann TeBe bei diesen 4 Endrundenteilnahmen nur 3 von insgesamt 16 Spielen. Andererseits konnte 1952 zum 50-jährigen Vereinsjubiläum immerhin der 3. Berliner Meistertitel in Folge gewonnen werden und der Dauerrivale Hertha BSC konnte in den 50er Jahren nur 1956/57 eine bessere Platzierung als TeBe vorweisen. Der damalige Vereinschef Carl Helfert konnte so 1952 im Vorwort zur 50-Jahre-Chronik feststellen: „Es steht gut um Tennis-Borussia.“100 Jahre Tennis Borussia Berlin. Eine Chronik. Berlin, 2002. S. 53. Zwei Vizemeisterschaften und vier 3. Plätze in den Meisterschaften bis 1963 mögen dies rückblickend auch bestätigen, jedoch lässt sich auch feststellen, dass TeBe vor der Einführung der Bundesliga seine Rolle als erste Geige des West-Berliner Fußballs bereits wieder verloren hatte. Ab Ende der 50er liefen Hertha und Tasmania den Lila-Weißen allmählich den Rang als Nr. 1 ab. Mit dem Mauerbau 1961 verringerten sich auch die Zuschauerzahlen um etwa ein Drittel, sodass TeBe auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu Beginn der 60er Jahre nicht bundesligareif war und sich in weiser Voraussicht auch nicht um einen Startplatz in der zur Saison 1963/64 startenden bundesdeutschen Eliteliga bewarb. Ein ehemaliger Spieler beschrieb die Situation im März 1963 wie folgt:
Zwischen Erst- und Zweitklassigkeit (1963–1981)