mini|500px|* Japanisches Bildungssystem vor und nach 1947 Das Bildungssystem in Japan ist ein 6-3-3-4-System, entsprechend der Anzahl der Jahre, die in den aufeinander folgenden Institutionen verbracht werden. Dieses System wurde im März 1947 zusammen mit dem Grundgesetz der Erziehung und dem Schulbildungsgesetz eingeführt, um den Grundsatz der Chancengleichheit für Bildung zu verwirklichen.Principles Guide Japan's Educational System (en) Zuständig für das Bildungswesen ist das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT).

Dem Schulsystem vorgeschaltet sind die Kinderkrippe (, hoikuen) und der Kindergarten (, yōchien); daneben gibt es seit 2015 zunehmend integrierte Einrichtungen für frühkindliche Bildung und Betreuung (, nintei kodomo-en). In die Kinderkrippe werden Kinder für gewöhnlich ab einem Alter von 2 Monaten aufgenommen, in den Kindergarten im Alter von 3 bis 5 Jahren. Es gibt private und öffentliche Kinderkrippen und ‑gärten, teilweise mit Uniformpflicht. Seit Oktober 2019 ist der Besuch von Kindergärten, Kinderkrippen und integrierten Einrichtungen für Kinder von drei bis fünf Jahren grundsätzlich gebührenfrei.

Schulsystem Allgemeines

Die Bildungspflicht beträgt neun Jahre, erstreckt sich jedoch nicht auf Kinder ohne japanische Staatsbürgerschaft.外国人の子どもの公立義務教育諸学校への受入について (jp) Das Schuljahr beginnt in Japan am 1. April.„Durchführungsbestimmungen des Schul- und Erziehungsgesetzes“, Ministerialverordnung Nr. 14 des Bildungsministeriums vom 30. März 2012 (), Artikel 59 (für Grundschulen), 104 (für Oberschulen), 113 (für Mittelschulen). Die Schulferien sind im ganzen Land einheitlich (Neujahr: 2 Wochen, März/April: 2 Wochen, Juli/August: 6 Wochen). Öffentliche Schulen haben die 5-Tage-Woche, private Schulen oft die 6-Tage-Woche. Während der Bildungspflicht gibt es kein Sitzenbleiben wie z. B. in Deutschland. Jeder Schüler wird automatisch versetzt. Neben den getrennten Grund- und Mittelschulen gibt es seit 2016 die neunjährige „Pflichtschule“ (, gimu kyōiku gakkō), die beide Stufen unter einem Dach vereint, sowie die sechsjährige „Sekundarschule“ (, chūtō kyōiku gakkō), die Mittel- und Oberschule kombiniert. Die Zahl dieser Schulformen und ihrer Schüler steigt kontinuierlich und erreichte 2024 Höchstwerte. Infolge des Geburtenrückgangs sinkt die Zahl der Grund- und Mittelschulen sowie ihrer Schüler seit Jahren; die Schülerzahlen erreichten 2024 einen historischen Tiefstand.

Grundschule Die Grundschule (, shōgakkō) dauert sechs Jahre; eingeschult werden die Kinder nach Vollendung ihres 6. Lebensjahrs. Die Kinder besuchen jeweils die Schule, in deren Bezirk sie wohnen. Fast alle Grundschulen sind öffentlich und werden von den jeweiligen Gemeinden getragen. Schuluniformen sind nicht in allen Grundschulen Pflicht.

Mit dem seit April 2020 geltenden Lehrplan wurde der Unterricht neu ausgerichtet: In den Klassen 3 und 4 finden „fremdsprachliche Aktivitäten“ (, gaikokugo katsudō) statt, ab Klasse 5 ist Englisch reguläres Unterrichtsfach. Zudem ist seit 2020 Programmierunterricht an Grundschulen verpflichtend, und der Unterricht soll stärker auf aktive Mitarbeit der Schüler („active learning“) statt auf reinen Frontalunterricht setzen.

Die durchschnittliche Klassengröße betrug 2010 rund 25 Schüler, mit starken regionalen Schwankungen (Präfektur Kōchi: 18, Präfektur Tokio: 32). Etwa 2 % der Klassen waren jahrgangsgemischt.Japan Statistical Yearbook 2012, Tabelle 22-3 Elementary Schools by Prefecture, Online (Memento vom 20. Dezember 2011 im Internet Archive)

Mittelschule Nach der Grundschule besuchen die meisten Kinder eine öffentliche, dreijährige Mittelschule (, chūgakkō, engl. meist Junior High School) in Wohnungsnähe. Es gibt allerdings auch einige private Mittelschulen, für die man eine Aufnahmeprüfung ablegen muss. In der Mittelschule besteht meist Uniformpflicht, jedoch nicht an allen Schulen. Im letzten Jahr der Mittelschule lernen die Schüler sehr intensiv für die Aufnahmeprüfung der Oberschule, die den weiteren Lebensweg entscheidend beeinflussen kann.

Zwar endet mit der Mittelschule die Bildungspflicht, jedoch besuchen rund 98–99 % der Absolventen weiterführende Schulen. Die meisten Grund- und Mittelschulen werden von den jeweiligen Gemeinden getragen, finanziell jedoch vom Staat unterstützt, um im ganzen Land eine einheitliche Grundausbildung (während der Bildungspflicht) zu ermöglichen.

In den PISA-Studien, die alltags- und berufsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten von 15-Jährigen untersuchen, haben japanische Schüler wiederholt überdurchschnittlich gut abgeschnitten. In der PISA-Studie 2022 erreichte Japan 536 Punkte in Mathematik, 516 im Lesen und 547 in den Naturwissenschaften und gehörte damit in allen drei Bereichen zu den fünf besten Teilnehmerstaaten. In Mathematik belegt Japan seit Jahren Spitzenplätze des PISA-Rankings.

Oberschule Nach der Mittelschule besuchen fast alle Schüler die dreijährige Oberschule (, kōtō gakkō oder kurz , kōkō, engl. Senior High School oder nur High School). Der Zugang zu einer Oberschule ist generell durch eine Aufnahmeprüfung geregelt, wobei sich der Ruf und das Ausbildungsniveau der Oberschule im Schwierigkeitsgrad der Aufnahmeprüfung widerspiegeln. Der Abschluss der Oberschule qualifiziert formal zum Eintritt in eine Universität und wird daher mit dem deutschen Abitur gleichgestellt. Allerdings gibt es keine Abschlussprüfung. Der Abschluss wird durch regelmäßige Teilnahme am Unterricht und durch das Bestehen der Klassenarbeiten erworben.

Seit April 2022 wird an den Oberschulen jahrgangsweise ein neuer Lehrplan eingeführt. Zu den vorgeschriebenen Fachgebieten gehören Japanisch, Geographie und Geschichte (mit den neuen integrierten Pflichtfächern „Geschichte im Überblick“ und „Geographie im Überblick“), Bürgerkunde (mit dem neuen Pflichtfach „Öffentlichkeit“, , kōkyō), Mathematik, Naturwissenschaften, Gesundheitserziehung und Sport, Kunst, Fremdsprachen, Hauswirtschaft sowie Informatik, in der das Pflichtfach „Informatik I“ () auch Grundlagen des Programmierens vermittelt. Innerhalb der Fachgebiete sind viele Fächer als Wahlpflichtunterricht ausgelegt.

Daneben gibt es Oberschulen, die wie die deutschen Berufsgymnasien spezialisierte Fachcurricula anbieten. Diese enthalten eine große Auswahl an Profilfächern in den Vertiefungsrichtungen Landwirtschaft, Technik, Wirtschaft, Fischerei, Hauswirtschaft, Krankenpflege, Informatik, Wohlfahrt, Mathematik, Sport, Musik, Kunst oder Englisch.

Neben öffentlichen Oberschulen (meistens von den Präfekturen getragen) gibt es zahlreiche private Schulen. Bis zum Schuljahr 2010 musste für alle Oberschulen eine Gebühr bezahlt werden; seitdem sind öffentliche Oberschulen (zunächst einkommensabhängig) gebührenfrei, und für das Schulgeld privater Oberschulen zahlt der Staat Zuschüsse. 2025 beschloss die Regierung, die Einkommensgrenzen abzuschaffen und die Förderung auf private Oberschulen auszuweiten, sodass landesweit ein gleichberechtigter Zugang zu gebührenfreier Oberschulbildung entsteht; einzelne Präfekturen wie Tokio und Osaka waren mit eigenen Programmen vorangegangen.

Die Zahl der Oberschulen und ihrer Schüler ist rückläufig; stark gewachsen ist hingegen der Fernunterricht (, tsūshinsei).

Fachoberschule Im Jahre 1962 wurden die Fachoberschulen (, kōtō semmon gakkō oder kurz , kōsen, engl. KOSEN bzw. College of Technology), auch Technische Fachhochschule genannt, eingeführt, um den Fachkräftebedarf in der Industrie zu decken. Diese Schulen können nach der Mittelschule besucht werden und haben eine Ausbildungsdauer von 5 Jahren.

Hochschule/Universität Ein großer Teil aller Oberschulabsolventen besucht anschließend eine Hochschule (, daigaku), die vier Jahre dauert und mit dem Bachelor (, gakushi) abschließt, dem ersten akademischen Grad.

Die Zulassung zum Studium ist an das Bestehen von Aufnahmeprüfungen geknüpft. Der seit 1990 durchgeführte zentrale „Center-Test“ wurde 2021 durch den „Gemeinsamen Test für die Universitätszulassung“ (, daigaku nyūgaku kyōtsū tesuto, engl. Common Test for University Admissions) ersetzt; in der Englischprüfung wurde dabei das Hörverstehen deutlich aufgewertet. Zusätzlich führen die einzelnen Universitäten eigene Aufnahmeprüfungen durch. Einige Schüler verbringen nach der Oberschule ein Jahr nur mit dem Lernen für die Aufnahmeprüfung (sogenannte Rōnin). Japanische Universitäten werden in der öffentlichen Meinung vor allem danach bewertet, wie anspruchsvoll ihre Aufnahmeprüfung ist.

Im Studienjahr 2024 waren rund 2,95 Millionen Studenten an Universitäten eingeschrieben – trotz sinkender Jahrgangsstärken ein historischer Höchststand; der Frauenanteil im grundständigen Studium erreichte mit 45,9 % einen Rekordwert. Etwa 58,6 % eines Jahrgangs nahmen 2024 ein Universitätsstudium auf, und rund 80 % der 18-Jährigen begannen irgendeine Form tertiärer Bildung. Japan zählt über 800 Universitäten, darunter 86 nationale und 95 sonstige öffentliche; die große Mehrheit ist privat. Die Zahl ausländischer Studierender erreichte im Mai 2024 mit rund 337.000 einen Höchststand.

Nur ein kleinerer Teil der Studenten schließt einen Masterkurs (, daigakuin, zwei Jahre) mit dem Mastergrad (, shūshi) an, noch weniger einen Doktorkurs (meistens drei Jahre) zum Doktortitel (, hakase/hakushi).

Neben den regulären Universitäten mit vier Jahren Studienzeit gibt es Kurzhochschulen (tanki daigaku, engl. Junior College) mit zwei Jahren Studiendauer, die hauptsächlich geistes- und sozialwissenschaftliche Kurse anbieten und mehrheitlich von Frauen besucht werden; ihre Zahl ist stark rückläufig.

An allen Universitäten werden Gebühren erhoben; öffentliche Hochschulen sind deutlich günstiger als private. Der Staat trägt rund 93 % der Kosten im Primar- und Sekundarbereich, aber nur etwa 37,5 % der Ausgaben im Tertiärbereich (OECD-Durchschnitt: 67,4 %).

Die japanischen Unternehmen rekrutieren ihre zukünftigen Mitarbeiter bereits ca. ein Dreivierteljahr vor Ende der Universitätszeit, wobei für viele Unternehmen vor allem der Ruf der Universität entscheidend ist. Es kommt verglichen mit Deutschland häufiger vor, dass Unternehmen Angestellte in Aufgabengebieten einsetzen, die nichts mit dem Studienfach zu tun haben.

Unterricht in einzelnen Fächern Japanische Schrift Das Erlernen des japanischen Schriftsystems ist sehr zeitaufwendig, da es aus den Silbenschriften Hiragana und Katakana sowie aus Wortschriftzeichen (Kanji) besteht. Zudem wird auch die lateinische Schrift (Rōmaji) in Japan verwendet. Die Hiragana werden meistens schon im Kindergarten gelernt. Da ein Zeichen immer einer Silbe entspricht, ist die Zuordnung von Laut und Zeichen erheblich einfacher als bei der lateinischen Schrift und kann spielerisch erlernt werden. Katakana sowie die ersten Kanji folgen im ersten Jahr der Grundschule. Rōmaji wird ebenfalls in der Grundschule gelernt.

Sehr zeitaufwendig zu lernen sind die Kanji. Während der neun Jahre dauernden Bildungspflicht werden die 2136 sogenannten Jōyō-Kanji gelernt. Dabei ist landesweit vorgegeben, welche Zeichen in welchem Schuljahr gelernt werden. Pro Zeichen müssen die Strichfolge sowie die verschiedenen (meist mindestens zwei) Aussprachevarianten in ihren jeweiligen Kontexten auswendig gelernt werden.

Fremdsprachen Als erste Fremdsprache wird Englisch gelehrt. Seit dem Lehrplan von 2020 beginnt der Englischunterricht bereits in der Grundschule: in den Klassen 3 und 4 als „fremdsprachliche Aktivitäten“, ab Klasse 5 als benotetes Unterrichtsfach, häufig unterstützt durch muttersprachliche Assistenzlehrkräfte (Assistant Language Teachers, ALT). In der Mittel- und Oberschule wird der Unterricht fortgeführt. Während bis in die 2010er Jahre vor allem Wert auf Lese- und Übersetzungsfähigkeiten gelegt wurde, hat die mündliche Kommunikation seither an Gewicht gewonnen; auch im zentralen Zulassungstest für die Universitäten wurde das Hörverstehen aufgewertet.