Berlin-Marienfelde ist ein Ortsteil des Bezirks Tempelhof-Schöneberg in Berlin.

Geographische Lage Marienfelde liegt im Süden Berlins. Es grenzt an die Ortsteile Lichterfelde und Lankwitz im Nachbarbezirk Steglitz-Zehlendorf sowie an Mariendorf und Lichtenrade.

Geschichte mini|Dorfkirche Marienfelde

Das Angerdorf entstand, gemeinsam mit dem benachbarten Mariendorf, etwa um 1220 als Bauernsiedlung im Schutz des Komturhofs Tempelhof, der um 1200 oder kurz davor vom Templerorden errichtet worden war. Die Dorfkirche wurde als Feldsteinkirche angeblich um 1220 errichtet, wohl aber eher um 1240. Die früheste bekannte urkundliche Erwähnung des Dorfes (als Merghenvelde) stammt von 1344. Das Dorf gehörte anfangs mit den Dörfern Mariendorf, Tempelhof und RixdorfTempelhof hieß als Dorf möglicherweise zunächst ‚Tempelfelde‘. Rixdorf war zunächst nur ein Gutshof. zu den Ländereien des Templerordens, die nach dessen Auflösung 1312 im Jahr 1318 dem Johanniterorden übertragen wurden.

Im Landbuch Karls IV. (1375) wurde Marienfelde mit 52 Hufen erwähnt, davon drei Pfarrhufen. Es gab neun Kossätenhöfe und eine Mühle, aber keinen Krug (erst 1450 nachweisbar). 1435 ging Marienfelde gemeinsam mit Mariendorf, Tempelhof und Rixdorf in den Besitz des gemeinsamen Rates von Berlin und Cölln über. 1450 besaß Marienfelde nur noch 42 Hufen.Möglicher Grund: Rixdorf war zunächst kein selbstständiges Dorf, sondern ein Hof ohne eigenen Hufenbesitz. Anlässlich der Gründung von Rixdorf als Dorf war es möglicherweise nötig, den Hufenbesitz der Templerdörfer neu aufzuteilen, um Rixdorf eine Hufenausstattung zu ermöglichen. Marienfelde blieb im Besitz der Stadt bis 1831. Eine eigene Schmiede, wohl auf dem Dorfanger in der Nähe des Dorfteichs wegen der Brandgefahr, wurde für Marienfelde erstmals 1771 genannt; bis dahin nur Laufschmiede.

Seit 1831 gab es häufige Besitzwechsel. 1844 kaufte Adolf Kiepert das Gut und schuf einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb. Das Gut besaß er bis 1872; sein Grabstein steht auf der Südseite der Dorfkirche.

In den Jahren 1776/1777 erfolgte der Bau des Königsgrabens zwischen Lichtenrade und Marienfelde. Er wurde auf königliche Anweisung als Entwässerungsgraben angelegt, um den Bauern nach dem Siebenjährigen Krieg bessere Erträge im sumpfigen Gelände zu ermöglichen.Der Königsgraben. (PDF; 125 kB)

Bis 1800 war Marienfelde ein kleiner Ort mit weniger als 200 Bewohnern. Etwa ab 1850 nahm die Zahl der Einwohner langsam zu. Nach der Eröffnung des Bahnhofs Marienfelde im Jahr 1875 begann die Entwicklung des nördlichen Gebietes. Auf dem Gelände der Baumschulen Hranitzky entstand ab 1888 westlich der Eisenbahn die Villenkolonie Neu-Marienfelde. In dieser Zeit begann auch östlich der Eisenbahn die Entwicklung des Industriegebietes. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden nun schon fast 4.000 Einwohner gezählt. Der Krieg unterbrach die Aufwärtsbewegung.

Auf dem Grundstück Berliner Straße 10–18 zwischen Beiß- und Emilienstraße befand sich zwischen 1899 und 1922 die Gartenbauschule für Frauen gebildeter Stände der Elvira Castner, die erste Möglichkeit für Frauen, einen Abschluss im Fach Gartenbau zu erwerben und beruflich als Gärtnerin tätig zu werden.

Marienfelde gehörte bis 1920 zum Landkreis Teltow in der preußischen Provinz Brandenburg. Mit der Bildung Groß-Berlins wurde es Teil des Berliner Bezirks Tempelhof. Etwa ab 1925 begann der Ausbau südlich der Villenkolonie. Im Südosten, zwischen Schichauweg und Landesgrenze, entstand entlang der Eisenbahn eine Siedlung. Diese wurde 1938 dem Ortsteil Lichtenrade zugeordnet. Am südlichen Rand von Marienfelde, unmittelbar an der Stadtgrenze, entstand in den 1930er Jahren die sogenannte Stadtrandsiedlung, für die im Jahr 2001 eine Erhaltungsverordnung erlassen wurde.Erhaltungsverordnung für die Stadtrandsiedlung Marienfelde vom 5. Juni 2001Begründung zur Erhaltungsverordnung für die Stadtrandsiedlung Marienfelde vom 5. Juni 2001 mit Überblick über die Geschichte der Siedlung

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Marienfelde über 10.000 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kern von Neu-Marienfelde durch alliierte Luftangriffe weitgehend zerstört. Ende 1945 war die Einwohnerzahl auf etwas über 8.000 gesunken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen Alt- und Neu-Marienfelde zusammen. Einfamilienhäuser und Mietwohnungen entstanden in den 1950er und 1960er Jahren nördlich des alten Ortskerns, insbesondere auf den südwestlichen Freiflächen und den Ländereien des Klosters zum Guten Hirten. 1970 wurden etwa 18.000 Einwohner registriert.

Geschichtliche Bedeutung für das geteilte Deutschland erlangte Marienfelde durch das Notaufnahmelager Marienfelde. Von 1953 bis 1990 war es für über 1,35 Millionen DDR-Flüchtlinge auf ihrem Weg in die Bundesrepublik Deutschland das „Tor zum Westen“.Bettina Effner, Helge Heidemeyer (Hrsg.): Flucht im geteilten Deutschland. Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde. be.bra-Verlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-89809-065-0, S. 11

In den 1970er Jahren entstand die von Hochhäusern geprägte Großwohnsiedlung Waldsassener Straße und das Industriegebiet Nahmitzer Damm/Motzener Straße. Bis 1977 erhöhte sich die Zahl der hier wohnenden Menschen auf über 32.000. Im Jahr 1989 wurde das bisherige Maximum mit 33.126 Bewohnern registriert.

mini|Notaufnahmelager Marienfelde Notaufnahmelager Marienfelde

Im Notaufnahmelager in der Marienfelder Allee durchliefen zwischen 1953 und 1990 über 1,35 Millionen Deutsche nach dem Verlassen der DDR ihr Notaufnahmeverfahren.

Im Jahr 1993 wurde hier eine Erinnerungsstätte eingerichtet und 2005 als Museum erheblich erweitert, um des Lebens im Lager und des Schicksals der Flüchtlinge zu gedenken.Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde

Von 1964 bis 2008 diente das Lager auch der Aufnahme der Aussiedler und Spätaussiedler. Sie kamen anfangs aus der Volksrepublik Polen, dann aus Rumänien und in den 1990er Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion aus deren Nachfolgestaaten.

Seit Ende 2010 ist es ein Übergangswohnheim für Flüchtlinge und Asylbewerber unter der Trägerschaft des Internationalen Bundes (IB).

Bevölkerung Jahr Einwohner1871–1919 Gross-Berlin: Geographie der Weltstadt, Friedrich Leyden 1933 1858 496 1871 599 1880 911 1890 1.334 1900 1.963 1910 3.684 1919 3.851 Jahr Einwohner1930–1987 Statistisches Jahrbuch von Berlin (jeweilige Jahre) 1930 5.622 1938 10.645 1946 8.309 1950 8.853 1960 12.079 1970 17.206 1987 31.435 2000 32.020 Jahr EinwohnerStatistischer Bericht A I 5. Einwohnerregisterstatistik Berlin. Bestand – Grunddaten. 31. Dezember. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre) 2007 30.146 2010 29.612 2015 31.644 2020 32.270 2021 32.200 2022 32.488 2023 32.473 2024 32.365 2025 32.306

Sehenswürdigkeiten Der alte Dorfanger hat sich bis heute erhalten können. Er wird durch die um 1220 oder 1240 erbaute Dorfkirche Marienfelde markiert. Diese ist das wahrscheinlich älteste erhaltene Bauwerk im Stadtgebiet von Berlin und eine der ältesten Feldsteinkirchen der Mittelmark. Der Dorfanger geht unmittelbar in den Gutspark Marienfelde über.

mini|hochkant|Kapelle auf dem Friedhof Marienfelde

In Marienfelde entwarf der Architekt Bruno Möhring einige Häuser. Die Villa Emilienstraße 17 Ecke Bruno-Möhring-Straße hat den Zweiten Weltkrieg überstanden und strahlt heute in neuem Glanz. Möhring entwarf die Kapelle auf dem evangelischen Friedhof Marienfelde. Sein eigenes Wohnhaus in der heutigen Bruno-Möhring-Straße 14a ist durch eine neuere Randbebauung des Grundstücks nur noch schwer zu erkennen.

Der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke war seit 1926 Direktor der Deutschen Bauernschaft. Er ließ das Haus Emilienstraße 16 errichten.

Westlich des Angers befindet sich das ehemalige Kloster vom Guten Hirten, das von 1905 bis 1968 als Erziehungsheim für Frauen und Mädchen betrieben wurde.

Auf einem Trümmerberg am Diedersdorfer Weg, der heute Schlehenberg heißt, befand sich von 1962 bis 1996 die Radaranlage Marienfelde, im Berliner Volksmund „Amiberg“ genannt. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde der Berg renaturiert und dient heute unter dem Namen Radarberg Diedersdorfer Weg als öffentlich gewidmete und geschützte Grünanlage. Diese Naherholungsfläche steht im direkten Zusammenhang mit dem Freizeitpark Marienfelde auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Diedersdorfer Weges.

Am südlichen Stadtrand liegen der Freizeitpark Marienfelde und die Marienfelder Feldmark, ein Rest von landwirtschaftlicher Nutzung am Rande der Großstadt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft mini|hochkant|Daimler Marienfelde Lastkraftwagen-Werbung, 1913

Im Nordosten von Marienfelde entstand um 1900 entlang der Eisenbahn ein großes Industrie- und Gewerbegebiet. Bekannte Unternehmen entstanden hier, darunter: Fritz Werner AG Werkzeugfabrik R. Stock & Co, die heutige R. Stock AG mit Sitz in Berlin-Reinickendorf Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) übernahm am 2. Oktober 1902 die marode Motorfahrzeug- und Motorenfabrik Berlin AG in Marienfelde. Am Anfang wurden zunächst noch Boots- und Schiffsmotoren produziert, ab 1905 wurden bereits Lastkraftwagen und Busse vom Band produziert. 1907 wurde in Marienfelde die Produktion von motorisierten Feuerwehrfahrzeugen aufgenommen. Marienfelde wurde damit zur „Automobilstadt“. Hier wurden u. a. auch die Smart-Motoren der ersten Generation produziert Zentrale der Otto Reichelt AG nach dem Zweiten Weltkrieg in den Bauten der Fritz Werner AG. Nach der Übernahme durch Edeka zog Reichelt ins brandenburgische Umland. Am Standort Marienfelde blieb das Fleischverarbeitungswerk.

Zu den hier ansässigen großen Wirtschaftsunternehmen, die ihren Sitz zum Teil in dem in den 1960er Jahren angelegten Industriegebiet an der Motzener Straße haben, gehören Daimler, IBM, Klosterfrau und Stollwerck. Am Diedersdorfer Weg sind Dienststellen des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz untergebracht: Teile des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und des Bundesinstituts für Risikobewertung. Weitere Dienststellen des Bundesinstituts für Risikobewertung befinden sich in Alt-Marienfelde. Am Schichauweg befinden sich Dienststellen des Umweltbundesamtes.

Am 23. November 2004 gründeten sieben Unternehmen (Bartelt und Sohn, Immobilienservice Wesner, India-Dreusicke Berlin, Klosterfrau Berlin, Semperlux, Weber, Willy Vogel AG) das UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e. V. Der Zusammenschluss soll bei dringlichen Fragen gegenüber der Politik und der Verwaltung ein kompetentes Wort mitsprechen und engagiert sich auch in sozialen Belangen, wie beispielsweise bei der Einrichtung einer Kindertagesstätte mit Öffnungszeiten, die den Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechen. Die Unternehmen arbeiten bei zahlreichen Projekten zusammen, so im Einkauf, bei der Aus- und Weiterbildung sowie der Entwicklung eines Gebietsprofils und haben am 22. November 2007 das erste „Industriefest“ organisiert. Der Informations- und Meinungsaustausch wird über eine internetgestützte Kommunikationsplattform organisiert. Dieses erste gebietsbezogene und selbstorganisierte Unternehmensnetzwerk in einem industriell geprägten Gewerbegebiet in Deutschlands entstand im Rahmen eines EU-geförderten und vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg finanzierten Projektes. Es wurde von den Büros Regioconsult Berlin (regionalökonomische Beratung) sowie Planer-gemeinschaft (Stadtplanung) begleitet. In diesem Bereich sind rund 220 Betriebe mit rund 7000 Mitarbeitern ansässig.

Energie

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde in Marienfelde die Stromrichterstation für die erste Anlage zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung errichtet („Elbe-Projekt“), die allerdings nicht mehr in Betrieb ging.

Verkehr

Schienenverkehr mini|S-Bahnhof Marienfelde

Dresdener Bahn