Brjansk () ist eine Stadt und Verwaltungszentrum der gleichnamigen Oblast in Russland, rund 380 km südwestlich von Moskau. Die Stadt hat 372.000 Einwohner (Stand: 2025). und liegt am Fluss Desna.
Geschichte Brjansk wurde vermutlich 985 unter Fürst Wladimir I. von Kiew als Missions- und Verteidigungsvorposten am rechten Ufer der Desna gegründet und 1146 erstmals in einer Chronik erwähnt. Der ursprüngliche Stadtname „Dĭbrjanĭskŭ“ leitete sich vom altostslawischen Dĭbrĭ ab, das für Tal oder Schlucht steht. Im 13. Jahrhundert wurde es selbständig und war Fürsten- und Bischofssitz des Fürstentum Brjansk. Die Invasion der Goldenen Horde führte zum Niedergang. Ab 1356 stand Brjansk unter litauischer Herrschaft. 1503 kam die Stadt zum Moskauer Reich.
Im 17. Jahrhundert entwickelte sich Brjansk zu einer wichtigen Festungs- und Handelsstadt mit jährlich stattfindenden großen Jahrmärkten. Seit 1709 gehörte Brjansk zum Gouvernement Kiew, ab 1778 zu Orjol. Mit einem Dekret des Zaren Peters des Großen wurde die erste Schiffswerft für den Bau der Schwarzmeerflotte gegründet. Die Kriege gegen das Osmanische Reich mit den Asowfeldzügen und gegen Schweden im Großen Nordischen Krieg brachten einen erneuten Aufschwung für Brjansk. 1788 wurde eine Waffenfabrik für Artillerie eröffnet. Napoleon Bonaparte versuchte 1812 mehrmals, die strategisch wichtige Stadt zu erobern, scheiterte aber. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Brjansk zu einem Industriezentrum mit Schienenwalz- und Eisenhüttenwerken, Maschinenbau sowie Textilfabriken und Seilereien.
Nach der Oktoberrevolution kamen neue Industriebetriebe hinzu, es wurden Kraftwerke und Eisenbahnfabriken errichtet.
Vom 6. Oktober 1941 bis zum 17. September 1943 war Brjansk von der Wehrmacht nach der Doppelschlacht von Wjasma und Brjansk besetzt. Die Wälder der Region waren während der Besatzung eines der Hauptaktionsgebiete der Partisanen in Russland. Etwa 60.000 Partisanen waren zeitweise in diesem Gebiet tätig. Seit Anfang 1942 kontrollierten die Partisanen einen Großteil des von den Deutschen besetzten Gebietes. Wie in anderen besetzten sowjetischen Gebieten fanden auch hier regelmäßig Hinrichtungen im Rahmen der „Partisanenbekämpfung“ statt.
Jene Bevölkerung, die nicht von der Roten Armee rechtzeitig evakuiert werden konnte und bleiben musste, hatte unter der deutschen Besetzung zu leiden. Vieh und Lebensmittel wurden nach Deutschland transportiert, so dass die Bewohner der Stadt nur noch ein Minimum der zur Verfügung stehenden Nahrung erhielten. Arbeit gab es kaum noch, da viele Betriebe und Fabriken von den Deutschen geschlossen und/oder zerstört wurden. Seit 1942 wurden zudem viele Bewohner im arbeitsfähigen Alter nach Deutschland verschleppt, um dort Zwangsarbeit zu leisten. Bei der Befreiung im September 1943 hatte Brjansk nur noch etwa 5000 Einwohner.
In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 326 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977. In der benachbarten Stadt Beschiza, die von 1936 bis 1943 Ordschonikidsegrad hieß und seit der Eingemeindung nach Brjansk 1956 deren Stadtrajon Beschizki bildet, bestand das Kriegsgefangenenlager 252.zur Geschichte Brjansks während der Besetzung siehe folgende Dissertation: Sebastian Stopper: Das Brjansker Gebiet unter der Besatzungsherrschaft der Wehrmacht 1941 bis 1943. Diss, HU Berlin 2012 (online)
Brjansk ist ein wichtiger Industriestandort. Es werden elektronische Bauteile, Turbinen, Lokomotiven sowie Komponenten für das Militär, insbesondere Raketentechnik, produziert. Im März 2026 kam es im Zuge des Ukraine-Krieges zu einem ukrainischen Angriff mit Storm-Shadow-Marschflugkörpern auf eine der Rüstungsfabriken mit mehreren Todesopfern und erheblichem Sachschaden.Ukraine-Krieg: Selenskyj vermeldet Angriff auf russische Rüstungsfabrik in Brjansk – mehrere Tote In: Deutschlandfunk. Abgerufen am 11. März 2026. Die Stadt ist Sitz des Nutzfahrzeugherstellers BAZ, der schwere LKW und Militärfahrzeuge herstellt. BAZ ist ein Tochterunternehmen von ZIL.https://www.baz32.ru/ Brjansk ist Verwaltungszentrum und kulturelles Zentrum der gleichnamigen Oblast und hat einen Eisenbahnknoten mit großem Rangierbahnhof.
Am 1. Juli 2012 wurde die russisch-orthodoxe Dreifaltigkeits-Kathedrale wiedereröffnet. Die frühere Dreifaltigkeits-Kathedrale wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Sie wurde nach der Oktoberrevolution 1917 zwangsgeschlossen, in den 1960er Jahren abgerissen und ab 2010 originalgetreu wiederaufgebaut. Sie bietet Platz für etwa 3000 Gläubige.http://www.vesti.ru/doc.html?id=837356&cid=7
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkung 1897 24.781 1939 179.946 davon Brjansk 87.490, Ordschonikidsegrad 82.334, Urizki 10.122 1959 207.319 1970 317.504 1979 394.210 1989 452.160 2002 431.526 2010 415.721 Anmerkung: Volkszählungsdaten
Stadtgliederung Stadtrajon(Gorodskoi Rajon) Russischer Name Einwohner() Bemerkung Beschizki Бежицкий bis zur Eingemeindung 1956 selbständige Stadt Beschiza (Бежица); dem Rajon ist außerdem die Siedlung städtischen Typs Radiza-Krylowka (Радица-Крыловка; Einwohner) unterstellt Fokinski Фокинский dem Rajon ist außerdem die Siedlung städtischen Typs Belyje Berega (Белые Берега; Einwohner) unterstellt Sowetski Советский Wolodarski Володарский dem Rajon ist außerdem die Siedlung städtischen Typs Bolschoje Polpino (Большое Полпино; Einwohner) unterstellt
Die Gesamteinwohnerzahl des Stadtkreises Brjansk mit den drei administrativ unterstellten Siedlungen städtischen Typs beträgt .
Wirtschaft In Brjansk gibt es metallverarbeitende Industrie, Fahrzeug- und Maschinenbau, weiterhin chemische Industrie, Elektronik- und Textilindustrie. Besonders bekannt ist die Brjansker Lokomotivfabrik, der Halbleiterhersteller Kremnij El und das Brjansker Automobilwerk.
Verkehr Brjansk ist mit der russischen Hauptstadt Moskau über die Fernstraße M3 Ukraina verbunden. Hier wird sie von der R120 gekreuzt, die in nordwestlicher Richtung über Smolensk zur belarussischen Grenze verläuft. Gleichzeitig ist die Stadt Ausgangspunkt der Abzweigung A240, die in westlicher Richtung ebenfalls nach Belarus führt.
Weiterführende Bildungseinrichtungen Filiale des Juristischen Instituts des Innenministeriums Russlands in Brjansk Filiale des Neuen Juristischen Instituts Moskau Filiale des Allrussischen Ferninstituts für Finanzwesen und Ökonomie Staatliche Akademie I.-G.-Petrowski-Universität Brjansk Staatliche Ingenieurtechnologische Akademie Brjansk Staatliche Landwirtschaftliche Akademie Brjansk Staatliche Technische Universität Brjansk
hochkant|mini|Heilig-Grab-Kirche (1904)
Sport Der 1931 gegründete Fußballverein FK Dynamo Brjansk vertritt die Stadt in der dritthöchsten russischen Spielklasse 2. Division.
Sonstiges Als Mahnung an die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, welche im Jahr 1986 rund 300 km entfernt stattfand, kann man im Zentrum von Brjansk die Belastung der Radioaktivität auf einer Digitalanzeige ablesen. Über der Stadt selbst regneten nach der Explosion allerdings keine kontaminierten Wolken ab.
Städtepartnerschaften Brjansk listet fünfzehn Partnerstädte auf: StadtLandAuceDupnizaGyőrHomelIschewskKarlowoKoninMahiljouMinskNaujoji AkmenėOmskOrjolSewerodwinsk
Söhne und Töchter der Stadt
Alexander Eltekow (1846–1894), Chemiker Iwan Dudin (1867–1924), Maler, Zeichner und Kunsthistoriker Naum Gabo (1890–1977), Künstler Anatoli Spasski (1895–1970), Metallurg und Hochschullehrer Alexander Repin (1903–1976), Generaloberst 1418museum.ru (russisch) Alexandr Morosow (1904–1979), Panzerkonstrukteur Georgi Latyschew (1907–1973), Kernphysiker und Hochschullehrer Alexander Kotar (1913–1985), GeneralКотар Александр Петрович, smolnecropol.ru (russisch) Pawel Kamosin (1917–1983), Jagdflieger Olha Awilowa (1918–2009), Chirurgin und Hochschullehrerin Galina Frolowa (1918–2001), Schauspielerin und Synchronsprecherin Walentin Lebedew (1923–2008), GeneraloberstЛебедев Валентин Яковлевич, nevskye.narod.ru (russisch) Tatjana Nikolajewa (1924–1993), Pianistin Igor Moskwin (1929–2020), Eiskunstläufer und Eiskunstlauftrainer Wladlen Wereschtschetin (1932–2024), Jurist, Richter am Internationalen Gerichtshof Wladimir Astapowski (1946–2012), Fußballtorhüter Wiktor Afanassjew (* 1948), Kosmonaut Ljudmila Narussowa (* 1951), Historikerin und Politikerin Nadija Olisarenko (1953–2017), Mittelstreckenläuferin und Olympiasiegerin Wiktor Mardussin (* 1958), VizeadmiralОфицерам штаба ЗВО представлен новый заместитель командующего войсками округа, function.mil.ru, 25. Oktober 2013 Waleri Diwissenko (1961–2009), JudokaДивисенко Валерий Васильевич, infosport.ru (russisch) Galina Maltschugina (* 1962), Leichtathletin und Olympiamedaillengewinnerin Olena Kowtun (* 1966), ukrainische Tischtennisspielerin Andrei Babkin (* 1969), Ingenieur und Kosmonaut Swetlana Kriweljowa (* 1969), Leichtathletin und Olympiasiegerin Larissa Kurkina (* 1973), Skilangläuferin Oxana Jessiptschuk (* 1976), Leichtathletin Olga Rjabinkina (* 1976), Leichtathletin Walentina Igoschina (* 1978), klassische Pianistin Andrij Nesmatschnyj (* 1979), ukrainischer Fußballspieler Dmitri Izkow (* 1980), Milliardär, Geschäftsmann und Unternehmer Schanna Kaschtschejewa (* 1982), Sprinterin Jelena Sobolewa (* 1982), Mittelstreckenläuferin Alexander Kriwtschonkow (* 1983), LeichtathletКривчонков Александр Николаевич, infosport.ru (russisch) Julija Tschermoschanskaja (* 1986), Sprinterin und Staffel-Olympiasiegerin Jekaterina Birlowa (* 1987), Beachvolleyballspielerin Sergei Gorbunow (* 1987), FußballspielerSergey Gorbunov, transfermarkt.com (russisch) Larissa Kanajewa (* 1987), FreistilringerinКанаева Лариса Александровна, infosport.ru (russisch) Natalja Kusjutina (* 1989), Judoka Jan Nepomnjaschtschi (* 1990), Schach-Großmeister Sergei Terechow (* 1990), Fußballspieler Jewgeni Schljakow (* 1991), Fußballspieler Swetlana Babuschkina (* 1992), Ringerin Daria Varlamova (* 1995), russisch-australisches Model, Schauspielerin und Schönheitskönigin Alexei Kusnezow (* 1996), Fußballspieler Jaroslaw Burytschenkow (* 1998), Fußballspieler Wlada Kowal (* 2001), Tennisspielerin
Klimatabelle
Einzelnachweise
Weblinks
www.bryanskcity.ru www.debryansk.ru
Kategorie:Ort in der Oblast Brjansk Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Russland Kategorie:Hauptstadt eines Föderationssubjekts Russlands Kategorie:Ort an der Desna