mini|hochkant|Kul-Scharif-Moschee in Tatarstan, 2016 mini|Sultan-Ahmed-Moschee mit ihren sechs Minaretten in Istanbul mini|Moschee in Singapur mini|hochkant|Moschee von Larabanga, Ghana mini|hochkant|Aksa-Moschee in Den Haag, bis 1975 eine SynagogeIslamitische Stichting Nederland Mescidi Aksa Eine Moschee (von ) ist ein ritueller Ort des gemeinschaftlichen islamischen Gebets und darüber hinaus der politischen, rechtlichen und lebenspraktischen Wertevermittlung im Sinne des Islams sowie ein sozialer Treffpunkt.Riem Spielhaus, Alexa Färber (Hrsg.): Der Beauftragte des Senats von Berlin für Integration und Migration, Berlin 2006, ISBN 3-938352-14-0 (PDF; 2,4 MB) – Zur Moschee-Broschüre des Berliner Senatsbeauftragten Piening. Beitrag Dorothea Jung für Deutschlandfunk Kultur, „Ortszeit“ früh, 15. Dezember 2006.

Obwohl die täglichen Gebete grundsätzlich überall ausgeführt werden können, gilt es als besonders verdienstvoll, wenn sie in der Moschee verrichtet werden, weil auf diese Weise die Zugehörigkeit zur muslimischen Gemeinschaft besser zum Ausdruck gebracht wird. In verschiedenen Hadithen heißt es, dass ein Gebet in der Gemeinschaft 25 Mal so viel wert sei wie ein Gebet zu Hause. Nur das Freitagsgebet ist definitiv an die Moschee gebunden. Ohne Vollzug in der Moschee verliere dieses seine Gültigkeit.Pedersen: Masdjid. I. In the Central Islamic Lands. 1989, S. 655.

Unterschieden wird zwischen einfachen Moscheen (in der Türkei Mescit), die von Privatpersonen gestiftet wurden, und Freitagsmoscheen (, türkisch cami), die von staatlicher Seite unterhalten werden und an denen regelmäßig ein Freitagsgebet stattfindet.

Ursprünge der Moschee Das Wort „Moschee“ leitet sich vom arabischen masdschid über dessen nordafrikanische Aussprache masgid, das spanische mesquita und italienisch moschea her. Der zugrunde liegende arabische Begriff masdschid bedeutet „Ort der Niederwerfung (zum Gebet), Kultstätte“. Im Koran kommt dieser Begriff knapp 30 Mal vor, und zwar ausschließlich in spätmekkanischer und medinischer Zeit. An den meisten Stellen ist masdschid mit dem Attribut harām („heilig, verboten“) versehen (vgl. zum Beispiel Sure 2:144 und 17:1) und bezeichnet dann in der Zusammensetzung al-Masdschid al-Harām das Heiligtum in Mekka.Vgl. Watt/Welch: Der Islam I. 1980, S. 290.

Nach der Auswanderung aus Mekka nach Medina im Jahre 622 verloren die Muslime den Zugang zum Heiligtum in Mekka. Zum Gebet versammelten sie sich üblicherweise im Hof von Mohammeds Wohnhaus in Medina. Dieser Hof wird deswegen als die erste muslimische Moschee betrachtet, da mit ihm die Muslime zum ersten Mal einen eigenen Masdschid hatten. Auf der Grundlage des enormen ökonomischen Zugewinns, den die Gemeinschaft der Muslime nach dem Feldzug nach Chaibar erlebte, konnte im Jahr 628 eine erste Vergrößerung dieser Prophetenmoschee in Angriff genommen werden.Vgl. dazu Behrens, Marcel: „Ein Garten des Paradieses“. Die Prophetenmoschee von Medina. Ergon, Würzburg 2007. Schon zur Zeit des Propheten gab es andere Moscheen (masāǧid), die von ihm als religiöse Orte anerkannt wurden. Dies geht aus Sure 2:187 hervor, in der die männlichen Gläubigen aufgefordert werden, nicht ihre Frauen zu berühren, während sie sich zum Iʿtikāf in den Moscheen aufhalten.Pedersen: „Masdjid. I. In the Central Islamic Lands.“; 1989, S. 647b.

Nach dem Modell der Prophetenmoschee in Medina wurden nach der Eroberung des Vorderen Orients in allen neu gegründeten arabischen Lagerstädten Moscheen errichtet.

Personal, Verwaltung, soziale Aspekte Zwar kann das Gebet grundsätzlich jeder Muslim leiten, der volljährig ist, die Gebetsformen beherrscht und die Gebete auf Arabisch sprechen kann, doch haben viele Moscheen einen festangestellten Vorbeter (Imam). Ein festangestellter Imam muss ein rechtschaffener, in religiösen Dingen bewanderter Mann sein. In Freitagsmoscheen, die von staatlichen Stellen errichtet wurden, wird der Imam von der Regierung bestimmt; in privat gestifteten Moscheen wird er dagegen durch die Mitglieder der Moscheegemeinde festgelegt. Dem Imam steht es frei, ob er vor dem gemeinschaftlichen Gebet aus dem Koran oder aus den Hadith rezitiert und die Gemeinde im Glauben unterweist.

Freitagsmoscheen haben darüber hinaus meistens noch einen eigenen Chatīb, der die Freitagspredigt hält sowie einen Muezzin, der die Rufe zum Gebet, den Adhān und die Iqāma, verkündet.Vgl. Watt/Welch: Der Islam I. 1980, S. 294–296.

Rechtsgrundlage der Moschee ist in islamischen Ländern meistens ein Waqf. In nicht-islamischen Ländern werden Moscheen üblicherweise von Moscheevereinen betrieben. Beim Neubau von Moscheen erwerben sie das Grundstück und treten als Bauträger auf.

Moscheen haben in der islamischen Geschichte häufig als Mittel zur religiös-sozialen Identitätspflege gedient. So wurden in der Frühzeit des Islam Moscheen meist von bestimmten Stämmen unterhalten und von ihnen als allgemeine Versammlungsorte genutzt.Pedersen: „Masdjid“; S. 648b–649b. Später errichteten die Anhänger verschiedener Rechtsschulen sowie bestimmte konfessionelle Gemeinschaften wie die Schiiten separate Moscheen für die eigene Gruppe.Vgl. Najam Iftikhar Haider: The origins of the Shīʿa: identity, ritual, and sacred space in eighth-century Kūfa. Cambridge 2011, S. 231–248. Noch heute haben Moscheen sehr häufig eine bestimmte ethnonationale Ausrichtung. In manchen Ländern Westafrikas kam es im 20. Jahrhundert zwischen verschiedenen Volksgruppen, die die Hoheit über bestimmte Moscheen für sich beanspruchten, zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.Vgl. Marie Miran: Islam, histoire et modernité en Côte d’Ivoire. Karthala, Paris 2006. S. 110–115.

Bauelemente der Moschee Gebetsraum mini|Säulenhalle der Umayyaden-Moschee in Damaskus Das zentrale Element einer Moschee ist der Raum für das Gebet. In der Frühzeit des Islam bestand dieser meist nur aus einem umschlossenen Hof, dem sogenannten Sahn. Die Umayyaden-Moschee in Damaskus, die im frühen 8. Jahrhundert an der Stelle einer christlichen Kirche errichtet wurde, hatte erstmals eine Säulenhalle; andere Moscheen wie die Mezquita von Córdoba folgten. Später wurden überdachte Gebetsräume zum Standard, doch blieb ein ummauerter Hofbereich bis in die Gegenwart hinein wesentlicher Bestandteil einer Moschee. Frauen verrichten ihr Gebet meist zuhause oder in einem separaten Raum bzw. auf einer erhöhten und somit blickgeschützten Empore.

Neben den überdachten Moscheen gibt es auch offene Gebetsplätze (musallās) am Orts- oder Stadtrand. Sie werden nahezu ausschließlich beim Festgebet zum Opferfest und zum Fest des Fastenbrechens aufgesucht und bieten einer großen Menschenmenge Platz (siehe ʿĪdgāh).

Gebetsnische hochkant|mini|Gebetsnische (Mihrab) der Freitagsmoschee von Yazd (Iran) Muslime beten in Richtung der Kaaba (Zentralheiligtum in Mekka). In Räumen, die regelmäßig als Gebetsraum dienen, ist die Kennzeichnung der Gebetsrichtung (arabisch qibla) obligatorisch. Es reicht eine erkennbare Hervorhebung der sogenannten Qibla-Wand. Dies können eine Linie oder ein Pfeil, eine Inschrift oder eine Tafel mit dem Wort ‚Qibla‘, andere Inschriften und gestalterische Mittel oder auch die Gebetsnische sein, die Mihrāb genannt wird. Die Kennzeichnung der Qibla ist damit das wichtigste Element einer Moschee.

Der Mihrāb hat mehrere Funktionen. Er kennzeichnet zum einen die Qibla, zum anderen den Platz des Imams beim Gebet vor der Gruppe. Darüber hinaus hat er eine akustische Wirkung. Durch die halbrunde oder vieleckige Nischenform des Mihrab, schallen die lauten Rezitationen des Imam in den Gebetsraum zurück, sodass alle Gläubigen die Worte des Imam verstehen und dem Gebet folgen können.

Minbar mini|hochkant|Kanzel (Minbar) in der An-Nasir-Muhammad-Moschee in Kairo Die Freitagspredigt wird von einer Kanzel verlesen, die als Minbar bezeichnet wird. Das macht den Minbar in einer Freitagsmoschee zu einem unentbehrlichen Element. Der Minbar ist an der Qibla-Wand, stets rechts vom Mihrab angebracht und ist frontal über eine Treppe zu erreichen. Die Chutba wird vom Imam stehend auf der Treppe abgehalten. Der ursprüngliche, frühislamische Minbar hatte drei Stufen. Von Bedeutung ist, dass der Prophet Mohammed stets von der dritten Stufe aus predigte. Seit jeher ist die oberste Stufe des Minbar dem Propheten vorbehalten, der Imam predigt von der zweiten Stufe aus. Auch der Minbar dient der besseren Akustik und Übersicht. Die Anzahl der Stufen des Minbar richtet sich nach der Urform, sollte also mindestens drei Stufen, aber immer ein Vielfaches der Zahl drei aufweisen. Je größer die Moschee ist, desto höher sollte der Minbar sein.

Minarett hochkant|mini|Moschee in Port Fuad mit zwei Minaretten

Der erste Gebetsruf (adhān) erfolgt in der Regel von einem Minarett aus. In früheren Zeiten stieg der Gebetsrufer (muezzin) oder auch der Vorbeter (imam) selbst zu diesem Zweck auf das Minarett und rief die Gläubigen von dort aus zum Gebet. Heutzutage wird der adhān dagegen üblicherweise über Lautsprecher von den Minaretten aus übertragen, während sich der muezzin selbst in der Moschee befindet.

Minarette werden seit etwa 700 n. Chr. errichtet. Diese Tradition ging wahrscheinlich von Syrien aus, wo frühchristliche Kirchtürme oder Leuchttürme zweckentfremdet wurden. In der Frühzeit des Islam rief der Muezzin den adhan meist vom Dach der Moschee aus. Auch beim Minarett gibt es je nach Region unterschiedliche Bauformen. Es gibt auch Moscheen ohne Minarett (zum Beispiel Shah-Jahan-Moschee in Thatta, Pakistan oder die „Neun-Kuppel-Moschee“ in der Historischen Moscheenstadt Bagerhat, Bangladesch). Die Mehrzahl der Moscheen in Europa, meist sogenannte Hinterhofmoscheen, haben kein Minarett.

Dikka In einer Moschee gibt es oft eine umwehrte Empore (Dikka, in der Türkei Mahfil). Die Dikka hat folgende Funktionen: Zum einen finden in diesem Bereich die Muezzine, Imame und Herrscher ihren Platz, zum anderen wird von dort aus die Iqāma („Aufforderung zum Gebet“) in der Moschee ausgerufen oder der Koran rezitiert. Die Dikka dient also der Akustik, sodass alle Gläubigen die Gebetsaufforderung hören können. In modernen Moscheen mit Lautsprechern hat die Dikka nur noch symbolischen Charakter. Dennoch dient sie weiterhin als traditionelles Bauelement und als abgetrennter Bereich der Imame und Gelehrten. Die Dikka ist, entsprechend dem Größenverhältnis der Moschee, hinten oder mittig angelegt. Je nach Größe der Moschee ist die Dikka entweder nur wenige 30 bis 40 cm über dem Boden oder sogar drei Meter höher.

Kursī In einigen Moscheen steht ein erhöhter Predigtstuhl oder ein Lesepult bzw. mehrere Lesepulte. Diese dienen der Koranrezitation. Sie werden als Kursi bezeichnet.J. Jomier: Art. „Dikka“. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. 2, S. 276a.

Waschvorrichtungen mini|Şadırvan der Ayasofya (Hagia Sophia) von 1740 Vor dem Gebet muss fast immer eine rituelle Waschung (Wudū') vollzogen werden. Oft ist der Moschee zu diesem Zweck ein Hof oder Garten mit Brunnen oder Weiher angegliedert. Oder im Zugangsbereich sind Fußwaschbecken installiert. In der osmanischen Architektur entwickelte sich die Tradition der Şadırvan-Brunnen. Diese wurden aufwändig gestaltet.

Angeschlossene Räumlichkeiten Angeschlossene Räumlichkeiten und Nebengebäude können auch ein Ort für Unterricht und Gespräche oder für Geschäfte, Reisebüros usw. sowie Veranstaltungsort für das Feiern gesellschaftlicher Anlässe sein. An die Moschee kann auch eine Madrasa angeschlossen sein. Es können dem Hauptbau weitere Bauten angeschlossen sein, so dass ein Komplex entsteht, der das soziale, kulturelle, religiöse und politische Leben einer islamischen Gemeinde bestimmt.

Manche Moscheen sind im Zusammenhang mit einem Grabmausoleum errichtet worden, das ist dann eine Grabmoschee.

Regeln für die Moschee Sauberkeit