mini|Karte, die Kommagene als Vasallenkönigreich Armeniens zeigt (1. Jahrhundert v. Chr.) mini|Brücke des Septimius Severus Kommagene () war eine historische Landschaft der Antike im Südosten Kleinasiens, die im Osten vom Euphrat begrenzt wurde. Westlich befand sich das Taurusgebirge und im Süden die Ebenen Nordsyriens. Lange Zeit war Kommagene Teil verschiedener Reiche, bevor es Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. unabhängig wurde. Im ersten Jahrhundert n. Chr. endete die Selbstständigkeit Kommagenes. Hauptstadt war zunächst Samosata am Euphrat, später Hierapolis Bambyke, das heutige Manbidsch im nördlichen Syrien. Weitere bedeutende Städte waren Germanikeia (Marasch), Doliche und Perrhe.
Geschichte Steinzeit und Bronzezeit In der später als Kommagene bezeichneten Landschaft wurden diverse Siedlungen des präkeramischen Neolithikums dokumentiert, die bis in das 9./8. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen. Dazu gehören Nevalı Çori, Gritille, Hayaz Höyük und Levzin Höyük. Aus dem keramischen Neolithikum sind nur wenige Fundstätten bekannt, während für die Kupfersteinzeit wiederum diverse Zeugnisse vorliegen. Diese setzen in der Übergangsphase zwischen Jung- und Kupfersteinzeit mit der Halaf-Kultur Ende des 6. Jahrtausends v. Chr. ein und erreichen im 5. Jahrtausend mit der Obed-Zeit den Status einer entwickelten Bauerngesellschaft mit weit reichenden Handelskontakten (für die auch der Euphrat genutzt wurde). Das 4. Jahrtausend v. Chr. brachte dann das Entstehen erster stadtähnlicher Siedlungen sowie verschiedene Hinweise auf sich herausbildende Staatswesen (wie etwa die zentrale Verteilung von Lebensmitteln). Verbunden mit einem Erstarken des Handels – vor allem mit Kupfer und aus der Kommagene stammendem Feuerstein – differenzierte sich auch die Arbeitsteilung und -organisation aus. Ab Mitte des 4. Jahrtausends stieg der Einfluss der aus dem Süden expandierenden Uruk-Kultur, wobei am Samsat Höyük die bedeutendste Stadt der Kommagene, das spätere Samosata, entstand.Zum Neolithikum und Chalkolithikum in der Kommagene: Wolfgang Messerschmidt: Kommagene vor Alexander. Eine kurze Kulturgeschichte des Landes vom Chalkolithikum bis zur Eisenzeit. In: Jörg Wagner (Hrsg.): Gottkönige am Euphrat. Neue Ausgrabungen und Forschungen in Kommagene. 2. Auflage, Philipp von Zabern, Mainz 2012, ISBN 978-3-8053-4218-6, S. 23–31, hier S. 23 f.
Noch vor 3000 v. Chr. brechen die Siedlungen der Uruk-Kultur gewaltsam ab, am Samsat Höyük ist in den archäologischen Befunden eine große Feuerkatastrophe nachweisbar. Die Siedlungsintensität in der Kommagene blieb dagegen auch in der anschließenden frühen Bronzezeit auf einem hohen Niveau bestehen und die Siedlungen der späteren Kupfersteinzeit wurden sämtlich weiter genutzt. Im weiteren Verlauf der Bronzezeit wurde die Entwicklung der Kommagene vielschichtiger; während in einigen Teilen des Landes ein deutlicher Rückgang der Siedlungstätigkeit feststellbar ist, florierten andere Städte wie vor allem Samsat Höyük und das Umland ungebrochen weiter. Mit dem Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. gelangte die Region unter den Einfluss des Reiches von Akkad und taucht in diesem Zusammenhang auch erstmals in den Schriftquellen auf. Im 17. oder 16. Jahrhundert eroberte der Hethiterkönig Ḫattušili I. eine Region namens Uršu, die etwa den Raum der späteren Kommagene umfasst – bereits im 15. Jahrhundert fiel das Land jedoch an das Königreich Kizzuwatna. Mitte des 14. Jahrhunderts gelangte es dann durch die Feldzüge Šuppiluliumas I. erneut an das hethitische Reich, bei dem es bis zu dessen Untergang um 1200 v. Chr. verblieb.Zur Geschichte der Kommagene in der Bronzezeit: Wolfgang Messerschmidt: Kommagene vor Alexander. Eine kurze Kulturgeschichte des Landes vom Chalkolithikum bis zur Eisenzeit. In: Jörg Wagner (Hrsg.): Gottkönige am Euphrat. Neue Ausgrabungen und Forschungen in Kommagene. 2. Auflage, Philipp von Zabern, Mainz 2012, ISBN 978-3-8053-4218-6, S. 23–31, hier S. 25.
Entwicklung bis zum Hellenismus
In den Wirren im Zusammenhang mit dem Untergang des Hethiterreiches gelangte die Region Kommagene wohl zunächst unter die Kontrolle des Reiches von Karkemiš, aus dem wiederum im Laufe des 12. Jahrhunderts v. Chr. mehrere regionale Fürstentümer hervorgingen. Dazu gehörte auch das Reich Kummuḫ, für das allerdings erst ab dem 9. Jahrhundert umfangreichere Informationen aus den Schriftquellen vorliegen. Von dieser Staatsbezeichnung leitet sich auch der spätere Begriff „Kommagene“ her.John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 1: Inscriptions of the Iron Age. Teil 1: Text. Introduction, Karatepe, Karkemiš, Tell Ahmar, Maraș, Malatya, Commagene (= Untersuchungen zur indogermanischen Sprach- und Kulturwissenschaft. Band 8,1). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2000, ISBN 3-11-010864-X, S. 330. Es stand in vielen Bereichen von Kultur und Gesellschaft noch ganz in der Tradition des hethitischen Reiches, die lokale Oberschicht bezeichnete sich selbst auch weiterhin als „Hethiter“. Gleichzeitig wurde jedoch das Luwische statt des Hethitischen zur üblichen Sprache der Inschriften, und die einwandernden aramäischen Bevölkerungsgruppen brachten ihrerseits ihre Schrift und Sprache mit. Darüber hinaus entstanden auch neue aramäisch geprägte Herrschaftszentren in Nachbarschaft zu den älteren hethitisch und luwisch beeinflussten.Zur kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung des Reiches Kummuh: Wolfgang Messerschmidt: Kommagene vor Alexander. Eine kurze Kulturgeschichte des Landes vom Chalkolithikum bis zur Eisenzeit. In: Jörg Wagner (Hrsg.): Gottkönige am Euphrat. Neue Ausgrabungen und Forschungen in Kommagene. 2. Auflage, Philipp von Zabern, Mainz 2012, ISBN 978-3-8053-4218-6, S. 23–31, hier S. 26 f. Mit der Expansion des Assyrischen Reiches unter König Aššur-nâṣir-apli II. und seinem Nachfolger Salmānu-ašarēd III. wurde Kummuh den Assyrern tributpflichtig, konnte im Gegenzug aber seine territoriale Unversehrtheit wahren. Für das Jahr 866 v. Chr. taucht das Fürstentum erstmals in den assyrischen Annalen auf.Zu den frühen Belegen für das Reich Kummuh: John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 1: Inscriptions of the Iron Age. Teil 1: Text. Introduction, Karatepe, Karkemiš, Tell Ahmar, Maraș, Malatya, Commagene. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2000, ISBN 3-11-010864-X, S. 330 f. In der folgenden Zeit stieg naturgemäß auch der Einfluss der assyrischen Kultur auf die Kommagene, was sich im lokalen archäologischen Befund im Wesentlichen an den kunstgeschichtlichen Veränderungen festmachen lässt.Wolfgang Messerschmidt: Kommagene vor Alexander. Eine kurze Kulturgeschichte des Landes vom Chalkolithikum bis zur Eisenzeit. In: Jörg Wagner (Hrsg.): Gottkönige am Euphrat. Neue Ausgrabungen und Forschungen in Kommagene. 2. Auflage, Philipp von Zabern, Mainz 2012, ISBN 978-3-8053-4218-6, S. 23–31, hier S. 27.
Um 750 v. Chr. wurde Kummuh von den Urartäern unterworfen und musste sich einem antiassyrischen Bündnis anschließen. Diese Koalition wurde jedoch bereits 743 v. Chr. bei Arpad niedergeschlagen und das Fürstentum gelangte wieder unter assyrische Kontrolle. Nach der Auflösung des Königreichs Melid wurde das Territorium von Kummuh bedeutend erweitert. Trotzdem ging dessen Herrscher Mutallu im Jahr 708 v. Chr. erneut ein Bündnis mit Urartu ein, woraufhin der assyrische König Šarru-kīn II. in einem Kriegszug das Reich eroberte und als Provinz dem assyrischen Imperium eingliederte. Der südliche Teil der späteren Kommagene um Gaziantep gehörte wohl nie zum Reich Kummuhu, sondern scheint nach mehreren Besitzerwechseln im Laufe des 8. Jahrhunderts ebenfalls eine assyrische Provinz geworden zu sein.Zur späteren Geschichte des Reiches Kummuh Wolfgang Messerschmidt: Kommagene vor Alexander. Eine kurze Kulturgeschichte des Landes vom Chalkolithikum bis zur Eisenzeit. In: Jörg Wagner (Hrsg.): Gottkönige am Euphrat. Neue Ausgrabungen und Forschungen in Kommagene. 2. Auflage, Philipp von Zabern, Mainz 2012, ISBN 978-3-8053-4218-6, S. 23–31, hier S. 27–29. In diese Phase datieren eine Festung im Südwesten des Samsat Höyük und vor allem ein palastartiger Komplex in Tille Höyük, der vermutlich mit der regionalen Verwaltung in Verbindung steht.
605 v. Chr. wurde Kummuh durch den babylonischen Thronfolger Nabū-kudurrī-uṣur II. erobert. Im Palastbau auf dem Tille Höyük ist für die Zeit um 600 v. Chr. ein großes Schadensfeuer nachgewiesen, das möglicherweise mit dieser Eroberung in Verbindung steht. Wenig später wurde dort jedoch ein ähnlich monumentaler, wenn auch schlechter erhaltener Neubau angelegt. Ein vergleichbar repräsentatives Gebäude – das allerdings keinen äquivalenten Vorgänger hatte – wurde (vermutlich ebenfalls während der babylonischen Herrschaft) auf dem Lidar Höyük errichtet. Verwaltungsgebäude auf dem Teleilat und dem Surtepe bezeugen dagegen einen archäologisch relativ unauffälligen Übergang zwischen der assyrischen, der babylonischen und der 539 v. Chr. beginnenden achämenidischen Herrschaft. Auf dem Tille Höyük wurde nach der persischen Eroberung wiederum ein neuer, prachtvoller Palastbau über den beiden erwähnten Verwaltungsgebäuden errichtet; auch am Samsat Höyük fanden sich Strukturen, die vermutlich aus achämenidischer Zeit stammen, sich aber nicht genauer einordnen lassen.Zu den genannten archäologischen Befunden Wolfgang Messerschmidt: Kommagene vor Alexander. Eine kurze Kulturgeschichte des Landes vom Chalkolithikum bis zur Eisenzeit. In: Jörg Wagner (Hrsg.): Gottkönige am Euphrat. Neue Ausgrabungen und Forschungen in Kommagene. 2. Auflage, Philipp von Zabern, Mainz 2012, ISBN 978-3-8053-4218-6, S. 23–31, hier S. 30 f.
Klassische Antike Aus der nachfolgenden Zeit liegen aus der Kommagene nicht viele Informationen vor; die Landschaft wurde mit dem restlichen Perserreich durch Alexander den Großen erobert und gelangte nach dessen Tod bei den Auseinandersetzungen zwischen den Diadochen an das Seleukidenreich. Unter Ptolemaios wurde Kommagene 163 v. Chr. von diesem unabhängig; der bedeutendste König war Antiochos I. (Herrschaft 69–36 v. Chr.). Nach dem Tod Antiochos’ III. (17 n. Chr.) wurde Kommagene in das Römische Reich eingegliedert.
In Religion und Kultur von Kommagene mischen sich hellenistische, einheimisch anatolische und persische Elemente. Unter Antiochos IV. wurde Kommagene wieder unabhängig. 72 n. Chr. verlor es jedoch endgültig seine Unabhängigkeit und wurde Teil der römischen Provinz Syria. Während der Kaiserzeit wurden vier nachweisbare Auxiliareinheiten nach der Region Kommagene benannt, die Ala I Commagenorum, die Cohors I Flavia Commagenorum, die Cohors II Flavia Commagenorum und die Cohors VI Commagenorum.
In der Spätantike wurde für die Provinz die Bezeichnung Euphratesia üblich, auch wenn die Bezeichnung Kommagene gebräuchlich blieb. Im 7. Jahrhundert wurde das Gebiet, das zuvor lange zwischen Römern und dem Sassanidenreich umkämpft gewesen war, dann von den Arabern erobert.
Nachantike Geschichte