Kaluga () ist eine russische Stadt an der Oka, rund 190 km südwestlich von Moskau. Sie hat 325.000 Einwohner (Stand: 2025).

Stadtgliederung Kaluga ist eine rajonfreie administrativ-territoriale Einheit (Stadt). Im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung bildet Kaluga mit 73 umliegenden Dörfern den Stadtkreis Gorod Kaluga (Stadt Kaluga).

Die Fläche der eigentlichen Stadt Kaluga beträgt 168,8 km², die des Stadtkreises 543,0 km². Das Territorium der Stadt ist in drei Bezirke unterteilt: Stadtbezirk(gorodskoi rajon)RussischerNameEinwohner()Bemerkung Leninski benannt nach Lenin Moskowski benannt nach Moskau Oktjabrski benannt nach Oktober, bezogen auf die Oktoberrevolution

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Flagge und Wappen Das Stadtwappen zeigt auf blauem Grund einen weißen Wellenbalken für die Oka, darüber die Zarenkrone. Die Stadtflagge basiert auf dem Wappen, zeigt aber noch in rotem Streifen am Liek einen fliegenden Satelliten vom Typ Sputnik 1, da Kaluga als Wiege der russischen Raumfahrt gilt.

Geschichte Kaluga wurde 1371 als Festung das erste Mal urkundlich erwähnt, die Stadt entstand als Grenzfestung im Südwesten des Moskauer Reiches. Nach 1500 bildete es kurzzeitig ein eigenes unabhängiges Fürstentum. 1606/07 war Kaluga Zentrum des Bauernaufstandes unter Iwan Bolotnikow.

Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert entwickelte sich Kaluga zu einer Handelsstadt, da sie auf der Route zwischen Moskau und der Ukraine lag. 1718 ließ Peter I. hier eine Segel- und 1720 eine Papiermanufaktur errichten.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden hochrangige Gegner Russlands nach Kaluga verbannt. Dazu gehörte von 1786 bis 1787 der letzte Krim-Khan Şahin Giray, nachdem er auf den Thron des Khans verzichtet hatte. Der Awarenführer Imam Schamil lebte von 1860 bis 1869 in Kaluga im Exil. Der Imam und seine Familie bewohnten ein dreistöckiges Steinhaus, das an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert von dem Provinz-Architekten Iwan D. Jasnygin für den Großhändler Iwan G. Bilibin erbaut wurde. Dieses Haus in der Puschkin-Straße 4 heißt heute „Haus des Schamil“ und beherbergt Ausstellungsräume des Heimatmuseums.

Während des Vaterländischen Krieges machte sich Kaluga einen Namen, als die in der Stadt stationierten Truppen Kutusows ein Ausweichen der napoleonischen Truppen nach Süden verhinderten.

Kaluga war im Kaiserreich seit 1796 Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements, das bis 1929 im Rahmen der RSFSR der Sowjetunion bestand.

Mit der Gründung eines Physik-Institutes 1892 wurde der Grundstein für die Forschungstätigkeit in Kaluga gelegt, sein Gründer Konstantin Ziolkowski gilt als Vater der russischen Raumfahrt, sein ehemaliges Wohnhaus ist heute ein Museum, das zeigt, wie der Erfinder lebte und an seinen Modellen bastelte. Außerdem gibt es in der Stadt ein bedeutendes Raumfahrtmuseum. Dadurch gilt Kaluga als „Wiege der Kosmonautik“.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Kaluga während der Schlacht um Moskau am 12. Oktober 1941 von der Wehrmacht besetzt. Der amerikanische Historiker Timothy Snyder behauptet: „Nach den Erfahrungen während der Stalinschen Säuberungen begrüßten zahlreiche Einwohner der Stadt die einrückenden Einheiten der Wehrmacht mit Brot und Salz“.Timothy Snyder: Black Earth. London 2015, S. 195. Im Ort entstand ein jüdisches Ghetto.

Doch schon am 30. Dezember 1941 wurde die Stadt von der Roten Armee befreit. Die Bewohner von Kaluga hießen die Soldaten der Roten Armee mit Brot und Salz willkommen. Die Deutsche Wehrmacht hatte die Stadt bei ihrem Rückzug in Brand gesteckt, zahlreiche Gebäude gesprengt und auch das Ghetto angezündet. Das Ziolkowski-Museum war von ihnen besudelt und ausgeraubt worden. In der Folgezeit bestand in der Stadt das Kriegsgefangenenlager 107 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977. Im Juli 1944 wurden polnische Soldaten der Heimatarmee, die sich gegen den Eintritt in die Rote Armee wehrten, dorthin in ein Strafgefangenenlager deportiert.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1897 49.513 1939 89.396 1959 134.235 1970 210.906 1979 265.013 1989 311.399 2002 334.751 2010 324.698 Anmerkung: Volkszählungsdaten

Wirtschaft Heute ist Kaluga der Verwaltungssitz der Oblast Kaluga und eine bedeutende Forschungs- und Industriestadt.

Am 28. November 2007 eröffnete Volkswagen in Kaluga ein Montagewerk, um die Importzölle in Höhe von damals 25 % durch Montage vor Ort zu sparen. Die Volkswagen Group Rus hat ihren Sitz in Kaluga (Details zum Montagewerk dort). Volker Tietz: China macht sich in Russland breit – und produziert in deutschen Werken Autos 30. April 2023

Die Volvo Group errichtete eine LKW-Fabrik in Kaluga. Ende Februar 2022 wurden Produktion und Verkauf in Russland gestoppt. PSA Peugeot Citroën eröffnete 2010 gemeinsam mit Mitsubishi einen Produktionsstandort in Kaluga. (26. April 2010) (Film)

Anfang Juni 2014 eröffnete der Automobilzulieferer Continental AG im Industriepark „Kaluga Süd“ eine neue Produktionsstätte für PKW-Reifen, Motorsteuergeräte und Kraftstoffpumpen, nahe den Montagewerken von Volkswagen, Volvo und PSA. 11. Juni 2014: Neues Werk: Continental baut in Kaluga aus Der französische Zulieferer Faurecia plante 2011, in Kaluga Abgasanlagen und Innenraumsysteme für die ansässigen Automobilhersteller zu produzieren.Faurecia to establish two plants in Russia 9. Januar 2012

Das Kalugaer Turbinenwerk baut Generatoren und anderes zur großtechnischen Erzeugung von elektrischem Strom.https://paoktz.ru (englisch)

Verkehr Die Fernstraße M3 Ukraina verbindet Kaluga und die 200 km entfernte russische Hauptstadt Moskau. Die M3 wird bei Kaluga von der R132 gekreuzt, die nach Tula (100 km südostöstlich) und nach Rjasan (150 km nordnordöstlich) führt.

Die R92 verbindet Kaluga und Orjol (210 km südlich) miteinander.

Sport In der Stadt ist der FK Kaluga beheimatet.FK Kaluga

Trivia Am 13. Oktober 2000 wurde der Asteroid (8150) Kaluga nach der Stadt benannt.

Weiterführende Bildungseinrichtungen mini|Kalugaer Campus der Staatlichen Technischen Universität Moskau Abteilung der Nordöstlichen Akademie für Staatsdienst Kaluga Filiale der Internationalen Slawischen G.-R.-Derschawin-Universität Filiale der Russischen Staatlichen Agraruniversität Filiale der Staatlichen Technischen Universität Moskau Filiale des A.-S.-Gribojedow-Instituts für internationales Recht und Ökonomie Filiale des Allrussischen Ferninstituts für Finanzen und Ökonomie Filiale des Geisteswissenschaftlich-Ökonomischen Instituts Moskau Staatliche K.-E.-Ziolkowski-Universität Kalugahttps://tksu.ru

Städtepartnerschaften Die Stadt Kaluga unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:

Suhl, Deutschland, seit 1969 Binningen, Schweiz, seit 1993 Lahti, Finnland, seit 1994 Minsk, Belarus seit 2015 / Tiraspol, Moldau/Transnistrien

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt

Iwan Koschelew (1700–1759), Marineoffizier und Polarforscher Iwan Kachanow (1825–1909), Politiker und General der russischen Armee Alexander Faminzyn (1841–1896), Komponist und Musikpädagoge Jewlalija Kadmina (1853–1881), SängerinЕвлалия Кадмина – забытая гордость Калуги, kp40.ru Nikolai Falejew (1859–1933), Architekt und Hochschullehrer David Edelstadt (1866–1892), jiddischsprachiger Schriftsteller und Anarchist Boris Wladimirzow (1884–1931), Mongolist, Sprachforscher, Ethnologe und Orientalist Nikolai Awilow (1887–1937), Politiker Tatjana Simson (1892–1960), Kinderpsychiaterin Wassili Glagolew (1896–1947), Generaloberst Alexander Terenin (1896–1967), Physikochemiker Pavel Tchelitchev (1898–1957), Maler, Grafiker und Bühnenbildner Pawel Woronin (1903–1984), Generalmajor Iwan Archipow (1907–1997), Politiker und Erster Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR von 1980 bis 1986 Nikolai Rakow (1908–1990), Komponist Serafim Tulikow (1914–2004), Komponist Juri Smirnow (1921–2007), Mathematiker Kirill Trofimow (1921–1987), Generalleutnant Juri Awerbach (1922–2022), Schachgroßmeister Alexander Babajew (1923–1985), Generaloberst Larissa Popugajewa (1923–1977), Geologin Elja Nikolskaja (1929–2011), Ökonomin und Hochschullehrerin Anatoli Akentjew (1939–2023), Skilangläufer Alexander Saprykin (1946–2021), Volleyballspieler Mykola Asarow (* 1947), ukrainischer Politiker, 14. Ministerpräsident der Ukraine (2010–14) Michail Linge (1958–1994), Sprinter Stanislaw Lopuchow (* 1972), SchwimmerStanislav Lopukhov in der Datenbank von Sports-Reference (englisch) Waleri Kobelew (* 1973), Skispringer und Nordischer Kombinierer Alexander Awdejew (* 1975), Politiker und Staatsmann Dmitri Kowaljow (* 1976), RudererDmitry Kovalyov in der Datenbank von Sports-Reference (englisch) Julija Trofimowa (* 1978), Filmregisseurin und Drehbuchautorin Olesja Sykina (* 1980), Sprinterin Julia Tabakowa (* 1980), Leichtathletin Wladimir Kissenkow (* 1981), FußballspielerVladimir Kisenkov, soccerway.comVladimir Kisenkov, transfermarkt.it Evgenia Fölsche (* 1983), Pianistin Anna Jurakowa (* 1992), Eisschnellläuferin Anna Moiseeva (* 1993), Sängerin Ivan Kuliak (* 2002), Turner

Bekannte Einwohner Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski (1857–1935), Wissenschaftler, Theoretiker zu Weltall-Erforschung und -Reisen, Begründer der modernen Kosmonautik

Literatur Kalugaer Boden. The Kaluga's Land. Semlja Kaluschskaja. Bild-Text-Band. Dreisprachig: russisch, englisch, deutsch. Moskau 1977Ohne ISBN, Großformat, 143 Seiten

Weblinks

www.kaluga.ru www.kalugacity.ru

www.kaluga-eparhia.ru

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in der Oblast Kaluga Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Russland Kategorie:Hauptstadt eines Föderationssubjekts Russlands Kategorie:Stadt als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Ersterwähnung 1371