Der Gnadauer Posaunenbund ist ein Zusammenschluss von vierzehn (2012) Landesverbänden, die evangelische Gemeinschaftsposaunenchöre betreuen und mit weiteren 29 Bläserwerken im EPiD, dem Evangelischen Posaunendienst in Deutschland, zu einer Vereinigung von 120.000 Bläsern in Deutschland zusammengefasst sind.
Leitbild Grundlage des Verbandes sind die christlichen Grundwerte. Mit ihrer Musik wollen die Bläser Menschen auf Jesus Christus aufmerksam machen und die Herrliche Botschaft in die Welt hinein blasen. Nach ihrem Verständnis passt sich die Posaunenmusik dabei dem modernen Menschen und der heutigen Zeit an. mini|Bundesposaunenfest 10. Oktober 2004 Dresden
Aufgaben Der gemeinnützige Verein hat die Aufgabe, die angeschlossenen Landesverbände geistlich zu rüsten, musikalisch (z. B. in Form von Chorleiterschulungen oder Jungbläserfreizeiten) zu fördern und bei der Organisation von Veranstaltungen zu unterstützen. Weiterhin bietet er einen Notenservice, eine Instrumentenbörse und organisiert jährlich stattfindende Hauptversammlungen und alle fünf Jahre das Bundesposaunenfest. Die Arbeit wird ehrenamtlich geleistet. Die Mitglieder erhalten die vierteljährliche Verbandszeitschrift: bläserruf.
Name Die Wurzeln des Verbandes liegen in der Gnadauer Gemeinschaftsbewegung. 1888 fand die erste Pfingstkonferenz der Gemeinschaftsbewegung in Gnadau statt, weil dieser Ort eine Herrnhuter Siedlung besaß. Dieser Name hat sich dann auf die Gemeinschaftsbewegung und der damit verbundenen Organisationen übertragen.
Geschichte Vorgeschichte Bereits 1725 gründete Nikolaus Ludwig in Zinzendorf erste Posaunenchöre. Während des Deutsch-Französischen Krieges in den Jahren 1870 und 1871 fand ein Feldgottesdienst in Zeiskam statt. Eine Militärkapelle blies dabei Choräle, die eigentlich zu singen waren. Das gefiel den Anwesenden, und der dort wirkende Prediger Adam Ewald aus Chrischona gründete am 19. November 1885 in Zeiskam (Pfalz) den ersten Posaunenchorverein Deutschlands. In der Gründungsurkunde steht u. a.: § 1 Jedes Mitglied des Chores verpflichtet sich: ... f) das Instrument nie für Tanzmusik zu gebrauchen. Die transponierende Notation orientierte sich an der Militärmusik. Erst 1923 wurde auf die klingende Notation nach Johannes Kuhlo umgestellt. Es gab keine Notenpulte, die handschriftlichen Noten wurden durch Bläser-Anwärter gehalten und nach Gehör korrigiert. Für Johannes Kuhlo war die Bläser- und Posaunenchorarbeit ein Teil der kirchlichen Jugendarbeit und Jungmännerarbeit.
1933 bis 1945 Die politische Gleichschaltung und das Reichskulturkammergesetzes vom 22. September 1933 zwang die einzelnen Posaunenchöre, sich in einer Körperschaft zu organisieren, um mit dem nationalsozialistischen Staat zusammenzuarbeiten. Posaunenchöre, die sich nicht organisierten, verloren das Recht auf jedes öffentliche Wirken, wozu auch das Blasen im Gemeinschaftslokal zählte. So gründeten am 8. Mai 1934 Fritz Bachmann (* 3. Oktober 1900; † 11. August 1961) von der Evangelischen Posaunenmission Deutschlands, Johannes Kuhlo, Kantor Adolf Strube vom Reichsverband für evangelische Kirchenmusik, Oberlandeskirchenrat Adolf Müller aus Dresden und der Diakon Otto Redlitz den Verband evangelischer Posaunenchöre, V.E.P. Fritz Bachmann wurde zum Reichsobmann gewählt. Doch ohne Beitritt zur Reichsmusikkammer war ein Überleben des Verbandes unmöglich. Der Gnadauer Bund unter seinem Vorsitzenden Pastor Walter Michaelis übertrug die Aufgabe der Zusammenfassung und Geschäftsleitung der Gemeinschaftposaunenchöre an Willi Hennes, dem Bundeswart des Gnadauer Evangelischen Sängerbundes, ESB. Das Ergebnis war die Gründung des Gemeinschafts Posaunenbundes, Gnadauer Verband. Am 8. Juni 1934 trat der neu gegründete Gnadauer Posaunenbund der Reichsmusikkammer bei. Eine Sondervereinbarung in diesem Vertrag garantierte den Chören ihre Selbständigkeit.
1945 bis 1989 mini|Die Initiatoren des Bundes nach 1945, (von links): Gerhard Borchers, Walter Mackscheidt, Hermann Mink, Friedrich Haase am 24. Mai 1963 im Waldheim am Brahmsee Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich Ost und West getrennt. 1948 wurde in der DDR vom Landesinspektor des sächsischen Gemeinschaftswerkes, Bruder Arthur Mütze aus Chemnitz, Oskar Bosse (* 1. März 1893; † 19. November 1979) beauftragt, den danieder liegenden Posaunendienst neu aufzubauen. Der Gnadauer Verband Ost gliederte sich in der DDR in fünf Gemeinschaftsbezirke: Mecklenburg, Berlin-Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Aufgrund des permanenten Notenmangels gewann Oskar Bosse die Komponisten Horst Karl Hessel und Johannes Brunner, den Kirchenmusiker Herbert Gadsch, Johannes Petzold, Paul Geilsdörfer und Leopold Hassenkamp, neues Liedgut in ansprechenden Bläsersätzen für die Posaunenchöre aufzuarbeiten. So entstanden die drei Bände Mit hellen Posaunen (HP), welche auch in westdeutschen Chören unter der Abkürzung MhP verbreitet und beliebt waren. In Westdeutschland war die Entwicklung Anfang der 1950er Jahre ebenfalls schwierig. Auf der Vorstandssitzung vom 22. bis 26. Februar 1954 wurde der Prediger Friedrich Haase aus Gießen zum Ersten Vorsitzenden gewählt und es wurde das Liederwerk Alles durch Jesus herausgegeben. Geprägt wurde die Entwicklung durch das Wirken von Horst Wilm, der 1965 das Amt des Bundesposaunenwartes übernahm und neben seiner beruflichen Tätigkeit als Posaunist der Bamberger Symphoniker bis 1990 viele Chöre besuchte, Schulungen und Freizeiten abhielt. 1990 hatte der GPB-West 151 Chöre.
Seit 1991 1991 erfolgte die Wiedervereinigung beider Landesteile Deutschlands durch einen offiziellen Beitritt der sechs mitteldeutschen Landesverbände. Der Bund gab 2002 eine DVD über die Geschichte des Gnadauer Posaunenbundes für den internen Gebrauch in Auftrag, welche wie folgt endet: Gott loben, das ist unser Amt. (EG 288,5)
mini|300px|Organisation des Bundes
Logo Nach der Interpretation des Predigers Siegfried Wahls aus Bad Oeynhausen geht das GPB-Logo auf den Vorschlag des Leipziger Grafikers Matthias Klemm zurück und wurde am 31. März von der Jahreshauptversammlung 1993 in Woltersdorf angenommen. Es stellt einen Kreis mit zwei Ohren und sich kreuzenden Linien in den Farben Rot, Blau und Weiß dar. Der Kreis symbolisiert den runden Schalltrichter der Instrumente und steht für die Dienstgruppen der christlichen Gemeinden, wie Bibel-, Haus-, Jugend- und Bläserkreise. Das eine „Ohr“ – dem Stimmzug einer Posaune nachempfunden – nach rechts oben zeigend, soll an (1. Buch Samuel 3:9) erinnern: Rede, Herr, dein Knecht hört! Das nach links unten weisende „Ohr“ (das einem Posaunenzug ähnelt) steht für den Missionsbefehl Jesu Christi im (Evangelium nach Matthäus 28: 16 ff.). Die Farbe Rot steht für das Sterben Jesu Christi am Kreuz und die damit verbundene Erlösung (Epheser 1:7). Blau steht für das Gottes-Geschenk (1. Brief des Petrus 1:3) und (Brief des Paulus an die Römer 12:12). Weiß steht für das Geheimnis des Lebens (1. Brief des Johannes 1:14) und (Jesaja 40:5).
Entwicklung der Verbände und Mitglieder Jahr Deutsche Landesverbände Internationale Landesverbände Anzahl der Chöre Anzahl der Bläser 1935 9 284 2803 1984 9 1 (Brasilien) 159 1814 2000 14 1 (Brasilien) 233 2758 2001 14 1 (Brasilien) 228 2673 2009 14 1 (Brasilien) 205 2475 2010 14 1 (Brasilien) 203 2400 2011 14 1 (Brasilien) 194 2243 2012 13 1 (Brasilien) 189 2169 2017 13 1 (Brasilien) 163 1685
Organe Organe des GPB sind die Hauptversammlung, der Vorstand und der erweiterte Vorstand. Geschäftsführer und Kassenwart in Personalunion ist Marcus Liebmann.
1. Vorsitzende Zeitraum Erste Vorsitzende Ort 1934–1954 Willi Hennes Wuppertal 1954–1961 Friedrich Haase Gießen 1961–1969 Prediger Gerhard Borchers (* 16. April 1904) Landau in der Pfalz 1969–1975 Prediger Christian Hermann (* 1. Januar 1934) Grünstadt 1975–1976 Gerhard Nickel Hofheim (Lampertheim) 1976–1983 Architekt Jakob Albrecht Heinebach 1983–1992 Prediger Friedrich Reichwald Bad Hersfeld 1992–2000 Prediger Werner Weiser Kölleda 2000–2012 Uwe Andreas Ritschermoor seit 2012 Hartmut Reichwald Bielefeld seit 2024 Ralf Jörg Pohlmann Schenefeld (Kreis Steinburg)
Landesverbände Ein Landesverband besteht dann, wenn er mehrere Chöre in einer klar begrenzten Region betreut. Jeder Landesverband, der die Satzung des GPB anerkennt, kann ordentliches Mitglied werden. Ein Höhepunkt der Arbeit der Landesverbände sind die zum Teil jährlich stattfindenden Landesposaunenfeste in den Ländern. Es gibt folgende Landesverbände:
Landesverband Bayern Der zweitgrößte Landesverband gehört seit 1974 zum GPB. Er besteht aus fünfzehn Chören mit 174 Bläsern. Der Großteil der Chöre ist im Raum Franken anzutreffen, weil dort bis 1999 der ehemalige Bundesposaunenwart Horst Wilm wirkte. Chöre gibt es in Altfeld, Aschaffenburg, Colmberg, Feuchtwangen, Gunzenhausen, Helmbrechts, Hof (Saale), Kerkhofen-Hofen, Lauf (Zapfendorf), Marktredwitz, Sachsen, Schwabach-Katzwang, Schwarzenbach am Wald, Wasserberndorf und Wassertrüdingen.
Landesverband Baden-Württemberg Die Ursprünge dieses Landesverbandes liegen im Brenztal, in Sontheim. Im Oktober 1978 trat der dortige Posaunenchor der Evangelischen Chrischona-Gemeinde, dem Gnadauer Posaunenbund bei. 1970 wurde der Landesverband gegründet. 2008 gehörten vierundzwanzig Bläser dem Chor an, bzw. wurden ca. einhundert Jungbläser ausgebildet. Posaunen-Chöre gibt es in Eichstetten, Schopfloch (Schwarzwald), Reutlingen, Ehningen, Sontheim an der Brenz, Urbach (Remstal), Konstanz und Dagersheim. Der Landesverband besteht aus acht Chören und 109 Bläsern.
Landesverband Berlin-Brandenburg Der Landesverband wurde 1984 in West-Berlin mit fünf Posaunenchören und einundvierzig Bläsern gegründet. Am 10. Februar 1991 vereinigten sich die Chöre von West-Berlin zum neuen Landesverband Berlin-Brandenburg. Insgesamt gehören elf Posaunenchöre mit 89 Bläsern zum Verband.
Landesverband Brasilien 1927 wurde der Posaunenchor Missão Evangélica União Cristã in Brasilien gegründet. Diese bliesen auch weltliche Musik. 1934 brachten Missionare der Gnadauer Brasilien-Mission das Reichsliederbuch (Posaunenausgabe) ins Land und gründeten den Landesverband. 1971 wurde ein Posaunentag mit 60 Bläsern durchgeführt.
Landesverband Hessen Im Bereich des Landesverbandes hat es bereits um die Jahrhundertwende des 18. zum 19. Jahrhundert Posaunenchöre gegeben, welche während der Erweckungsbewegung im Hanauer Land, in Hersfeld und im Umkreis von Kassel entstanden. 1893 wurde der älteste Chor in Herlinghausen gegründet. 1907 wurde der Posaunenchor Erdmannrode gegründet. Nach 1945 nahm die Posaunenarbeit zu. Es mangelte an Notenmaterial. So entstand der Wunsch nach einem Zusammenschluss der Chöre, um die raren Ressourcen besser bündeln zu können. Der Landesverband Hessen wurde 1951 in Kassel gegründet und zum ersten Obmann Prediger Edmund Lieske gewählt. Klar definierte Satzungen des Landesverbandes: Anregungen zu geben, Schulungskurse zu veranlassen, für geeignetes Notenmaterial zu sorgen und einzusetzen, sowie durch Veranstaltung von Posaunenfesten das Werk zu fördern. verursachten eine Aufbruchstimmung und erweckte mit den aktiven Landesverbänden Pfalz und Nordmark die Bundesposaunenarbeit im Nachkriegs-Westdeutschland zu neuem Leben. Die ersten Landesposaunenfeste waren am 8. Juni 1952 in Sterbfritz und am 22. Mai in Schlitz (Vogelsbergkreis). Der Landesverband besteht aus fünfzehn Chören und 178 Bläsern.
Landesverband Mecklenburg Der Landesverband besteht seit 1991. Zum Landesverband gehören sechs Chöre und 42 Bläsern.
Landesverband Niedersachsen Der Landesverband Niedersachsen wurde am 16. November 1968 mit acht Chören und 69 Bläsern in Hildesheim gegründet. Erster Vorsitzender wurde Werner Rußmann, welcher das Amt bis 1976 innehatte. Zum Landesverband gehören zwölf Chöre und 113 Bläser. mini|Posaunenfest Kiel 29. August 1926
Landesverband Nordmark