Der Tierpark Berlin ist einer der beiden zoologischen Gärten in Berlin. Er wurde 1955 im Ortsteil Friedrichsfelde eröffnet. Mit 160 Hektar Fläche ist er der größte Landschaftstierpark in Europa. Ein Teil des Geländes wurde bereits 1821 vom Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné als Landschaftsgarten gestaltet.
Zum Bestand des Tierparks zählen 8491 Tiere aus 626 Arten (Stand: 31. Dezember 2024). Besondere Anerkennung genießt er für die Zucht von Afrikanischen Elefanten. Träger des Tierparks ist die Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH, deren Gesellschafter die Zoologischer Garten Berlin AG ist.
Geschichte 1954: Gründung des Tierparks in Ost-Berlin mini|links|Planskizze, 1955
Der Tierpark Berlin entstand aufgrund der Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Zoologische Garten Berlin lag im britischen Sektor Berlins, daher fehlte Ost-Berlin eine eigene tiergärtnerische Einrichtung. Als geeignetes Grundstück wurde der verwahrloste Schlosspark mit dem Schloss Friedrichsfelde ausgewählt.
Als Gründungsdatum des Tierparks Berlin gilt der Beschluss des Ost-Berliner Magistrats vom 27. August 1954. Nach der symbolischen Grundsteinlegung am 30. November 1954 wurde der Tierpark in den Frühlingsmonaten 1955 von Aufbauhelfern des Nationalen Aufbauwerks aus Berlin und Umgebung hergerichtet. Der von Peter Joseph Lenné 1821 umgestaltete Landschaftspark mit dem Schloss Friedrichsfelde diente als Basis für den Aufbau des Tierparks; er blieb weitgehend erhalten und wurde den Bedingungen eines zoologischen Parkes angepasst. Breite Alleen, möglichst naturbelassene Waldbestände und großzügige Tieranlagen, die oft nur durch Wassergräben vom Besucher getrennt sind, sowie Teich- und Wiesenanlagen prägen den Tierpark bei seiner Gründung. Für die Wiederherstellung des barocken Parks am Schloss wurden historische Pläne als Vorlage genutzt. Insbesondere den Wassergräben, den darüberführenden Brücken und den damit verbundenen tierhalterischen Möglichkeiten galt beim weiteren Ausbau ein besonderes Interesse.
Einzug erster Zootiere ab 1955 unter Direktor Heinrich Dathe mini|hochkant|Eröffnung des Tierparks durch Wilhelm Pieck und Friedrich Ebert; dazwischen im Hintergrund Heinrich Dathe, ganz links Karin Rohn mini|Juri Gagarin tauft mit Walentina Tereschkowa einen kleinen Nebelparder (1963)
Bei der Eröffnung des Tierparks durch den Ost-Berliner Oberbürgermeister Friedrich Ebert und den Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, am 2. Juli 1955 konnten etwa 400 Tiere in 120 Arten besichtigt werden.
Der anfängliche Tierbestand setzte sich aus einigen Einkäufen zusammen, vor allem finanziert aus Spenden der Bevölkerung und von Betrieben der DDR. Bald trafen aus Zoos aus beiden Teilen Deutschlands und dem Ausland Tierspenden ein. So kamen Tiger aus Moskau, Maralhirsche aus Leningrad, Wisente aus dem Tierpark München-Hellabrunn und zwei asiatische Elefanten in die teilweise noch provisorischen Unterkünfte. In den Folgejahren wurde der Tierpark kontinuierlich erweitert, fast jährlich wurden neue Tieranlagen gebaut. Die Felsenanlagen für Bären und große Freisichtgehege machten dabei den Anfang. In jenen Anfangsjahren prägte sich der Charakter des Tierparks als weitläufige Parkanlage mit zoologischem Anspruch. Der Tierbestand des Tierparks erreichte im Laufe seiner Geschichte bis zu 10.000 Lebewesen mit über 1000 Arten. Die Fläche des Tierparks konnte kontinuierlich von anfänglich 60 Hektar auf heute 160 Hektar ausgedehnt werden.Leonard Laurig: Mystisches aus dem Eisbärengehege, Berliner Woche, 26. April 2025, Seite 9.
Im Jahr 1961 verkündete die Leitung des Parks die Geburt eines Rosapelikans, dessen Zucht in einem Zoo in Deutschland zuvor noch nicht gelungen war. Das Tier erhielt den Namen Methusalem. Die Zucht weiterer Pelikanarten nahm damit ihren Anfang. Diese Wasservögel sind mittlerweile zu einem Symbol für den Berliner Tierpark geworden, was sich auch auf einer Briefmarke der DDR zeigte. Bereits in der Aufbauphase übernahm Heinrich Dathe die Leitung des Tierparks, die er bis zu seiner Pensionierung nach seinem 80. Geburtstag im Jahr 1990 innehatte. Die Leitung des Tierparks unter Heinrich Dathe erhielt für ihre Bildungsarbeit und das Engagement später den Karl-Marx-Orden und den Vaterländischen Verdienstorden in Silber.
Schloss Friedrichsfelde im Tierpark
mini|Schloss Friedrichsfelde (2015) mini|Schloss Friedrichsfelde, 1955
Das Schloss wurde 1695 als Schloss Rosenfelde im Auftrag des kurbrandenburgischen Marinedirektors Benjamin Raule erbaut. Es wechselte mehrfach die Besitzer, die es nach ihren Anforderungen umbauen und neu ausstatten ließen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Besitzer enteignet, das Schloss durch jahrelangen Leerstand vernachlässigt und zwischenzeitlich als Schulungsheim genutzt. Erst mit der Erschließung des Geländes für den Tierpark fand sich eine neue Verwendung für das marode Gebäude als Stallanlage. In der weiteren Entwicklung sollte es eigentlich ganz abgerissen werden; der Ost-Magistrat entschloss sich jedoch zu einer ersten Grundsanierung, die 1970 begann. Von der ursprünglichen Inneneinrichtung blieben dabei die reich geschnitzte Treppe und der stuckierte Festsaal von 1785 erhalten. Die Räume wurden mangels originaler Möbel mit Einrichtungsstücken aus anderen Schlössern und Gutshäusern ausgestattet. Das Schloss wurde im Jahr 1981 erstmals wieder für Besucher geöffnet. Es wird in regelmäßigen Abständen für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt. In den 1980er Jahren diente das Schloss als Kulisse für das Fernsehen der DDR und die DEFA.Tierpark Berlin – Jahresbericht 1985, S. 56 und andere Quellen.
Erbbegräbnis Treskow und Gedenkstätte auf dem Tierparkgelände mini|Erbbegräbnisstätte der Familie von Treskow-Friedrichsfelde
In die Tierparkgestaltung wurde auch die Erbbegräbnisstätte der Familie von Treskow-Friedrichsfelde nahe der Bärenschlucht und der Eisbärenanlage eingebunden. Der Familienfriedhof wurde 1821 von Carl von Treskow angelegt. Er hat eine Grundfläche von 96 m² und ist durch einen Metallzaun vom Besucherbereich des Tierparkgeländes abgegrenzt und durch Tore betretbar.
Ebenfalls im Süden des Geländes, in der Nähe der Möwenkuppel, gegenüber den Volieren für Uhus, ist ein Gedenkstein für die Häftlinge und Opfer des Arbeitserziehungslagers WuhlheideGedenkstein für das Gestapo-Arbeitserziehungslager Wuhlheide, bildhauerei-in-berlin.de, abgerufen am 31. Mai 2024. aufgestellt worden, das die Geheime Staatspolizei von 1940 bis 1945 betrieben hatte. Direkt im ehemaligen Lagerbereich entstand das Verwaltungsgebäude des Tierparks.
Weitere Gebäude und Anlagen Im Jahr 1958 wurde der Wirtschaftshof des Tierparks ausgebaut. Im August desselben Jahres war die Wanderausstellung der Pandabärin Chi Chi zu Gast, die bis zu 400.000 Besucher in den Tierpark lockte. 1960 wurde ein provisorisches Gebäude für die Giraffen errichtet. Die Inbetriebnahme des Heizhauses erfolgte im Jahr 1961. Mit der Eröffnung des nach Alfred Brehm benannten Raubtierhauses und der Cafeteria im Jahr 1963 war die Topographie des Tierparks für lange Zeit weitestgehend festgelegt. Das nach dem Zoologen Alfred Brehm benannte Raubtierhaus hatte anfangs eine Fläche von 5300 Quadratmetern und galt als das größte Tierhaus der Welt.
Das Verwaltungsgebäude wurde 1969 vollendet. 1973 bekam der Tierpark mit dem U-Bahnhof Tierpark einen U-Bahn-Anschluss an die damalige Linie E (heute: Linie U5). 1974 wurde der Karl-Foerster-Garten im Tierpark eröffnet, angelegt nach Prinzipien des Namensgebers Karl Foerster. Zwei Jahre später wurde am Bärenschaufenster anstelle des früheren provisorischen Eingang zum Schlosspark der neue Haupteingang eingeweiht. Das restaurierte Schloss Friedrichsfelde konnte 1981 wieder eröffnet werden. 1986 wurde das neue Terrassencafé – Entwurfsleitung Gerd Pieper – eröffnet, das heute unter anderem der Veranstaltungsort für die jährlichen Pfingstkonzerte ist. 1989 wurde das Dickhäuterhaus eröffnet.
Mit dem Bau des Dickhäuterhauses, das 1989 fertiggestellt wurde, endete die Tierparkentwicklung in der DDR.
Tierpark nach 1990: neue Rechtsform, neuer Direktor, mehrfache Erweiterungen Nach dem Fall der Mauer 1990 musste der damals 80-jährige Direktor des Tierparks, Heinrich Dathe, die Leitung abgeben, da der Einigungsvertrag keine Übernahme von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes zuließ, die bereits über 60 Jahre alt waren. Damals wurde diskutiert, ob Berlin zwei zoologische Gärten brauche oder ob der Tierpark aufgelöst werden solle. Mit der Berufung des Zoologen Bernhard Blaszkiewitz als neuem Direktor kam die Diskussion 1991 zum Erliegen. Die Rechtsform des Tierparks wurde von einer Körperschaft zur Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH umgewandelt. Die Kooperation mit dem seit 1844 bestehenden Zoologischen Garten Berlin wurde zunehmend intensiviert.
Im Jahr 1994 zeigte der Tierpark erstmals in Deutschland für einige Wochen zwei Queensland-Koalas: Dinki-Di und Gidgee waren während ihres Gastaufenthaltes in einer Vitrine im Alfred-Brehm-Haus untergebracht.
Ab Mitte der 1990er Jahre wurden für den Tierpark neue Tieranlagen errichtet. Das neue Giraffenhaus wurde 1995 eröffnet. Der erste Abschnitt des Africanums für Zebras und Wildesel wurde 1996 eingeweiht. Im Folgejahr wurde mit den Anlagen für die Wüstenantilopen der zweite und 1998 mit den Freigehegen für die Rot- und Schwarzbüffel der dritte Bauabschnitt fertiggestellt. 2003 wurde das Gehege für Südafrikanische Blauhalsstrauße eröffnet.
Zum 1. Juli 2006 wurde Blaszkiewitz, weiterhin Geschäftsführer und Direktor, zum „weiteren ordentlichen Vorstandsmitglied“ des Zoologischen Gartens Berlin berufen. Ab dem 31. Januar 2007 war er in Personalunion auch Direktor des Zoologischen Gartens Berlins, nachdem der bisherige Amtsinhaber Jürgen Lange in den Ruhestand gegangen war. Seit April 2014 ist der Tierarzt Andreas Knieriem Direktor, sowohl des Zoologischen Gartens als auch des Tierparks Berlin.
2015 bis heute: Umbau zum Geozoo Ein Ziel- und Entwicklungsplan von 2014, der am 1. April 2015 vorgestellt wurde, und ein Masterplan aus dem Jahr 2022 sehen die Umgestaltung des Tierparks zu einem Geozoo vor und dokumentieren geplante Bauprojekte bis 2035. Die Struktur des Geozoos setzt bei den vorhandenen regionalen Schwerpunkten von benachbarten Tieranlagen an, wie dem Afrika-Revier. Neben den nach Kontinenten benannten Zoobereichen gibt es in dem Plan einige Anlagen und Häuser, die nicht dieser Geozoo-Struktur zugeordnet sind, beispielsweise das Alfred-Brehm-Haus (Dschungelwelt bzw. Regenwaldhaus) oder die geplante Tieranlage Farmen der Welt. Die Planungen schlossen auch die Umgestaltung des Eingangs Bärenschaufenster und ein neues Orientierungskonzept mit ein.
Folgende Neu- oder Umbauten wurden bis Ende 2024 fertiggestellt: das Regenwaldhaus/Alfred-Brehm-Haus (2020), der Himalaya (2022), die Savanne inklusive Giraffenpfad (2023) und die Otter-Insel (2024). Der 2020 begonnene Umbau des Dickhäuterhauses soll 2027 abgeschlossen werden. In der Vorbereitungsphase befinden sich folgende Projekte: eine Löwenanlage, die Anlage Afrikanische Halbwüste und eine Anlage für Breitmaulnashörner, die 2026 fertiggestellt werden sollte.
Zwischen dem 11. Januar und Ende Januar 2025 waren der Tierpark und der Zoo geschlossen, da im Berliner Umland die Maul- und Klauenseuche aufgetreten war.
Tieranlagen (Auswahl) mini|Baribal im Bärenschaufenster vor dem Umbau 2006
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