Ptolemaios III. Euergetes I. (, auch Ptolemäus III.; * um 284 v. Chr.; † 222 v. Chr.) aus der makedonischen Dynastie der Ptolemäer war von 246 v. Chr. bis 222 v. Chr., in der griechisch-römischen Zeit, Pharao bzw. König (Basileus) von Ägypten.
Leben miniatur|170px|Statue Ptolemaios’ III. in Gestalt des Hermes mit Chlamys-Mantel Ptolemaios III. wurde um 284 v. Chr. als ältester Sohn König Ptolemaios’ II. und seiner ersten Ehefrau Arsinoë I. geboren. Zwischen 250 und 246 v. Chr. heiratete er Berenike II., die Tochter König Magas’ von Kyrene. Nach dem Tod seines Vaters 246 v. Chr. übernahm er die Herrschaft in Ägypten.Nach den Berechnungen von Pieter-Willem Pestman wurde Ptolemaios III. 246 v. Chr. am 7. Choiak des ägyptischen Kalenders zum Pharao gekrönt. Das Krönungsdatum entspricht dem 25. Dios im makedonischen Kalender, dem 28. Januar im proleptisch-julianischen Kalender sowie dem 24. Januar im gregorianischen Kalender. Vgl. Pieter Willem Pestman: Chronologie égyptienne d’après les textes demotiques (332 av. J. C. – 453 ap. J. C.). Brill, Leiden 1967, S. 28.
Als ihn seine Schwester Berenike die Jüngere, die Witwe des Seleukiden Antiochos II., kurz darauf um Hilfe bat, griff Ptolemaios III. in die seleukidischen Thronstreitigkeiten ein. Die erste Frau des Antiochos, Laodike, hatte nach seinem Tod alles daran gesetzt, Berenike und ihren Sohn zugunsten ihres eigenen Sohnes Seleukos auszuschalten. Noch bevor Ptolemaios in Syrien eintraf, waren seine Schwester und sein Neffe ermordet worden. Dennoch setzte er seinen Angriff fort. Im sogenannten Dritten Syrischen Krieg (oder Krieg der Laodike)Inschriften von Priene 37,134 eroberte er Küstengebiete in Kleinasien und Thrakien. Den Seleukiden waren damit die Meerengen versperrt. Zeitweilig besetzte er auch Antiochia am Orontes und Babylon, (englisch). konnte sich dort aber nicht dauerhaft etablieren, da er 245 nach Ägypten zurückkehren musste, wo eine Revolte ausgebrochen war.Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum 27,1,9. In der Forschung ist umstritten, was die Hauptmotive für diese Unruhen waren, ob etwa wegen des Ausfalls von Nilfluten die Bevölkerung in wirtschaftliche Not geraten war oder ob der Aufstand in erster Linie von den ägyptischen Priesterschaften ausging. In jedem Fall scheint Ptolemaios die Lage schnell wieder in den Griff bekommen zu haben.Lukas Kainz: Die umstrittenen Könige: Untersuchungen zur Stabilität des ptolemäischen Königtums. Von der Thronbesteigung Ptolemaios’ II. bis zum Tod Ptolemaios’ VI. (283/82–145 v. Chr.) (= Studien zur Geschichtsforschung des Altertums. Band 46). Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2022, ISBN 978-3-339-13044-0, S. 149–179. Auf dem syrischen Kriegsschauplatz im Osten ließ er zunächst seinen General Xanthippos zurück. Dennoch konnte sich Laodikes Sohn Seleukos II. nun als König etablieren.
In Griechenland versuchte Ptolemaios III., den Einfluss der makedonischen Könige aus der Dynastie der Antigoniden zurückzudrängen, indem er auf die führenden Politiker der griechischen Mittelmächte Achaiischer Bund, Aitolischer Bund und Sparta einwirkte. Trotz zwischenzeitlicher Erfolge wie dem Ende der makedonischen Besatzung Athens 229 v. Chr. musste er jedoch schließlich die Hegemonie der Makedonen unter Antigonos III. Doson über Griechenland anerkennen; dies auch deshalb, weil inzwischen von Seiten der wiedererstarkten Seleukiden große Gefahr drohte.
Unter Ptolemaios III. wies das Ptolemäerreich seine größte Machtentfaltung auf. Neben der Verehrung seiner eigenen Familie förderte er auch die traditionellen ägyptischen Kulte und ließ in Apollonopolis einen prächtigen Horus-Tempel errichten. Auch das Museion von Alexandria und die dort wirkenden griechischen Gelehrten unterstützte er großzügig. Eratosthenes ernannte er zum Leiter der berühmten Bibliothek und zum Erzieher seines Sohnes und späteren Nachfolgers Ptolemaios IV.
Adulis-Inschrift Die nur dank einer spätantiken Abschrift erhaltene „Adulis-Inschrift“, eine griechische Siegesinschrift aus der damals bedeutenden Hafenstadt Adulis am Roten Meer, bezeugt überdies, dass Ptolemaios auch im Süden seines Reiches aktiv war. Der Text, der seine Erfolge erheblich übertreibt, ist eine sehr wichtige Quelle für die Selbstdarstellung des Herrschers, der sich hier selbst Großkönig (basileus megas) nennen lässt:
Kanopus-Dekret und heliakischer Aufgang des Sirius Heliakischer Aufgang des Sirius vom 7. bis 10. Regierungsjahr von Ptolemaios III.Jean Meeus: Astronomische Algorithmen – Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5. Barth, Leipzig 2000 für: Ephemeris Tool 4,5 nach Jean Meeus: Umrechnungsprogramm, 2001.BeobachtungsortÄgyptisches DatumJulianischer KalenderMögliche JahreMemphisHeliakischer Aufgang: 29. Schemu I18. Juli241 bis 238 v. Chr.Scheinbarer Sehungsbogen: 241 v. Chr. 9,8° (9,5°); 240 v. Chr. 9,6° (9,3°); 239 v. Chr. 9,35° (9,05°); 238 v. Chr. 9,15° (8,85°). In Klammern die wahren Sehungsbogenwerte.AlexandriaHeliakischer Aufgang: 30. Schemu I sowieNeujahrsfest: 1. Schemu II (1. Payni)19. Juli241 bis 238 v. Chr.Scheinbarer Sehungsbogen: 241 v. Chr. 9,5° (9,2°); 240 v. Chr. 9,25° (8,95°); 239 v. Chr. 9,05° (8,75°); 238 v. Chr. 8,85° (8,55°). In Klammern die wahren Sehungsbogenwerte.
Im 9. Regierungsjahr Ptolemaios’ III. wurde am 17. Tybi (3. März) 238 v. Chr. im Kanopus-Dekret die Einführung eines Schalttages beschlossen, der ein Jahr später als sechster Epagomenentag eingefügt werden sollte, um die Verschiebung des heliakischen Aufgangs von Sirius auf den 2. Payni in 237 v. Chr. zu verhindern.Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten: Studien zur astronomischen und technischen Chronologie Altägyptens. Gerstenberg, Hildesheim 1985, S. 54–55.
Die neue Kalenderform konnte sich nicht nachhaltig durchsetzen. Neben dem neuen Schalttags-Kalender wurden die Aufzeichnungen parallel nach dem alten System fortgeführt. Nach dem Tod von Ptolemaios III. und den zwischenzeitlich vorgenommenen vier Schalttagen datierte im Ptolemäischen Kalender das Neujahrsdatum auf dem 25. August, während im altägyptischen Kalender weiter der 29. August als Neujahrstag galt.
Bis zur Einführung des julianischen Kalenders durch Augustus waren beide Kalender ohne Schalttagsregelung weiterhin in Gebrauch.
Literatur Alan K. Bowman: Egypt after the pharaohs 332 BC–AD 642. From Alexander to the Arab conquest. British Museum Publications, London 1986, ISBN 978-0-7141-0942-8.
Werner Huß: Ptolemaios III. (246–222/221 v. Chr.). In: Kay Ehling, Gregor Weber (Hrsg.): Hellenistische Königreiche. Philipp von Zabern, Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8053-4758-7, S. 55–60. Mohamed Saleh: A Building Inscription of Ptolemaios III. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 37, 1981, S. 417–419. Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3, S. 210–212.
Weblinks
Anmerkungen
Kategorie:Pharao (Ptolemäer) Kategorie:Geboren im 3. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben 222 v. Chr. Kategorie:Mann