Die Zwei-Hunde-Palette oder Ashmolean-Palette (englisch Two-dogs palette oder Heraldic animals palette) ist eine dekorierte Prunkpalette aus der prädynastischen Zeit Ägyptens.
Die Zwei-Hunde-Palette erhielt ihren Namen aufgrund der Darstellung zweier Caniden, die das Bildprogramm der Palette dominieren. Sie gehört zu den frühesten Beispielen reliefgeschmückter Prunkpaletten mit diesem speziellen Kunststil. Ihr Bildprogramm gibt Anlass zu verschiedenen Interpretationen und Darlegungen.
Fundort und Datierung Das 42,5 × 22,0 cm große Artefakt wird in die ausgehende Prädynastische Zeit Ägyptens (um 3100 v. Chr.), in die Naqada-III.- oder Naqada-II.-Epoche (Girzéen-Kultur), datiert. Sie stammt aus Hierakonpolis und besteht aus hellem Schiefer. Heute befindet sich das Kunstwerk im Ashmolean Museum in Oxford unter der Listenbezeichnung E. 3924.
Beschreibung und Interpretationen Vorderseite Die Vorderseite der Zwei-Hunde-Palette wird von der Darstellung zweier großer Caniden (HyänenhundeEveline Zahradnik: Der Hund als geliebtes Haustier im Alten Ägypten. Berlin 2009, S. 41.) dominiert, welche das obere Ende des Objekts jeweils links und rechts zieren und im ursprünglichen Zustand mit ihren Schnauzen einander berührten.
mini|hochkant|Rückseite: Musizierendes Wesen und Giraffe (Detail) Die Mitte der Palette wird von einer kreisrunden Vertiefung mit erhabenem Saum eingenommen, um den Kreis herum sind zwei Schlangenhalspanther positioniert, auch sie schauen einander an. Beide Fabelwesen zerfleischen eine Antilope, über ihren Köpfen ist ein storchenähnlicher Vogel mit ausgebreiteten Flügeln zu sehen. Unter den Schlangenhalspanthern sind mehrere Jagdhunde vom Saluki-TypusEveline Zahradnik: Der Hund als geliebtes Haustier im Alten Ägypten. Berlin 2009, S. 40. zu sehen, die Antilopen und Gazellen reißen.
Rückseite Die Rückseite ist ähnlich gestaltet, auch hier werden Tiere wie Antilope, Gazelle und eine Giraffe gejagt. Die Hunde werden hier jedoch durch zwei Löwen, einen Schlangenhalspanther, eine Hyäne und einen Gepard ersetzt. Besondere Aufmerksamkeit gilt hier einem geflügelten Greif, der in der weiteren Geschichte Ägyptens als „Vergelter des Re“ eine besondere Funktion zugewiesen bekommt, beispielsweise in der demotischen Fabel Die Seherin und die Hörerin.
Beatrix Midant-Reynes verweist ebenfalls auf die – für sie – nicht näher bestimmbaren Wesen, die auf der Zwei-Hunde-Palette zu sehen sind. Deren genaue Rollenzuweisung bleibt für sie unklar. Besonders rätselhaft erscheint ihr die Darstellung einer nicht näher definierbaren Gestalt mit einer Maske, die sie als junge Giraffe identifiziert und die wohl den Versuch unternimmt, die in unmittelbarer Nähe befindliche echte Giraffe mit dem Spiel auf einem flötenähnlichen Instrument zu bezaubern.Béatrix Midant-Reynes: The prehistory of Egypt from the first Egyptians to the first pharaohs. Blackwell, London / New York 2000, ISBN 0-631-21787-8, S. 240–241 (bei Google-books).
Wolfgang Helck sieht in dem tierköpfigen Flötenspieler einen maskierten Jäger. Die Maskerade und die Musik dienen seiner Ansicht nach dem magischen Schutz vor den wilden Tieren und Fabelwesen. Helck sieht in derlei Darstellungen erste Anspielungen auf das spätere Königsornat, das Tierschwänze und Nachbildungen von Löwenmähnen beinhaltete.Wolfgang Helck: Geschichte des alten Ägypten. Brill, Leiden / Köln 1981, ISBN 90-04-06497-4, S. 17–19. In ähnliche Richtung tendiert auch Ludwig David Morenz, der einen maskierten Schamanen sieht, der in Ekstase das Jagdgeschehen tanzend und musizierend begleitet. Er identifiziert die Maske allerdings als Schakal und verweist auf die frühägyptische symbolische Bedeutung von Schakalen als Wegbereiter, Wegweiser und Prozessionsanführer des Königs (vergleiche die Rolle des Schakalgottes Upuaut).Ludwig David Morenz: Die formative Phase der Ägyptischen Kultur und die neue Macht-Kunst. In: Anfänge der ägyptischen Kunst: Eine problemgeschichtliche Einführung in ägyptologische Bild-Anthropologie. Göttingen 2014, S. 102–103.
Barry J. Kemp schließlich interpretiert die Szene als kosmogonische Allegorie, in der der Stärkere stets über die Schwächeren siegt. In dem tierköpfigen Flötenspieler sieht er eine besonders frühe Darstellung des Gottes Seth.Barry J. Kemp: Ancient Egypt. Anatomy of a civilization. 2nd edition. London 2006, S. 94
Literatur Whitney Davis: Masking the Blow. The Scene of Representation in Late Prehistoric Egyptian Art (= California Studies in the History of Art. Band 30). University of California Press, Berkeley CA u. a. 1992, ISBN 0-5200-7488-2. Barry J. Kemp: Ancient Egypt. Anatomy of a civilization. 2nd edition. Routledge, London u. a. 2006, ISBN 0-4152-3550-2. Nicolas-Christophe Grimal: A history of ancient Egypt. Blackwell, Oxford u. a. 1996, ISBN 0-631-19396-0. Béatrix Midant-Reynes: The prehistory of Egypt. From the first Egyptians to the first pharaohs. Blackwell, Oxford u. a. 2000, ISBN 0-6312-1787-8. Ludwig David Morenz: Anfänge der ägyptischen Kunst: Eine problemgeschichtliche Einführung in ägyptologische Bild-Anthropologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 9783525543894. Eveline Zahradnik: Der Hund als geliebtes Haustier im Alten Ägypten. Anhand von bildlichen, schriftlichen und archäologischen Quellen. Altes und Mittleres Reich. Pro Business, Berlin 2009, ISBN 978-3-86805-408-8, S. 40–41 (Zugleich: Universität Wien, Diplom-Arbeit, 2008).
Weblinks Vorderseite der Zwei-Hunde-Palette Rückseite der Zwei-Hunde-Palette
Einzelnachweise
Kategorie:4. Jahrtausend v. Chr. Kategorie:Altägyptisches Kunstwerk Kategorie:Archäologischer Fund (Ägypten) Kategorie:Geschichte (Frühägypten) Kategorie:Kynologie Kategorie:Hund (Bildende Kunst) Kategorie:Ashmolean Museum Kategorie:Archäologischer Fund (Afrika)