Dieser Artikel behandelt die fahrenden und reitenden Posten nach Göttingen und weiter nach Kassel. Ebenso behandelt der Artikel die Postgeschichte der Orte im Kreis Holzminden.

Reit- und Fahrpost miniatur|Auszug aus einer Karte von 1714

Die Post-Charte von 1714 zeigt die Möglichkeit einer Verbindung von Braunschweig über Wolfenbüttel nach KniestedtDer Bahnhof von Bad Salzgitter, die Eikelmühle, sowie der Bismarckturm auf dem Hamberg befanden sich auf Kniestedter Gebiet. Am 1. April 1938 wurde die Gemeinde Kniestedt mit 842 ha Land und etwa 600 Einwohnern nach Salzgitter eingemeindet., über Grasdorf nach Hildesheim und über Alfeld und Eschershausen nach Holzminden.Johann Baptist Homann: Neu vermehrte Post Charte durch gantz Teutschland nach Italien, Franckreich. Niederland, Preußen, Polen, und Ungarn / Postarum seu Veredariorum Stationes per Germaniam et Provincias Adiacentes. J.B. Homann, Nürnberg 1714.

Eine braunschweigische Landespost hat in Holzminden bereits vor 1743 bestanden, denn schon vor der Fahrpost von Braunschweig nach Holzminden im Jahre 1743, hat es eine Route des reitenden Postboten von Braunschweig über Gandersheim, Holzminden weiter nach Paderborn gegeben.

Für das Jahr 1764 gibt die von den Thurn und Taxis betriebene Kaiserliche Reichspost die Fahrposten von Braunschweig über Wolfenbüttel 1 – Barum 2 – Lutter 2 – Seesen 2 – Gandersheim 1 – Greene 1 – Wickensen 2 nach Holzminden 1 und weiter über Höxter 2 – Carlshaven 2 nach Kassel 3 Meilen an. Sowie als zweite Route ab Braunschweig und Wolfenbüttel 1 – Gitter 4 – Greene 4 – Hamelsborn 3 bis Holzminden 2 und weiter über Brackel 3 nach – Paderborn 3 Meilen.Franz Joseph Heger: Post-Tabellen oder Verzeichnis deren Post-Straßen in dem Kayserlich Römischen Reich und zum Teil auch in den angränzenden Landen, verfasst durch Franz Joseph Heger, Chrurfürstlich Maynzischer und Fürstlich Taxischen Hofrat, auch der Kayserl. Reichs Post Commissarium. Mit ihrer Röm. Kayserlichen Majesetät allergnädigst Privilegio. Gedruckt zu Maynz bey denen Haffnerischen durch Benjamin, 1764.

180 Jahre nach Einrichtung einer reitenden Post von Berlin in die preußischen Rheinprovinzen, erkannte man die Notwendigkeit einer Verkürzung der Strecke, nicht um das Herzogtum Braunschweig herum, sondern von Helmstedt bis Holzminden durch das Herzogtum zu führen. Die beiden Postbehörden einigten sich im Jahre 1822 auf eine Reitpost von Berlin über Magdeburg, Braunschweig, Seesen, Holzminden, Paderborn nach Düsseldorf und Köln.

In Braunschweig gab es 1832 bereits zwei Schnellposten, im Sommerhalbjahr zweimal wöchentlich über Königslutter und Helmstedt mit Anschluss nach Berlin, im Sommer mit dem Eilwagen oder Diligence oder im Winter mit der gewöhnlichen, fahrenden Post. Ebenfalls zweimal wöchentlich eine Schnellpost von Braunschweig über Wolfenbüttel, Halberstadt und Halle nach Leipzig und daneben noch eine fahrende Post nach Leipzig.

Hinzu kamen reitende Posten: 1. Viermal wöchentlich nach Northeim, und von dort nach Göttingen, Kassel, Frankfurt etc. 2. Viermal wöchentlich nach Celle, auf Bremen Oldenburg, Ostfriesland, Hamburg, Scandinavien etc. 3. Zweimal nach Holzminden, Paderborn (die preußisch Berlin–Cölner), nach Hannover und Hildesheim. Fahrende Posten gab es nach Calvörde, Kassel, Celle (Bremen) Hannover, Hildesheim, Goslar (und dem Harze), Halberstadt (Sachsen und Österreich), Hamburg (Dänemark und dem Norden), Hameln, Holzminden (Preußisch nach Paderborn, Westfalen und Hessen) Northausen (früher die Gelbe Kutsche) und einmal täglich nach Wolfenbüttel.Wilhelm Heinrich Matthias: Über Posten und Post-Regale, Band 1. 1832.

Holzminden miniatur|Frühe Poststempel von Holzminden miniatur|Zwei (8x¼) Silbergroschen mit dem Rostrautenstempel Nr. „24“ zur Entwertung der Freimarken und der Rechteckstempel Holzminden miniatur|Todesanzeige eines braunschweigischen Postmeisters nach 57 Dienstjahren

Die braunschweigische Landespost bestand in Holzminden vor 1743; denn schon vor der Fahrpost von Braunschweig nach Holzminden im Jahre 1743 gab es eine Route des reitenden Postboten von Braunschweig über Gandersheim, Holzminden weiter nach Paderborn.

In der napoleonischen Zeit (1808–1813) wurde der erste Einzeiler „HOLZMINDEN“ zwischen 1809 und 1834 verwendet. Als Postdirektor der Königlich Westphälischen Post wird Herr Raabe als Directeur 3. Classe (1810–1813) genannt.

Ein weiterer Einzeiler wurde zwischen 1831 und 1835 verwendet.

miniatur|links|Der so genannte Schnallenstempel

Für Briefstempelungen wurde von 1835 an nur noch der ausschließlich in Holzminden verwendete Schnallenstempel mit Druckzahldatum benutzt. Nach 1853 findet man ihn auch auf Belegen aus dem Innendienst der Post.

Seit 1853 wird ein Rechteckstempel mit Datum, Stern und Uhrzeit in Ziffern abgeschlagen. Der Zweikreisstempel mit Tag, Monat, Jahr und Uhrzeit kam 1866 nach Holzminden. Zur Entwertung der Postwertzeichen verwendete man den Rostrautenstempel mit der Nummer „24“

Ein kleinerer Zweikreisstempel mit Datum und Morgens/Abends wurde als Ankunftstempel verwendet.

Das General-Circular der Post berichtete, dass der Chartenwechsel zwischen Holzminden und dem Thurn & Taxisschen Postamt in Bremen aufgehoben wurde. Die neue Convention mit Thurn & Taxis trat am 1. November 1835 in Kraft. „Der Chartenwechsel Holzminden und Lemgo, auch Detmold (Porto 2 Ggr. für ¾ Loth) wurde beibehalten“.

In den Adressbüchern werden folgende Postmeister des Postamts in Holzminden aufgeführt: August Heinrich Raabe, Postrath (1833–1840), Carl Raabe (1841–1854) „Postsekretär Raabe zu Holzminden ist zum 15. Januar 1846 zum Postmeister, die bisherigen Postschreiber Feise und Rosenbaum zu Postsekretärs ernannt worden“, Georg Lindau (1854–1865), „Seine Hoheit der Herzog haben gnädigst geruht dem Postmeister Lindau zu Holzminden den Charakter ‚Postrath‘ zu verleihen“ (ab 1864), Albert Damköhler (14. August 1865–1871), er war zwischen 1843 und 1845 als Postschreiber von Braunschweig nach Holzminden und zurück nach Braunschweig versetzt worden. Bevor er nach Holzminden kam, war er in Harzburg. Die Braunschweigischen Anzeigen berichten am 5. Oktober 1865: „Dem Postmeister Damköhler wurde die Verwaltung des Bahn- und Postamts in Holzminden übertragen“. Nun folgten als Postdirektoren Theodor Hörstel (1872–1876), Werner Persun (1877–1879), Otto Wirstorf (1880–1893); in seine Zeit fiel 1887 die Umwandlung in ein Postamt I. Klasse. Weitere Postdirektoren in Holzminden waren Carl Knackstedt (1894–1896), Martin Kesting (1897–1903) und Oskar Georgii (1904–1916).

1844 ging das einfache Ehrenzeichen an den Postillion Ludwig Kühne zu Holzminden.

Als nächste Quelle dienten die Braunschweigischen Anzeigen. Sie berichtete am 10. August 1865: „In Holzminden werden a) Courant bis 8 Lot und b) Papiergeld und sonstige Wertgegenstände bis 50 Taler und dem Gewicht bis 8 Lot zugestellt. Die Aushändigung wird im Quittungsbuch bescheinigt.“

Der berühmte Postler Rudolf Schottelius (* 26. Juli 1816 in Braunschweig; † 31. März 1881 in Braunschweig) besuchte das Gymnasium in Holzminden; danach trat er 1834 als Postschreiber in Wolfenbüttel seine erste Stelle an. 1848 wurde er Postinspektor und 1868 nach der Begründung des Norddeutschen Bundes Oberpostdirektor und Chef der Postinspection Braunschweig. Seiner Initiative schreibt man zu, dass Braunschweig Sitz einer kaiserlichen Oberpostdirektion wurde.

Fürstenberg an der Weser miniatur|Poststempel von Fürstenberg

Im Jahre 1747 ordnete Herzog Carl I. die Anlage der Porzellanmanufaktur Fürstenberg an, was wahrscheinlich zur Einrichtung einer Post-Expedition führte.

In der napoleonischen Besatzungszeit unterstand die Postanstalt dem Post-Expediteur Lungershausen (1810–1813). Er erhielt einen Einzeiler-Stempel, der bis 1830 in Gebrauch blieb. Gefolgt von einem weiteren Einzeiler, den man bis 1854 verwendete. Seit 1840 wurde gelegentlich das Datum handschriftlich beigesetzt.

Eine Conventions vom 1. November 1835 mit der Thurn und Taxisischen Post betraf den Postkurs Holzminden-Kassel über Lauenförde und Carlshafen.

Der Rechteckstempel mit Datum, Stern und Uhrzeit wurde 1853 eingeführt. Zur Entwertung der Postwertzeichen wurde der obligatorische Rostrautenstempel mit der Nummer „13“ geliefert.

Im Jahre 1878 wurde die Postexpedition in eine Postagentur umgewandelt.

Bevern mini|Frühe Poststempel von Bevern

Es ist anzunehmen, dass Bevern bereits seit 1743, mit der Einrichtung der Fahrpost von Braunschweig nach Holzminden, seine Postanstalt hatte. Briefe aus dieser Zeit haben einen handschriftlichen Ortsvermerk. Es wird sich um eine Briefsammlung gehandelt haben.

Die Briefsammlung hat auch in der Zeit des Königreichs Westphalen bestanden. Obwohl Bevern in der einschlägigen Literatur über Postanstalten im Königreich Westphalen nicht genannt wird. Allerdings ist aus dieser Zeit der Einzeiler bekannt. Nach der Vertreibung der Franzosen ging es mit gleichem Stempel weiter. Seit 1836 wurde handschriftlich das Datum in Ziffern nachgetragen.

In den Adressbüchern, seit 1833, wird eine Postwärterei unter dem Postwärter Friedrich Mönkemeyer (1833–1851) für Bevern angegeben.

Im General-Circular (90) vom 20. April 1850 wird berichtet, dass der Postwärter Mönkemeyer (1833–1850) zu Bevern gestorben ist, sein Nachfolger wurde Werkmeister August Uhden (1852–1873) als Postexpedient.

1852 erhielt die Post in Bevern den Rang einer Postexpedition. Bevern erhielt einen zweizeiligen Rechteckstempel. Seit 1856 sind die Briefmarken zusätzlich mit dem Rostrautenstempel mit der Nummer „3“ entwertet worden. Die Reichspost machte die Postexpedition im Jahre 1870 zu einer Postexpedition II. Klasse und wandelte sie 1874 in eine Postagentur um. Postagent war, wie bisher 1879 August Uhden; vielleicht war es auch inzwischen der Sohn. Ihm folgten Hugo Uhden bis 1892 und Albert Stuckenberg. Einige umliegenden Ortschaften wurden durch Landbriefträger versorgt.

Ottenstein miniatur|Frühe Poststempel von Ottenstein

Seit wann eine Postanstalt in Ottenstein (Ort mit Amtsgericht) bestanden hat, konnte nicht ermittelt werden. Im Königreich Westphalen gehörte Ottenstein im Departement der Fulda zum Distrikt Höxter im Kanton Bodenwerder. Ab 1. September 1810, mit der Einverleibung Hannovers, kam es in das Departement der Leine und gehörte zum Kanton Rinteln. Es gab hier eine Postexpedition unter dem Postexpediteur Wilke (1810–1812). Stempel aus dieser Zeit sind nicht bekannt.

Neben Briefen mit Ortsvermerk gab es den Schreibschrift-Stempel mit und ohne Rand. Zwischen 1834 und 1843 wurde handschriftlich das Datum vermerkt. 1845 gab es den Zweikreissehnenstempel, bei dem auch das Datum handschriftlich eingefügt werden sollte. 1859 kam der Zweikreisstempel mit Datum, Jahreszahl und Uhrzeit. Die Briefmarken wurden mit dem Rostrautenstempel mit der Nummer „34“ entwertet.

In den Adressbüchern (ab 1833) werden bis 1871 Postexpedienten aufgeführt. 1872 wurde die Postanstalt unter dem Postexpedienten und dann Postagenten Ludwig Beißenhirtz (1871–1893) in eine Postagentur und 1897 in eine Postverwaltung umgewandelt. Postverwalter war August Meiburg (1897–1916).

Im Circular 82 vom 13. Oktober 1862 wurde der Landbotendienst in den Bezirken der Postanstalten zu Ottenstein und Hehlen geregelt.

Hehlen (Bodenwerder) miniatur|links|Frühe Poststempel von Hehlen

Eine Postexpedition erhielt Hehlen zum 1. November 1862, Postexpedient war der Kaufmann Ludwig Zeidler (1862–1870) und Heinrich Böker, (1871).

Umgewandelt 1872 in eine Postagentur, Postagenten waren Heinrich Böker (1872–1889), Werner Böker (1890–1892), Carl Sagebiel (1893–1896) und Wilhelm Sagebiel (1897–1916). Sie verwendeten den Zweikreisstempel mit Datum, Jahr und Uhrzeit. Zur Entwertung der Postwertzeichen verwendete man den Rostrautenstempel mit der Nummer „26“ der früher in Immendorf gebraucht worden war.

Stadtoldendorf miniatur|Frühe Poststempel von Stadtoldendorf