Orjol ( [], wörtlich „Adler“; deutsch auch Orel) ist eine russische Stadt in der Oblast Orjol in Zentralrussland. Orjol liegt an der Oka, rund 350 km südwestlich von Moskau. Heute ist Orjol Verwaltungszentrum der gleichnamigen Oblast und hat 290.000 Einwohner (Stand: 2025).

Geschichte

Die Stadt wurde 1566 als Festung an der damaligen Südgrenze des Moskauer Reiches gegründet. 1611 wurde sie während des Polnisch-Russischen Krieges von den Polen verwüstet und wiederaufgebaut. Mit dem Wachsen des russischen Reiches verlor die Festung ihre Bedeutung.

Die Stadt Orjol, die inmitten des fruchtbaren Schwarzerdegebietes liegt, wandelte sich mit dem Bedeutungsverlust als Festung zu einem Zentrum des Getreideanbaus. Im 19. Jahrhundert wurden Eisenbahnen und Straßen errichtet, und Orjol versorgte Moskau mit Weizen und Mehl. Die Industrialisierung setzte erst in der Sowjetepoche ein.

Das 1840 erbaute Zentralgefängnis von Orjol war eine der bedeutendsten Haftstätten im zaristischen Russland.

Im Zweiten Weltkrieg eroberte die Wehrmacht Orjol Ende September 1941. Das Zentralgefängnis diente als deutsches Konzentrationslager. Unter deutscher Besatzung wurde die Stadt evtl. infolge falscher Transkription mit dem Namen Orel bezeichnet. Am 5. August 1943 befreite die Rote Armee die Stadt in der Orjoler Operation. Im Rahmen der Taktik der Verbrannten Erde ist die Stadt Orjol beim Rückzug der deutschen Truppen vollständig zerstört worden.MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 1990, Band 8, S. 258. Ein britischer Reporter berichtete:

Danach bestanden in der Stadt die beiden Kriegsgefangenenlager 263 und 406, Orel, für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977. Nach 1945 wurden weitere Industriebetriebe wie ein Stahlwerk und feinmechanische Industrien gegründet.

Im Russisch-Ukrainischen Krieg brannte ab der Nacht 11./12. März 2024 ein Treibstofflager eines Treibstoff- und Energiekomplexes nach Drohnenbeschuss.Brand in russischem Treibstofflager nach Drohnenangriff orf.at, 12. März 2024, 06.13 UTC+1; abgerufen am 12. März 2024.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner 1897 69.735 1939 110.564 1959 151.521 1970 232.216 1979 304.971 1989 336.862 2002 333.310 2010 317.747 Anmerkung: Volkszählungsdaten

Stadtgliederung Stadtrajon(Gorodskoi Rajon)Russischer NameEinwohner1. Januar 2006BemerkungSawodskoiЗаводской105.368Name von Sawod (Werk)SchelesnodoroschnyЖелезнодорожный69.052Name von Schelesnaja Doroga (Eisenbahn)SewernyСеверный66.558Name bedeutet Nördlicher RajonSowetskiСоветский84.967Name bedeutet Sowjetischer Rajon

Quelle:, auf www.gks.ru, abgerufen am 8. Oktober 2018

Politik Bei der Präsidentschaftswahl in Russland 2012 stimmten die Orjoler wie folgt ab:, auf www.cikrf.ru, abgerufen am 8. Oktober 2018

Kandidat Schelesnodoroschny-Rajon Sawodskoi-Rajon Sowetski-Rajon Wladimir Putin 45,49 % 45,4 % 47,17 % Gennadi Sjuganow 32,7 % 33,18 % 30,62 % Michail Prochorow 8,75 % 8,68 % 9,76 % Wladimir Schirinowski 7,8 % 7,55 % 7,01 % Sergei Mironow 4,02 % 3,99 % 4,16 %

Wirtschaft Die Stadt ist ein Standort der Metallindustrie und des Maschinenbaus sowie der Nahrungsmittelindustrie. Die Region ist geprägt durch Viehzucht und Milchwirtschaft. Daneben ist auch die Landwirtschaft von Bedeutung, da Orjol in der fruchtbaren Schwarzerderegion liegt.

Verkehr Orjol ist mit der russischen Hauptstadt Moskau über die Fernstraße M2 Krym verbunden. Gleichzeitig ist die Stadt Ausgangspunkt der Abzweigung R120, die in nordwestlicher Richtung über Brjansk und Smolensk zur belarussischen Grenze führt. Ebenfalls hier beginnen die R92, die die Stadt mit Kaluga verbindet, sowie die R119, die in Zentralrussland über Lipezk nach Tambow verläuft.

Kultur In Orjol befindet sich das Museum für Bildende Künste Orjol.

Weiterführende Bildungseinrichtungen mini|Blick auf die Stadt von einem Riesenrad mini|Orjol im Winter mini|Bahnhof von Orjol im September 1941 mini|Innenstadt von Orjol (1941) mini|Beschädigte Kulturdenkmäler in Orjol (1941) mini|Untere Stadtteile von Orjol am Ufer der Oka (1941) Staatliche Universitäten Staatliche Universität Orjol (seit 2014 Orjoler Staatliche Turgenjew-Universität) Staatliche Technische Universität Orjol (2016 vereinigt mit der Orjoler Staatlichen Turgenew-Universität) Staatliche Landwirtschaftliche Akademie Orjol Staatliche Universität für Wirtschaft und Handel Orjol Sonstige Hochschulen und Institute Fakultät des Allrussischen Ferninstituts für Finanzen und Ökonomie Handelsinstitut Orjol Juristisches Institut Orjol des Innenministeriums Russlands Militärinstitut für Regierungsfernmeldewesen Regionalakademie für Staatsdienst Orjol Staatliches Institut für Kunst und Kultur Orjol

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt

Timofei Granowski (1813–1855), Historiker Iwan Turgenew (1818–1883), Schriftsteller und Schachspieler Karl Eduard Luther (1858–1912), russlanddeutscher Oberst und Direktor des Kadettenkorps in Woronesch Adolf Robert Luther (1861–nach 1922), russlanddeutscher Generalleutnant und Direktor der Kadettenschule in Orjo Andrei Sajontschkowski (1862–1926), Militärliterat und General der Infanterie im Ersten Weltkrieg Pawel Sternberg (1865–1920), Astronom und kommunistischer Revolutionär Artur Loleit (1868–1933), Bauingenieur, Architekt und Hochschullehrer Adolf Eichler (1869–1911), deutsch-russischer Architekt Leonid Andrejew (1871–1919), Schriftsteller Iwan Fomin (1872–1936), Architekt Josef Lhévinne (1874–1944), russisch-US-amerikanischer Pianist Wladimir Russanow (1875–1913), Polarforscher und Geologe Arthur Luther, auch Artur Ljuter (1876–1955), deutscher Literaturwissenschaftler, Bibliothekar und Dolmetscher Nadeschda Udalzowa (1886–1961), Malerin Michail Bontsch-Brujewitsch (1888–1940), Radiotechniker Leonid Kochanski (1893–1980), Pianist und Musikpädagoge Michail Bachtin (1895–1975), Philosoph, Literaturwissenschaftler und Kunsttheoretiker Nikolai Akulow (1900–1976), Physiker, der sich mit Magnetismus beschäftigte Konstantin Žadkevič (1910–1944), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Sergei Alexejew (1924–2013), Jurist, Staatsrechtler und Hochschullehrer Boris Tschirikow (1928–2008), Physiker Alexei Nowikow (1931–2024), nonkonformistischer Maler und Bildhauer Nikolai Bordjuscha (* 1949), Politiker und Diplomat Sacha Bourdo (* 1962), französischer Schauspieler Olga Pilipenko (* 1966), Maschinenbauingenieurin, Hochschullehrerin und Politikerin Sergei Kirjakow (* 1970), Fußballspieler Konstantin Kubyschkin (* 1974), Bildhauer Aleksi Sanotschkin (* 1975), russisch-orthodoxer Bischof Tatjana Lewina (* 1977), Sprinterin Filipp Jegorow (* 1978), Bobfahrer Denis Menschow (* 1978), Radrennfahrer Alexander Mironow (* 1984), Radrennfahrer Denis Boizow (* 1986), Boxer Alexander Selichow (* 1994), Fußballtorwart Ilja Gaponow (* 1997), Fußballspieler Kirill Klimow (* 2001), Fußballspieler

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten Nikolai Leskow (1831–1895), Schriftsteller

Städtepartnerschaften Orjol listet folgende Partnerstädte auf: StadtLandseitTypBrest 15px1997Budweis 15px2012PartnerstadtПятым зарубежным побратимом Орла стал чешский город Ческе-Будеевице — Павел Арсеньев — Российская ГазетаKaluga 15px2003KooperationsvereinbarungKolpino 15px2010KooperationsvereinbarungMaribor 15px2017KooperationsvereinbarungMary2017Nokia 15px1967Novi Sad 15px2017KooperationsvereinbarungNowosibirsk 15px2014KooperationsvereinbarungOffenbach am Main 15px1988Kooperationsvereinbarung Auf: offenbach.de, abgerufen am 25. März 2018.Pensa 15px2018KooperationsvereinbarungRajon Wolokolamsk 15px2014KooperationsvereinbarungRasgrad 15px2016KooperationsvereinbarungSchodsina 15px2016Kooperationsvereinbarung

Weblinks

http://oldsite.oryol.ru/index/index.shtml http://www.art.oryol.ru/ Orjol auf mojgorod.ru

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in der Oblast Orjol Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Russland Kategorie:Hauptstadt eines Föderationssubjekts Russlands